Migräne ist eine weit verbreitete neurologische Erkrankung, die nicht nur Erwachsene betrifft. Auch Kinder und Jugendliche leiden häufig unter den teils heftigen Kopfschmerzattacken. Während die Migränebehandlung bei Erwachsenen auf eine breite Palette von Medikamenten zurückgreifen kann, sind die Optionen für Kinder oft eingeschränkt. Hier kommt der Pestwurzextrakt ins Spiel, der sich als eine vielversprechende pflanzliche Alternative zur Migräneprophylaxe etabliert hat.
Die Pestwurz: Eine Heilpflanze mit langer Tradition
Die Gemeine Pestwurz (Petasites hybridus) ist eine in Europa heimische Pflanze, die zur Familie der Korbblütler (Asteraceae) gehört. Sie zeichnet sich durch ihre auffälligen, blass-rosa Blütenstände im Frühjahr und ihre riesigen Blätter im Sommer aus. Ihren Namen verdankt die Pestwurz vermutlich dem Mittelalter, als sie aufgrund ihrer schweißtreibenden Wirkung zur Behandlung der Pest eingesetzt wurde.
Schon in der Antike wurden die schmerzstillenden, entzündungshemmenden und krampflösenden Eigenschaften der Pestwurz geschätzt. Historischen Berichten zufolge wurde Petasites hybridus auch bei Magen-Darm-Krämpfen und Asthma angewendet. Ein wirksamkeitsbestimmender Inhaltsstoff der Pflanze ist das Petasin.
Pestwurzextrakt in der Migräneprophylaxe
Die moderne Phytotherapie verwendet von der Pestwurz das kräftige Rhizom (Petasitides rhizoma). Standardisierte Extrakte, die weitgehend PA-frei sind, haben sich als wirksam gegen Migräne erwiesen. Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) empfiehlt standardisierten Pestwurzextrakt in ihren Therapieleitlinien zur medikamentösen Migräneprophylaxe.
Pestwurz-Extrakt hat von allen pflanzlichen Mitteln die höchste Evidenzstufe bekommen. Diese Bewertung basiert auf zwei großen klinischen Studien mit eindeutig positivem Ergebnis sowie offene Studien (u.a. auch bei Kindern). Mit dieser positiven Bewertung steht der rein pflanzliche Extrakt hinsichtlich der Wirksamkeit in einer Reihe mit chemischen Mitteln, ist aber sehr viel besser verträglich.
Lesen Sie auch: Epilepsie im Kindesalter: Die offizielle Leitlinie erklärt
Wirkungsweise des Pestwurzextrakts
Die im Pestwurzextrakt enthaltenen Terpene hemmen die Enzyme Lipoxygenase und Cyclooxygenase. Es wird angenommen, dass Petasin, ein wichtiger Inhaltsstoff der Pestwurz, für die krampflösende und entzündungshemmende Wirkung verantwortlich ist.
Studien zur Wirksamkeit bei Kindern
Auch bei Kindern kann ein Migräne-Leiden so schwer sein, dass eine Prophylaxe indiziert ist. Eine offene prospektive Studie mit 108 Kindern, die von mehr als drei Migräneattacken im Monat geplagt waren, untersuchte die Wirksamkeit von Pestwurz-Spezialextrakt. Kinder zwischen sechs und neun Jahren erhielten 2 x 25 mg, Jugendliche von zehn bis 17 Jahren 2 x 50 mg des Pestwurz-Spezialextrakts. Bei nicht ausreichender Wirkung konnte die Dosis nach zwei Monaten auf 3 x 25 mg bzw. 3 x 50 mg erhöht werden.
Die Anfallshäufigkeit nahm bei den jüngeren Kindern um 67%, bei den älteren um 62% ab. Bei 86% der sechs- bis neunjährigen Kinder und bei 74% der zehn- bis 17jährigen Jugendlichen verringerte sich die Attackenfrequenz um mehr als 50% (Responder). Insgesamt wurden die Migräneattacken um 63% reduziert; dies entspricht, so Pothmann, in etwa der Größenordnung bei anderen Prophylaktika.
Dosierungsempfehlungen für Kinder
Für Kinder zwischen sechs und neuen Jahren empfiehlt Stohrer täglich zweimal 25 mg, ab zehn zweimal 50 mg. Bei nicht ausreichender Wirkung kann die Dosis in Absprache mit dem Arzt erhöht werden.
Sicherheit und Verträglichkeit
Die Studienergebnisse zeigen, dass sich unter Pestwurz-Behandlung die Migräneanfälle im Durchschnitt bei Erwachsenen um 58 Prozent reduzieren lassen, bei Kindern sogar um 63 Prozent. Das pflanzliche Therapeutikum wurde nach seinen Worten von den Kindern gut vertragen; gravierende Nebenwirkungen traten nicht auf.
