Glioblastom: Aktuelle Behandlungsmöglichkeiten und innovative Therapieansätze

Glioblastome sind aggressive Hirntumoren, die eine erhebliche therapeutische Herausforderung darstellen. Trotz Fortschritten in der medizinischen Forschung bleibt die Prognose für Patienten mit Glioblastom ungünstig. Dieser Artikel beleuchtet die aktuellen Behandlungsmöglichkeiten und gibt einen Einblick in vielversprechende innovative Therapieansätze.

Einführung

Das Glioblastom, auch Astrozytom WHO-Grad IV genannt, ist der häufigste primäre Hirntumor bei Erwachsenen. Jährlich erkranken etwa 3 von 100.000 Menschen daran. Männer sind häufiger betroffen als Frauen, und der Altersgipfel liegt zwischen dem 70. und 85. Lebensjahr. Glioblastome entstehen meist spontan, ohne bekannte Präventions- oder Früherkennungsmaßnahmen.

Symptome und Diagnose

Glioblastome wachsen infiltrativ und können wichtige Hirnareale beeinträchtigen, was zu neurologischen Symptomen führt. Häufige Symptome sind:

  • Hemiparesen oder Sensibilitätsstörungen (50-60 %)
  • Epileptische Anfälle (20 %)
  • Neurokognitive Störungen (20-30 %)
  • Leistungsabfall

Die Diagnose erfolgt in der Regel durch eine Magnetresonanztomographie (MRT) des Neurokraniums mit Kontrastmittel. Ergänzend kann eine Positronenemissionstomographie (PET) mit radioaktiv markierten Aminosäuren wie 18F-Fluorethyltyrosin (18F-FET) oder 11C-Methionin (11C-MET) hilfreich sein, um zwischen Tumorprogression und therapieassoziierten Veränderungen zu unterscheiden.

Standardtherapie

Die Standardtherapie für Glioblastome umfasst in der Regel eine Kombination aus Operation, Strahlentherapie und Chemotherapie.

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Chirurgische Resektion

Das Ziel der Operation ist es, den Tumor möglichst vollständig zu entfernen, um die Überlebenszeit zu verlängern. Eine supramaximale Resektion (vollständige Entfernung des KM-aufnehmenden Tumoranteils und ≤ 5 cm³ nicht-KM-aufnehmende Resttumoranteile) oder die maximal sichere Resektion des KM-aufnehmenden Tumoranteils (≤ 1 cm³ KM-aufnehmender Resttumor) wird angestrebt. Moderne Techniken wie die Neuronavigation und die Fluoreszenz-gestützte Operation mit 5-Aminolävulinsäure (5-ALA) unterstützen den Chirurgen dabei, den Tumor präzise zu entfernen und das umliegende gesunde Gewebe zu schonen.

Strahlentherapie

Nach der Operation folgt eine Strahlentherapie, um verbliebene Tumorzellen abzutöten. Die Strahlentherapie erfolgt meist über einen Zeitraum von sechs Wochen mit täglichen Fraktionen. Bei älteren Patienten kann auch eine hypofraktionierte Bestrahlung mit höheren Dosen in weniger Sitzungen erwogen werden.

Chemotherapie

Die Chemotherapie mit Temozolomid ist ein wichtiger Bestandteil der Standardtherapie. Temozolomid ist ein alkylierendes Zytostatikum, das die DNA-Replikation der Tumorzellen stört. Es wird in der Regel während der Strahlentherapie und anschließend als Erhaltungstherapie eingesetzt. Der Methylierungsstatus des MGMT-Genpromotors ist ein wichtiger prognostischer Faktor. Patienten mit einem methylierten MGMT-Genpromotor sprechen in der Regel besser auf Temozolomid an.

Innovative Therapieansätze

Trotz der Standardtherapie kommt es bei Glioblastomen häufig zu Rezidiven. Daher werden kontinuierlich neue Therapieansätze erforscht, um die Prognose der Patienten zu verbessern.

Tumor Treating Fields (TTFields)

TTFields sind eine physikalische Therapie, bei der elektrische Wechselfelder eingesetzt werden, um die Zellteilung der Tumorzellen zu stören. Die Therapie wird mit einer tragbaren Haube durchgeführt, die mindestens 18 Stunden pro Tag getragen werden muss. Studien haben gezeigt, dass TTFields in Kombination mit Temozolomid die Überlebenszeit von Glioblastompatienten verlängern können.

