Das Pfeiffersche Drüsenfieber, auch bekannt als infektiöse Mononukleose, ist eine weit verbreitete Viruserkrankung, die durch das Epstein-Barr-Virus (EBV) verursacht wird. Obwohl die Erkrankung primär mit Symptomen wie Fieber, Halsschmerzen und Lymphknotenschwellungen assoziiert wird, kann sie in seltenen Fällen auch das Nervensystem beeinträchtigen. Dieser Artikel beleuchtet die Zusammenhänge zwischen dem Pfeifferschen Drüsenfieber und neurologischen Komplikationen, die Ursachen und Übertragungswege des EBV sowie Präventions- und Behandlungsmöglichkeiten.
Was ist Pfeiffersches Drüsenfieber?
Das Pfeiffersche Drüsenfieber ist eine Infektionskrankheit, die durch das Epstein-Barr-Virus (EBV) ausgelöst wird. EBV gehört zur Familie der Herpesviren und ist weltweit verbreitet. Bis zum 30. Lebensjahr haben sich durchschnittlich 90 Prozent der Menschen mit EBV infiziert, bis zum 40. Lebensjahr sogar 95 Prozent. Die Erkrankung wird meist über Speichel übertragen und daher auch als "Kusskrankheit" bezeichnet. Oft verläuft die Krankheit unbemerkt oder bricht gar nicht aus. Erkranken Erwachsene, sind die Symptome oft besonders stark. Bei Kindern treten jedoch oftmals keine Symptome auf. Besonders bei Erwachsenen sind schwere Verläufe möglich.
Ursachen und Übertragung des Epstein-Barr-Virus
Das Epstein-Barr-Virus kann eine Vielzahl von Krankheiten und Symptomen verursachen, die von leichtem Unwohlsein bis hin zu schweren Erkrankungen reichen. Die Entdeckung des Virus im Jahr 1964 markierte einen bedeutenden Meilenstein im Verständnis viraler Infektionen.
Tröpfcheninfektion und enger Kontakt: Das Epstein-Barr-Virus verbreitet sich vorwiegend über Speichel, primär durch Tröpfcheninfektion und engen Kontakt. Infizierte Tröpfchen, die beim Husten, Niesen oder durch gemeinsames Besteck, Trinkgläser und Küssen freigesetzt werden, stellen die Hauptquelle der Ansteckung dar. Die Mononukleose als Primärerkrankung wird daher auch als Kusskrankheit bezeichnet. Diese Übertragungswege machen EBV äußerst ansteckend und begünstigen seine Ausbreitung in engen Gemeinschaften wie Familien, Schulen und Wohnheimen. Der direkte Kontakt mit infiziertem Speichel bietet dem Virus ideale Bedingungen, um in den Körper einzudringen und eine Infektion zu verursachen.
Schwächung des Immunsystems: Ein geschwächtes Immunsystem erhöht die Anfälligkeit für eine Epstein-Barr-Virus-Infektion. Stress, schlechte Ernährung, Schlafmangel und ähnliche Faktoren können die Immunabwehr schwächen und somit den idealen Nährboden für eine aktive Infektion schaffen. Personen, deren Immunsystem bereits geschwächt ist, wie Transplantationspatienten oder Menschen mit HIV, tragen ein erhöhtes Risiko für schwerwiegende Komplikationen in Verbindung mit EBV. Da das Immunsystem normalerweise das Virus unter Kontrolle hält, kann eine geschwächte Abwehr die Ausbreitung und Aktivierung des Virus begünstigen.
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Altersfaktoren: EBV-Infektionen sind vor allem bei Kindern und Jugendlichen verbreitet. Oft verlaufen sie bei Kindern und Jugendlichen ohne Symptome oder mit milden Beschwerden. Mit der fortschreitenden Entwicklung des Immunsystems im Laufe des Lebens wird die Kontrolle des Virus erleichtert. Das Virus kann im Körper lange Zeit inaktiv bleiben und später im Leben, besonders bei geschwächtem Immunsystem, dennoch wieder aktiv werden. Dies kann zu einer Reaktivierung der Infektion führen, die mit Symptomen wie Müdigkeit und Abgeschlagenheit einhergeht. Eine frühe EBV-Exposition führt daher häufig zu einer gewissen Immunität, eine spätere Reaktivierung bei ungünstigen Umständen kann allerdings aufkommen.