Lesen Sie auch: Wie man Meningitis bei Kindern vorbeugen kann
Petadolex wurde in Studien sehr gut vertragen. In einer Studie klagte die Verumgruppe nur über signifikant häufigeres Aufstoßen.
Mögliche Risiken und Nebenwirkungen
Pestwurz enthält Pyrrolizidin-Alkaloide (PA), die lebertoxisch wirken können. Daher ist es wichtig, standardisierte Extrakte zu verwenden, die weitgehend PA-frei sind.
In seltenen Fällen wurde nach der Einnahme von Pestwurz-Extrakt über Hepatitis berichtet, ein direkter Zusammenhang wurde jedoch nie bewiesen. Eine Nutzen-Risiko-Analyse dieses Präparats ist daher angebracht.
Vergleich mit anderen Migräneprophylaktika
Im Vergleich zu anderen synthetischen Migräneprophylaktika ist Pestwurz-Extrakt in der Regel besser verträglich. Viele wirksame Pharmaka dürfen Kindern mit Migräne nicht verabreicht werden. Die ausgezeichnete Verträglichkeit eines Spezialextrakts aus Pestwurz macht auch den Einsatz bei Kindern möglich.
Das Herzmedikament Metoprolol gilt als Alternative, hat jedoch Nebenwirkungen wie Herzprobleme, Atemnot und Verwirrtheit. Neurologen und Psychiater empfehlen noch andere Betablocker wie Propanolol, Kalzium-Antagonisten wie Flunarizin oder Mittel gegen Epilepsie. Auch Antidepressiva oder das Schmerzmittel Naproxen könnten Migräne lindern.
Lesen Sie auch: Kindergehirn und Zucker
Weitere pflanzliche Mittel zur Migräneprophylaxe
Neben Pestwurz werden auch andere pflanzliche Mittel zur Migräneprophylaxe diskutiert, darunter Mutterkraut, Ingwer und Curcuma.
Mutterkraut
Das Mutterkraut gehört wie die Kamille zur Familie der Korbblütler und ähnelt ihr optisch sehr. Wissenschaftliche Untersuchungen konnten dem Mutterkraut eine schmerzlindernde und antientzündliche Wirkung bestätigen, das gilt vor allem für den Inhaltsstoff Parthenolid. Eine Analyse mehrerer Studien deutet zudem darauf hin, dass das Mutterkraut auch in der Migränevorbeugung eine gewisse Wirksamkeit besitzt. Jedoch ist der bislang nachgewiesene Effekt verglichen mit einem wirkungslosen Scheinarzneimittel (Placebo) als gering einzustufen.
Ingwer
In Europa vor allem als scharfes Küchengewürz und als Basis für aromatische Teezubereitungen bekannt, ist der Ingwer in Asien eine seit Jahrtausenden bekannte Heilpflanze. Ob Ingwer allerdings gegen Migräne wirkt, also konkret in der Vorbeugung von Migräne-Attacken und/oder in der Behandlung akuter Migräne-Attacken einem wirkungslosen Scheinmedikament (Placebo) überlegen ist, kann die medizinische Forschung bislang nicht gesichert beantworten.
Curcuma
Für eine mögliche Wirkung von Curcuma gegen Migräne und hier vor allem in der Migränevorbeugung untersuchen Forschende den Inhaltsstoff Curcumin. Eine Analyse experimenteller und klinischer Studien zu bestimmten Curcumin-Formen kam zu dem Zwischenfazit, dass Curcumin ein „vielversprechender Kandidat in der Vorbeugung und Kontrolle der Migräne“ sei - unter anderem wegen seiner antientzündlichen und schmerzlindernden Eigenschaften.
Fazit zu anderen pflanzlichen Mitteln
Während für Pestwurz bei Migräne und Mutterkraut bei Migräne wissenschaftliche Studien vorliegen, die zumindest auf eine gewisse vorbeugende Wirkung hindeuten, gibt es für Ingwer gegen Migräne und Curcuma gegen Migräne bislang keine vergleichbaren Erkenntnisse. In der geltenden ärztlichen Leitlinie zur Therapie und Prophylaxe der Migräne werden daher als pflanzliche Optionen nur Pestwurz und Mutterkraut zur Migränevorbeugung erwähnt.
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft rät zu einem Arztbesuch, wenn die Kopfschmerzen an mehr als zehn Tagen im Monat auftreten oder mit Fieber, Lähmungen, Seh-, Orientierungs-, Gedächtnis- oder Gleichgewichtsstörungen einhergehen.
tags: #pestwurzelextrakt #kinder #migrane