Die Pestwurz (Petasites) ist eine traditionelle Heilpflanze, die vor allem in Europa, Asien und Nordamerika verbreitet ist. Sie ist bekannt für ihre großen Blätter und ihre rosa bis lilafarbenen Blüten. Bereits die Kelten verwendeten die Pestwurz zur Wundheilung. Im Mittelalter galt sie als Mittel gegen die Pest. Heute findet sie vor allem Anwendung bei Migräne, Allergien, Asthma und Magen-Darm-Beschwerden.
Was ist Pestwurz?
Die Gewöhnliche Pestwurz (lat. Petasites hybridus) ist eine Pflanze, die bis zu 120 cm hoch wird und meist im Uferbereich von Gewässern wie Bach- und Flussläufen wächst. Sie ist eng mit Huflattich verwandt und zählt zur Familie der Korbblütler (Asteraceae). Die Blütenstände werden vor den Blättern sichtbar. Die Blätter wachsen im Laufe des Sommers und werden bis zu 90 cm breit. Damit gehören sie zu den größten Blättern der europäischen Flora. Pestwurz wächst im Frühjahr, die Blütezeit beginnt ab März, womit sie eine der frühsten Blüher ist. Es gibt rund 18 verschiedene Pestwurz-Arten, die regional unterschiedlich vorkommen. Pestwurz wächst sowohl an der Ostseeküste als auch in den Allgäuer Alpen auf bis zu 1.700 Metern über dem Meeresspiegel.
Die Pestwurz hat viele Besonderheiten: Die Blüten wachsen vor den Blättern und sehen mit dem dicken Stängel fast pilzartig aus; die Blätter sind extrem groß, und die Wurzel ist ausgeprägt fleischig. Die Wurzel hat einen Bezug zum Nervensystem, die großen Blätter der Pestwurz deuten hingegen auf eine Verbindung zur ausgleichenden Mitte des Menschen, in der unter anderem die Atmung steht. Blüten korrespondieren mit den Stoffwechselprozessen des Menschen. Wenn die Blüten vor den Blättern erscheinen, symbolisiert dies überschäumende Stoffwechseltätigkeit, die nicht ausgeglichen wird. Zum Ende der Blühperiode wachsen die extrem großen Blätter, als löschten sie die Hitze der Blüten. Zu alledem besitzt Pestwurz einen starken Bezug zum Wasser.
Inhaltsstoffe und Wirkungsweise
Pestwurz enthält Petasine, die entzündungshemmende und schmerzlindernde Eigenschaften besitzen, indem sie bestimmte Enzyme und Signalwege im Körper beeinflussen. So werden Enzyme gehemmt, die an der Bildung von Entzündungsstoffen beteiligt sind. Gleichzeitig werden spezielle Ionenkanälen, die bei der Schmerzwahrnehmung eine Rolle spielen, desensibilisiert. Das bedeutet, dass Schmerzen schwächer oder weniger wahrgenommen werden. Besonders interessant im Zusammenhang mit Migräne ist, dass Pestwurz auch die Freisetzung des Botenstoffs CGRP (Calcitonin-Gene-Related Peptide) hemmen soll, welches mit dem Entstehen von Migräneattacken assoziiert wird und Ziel der Migräne-Spritze ist.
Die Pestwurz wirkt krampflösend und krampfstillend, schmerzlindernd, setzt den Tonus der glatten Muskulatur herab (spasmolytisch), ist vegetativ ausgleichend und beruhigend. Wegen dieser Eigenschaften helfen Zubereitungen der Pestwurz gegen Krampfhusten, Nackenschmerzen, Kopfschmerzen, Migräne, Herzbeschwerden durch Koronarspasmen, nervös bedingte Gallenbeschwerden, Funktionsstörungen im Magenbereich, Darmkrämpfen, Reizblase, Harnsteine und krampfartige Menstruationsbeschwerden. Besonders bei der Prophylaxetherapie der Migräne konnten erstaunliche Ergebnisse mit Pestwurz-Wurzelextrakten erzielt werden.
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Anwendungsgebiete
Pestwurz kann bei verschiedenen Beschwerden zum Einsatz kommen. Während Pestwurz für Frauen mit Harnwegsbeschwerden vielleicht nicht immer das erste Mittel der Wahl ist, da auch viele andere Naturmittel wie Brennnessel oder Cranberry wirksam sind, hat es sich bei zwei Krankheitsbildern jedoch bewährt: Migräne und Heuschnupfen. Da Petasites hybridus insgesamt krampflösend wirkt, kann es dennoch auch bei Harnwegsbeschwerden, Menstruationsschmerzen und sogar Asthma helfen. Für die Asthmabehandlung mit Pestwurz steht die Forschung noch am Anfang, erste Studien konnten aber erfreuliche Ergebnisse aufweisen, die Hoffnung machen.