Genetische Veranlagung: Die genetische Veranlagung beeinflusst die Anfälligkeit für das Epstein-Barr-Virus. Forschungsstudien haben aufgezeigt, dass bestimmte genetische Faktoren das Risiko einer aktiven EBV-Infektion erhöhen können. Einige Individuen könnten aufgrund ihrer genetischen Ausstattung anfälliger für eine anhaltende Aktivierung des Virus sein, was mit Erkrankungen wie Multipler Sklerose oder sogar bestimmten Krebsarten in Verbindung gebracht wird. Diese genetischen Prädispositionen können die Art und Schwere der Reaktion des Immunsystems auf die Infektion beeinflussen, was wiederum die Symptome und den Krankheitsverlauf beeinflusst. Ein besseres Verständnis dieser genetischen Faktoren könnte dazu beitragen, das individuelle Risiko einer EBV-Infektion vorherzusagen und möglicherweise präventive Maßnahmen zu entwickeln, um das Ausbrechen schwerwiegender Erkrankungen zu verhindern.
Umweltfaktoren: Umweltfaktoren können die Aktivierung des Epstein-Barr-Virus begünstigen. Dazu zählen hohe Luftfeuchtigkeit, schlechte Luftqualität und beengte, überfüllte Lebensbedingungen. Diese Umstände könnten die Verbreitung von infektiösen Tröpfchen erleichtern und das Virus in der Umgebung stabilisieren. Hohe Feuchtigkeit kann das Überleben von Viren in der Luft und auf Oberflächen begünstigen, während eine schlechte Luftqualität die Immunabwehr beeinträchtigen und somit die Virusaktivierung erleichtern kann. Überfüllte Umgebungen bieten eine erhöhte Chance für engen Kontakt zwischen Menschen, was wiederum die Übertragung des Virus fördern kann. Die Kombination dieser Umweltfaktoren kann dazu beitragen, dass EBV in bestimmten Gemeinschaften oder Regionen vermehrt aktiv wird. Es ist wichtig, diese spezifischen Faktoren bei der Entwicklung von Präventionsstrategien und der öffentlichen Gesundheitsplanung zu berücksichtigen, um die Ausbreitung einzudämmen.
Symptome des Pfeifferschen Drüsenfiebers
Die Symptome des Pfeifferschen Drüsenfiebers können vielfältig sein und variieren je nach Alter und Immunstatus des Betroffenen. Typische Symptome sind:
- Fieber: Erhöhte Körpertemperatur ist ein häufiges Anzeichen.
- Halsschmerzen: Entzündungen im Rachenraum können zu starken Halsschmerzen führen.
- Lymphknotenschwellungen: Besonders die Lymphknoten am Hals und im Nacken sind oft deutlich geschwollen.
- Müdigkeit und Abgeschlagenheit: Ein allgemeines Gefühl von Schwäche und Erschöpfung ist charakteristisch.
- Mandelentzündung: Die Mandeln können gerötet und geschwollen sein, oft mit weißlichen Belägen.
- Milzschwellung: In etwa der Hälfte der Fälle schwillt die Milz an.
- Leberbeteiligung: Bei etwa fünf Prozent der Patienten kommt es zu einer Schwellung der Leber, die teilweise von Gelbsucht begleitet sein kann.
Diagnose des Pfeifferschen Drüsenfiebers
Die Diagnose des Pfeifferschen Drüsenfiebers kann aufgrund der unspezifischen Symptome schwierig sein. Oftmals wird die Erkrankung erst spät erkannt, insbesondere wenn das Fieber nicht sinkt oder der Patient über anhaltende Abgeschlagenheit klagt.
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Körperliche Untersuchung: Der Arzt untersucht den Rachen und die Mandeln, tastet die Lymphknoten ab und prüft, ob die Milz vergrößert ist. Bei Pfeifferschem Drüsenfieber sind die Mandeln gerötet und oft stark geschwollen. Durch Abtasten des Halses unter dem Kieferwinkel, der Achseln und der Leisten-Region stellt der Arzt fest, ob und welche Lymphknoten geschwollen sind. Bei Pfeifferschem Drüsenfieber schwillt die Milz oft derart an, dass sie sich vom Arzt von außen deutlich ertasten lässt.
Rachen-Abstrich: Mit einem Rachen-Abstrich lässt sich im Labor feststellen, ob Bakterien der Auslöser der Erkrankung sind. Enthält der Abstrich das Epstein-Barr-Virus, reicht das für die sichere Diagnose Pfeiffersches Drüsenfieber allerdings noch nicht aus. Den Erreger findet man nicht nur bei einem akuten Infekt auf der Schleimhaut. Er lässt sich auch nachweisen, wenn das Virus schon länger im Körper ist und lediglich reaktiviert wurde.
