Kopfschmerzen sind ein weit verbreitetes Leiden, von dem fast jeder Mensch im Laufe seines Lebens betroffen ist. Während die meisten Kopfschmerzen vorübergehend und harmlos sind, können einige Formen, insbesondere Migräne, die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die Pflege bei Migräne, von den Ursachen und Symptomen bis hin zu Behandlungs- und Präventionsstrategien.
Einführung in die Kopfschmerzvielfalt
Es sind über 300 verschiedene Arten von Kopfschmerzen bekannt. Die meisten sind harmlos und vorübergehend, aber einige können lebensbedrohlich sein. Mindestens 95 Prozent der rund 300 gelisteten Kopfschmerzarten sind sogenannte primäre Kopfschmerzen, also Migräne, Spannungskopfschmerz oder Clusterkopfschmerz. Sekundäre Kopfschmerzen hingegen können Symptom einer zugrunde liegenden Erkrankung sein, wie beispielsweise einer Hirnblutung oder Hirnhautentzündung. Die Unterscheidung zwischen primären und sekundären Kopfschmerzen ist entscheidend für die richtige Diagnose und Behandlung.
Migräne: Eine neurologische Erkrankung
Die Migräne ist mehr als nur ein starker Kopfschmerz. Es handelt sich um eine neurologische Erkrankung, die durch anfallsartige, meist einseitig pulsierende oder pochende Kopfschmerzen gekennzeichnet ist. Die heftigen Kopfschmerzen dauern in der Regel ein bis zwei Tage an, können von Übelkeit oder Erbrechen begleitet sein und verstärken sich bei körperlicher Aktivität. Häufig tritt eine Licht-, Geräusch-, Geruchs- oder Berührungsüberempfindlichkeit auf. Kreislaufbeschwerden wie Schwindelgefühl, „weiche Knie“, Zittern sowie Schwitzen oder Frieren sind möglich. Sehstörungen (Flimmern, helle Flecken, „Sternchen“, farbige Zacken, Gesichtsfeldausfälle, „Röhrensehen“) oder flüchtige Beschwerden wie bei einem Schlaganfall (Gefühlsstörungen, Armschwäche und Sprachstörung) können dem Kopfschmerz als sogenannte „Aura“ vorausgehen und dauern in der Regel nur eine halbe Stunde.
Ursachen und Auslöser von Migräne
Die genauen Ursachen für Migräne sind bislang unbekannt. Es wird davon ausgegangen, dass erbliche Faktoren eine Rolle spielen. Nicht selten tritt die Migräne familiär gehäuft auf. Bei der Migräne kommt es zu einer Aktivierung schmerzverarbeitender Zentren und zur Ausschüttung schmerzvermittelnder Botenstoffe, die dazu führen, dass es an den Blutgefäßen der Hirnhäute zu einer Art Entzündungsreaktion kommt. Wissenschaftler gehen davon aus, dass es während einer Migräneattacke wie beim Sonnenbrand zu einer Entzündungsreaktion kommt.
Verschiedene Faktoren können Migräneattacken auslösen, darunter:
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- Stress, aber auch Entspannung am Wochenende oder zu Urlaubsbeginn
- Wetterwechsel
- Ein gestörter Schlaf-Wach-Rhythmus
- Nahrungsmittel (z.B. Milch- oder Schimmelkäse, gepökeltes Fleisch, Zitrusfrüchte)
- Alkoholgenuss
- Übermäßiger Genussmittelgebrauch (Nikotin, Koffein, Teein)
- Hormonelle Einflüsse (z.B. Abfall der weiblichen Hormone vor der Menstruation)
Ablauf einer Migräneattacke
Viele Betroffene bemerken bis zu zwei Tage vor Beginn des Migräneanfalls erste Anzeichen für den kommenden Migräneanfall. Solche Vorwarnzeichen sind z. B. Heißhunger nach bestimmten Speisen, Verstimmung, häufiges Gähnen, verstärkte Aktivität oder Müdigkeit.
Bei einigen der Betroffenen beginnt der eigentliche Migräneanfall mit neurologischen Störungen, einer Migräne-Aura. Die Auraphase tritt zeitlich meist vor der eigentlichen Kopfschmerzphase auf. Am häufigsten finden sich Auren in Form von einseitigen Sehstörungen. Flimmererscheinungen, Zickzacklinien mit farbigen Randzacken. Grell blendende oder schwarze Flecken im Gesichtsfeld sind typische Beispiele. Auren können aber auch in Form von Kribbelmissempfindungen oder Taubheitsgefühlen auftreten, die sich häufig von den Fingerspitzen hoch zur Schulter und weiter zum Gesicht ausbreiten. Gerade diese langsame Ausbreitung der einzelnen Aurasymptome über mehrere Minuten hinweg ist das Charakteristische für Migräneauren. Alle Auraformen, auch Lähmungen und Sprachstörungen, halten meist weniger als 60 Minuten an und bilden sich komplett zurück. Selten sind Auren von über 60 Minuten Länge, die dann als verlängerte (oder prolongierte) Auren bezeichnet werden. Die Migränekopfschmerzen folgen spätestens nach einer Stunde. Gerade die Aura kennzeichnet die Migräne als neurologisches Krankheitsbild.