Migräne
Am häufigsten zur Anwendung kommt Pestwurz bei Migräne. Als pflanzliches Mittel zur Migräneprophylaxe ist die Pflanze sehr beliebt, da sie naturnah und ohne Chemie die Anzahl von Migräneattacken laut Studien um bis zu 50 Prozent reduzieren kann. Die Einnahme zusätzlicher Arzneimittel bei Migräneattacken kann dank der langfristigen Prophylaxe mit Pestwurz ebenfalls reduziert werden.
Heuschnupfen
In Studien konnten ähnlich wie bei Migräne auch bei Heuschnupfen gute Ergebnisse mit Pestwurz bei der Behandlung festgestellt werden. Die allergische Rhinitis, wie Heuschnupfen auch heißt, kann mit dem Spezialextrakt Ze339, das aus den Blättern der Pestwurz gewonnen wird, behandelt werden. Die Behandlung erfolgt symptomatisch und hilft gegen eine juckende Nase und Augen, eine laufende oder verstopfte Nase sowie gegen gerötete Augen. Studien zeigten, dass die Wirkung des Pestwurz-Extraktes nach etwa 30 bis 90 Minuten einsetzt. Im Vergleich mit synthetischen Antihistaminika konnte eine gleiche Wirkung erkannt werden und das mit weniger Nebenwirkungen wie Müdigkeit. Die Wirksamkeit der Pestwurz bei Heuschnupfen liegt in den Petasinen begründet. Dazu zählen Petasin, Neopetasin sowie Isopetasin. Sie wirken entzündungshemmend.
Pestwurz Globuli: Dosierung und Anwendung
Pestwurzextrakt ist als hochdosiertes Arzneimittel in Deutschland und Österreich nicht mehr erhältlich, da 2009 ein Auszugsmittel geändert wurde, die eine Neuzulassung erfordert hätte. Du kannst es jedoch weiterhin in Drogerien o.ä. in geringer dosierten Formen, wie Nahrungsergänzungsmitteln oder pflanzlichen Präparaten, kaufen. Diese fallen nämlich in den Bereich der komplementären- und alternativen Medizin.
Am häufigsten wird Pestwurzextrakt in Kapsel- bzw. Tablettenform eingenommen. Der Vorteil dabei ist die einfache und genaue Dosierung. Er ist jedoch auch in flüssiger Form als Tropfen oder Flüssigextrakt erhältlich. Eine exakte Dosierung ist bei der Einnahme von Tropfen allerdings schwieriger und du solltest aufmerksam sein, um eine Überdosierung zu vermeiden. Du kannst Pestwurz aber auch in Pulverform, zum Beispiel in einen Joghurt untergerührt, einnehmen.
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Die häufigste Darreichungsform der Pestwurz sind Kapseln mit Pestwurz-Extrakt. Sie können bequem mit einem Glas Wasser eingenommen werden. Es gibt sie von verschiedenen Firmen wie Isolife oder Diamant Natuur.
Dosierung bei Heuschnupfen
Bei Heuschnupfen helfen zwei Kapseln Pestwurz pro Tag, die Symptome zu lindern. Wenn Sie unter besonders starker Pollenallergie leiden, können Sie die Dosis auch auf drei Kapseln pro Tag erhöhen.
Dosierung bei Migräne
Petadolex ist eines der gängigen Präparate mit Pestwurz-Extrakt für die Behandlung von Migräne. Es ist in Ampullen erhältlich und wird injiziert. In Kapselform kann Petadolex ebenfalls eingenommen werden. Besprechen Sie die Dosierung mit Ihrem Arzt. So wurden in Studien gute Ergebnisse mit einer Dosierung von 3 x 50 mg pro Tag erzielt, für andere Patienten können aber auch geringere Dosen ausreichen und Migräneanfälle reduzieren.
Placebo-kontrollierte Studien zeigen, dass die höchste Dosis von 75 mg Pestwurzextrakt (zweimal täglich eingenommen) die stärkste Wirkung erzielte. Nach viermonatiger Einnahme konnten Migräneattacken fast um die Hälfte (48%) reduziert werden. Während die Dosierung von zweimal täglich 50 mg Pestwurzextrakt eine Reduktion von ca. ein Drittel (36%) bewirkte.
