Pestwurz (Petadolex) bei Migräne: Wirkung, Anwendung und Aktuelles

Die Pestwurz (Petasites hybridus L.) ist eine in Europa heimische Heilpflanze, die bereits seit der Antike für ihre schmerzstillenden, entzündungshemmenden und krampflösenden Eigenschaften geschätzt wird. Besonders in der Migräneprophylaxe hat sich Pestwurzextrakt als wirksam erwiesen. Dieser Artikel beleuchtet die Wirkung von Pestwurz bzw. Petadolex bei Migräne, geht auf die Anwendung und Studien ein und gibt einen Überblick über den aktuellen Stand.

Was ist Pestwurz?

Die Pestwurz (Petasites hybridus) gehört zur Familie der Korbblütler (Asteraceae). Ihr Name stammt vermutlich aus dem Mittelalter, als sie wegen ihrer schweißtreibenden Wirkung zur Behandlung der Pest eingesetzt wurde. Historisch wurde sie auch bei Magen-Darm-Krämpfen und Asthma verwendet. Die Pflanze bevorzugt lehmig-feuchte Standorte, insbesondere Uferbereiche von Gewässern. Auffällig sind die blass-rosa Blütenstände im Frühjahr, die vor den großen, rundlichen Blättern erscheinen.

Inhaltsstoffe und Wirkungsweise

Ein wirksamkeitsbestimmender Inhaltsstoff der Pestwurz ist das Petasin. Die Inhaltsstoffe der Pestwurz bewirken krampflösende, schmerzstillende und vegetativ regulierende Effekte. Die Hauptwirkstoffe sind Terpene und Sesquiterpen-artige Kohlenwasserstoffe, Petasiten, Humulene, ätherisches Öl und Beta-Sitosterol.

Man vermutet, dass die Inhaltsstoffe des Pestwurz-Extrakts an bestimmten Zellmembran-Rezeptoren, bestimmten Kalziumkanälen, intrazellulären Botenstoffen und der endogenen Prostaglandin-Synthese angreifen. Der Pestwurz-Extrakt wirkt spasmolytisch auf glatte Muskelzellen.

Anwendung bei Migräne

Pestwurz-Extrakt ist Therapiestandard in der prophylaktischen Migränetherapie. Nach Bewertung der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) sollte eine Migränevorbeugung durchgeführt werden, wenn die Schmerzattacken öfter als dreimal pro Monat auftreten, lange andauern oder die Akuttherapie nicht ausreichend anspricht. Ziel der vorbeugenden Behandlung über mehrere Monate ist es, die Anfallshäufigkeit dauerhaft zu senken.

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Studienergebnisse zur Wirksamkeit

Pestwurz-Extrakt hat von allen pflanzlichen Mitteln die höchste Evidenzstufe bekommen. Diese Bewertung basiert auf zwei großen klinischen Studien mit eindeutig positivem Ergebnis sowie offenen Studien (u.a. auch bei Kindern).

Die Studienergebnisse zeigen, dass sich unter Pestwurz-Behandlung die Migräneanfälle im Durchschnitt bei Erwachsenen um 58 Prozent reduzieren lassen, bei Kindern sogar um 63 Prozent. In einer klinischen Studie konnte gezeigt werden, dass unter der Gabe von Petadolex® die Anzahl und Schmerzintensität der Migräneattacken im Vergleich zu Plazebo statistisch signifikant reduziert werden. Mit einer Reduktion der Attacken um durchschnittlich 56 Prozent ist der Effekt des Phytotherapeutikums mit den klassischen Migräneprophylaktika voll vergleichbar.

Eine weitere Studie untersuchte die Wirksamkeit von Pestwurz-Extrakt bei Kindern und Jugendlichen. Es wurde festgestellt, dass Pestwurz-Extrakt auch in dieser Altersgruppe wirksam und gut verträglich ist.

Dosierung und Einnahme

Eine Kapsel enthält 25 mg standardisierten Wurzelextrakt von Petasites hybridus. Im Allgemeinen wird empfohlen, den Pestwurzextrakt über 4-6 Monate einzunehmen, mitunter auch noch länger.