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Immuntherapie

Die Immuntherapie zielt darauf ab, das körpereigene Immunsystem zu aktivieren, um die Tumorzellen zu bekämpfen. Verschiedene Immuntherapieansätze werden derzeit in klinischen Studien untersucht, darunter:

  • Checkpoint-Inhibitoren: Diese Medikamente blockieren bestimmte Proteine, die das Immunsystem daran hindern, Tumorzellen anzugreifen.
  • Zelluläre Immuntherapie: Bei dieser Therapie werden patienteneigene Immunzellen gentechnisch verändert, um Tumorzellen gezielt zu erkennen und abzutöten. Ein vielversprechender Ansatz ist die Entwicklung von T-Zellen, die gegen das Protein PTPRZ1 gerichtet sind, das in Glioblastomzellen vermehrt vorkommt.
  • Impfungen: Tumorimpfstoffe sollen das Immunsystem dazu anregen, Tumorzellen zu erkennen und zu zerstören.

Erweiterte molekulare Diagnostik und personalisierte Therapie

Die erweiterte molekulare Diagnostik ermöglicht es, spezifische genetische Veränderungen in den Tumorzellen zu identifizieren. Diese Informationen können genutzt werden, um eine personalisierte Therapie zu entwickeln, die auf die individuellen Eigenschaften des Tumors zugeschnitten ist. In Deutschland bieten die Zentren für Personalisierte Medizin (ZPM) eine solche erweiterte molekulare Diagnostik und Therapieempfehlung an.

Radiopharmazeutische theranostische Arzneistoffe

Im Rahmen des Projekts GLIOTAR wird ein neues Behandlungskonzept entwickelt, bei dem radioaktive Substanzen (Radioliganden) gezielt an Glioblastomzellen andocken und diese zerstören sollen. Dieses theranostische Konzept ermöglicht es, die Strahlung primär im Tumor wirken zu lassen und Nebenwirkungen zu minimieren.

Behandlung im Rezidivfall

Bei einem Rezidiv des Glioblastoms gibt es verschiedene Behandlungsoptionen, die individuell auf den Patienten abgestimmt werden müssen. Dazu gehören:

  • Erneute Operation
  • Erneute Strahlentherapie
  • Chemotherapie mit Temozolomid oder Lomustin
  • Therapie mit Bevacizumab (in Deutschland nur bei Strahlennekrose zugelassen)
  • Teilnahme an klinischen Studien mit neuen Substanzen

Supportive Therapie

Neben der spezifischen Tumortherapie ist die supportive Therapie ein wichtiger Bestandteil der Behandlung von Glioblastompatienten. Sie umfasst Maßnahmen zur Linderung von Symptomen, zur Verbesserung der Lebensqualität und zur Unterstützung der Patienten und ihrer Familien. Dazu gehören:

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  • Schmerztherapie
  • Behandlung von neurologischen Ausfällen
  • Ernährungsberatung
  • Psychoonkologische Betreuung
  • Sozialdienstliche Beratung

Bedeutung der interdisziplinären Zusammenarbeit

Die Behandlung von Glioblastompatienten erfordert eine enge Zusammenarbeit verschiedener Fachdisziplinen, darunter Neurochirurgie, Neurologie, Onkologie, Strahlentherapie, Pathologie, Radiologie und Neuropsychologie. In neuroonkologischen Tumorboards werden die Befunde aller beteiligten Ärzte diskutiert und eine gemeinsame Therapieempfehlung ausgesprochen. Die Behandlung in einem zertifizierten neuroonkologischen Zentrum kann zu einem statistisch signifikanten Überlebensvorteil führen.

Klinische Studien

Die Teilnahme an klinischen Studien bietet Patienten die Möglichkeit, von innovativen Behandlungsverfahren zu profitieren und zur Weiterentwicklung der Glioblastomtherapie beizutragen. Patienten sollten sich bei ihrem behandelnden Arzt nach geeigneten Studien erkundigen.

Leben mit der Erkrankung

Die Diagnose Glioblastom stellt für die Betroffenen und ihre Angehörigen eine immense Belastung dar. Es ist wichtig, sich frühzeitig professionelle Unterstützung zu suchen, um mit den körperlichen und psychischen Folgen der Erkrankung umzugehen. Psychoonkologische Betreuung, Selbsthilfegruppen und der Austausch mit anderen Betroffenen können helfen, die Lebensqualität zu verbessern und neue Perspektiven zu gewinnen.

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