Der Parkinson-Tremor ist eines der bekanntesten Symptome der Parkinson-Krankheit und wird oft als das typische Muskelzittern im Ruhezustand wahrgenommen. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über den Parkinson-Tremor, seine Unterscheidung von anderen Tremorarten, Diagnosemethoden und aktuelle Therapieansätze.
Einführung in den Tremor
Tremor, allgemein als Zittern bekannt, ist eine unwillkürliche, rhythmische, oszillatorische Bewegung eines Körperteils. Es gibt verschiedene Arten von Tremor, die sich in ihren Ursachen, Symptomen und Behandlungsansätzen unterscheiden. Die Unterscheidung zwischen Ruhetremor, Halte- und Aktionstremor sowie Intentionstremor ist entscheidend für die Diagnose des spezifischen Tremor-Syndroms.
Klassifikation von Tremorerkrankungen
Tremorerkrankungen werden nach einem Konsensuspapier von Experten wie folgt klassifiziert:
- Physiologischer Tremor
- Verstärkt physiologischer Tremor
- Essentieller Tremor
- Parkinson-Tremor
- Orthostatischer Tremor
- Aufgaben- oder positionsspezifischer Tremor
- Dystoner Tremor
- Zerebellärer Tremor
- Holmes Tremor
- Gaumensegeltremor
- Tremor bei Neuropathie
- Medikamenteninduzierter und toxischer Tremor
- Psychogener Tremor
- Unklassifizierbarer Tremor
Parkinson-Tremor im Detail
Symptome
Der Parkinson-Tremor ist ein Ruhetremor, der typischerweise bei einer Frequenz von 4-6 Hz auftritt. Er manifestiert sich, wenn die betroffenen Körperteile, wie Hände oder Beine, in Ruhe sind. Das Zittern kann sich bei Anspannung oder emotionalem Stress verstärken und wird oft als "Pillendreher"-Bewegung beschrieben, bei der Daumen und Finger sich rhythmisch aneinander reiben, als ob sie eine kleine Pille formen würden.
Ursachen
Der Parkinson-Tremor wird durch den Verlust von dopaminproduzierenden Nervenzellen in der Substantia Nigra verursacht, einem Bereich im Mittelhirn, der für die Steuerung der Bewegung verantwortlich ist. Dieser Dopaminmangel führt zu einer Störung der Signalübertragung in den Basalganglien, was wiederum das Zittern auslöst.
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Unterscheidung vom essentiellen Tremor
Es ist wichtig, den Parkinson-Tremor vom essentiellen Tremor zu unterscheiden, da beide unterschiedliche Ursachen und Behandlungsansätze haben. Der essentielle Tremor ist ein Aktionstremor, der bei zielgerichteten Bewegungen auftritt, während der Parkinson-Tremor ein Ruhetremor ist, der bei Bewegung oft nachlässt.
Rhythmisches Zittern an den Händen bei gezielten Bewegungen ist ein typisches Anzeichen für den Essentiellen Tremor. Der Tremor tritt vor allem bei zielgerichteten Bewegungen auf, z. B. beim Schreiben oder Halten einer Tasse.
Diagnose
Die Diagnose des Parkinson-Tremors basiert auf einer gründlichen neurologischen Untersuchung, bei der der Arzt die Art des Tremors, seine Frequenz und Amplitude sowie andere neurologische Symptome beurteilt. Bildgebende Verfahren wie der DaTSCAN können eingesetzt werden, um den Dopaminmangel im Gehirn zu bestätigen.
Die Diagnose erfolgt durch eine eingehende körperliche Untersuchung, einen L-Dopa-Test und bildgebende Verfahren (MRT, DaTSCAN, MIBG-Szintigrafie).
Therapie
Obwohl Morbus Parkinson bislang nicht heilbar ist, gibt es verschiedene Therapieansätze, die darauf abzielen, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.
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Medikamentöse Therapie
Die medikamentöse Behandlung des Parkinson-Tremors umfasst in der Regel die Gabe von Levodopa, einer Vorstufe von Dopamin, die im Gehirn in Dopamin umgewandelt wird. Dopaminagonisten können ebenfalls eingesetzt werden, um die Wirkung von Dopamin zu verstärken. In einigen Fällen können Anticholinergika oder Amantadin helfen, den Tremor zu reduzieren.
Tiefe Hirnstimulation (THS)
Bei Patienten, bei denen die medikamentöse Therapie nicht ausreichend wirksam ist, kann die tiefe Hirnstimulation in Betracht gezogen werden. Bei diesem Verfahren werden Elektroden in bestimmte Bereiche des Gehirns implantiert, um die neuronalen Schaltkreise zu modulieren, die für den Tremor verantwortlich sind.