Petadolex: Ein spezieller Pestwurz-Extrakt

Petadolex® ist ein Pestwurz-Extrakt, der lange Zeit in Deutschland zur Migräneprophylaxe verfügbar war. Die Anpassung des Auszugsmittels vor 20 Jahren an den Stand der Technik (von Dichlormethan auf CO2) hat zur formalen Versagung der Nachzulassung durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) geführt. Die Wirksamkeit und ausgezeichnete Verträglichkeit von Pestwurz-Extrakt (lat. Petasites) sind aber nachgewiesen.

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Migränepatienten können jedoch weiterhin auf den identischen Pestwurz-Extrakt zurückgreifen. Dieser wird von Weber & Weber International als Petasites Kapseln produziert und ist in Großbritannien am Markt. Das Präparat kann im Zuge des freien Warenverkehrs innerhalb der Europäischen Union auch in Deutschland bezogen werden.

Vorteile von CO2-Extraktion

Im Rahmen eines Stufenplanverfahrens wurde beim Hersteller der Petadolex®-Kapseln (Weber & Weber) ein neues Extraktionsverfahren entwickelt, bei dem flüssiges Kohlendioxid verwendet wird. Extrakte aus den Rhizomen der Pflanze sind nun frei von Pyrrolizidin-Alkaloiden. Dies ermöglicht es, Petasites hybridus als Arzneipflanze zu erhalten und Petadolex®-Kapseln weiter therapeutisch einzusetzen und in klinischen Studien ihre Indikationsbereiche abzustecken.

Urologische Indikationen

Extrakte aus den Rhizomen der Pflanze sind nun frei von Pyrrolizidin-Alkaloide. Ein wichtiger Indikationsbereich von Extractum Petasitides ist die Spasmolyse glattmuskulärer Organsysteme.

Sicherheit und Nebenwirkungen

Petadolex wurde in Studien sehr gut vertragen. In einer Studie klagte die Verumgruppe nur über signifikant häufigeres Aufstoßen.

Pyrrolizidin-Alkaloide (PA)

Ein Problem bei der Verwendung von Pestwurz sind die natürlich vorkommenden Pyrrolizidin-Alkaloide (PA), die lebertoxisch wirken können. Durch moderne Extraktionsverfahren, insbesondere die CO2-Extraktion, können diese Alkaloide jedoch weitgehend entfernt werden. Es ist daher wichtig, auf standardisierte Extrakte zu achten, die als PA-frei gelten.

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Lebertoxizität

In seltenen Fällen wurde nach Einnahme von Pestwurz-Extrakt über Leberschäden berichtet. Allerdings konnte ein direkter Zusammenhang bisher nicht zweifelsfrei bewiesen werden. Eine Nutzen-Risiko-Analyse dieses Präparats ist angebracht.

Alternativen zur medikamentösen Migräneprophylaxe

Neben Pestwurz-Extrakt gibt es auch andere pflanzliche und nicht-medikamentöse Alternativen zur Migräneprophylaxe:

  • Mutterkraut: Mutterkraut war in den Studien als CO2-Extrakt untersucht worden und hatte sich als wirksam erwiesen. Doch in dieser Form wird Mutterkraut in Deutschland nicht vertrieben und der Einsatz anderer Formen wurde nicht geprüft und kann daher nicht empfohlen werden.
  • Vitamin B2, Magnesium und Coenzym Q10: Erfolgreich im Hinblick auf die Schwere der Migräneattacken (wenn auch nicht auf die Häufigkeit), ist die Kombination von Vitamin B2, Magnesium und Coenzym Q10.
  • Regelmäßiger Ausdauersport: Regelmäßiger Ausdauersport kann die Anfallsfrequenz bei Menschen mit Migräne senken.

Fazit

Pestwurz-Extrakt, insbesondere in Form von Petadolex®, stellt eine wirksame und gut verträgliche Option zur Migräneprophylaxe dar. Die Wirksamkeit ist durch Studien belegt, und moderne Extraktionsverfahren minimieren das Risiko von Nebenwirkungen durch Pyrrolizidin-Alkaloide. Patienten, die unter häufigen Migräneattacken leiden, können von einer Behandlung mit Pestwurz-Extrakt profitieren. Es ist jedoch ratsam, vor der Einnahme einen Arzt oder Apotheker zu konsultieren, um die geeignete Dosierung und Anwendung zu besprechen.

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