Bluttest: Für eine sichere Diagnose des Pfeifferschen Drüsenfiebers lassen sich spezifische Antikörper gegen das Epstein-Barr-Virus im Blut nachweisen. Im Blutbild lässt sich bei Pfeifferschem Drüsenfieber auch feststellen, ob diese weißen Blutkörperchen verändert sind. Da sie während der Infektion massenweise neu gebildet werden müssen, sind viele von ihnen anfangs etwas deformiert. Aus diesem Grund nennt man sie auch Pfeiffer-Zellen oder atypische Lymphozyten. Ist die Leber durch das Virus angegriffen, zeigt ein Blut-Test außerdem eine erhöhte Konzentration der Leber-Enzyme (Transaminasen).
Neurologische Komplikationen des Pfeifferschen Drüsenfiebers
Obwohl das Pfeiffersche Drüsenfieber in der Regel als gutartige Erkrankung gilt, können in seltenen Fällen neurologische Komplikationen auftreten. EBV kann in seltenen Fällen auf das Nervensystem übergehen. Zu den möglichen neurologischen Komplikationen gehören:
- Meningitis und Enzephalitis: Entzündungen der Hirnhäute (Meningitis) oder des Gehirns (Enzephalitis) können auftreten.
- Guillain-Barré-Syndrom (GBS): Das GBS ist eine seltene Autoimmunerkrankung, die zu Muskelschwäche und Lähmungen führen kann.
- Fazialisparese: Eine Lähmung des Gesichtsnervs kann auftreten.
- Psychiatrische Symptome: Stimmungsschwankungen, Depressionen und Orientierungsstörungen sind möglich.
In circa 1% der Fälle kann das zentrale Nervensystem mitbeteiligt sein und Lähmungen im Kopfbereich und zu einer Entzündung der Rückenmarkshäute und des Gehirns (Meningoenzephalitis) führen.
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Epstein-Barr-Virus und Multiple Sklerose
Es gibt zunehmend Hinweise darauf, dass das Epstein-Barr-Virus eine Rolle bei der Entstehung von Multipler Sklerose (MS) spielen könnte. Studien haben gezeigt, dass nahezu alle MS-Patienten EBV-infiziert sind. Das Virus könnte ursächlich sein für die schädlichen Prozesse, die bei MS im Nervensystem ablaufen. Darauf deutet eine auffällig hohe Zahl von EBV-spezifischen T-Zellen bei den Betroffenen hin, die für eine aktive - und dann folgenreiche - EBV-Infektion bei ihnen spricht.
EBV-infizierte B-Zellen und ihre Rolle bei MS: Forschende haben herausgefunden, dass EBV-infizierte B-Zellen eine zentrale Rolle bei der Verbreitung des Virus im Körper spielen. Diese Zellen können die Blutgefäß-Barriere überwinden und ins Gehirn eindringen, wo sie möglicherweise zur Entstehung von MS beitragen. Die Virusproteine EBNA2 und LMP1 erhöhen die Aktivität entzündungsfördernder Zytokine wie CCL4, die bei Multipler Sklerose nachweislich relevant sind. In der Folge teilen sich die infizierten B-Zellen und schwärmen aus. Die EBV-manipulierten B-Zellen überwinden die Barriere des Gefäßendothels und dringen unter anderem ins Gehirn ein.
Weitere Erkrankungen und Komplikationen im Zusammenhang mit EBV
Neben den neurologischen Komplikationen und der möglichen Verbindung zu Multipler Sklerose gibt es weitere Erkrankungen und Komplikationen, die mit einer EBV-Infektion in Verbindung gebracht werden:
- Chronisches Erschöpfungssyndrom (Fatigue): Ein Zusammenhang mit dem Chronischen Erschöpfungssyndrom (Fatigue) wird diskutiert, das besonders Frauen zu betreffen scheint.
- Blutkrebs-Erkrankungen: Man geht davon aus, dass mit einer EBV-Infektion das Risiko für einige Blutkrebs-Erkrankungen ansteigt (zum Beispiel B-Zell-Lymphome, Burkitt-Lymphom, M. Hodgkin).
- Rachen-Tumoren: Seltene Rachen-Tumoren werden ebenfalls mit EBV in Verbindung gebracht.
- Long-COVID: Forscher bringen das Epstein-Barr-Virus auch mit Spätfolgen nach einer Corona-Erkrankung in Verbindung (Long-COVID).