Petasites comp. Globuli velati
Petasites comp. Globuli velati sind ein anthroposophisches Arzneimittel, das zur Harmonisierung der Empfindungsorganisation im Atmungssystem und zur unterstützenden Behandlung bei Bronchitis und Lungenentzündung (Bronchopneumonie) eingesetzt wird.
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Zusammensetzung:
In 10 g Globuli velati sind verarbeitet:
- Abies alba e summitatibus ferm 33d Dil. D2 (HAB, Vs. 33d) 0,1 g
- Petasites hybridus e radice ferm 33c Dil. D2 (HAB, Vs. 33c) 0,1 g
- Plantago lanceolata e foliis ferm 34c Dil. D2 (HAB, Vs. 34c) 0,1 g
(Die Bestandteile werden über zwei Stufen gemeinsam potenziert.) Enthält Sucrose (Saccharose/Zucker).
Dosierung:
Soweit nicht anders verordnet, Kinder unter 6 Jahren 3- bis 6-mal täglich 3-5 Globuli velati unter der Zunge zergehen lassen. Kinder von 6 bis unter 12 Jahren 3- bis 6-mal täglich 5-7 Globuli velati unter der Zunge zergehen lassen. Erwachsene und Kinder ab 12 Jahre 3- bis 6-mal täglich 5-10 Globuli velati unter der Zunge zergehen lassen. Die Dosierung bei Säuglingen erfolgt durch den Arzt. Bei Säuglingen empfiehlt es sich, vor der Verabreichung die angegebene Menge Globuli velati in einer kleinen Menge Wasser oder ungesüßtem Tee aufzulösen.
Wichtige Hinweise:
- Enthält Sucrose (Saccharose/Zucker).
- Insbesondere die Anwendung bei Säuglingen sollte nicht ohne eine vorausgehende umfassende ärztliche Diagnostik erfolgen.
- Bei Fieber, Atemnot, blutigem oder eitrigem Auswurf sowie bei allen anhaltenden, unklaren oder neu auftretenden Beschwerden sollte ein Arzt aufgesucht werden.
- Wie alle Arzneimittel sollte Petasites comp. in Schwangerschaft und Stillzeit nur nach Rücksprache mit dem Arzt angewendet werden.
Homöopathische Anwendung
Auch als homöopathisches Mittel können Sie Pestwurz kaufen - dann heißt es Petasites. Um das homöopathische Mittel herzustellen, wird die gesamte Pflanze verwendet. Petasites zeigt besondere Wirkung bei Migräne ähnlichen Beschwerden und Ausfluss sowie juckenden Schmerzen beim Wasserlassen, vor allem bei Männern.
Typische Symptome, die auf eine Behandlung mit Petasites hinweisen:
- Kopfschmerzen, welche auf der linken Seite des Kopfes in Höhe der Schläfen beginnen und über die Schädeldecke nach oben zur rechten Seite ziehen.
- Schmerzen im Bereich der Harnröhre und im Bereich der Hoden.
- Verlust eines gelblichen, schleimartigen Tropfens aus der Harnröhre vor dem Wasserlassen.
- Ziehende oder reißende Schmerzen des Samenstrangs.
Für die Selbstbehandlung empfohlen werden meist die Potenzen D6 - D12.
Wichtige Hinweise zur Anwendung
Achtung! Pestwurz gilt zwar als Heilpflanze - pur angewendet kann die Pflanze aber giftig sein. Einige dieser Inhaltsstoffe wie die Pyrrolizidinalkaloide sind giftig und können Leberschäden verursachen. Wichtig: Sie sollten Pestwurz daher nicht einfach pflücken und eigenhändig zu Tee verarbeiten oder für eine andere Zubereitungsart nutzen.
Da Pestwurz in der eigenen Zubereitung eine giftige Wirkung haben kann, sollten Sie nur auf Fertigarzneimittel zurückgreifen. Achten Sie beim Kauf eines Pestwurz-Präparates auf die Aufschrift „PA-frei“. Dies spricht dafür, dass die Pyrrolizindinalkaloide - die giftigen Stoffe in der Pflanze - entfernt wurden.
Auch wenn Pestwurz ein pflanzliches Arzneimittel ist, können Sie es nicht nach Belieben einnehmen. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Apotheker, bevor Sie Pestwurz einnehmen.
Bei längeren Einnahmen ab vier Wochen sollten Sie außerdem Ihre Leberwerte regelmäßig kontrollieren lassen.