Ergänzende Therapien
Zusätzlich zur medikamentösen Therapie und THS können verschiedene ergänzende Therapien helfen, die Symptome des Parkinson-Tremors zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern. Dazu gehören Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie und psychologische Unterstützung.
Andere Tremorarten
Essentieller Tremor
Der Essentielle Tremor ist eine der häufigsten Bewegungsstörungen. Meist beginnt er in den Armen oder Händen und nimmt über Jahre langsam zu. Die Erkrankung ist nicht lebensbedrohlich, kann aber den Alltag stark beeinträchtigen. Der Tremor kann je nach Lebenssituation sehr unterschiedlich belasten. Neben den motorischen Einschränkungen spielt die soziale Stigmatisierung eine Rolle.
Die Symptome schreiten meist über viele Jahre fort. Je älter der Patient beim Auftreten der ersten Symptome ist, desto schneller kann sich die Erkrankung verschlechtern. Nicht jeder Patient benötigt eine Therapie. Häufig helfen Betablocker oder Antiepileptika. In schweren Fällen kommen Verfahren wie tiefe Hirnstimulation oder fokussierter Ultraschall zum Einsatz.
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Verstärkt physiologischer Tremor
Der verstärkt physiologische Tremor oder auch gesteigerte physiologische Tremor ist im Gegensatz zum physiologischen Tremor meist sichtbar und situativ oder dauerhaft störend. Unter Haltebedingungen zeigt sich in der Tremoranalyse ein fein- bis mittelschlägiger, hochfrequenter (7-12 Hz) Tremor, der neben der mechanischen Komponente (siehe oben: physiologischer Tremor) häufig eine synchrone Aktivität der Muskulatur aufweist. Jeder Mensch kennt das - das Zittern der Hände. Ausgelöst wird das Zittern beispielsweise durch Kaffee, Angst oder Aufregung. Andere häufige Ursachen sind Erschöpfung, Stress, Kälte, Überfunktion der Schilddrüse, Unterzuckerung und andere Stoffwechselstörungen.
Orthostatischer Tremor
Der orthostatische Tremor ist ein nicht-sichtbarer, hochfrequenter Tremor (12-20 Hz), der bei Anspannung der Beinmuskulatur im Stehen zu einer deutlichen Standunsicherheit führt. Das Gehen ist in der Regel deutlich weniger beeinträchtigt.
Dystoner Tremor
Beim dystonen Tremor handelt es sich um einen irregulären Tremor um 3-7 Hz, der durch die Anspannung der gegensätzlichen (antagonistischen) Muskulatur bei Vorliegen einer Dystonie zustande kommt. Beispiele hierfür sind der dystone Kopftremor, der dystone Schreibtremor oder der dystone Stimmtremor.
Zerebellärer Tremor
Der zerebelläre Bewegungs- und Intentionstremor ist durch eine große Amplitude und langsame Frequenz (2-5 Hz) charakterisiert, der im Alltag zu einer deutlichen Behinderung führt. Er kann sich als Rumpf- oder Extremitätentremor manifestieren. Häufig ist er mit einer zerebellären Ataxie assoziiert.
Holmes Tremor
Unter Holmes Tremor versteht man einen symptomatischen Ruhe-, Halte- und Intentionstremor mit hoher Amplitude und geringer Frequenz nach Schädigung im Übergang vom Hirnstamm zum Mittelhirn. Der Tremor tritt meist mit einer Latenz von mehreren Monaten zum schädigenden Ereignis auf.
Gaumensegeltremor (palataler Tremor)
Der Gaumensegeltremor lässt sich in einen primären (d.h. die Ursache ist nicht bekannt) und einen sekundären (d.h. symptomatischen) Tremor einteilen. Während ersterer spontan auftritt und meist durch ein Klickgeräusch im Ohr den Patienten stört, sonst aber wenig Krankheitswert besitzt, führt der sekundäre Gaumensegeltremor meist nicht zu diesem Klickgeräusch, kann aber über Beteiligung umgebender Muskelgruppen (Mundboden, Kehlkopf etc.) zu Schluckstörungen und Sprechstörungen führen.
Tremor bei Neuropathie (neuropathischer Tremor)
Beim Tremor bei Neuropathie handelt es sich um einen zentral generierten Tremor, der in Kombination mit einer meist demyelinisierenden Neuropathie in Erscheinung tritt. Der Schweregrad der Neuropathie muss dabei nicht mit dem Schweregrad des Tremors korrelieren.
Forschung und Ausblick
Die Tremor-Forschung, wie sie beispielsweise an der Neurologischen Universitätsklinik Freiburg betrieben wird, konzentriert sich auf die Identifizierung der neuronalen Netzwerke, die für die Entstehung von Tremor verantwortlich sind. Ein besseres Verständnis dieser Mechanismen könnte zu neuen und gezielteren Therapieansätzen führen.
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