Behandlung des Pfeifferschen Drüsenfiebers
Da es keine spezifische antivirale Therapie gegen EBV gibt, konzentriert sich die Behandlung des Pfeifferschen Drüsenfiebers auf die Linderung der Symptome und die Vermeidung von Komplikationen. Gegen eine normal verlaufende EBV- Infektion wird nichts unternommen. Eine spezifische Therapie existiert nicht, lediglich krankheitsmildernde Maßnahmen können ergriffen werden, z.B. bei hohem Fieber.
Symptomatische Behandlung:
- Bettruhe: In der akuten Phase ist Bettruhe wichtig, um den Körper zu schonen und Komplikationen vorzubeugen. Deshalb muss in der akuten Krankheitsphase unbedingt Bettruhe eingehalten werden.
- Schmerzlinderung und Fiebersenkung: Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol können helfen, Fieber zu senken und Schmerzen zu lindern.
- Flüssigkeitszufuhr: Ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist wichtig, um den Körper hydriert zu halten. Kinder sollten viel trinken und gut verdauliche Nahrung zu sich nehmen.
- Mundpflege: Eine gute Mundpflege mit Zähneputzen und Gurgeln kann die Übertragung des Virus eindämmen. Darüber hinaus kann sollte eine gründliche Mundpflege durchgeführt werden (Zähneputzen, Gurgeln).
Vermeidung von Komplikationen:
- Verzicht auf Alkohol und fettreiche Speisen: Da die Leber oft betroffen ist, sollten Alkohol und fettreiche Speisen vermieden werden.
- Sportverzicht: Bei einer Milzschwellung sollte auf Sport verzichtet werden, um das Risiko einer Milzruptur zu minimieren. Schwillt die Milz bei Pfeifferschem Drüsenfieber stark an, besteht bei körperlicher Belastung oder durch Gewalt-Einwirkung von außen die Gefahr, dass das sehr blutreiche Organ reißt. Dabei entstehen schwere innere Blutungen, die eventuell lebensbedrohlich sind. Daher sind Kontakt- und Kampf-Sportarten in der akuten Krankheitsphase strikt zu vermeiden.
Spezifische Maßnahmen bei schweren Verläufen:
- Kortikosteroide: In schweren Fällen, insbesondere bei Atemnot oder starken Schwellungen im Halsbereich, können Kortikosteroide wie Kortison eingesetzt werden.
- Operation: Gelegentlich werden die entzündeten Mandeln operativ entfernt, insbesondere bei schweren Symptomen wie Atembeschwerden.
Hausmittel und Ernährung bei Pfeifferschem Drüsenfieber
Zusätzlich zu den medizinischen Maßnahmen können auch Hausmittel und eine angepasste Ernährung zur Linderung der Beschwerden beitragen:
- Leicht verdauliche Kost: Empfehlenswert sind Haferschleim, Kartoffelsuppe, Kartoffelbrei und gedünstetes Gemüse.
- Wadenwickel: Lauwarme Wadenwickel können helfen, das Fieber zu senken.
- Quarkwickel: Kalte Wickel mit Quark können bei geschwollenen Mandeln und Lymphknoten am Hals gut tun.
Vorbeugung des Pfeifferschen Drüsenfiebers
Da das Epstein-Barr-Virus weit verbreitet ist, ist es kaum möglich, sich vollständig vor einer Ansteckung zu schützen. Allerdings können folgende Maßnahmen helfen, das Risiko einer Infektion zu verringern:
- Vermeidung von engem Kontakt mit Infizierten: Idealerweise sollte der Kontakt zu akut Infizierten gemieden werden.
- Stärkung des Immunsystems: Ein gesunder Lebensstil mit ausgewogener Ernährung, ausreichend Schlaf und Stressreduktion kann das Immunsystem stärken. Die Stärkung des Immunsystems durch einen gesunden Lebensstil, ausgewogene Ernährung und ausreichenden Schlaf kann die Resistenz gegenüber dem Virus deutlich erhöhen.
- Gute Hygiene: Regelmäßiges Händewaschen und Vermeidung des Teilens von Besteck und Gläsern können die Ausbreitung des Virus reduzieren. Das Bewusstsein für die ansteckende Natur des Virus und die Förderung einer guten Hygiene sind essenziell, um die Verbreitung einzudämmen.
Impfung gegen EBV
Eine Impfung gegen das Pfeiffersche Drüsenfieber gibt es bisher nicht. Allerdings suchen Forschende weltweit nach einem geeigneten Impfstoff - noch einmal intensiver, seitdem man weiß, dass Infektionen mit EBV Krebserkrankungen auslösen können.
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