Die Pestwurz (Petasites) ist eine in Europa und Asien verbreitete Pflanze, die traditionell zur Behandlung verschiedener Beschwerden eingesetzt wird. Besonders bekannt ist ihre Anwendung bei Migräne, aber auch bei Allergien und Atemwegserkrankungen findet sie Verwendung. Dieser Artikel beleuchtet die Wirkung der Pestwurz, insbesondere im Zusammenhang mit Migräne, und gibt Hinweise zur sicheren Anwendung.
Was ist Pestwurz?
Die Gewöhnliche Pestwurz (Petasites hybridus) gehört zur Familie der Korbblütler (Asteraceae). Sie wächst bevorzugt an feuchten Standorten wie Bachläufen, Wiesen und Waldrändern. Auffällig sind ihre großen, runden bis herzförmigen Blätter, die im Sommer eine Breite von über 60 Zentimetern erreichen können. Bereits im Frühjahr, noch vor dem Laubaustrieb, erscheinen die blass-rosa bis lilafarbenen Blütenstände.
Der lateinische Gattungsname „Petasites“ leitet sich vom griechischen „petasos“ ab, was „breitkrempiger Hut“ bedeutet und sich auf die Form der Blätter bezieht. Der deutsche Name „Pestwurz“ stammt aus dem Mittelalter, als man die Pflanze zur Behandlung der Pest einsetzte.
Inhaltsstoffe und Wirkungsweise
Die Pestwurz enthält verschiedene Inhaltsstoffe, darunter:
- Petasine und Isopetasine: Diese Sesquiterpene wirken krampflösend und entzündungshemmend. Sie können die Bildung von Entzündungsmediatoren (Leukotriene) blockieren und die glatte Muskulatur entspannen.
- Flavonoide: Sie wirken entzündungshemmend.
- Ätherische Öle
- Pyrrolizidinalkaloide (PA): Diese Stoffe können lebertoxisch wirken und sind der Grund, warum Pestwurz nicht unbedenklich ist.
Die Hauptwirkstoffe der Pestwurz, Petasin und Isopetasin, blockieren die Bildung von Entzündungsmediatoren (Leukotriene) und wirken krampflösend auf die glatte Muskulatur, insbesondere im Bereich der Atemwege und Blutgefäße. Besonders interessant im Zusammenhang mit Migräne ist, dass Pestwurz auch die Freisetzung des Botenstoffs CGRP (Calcitonin-Gene-Related Peptide) hemmen soll, welches mit dem Entstehen von Migräneattacken assoziiert wird und Ziel der Migräne-Spritze ist.
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Pestwurz bei Migräne
Die wichtigste Indikation für die Anwendung von Pestwurz sind Spannungskopfschmerzen bis hin zu regelrechter Migräne. Hier hat sich vor allem die prophylaktische Anwendung standardisierter Pestwurz-Präparate in Kapselform bewährt.
Standardisierte Extrakte aus dem Rhizom (Petasitides rhizoma), die weitgehend PA-frei sind, haben sich als wirksam gegen Migräne erwiesen. Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) empfiehlt standardisierten Pestwurzextrakt in ihren Therapieleitlinien zur medikamentösen Migräneprophylaxe.
Studien zeigen, dass sich die Häufigkeit und Schwere von Migräne-Attacken durch die Einnahme von Pestwurzextrakt um bis zu 60 % reduzieren lassen. Allerdings ist etwas Geduld erforderlich, da eine Wirkung erst nach etwa 6 bis 8 Wochen zu erwarten ist.
In einer randomisierten Doppelblindstudie ging die Häufigkeit der Attacken und die Anzahl der Tage pro Monat, an denen die Anfälle auftraten, unter dem Pestwurz-Extrakt signifikant zurück. Im Vergleich zum Studienbeginn verringerte sich die Häufigkeit der Attacken nach vier Wochen um 46%, nach acht Wochen um 60% und nach zwölf Wochen schließlich um 50%. Die Häufigkeit der Begleitsymptome sank. Auch die globale Wirkungsbeurteilung fiel in der Verumgruppe besser aus. Dauer und Intensität der Attacken wurden durch den Extrakt reduziert.
Weitere Anwendungsgebiete
Neben der Migräneprophylaxe kann Pestwurz auch bei anderen Beschwerden eingesetzt werden:
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- Allergien: Pestwurzextrakt kann die Symptome von Heuschnupfen lindern, indem er die Wirkung von Histamin reduziert. Laut einer Studie wirkt ein standardisierter Extrakt aus Pestwurz (Ze 339) genauso gut wie das Antihistaminikum Cetirizin, jedoch ohne die Nebenwirkung der Müdigkeit.
- Atemwegserkrankungen: Pestwurz kann bei krampfartigem Husten, Bronchitis und Asthma helfen, da sie die Bronchien entkrampft und die Atemwege erweitert.
- Andere Beschwerden: Volksmedizinisch wurde Pestwurz auch bei Menstruationsbeschwerden, Harnwegsinfekten, Reizblase, Blasensteinen sowie spannungsbedingten Nacken- und Rückenschmerzen eingesetzt.
Anwendung und Dosierung
Pestwurzextrakt ist in verschiedenen Formen erhältlich, z.B. als Kapseln, Tabletten, Tropfen oder Pulver. Am häufigsten wird er in Kapsel- bzw. Tablettenform eingenommen, da dies eine einfache und genaue Dosierung ermöglicht.
Die Dosierung von Pestwurzextrakt sollte immer mit einem Arzt oder Apotheker abgesprochen werden. In Studien hat sich eine Dosierung von zweimal täglich 75 mg Pestwurzextrakt als wirksam erwiesen.
Risiken und Nebenwirkungen
Pestwurz enthält Pyrrolizidinalkaloide (PA), die in hoher Dosis leberschädigend wirken können. Daher sollte Pestwurz niemals roh oder als Tee verwendet werden, sondern ausschließlich in PA-freien Extrakten aus der Apotheke oder von gut geprüften Herstellern.
Nebenwirkungen von Pestwurzextrakt sind selten, können aber leichte Magenschmerzen und Verdauungsprobleme umfassen. In seltenen Fällen kann es bei hochdosierten Formen zu schwerwiegenden Leberfunktionsstörungen kommen.
Schwangere und stillende Frauen sollten auf die Einnahme von Pestwurz verzichten.
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Wichtige Hinweise
- Verwenden Sie ausschließlich standardisierte, PA-freie Pestwurzextrakte aus der Apotheke oder von vertrauenswürdigen Herstellern.
- Überschreiten Sie nicht die empfohlene Dosierung.
- Sprechen Sie die Einnahme von Pestwurz mit Ihrem Arzt oder Apotheker ab, insbesondere wenn Sie bereits andere Medikamente einnehmen oder an Vorerkrankungen leiden.
- Achten Sie auf mögliche Nebenwirkungen und brechen Sie die Einnahme ab, wenn Sie Beschwerden feststellen.
Fazit
Pestwurz ist eine interessante Heilpflanze mit nachgewiesener Wirksamkeit bei Migräne und Allergien. Durch ihre entzündungshemmenden und schmerzlindernden Eigenschaften ist sie schon seit vielen Jahrhunderten ein altbewährtes Heilmittel. Bei richtiger Anwendung und Dosierung kann Pestwurz eine wertvolle Ergänzung zur Behandlung von Migräne sein. Es ist jedoch wichtig, auf die Qualität der Produkte zu achten und die Einnahme mit einem Arzt oder Apotheker abzusprechen, um Risiken zu minimieren.