Die Kopfschmerzphase während der Migräne ist charakterisiert durch einen typischerweise einseitig auftretenden Kopfschmerz, wobei jede Region des Kopfes betroffen sein kann. Häufig zieht der Kopfschmerz während der Attacke auch umher. Der Kopfschmerz wird als pulsierend, hämmernd oder pochend verspürt. Jeder Pulsschlag verstärkt den Kopfschmerz. Der Kopfschmerz während der Migräneattacke hat eine so starke Intensität, dass Arbeits- oder Freizeitaktivitäten behindert oder komplett unmöglich gemacht werden. Körperliche Belastungen wie z. B. Bücken oder Treppensteigen verstärken die Kopfschmerzen. Appetitlosigkeit, Übelkeit oder Erbrechen sind charakteristische Begleitstörungen. Zusätzlich können Reizstörungen anderer Sinnesorgane auftreten wie z. B. Lärm-, Licht- oder Geruchsüberempfindlichkeit. Die Betroffenen legen sich typischerweise in ihr Bett, ziehen die Vorhänge zur Verdunklung zu und erbitten Ruhe.
Diagnose von Migräne
Die Beschreibung der Beschwerden durch den Betroffenen versetzt den Arzt in die Lage, anhand bestimmter Kriterien die Diagnose einer Migräne zu stellen.
Diagnostische Kriterien der Migräne ohne Aura:
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- Kopfschmerzdauer, unbehandelter Verlauf: 4 bis 72 Stunden
- Kopfschmerzcharakteristika (mindestens zwei):
- Einseitiger Kopfschmerz
- Pulsierender Charakter
- Mittelstarke bis starke Schmerzintensität, erhebliche Behinderung der Tagesaktivität
- Verstärkung bei körperlicher Aktivität
- Begleitphänomene (mindestens eins):
- Übelkeit und/oder Erbrechen
- Lichtüberempfindlichkeit
- Lärmüberempfindlichkeit
- Attackenanzahl: wenigstens fünf vorangegangene Attacken
- Ausschluss symptomatischer Kopfschmerzen: durch ärztliche Untersuchung
Pflege bei Migräne: Strategien zur Linderung und Prävention
Die Pflege bei Migräne umfasst sowohl die Behandlung akuter Attacken als auch die Vorbeugung weiterer Anfälle. Da Schmerzwahrnehmung immer auf subjektiver Grundlage stattfindet, muss die Behandlung individuell an die Bedürfnisse des Patienten angepasst werden. Ausreichendes Wissen und Professionalität sind wichtig, wenn es zur Auseinandersetzung mit Schmerzen kommt.
Behandlung akuter Migräneattacken
Zunächst kann versucht werden, den Migränekopfschmerz mit Allgemeinmaßnahmen zu lindern. Da kann es ausreichend sein, körperliche Arbeit zu unterbrechen, sich hinzulegen und sich mit Verdunkelung oder Abstellen des Radios eine Reizabschirmung zu verschaffen. Hilfreich kann eine selbst durchgeführte Akupressur mit Druck auf die Schläfen- und Nackenmuskulatur sein. Bewährt hat sich eine Kühlung der Stirn und/oder des Nackens z. B. mit einem „Coldpack“ aus dem Eisschrank oder durch Auftragen von Pfefferminzöl auf die Stirn und den Nacken beidseits, das durch Verdunstung ebenfalls kühlt.
Reichen diese Maßnahmen nicht aus, dann kann die Migräneattacke mit einem freiverkäuflichen Schmerzmittel oder einem speziellen Migränemedikament behandelt werden. Je früher das Medikament zu Beginn einer Migräneattacke eingenommen wird, umso wirksamer ist es. Werden Migränemittel zur akuten Attackenbehandlung häufiger als 10-mal im Monat eingenommen, kann paradoxerweise die Häufigkeit der Migräneattacken zunehmen und sich das Migräneleiden verschlimmern.
Zur Verfügung stehen bei der Behandlung der Migräne nicht nur Medikamente, sondern auch nicht-medikamentöse Verfahren. Mithilfe dieser Methoden lässt sich die Migräne zwar nicht heilen, aber zumindest gut in den Griff bekommen.
Medikamentöse Behandlung
Gegen die Schmerzen selbst werden herkömmliche Schmerzmittel (Analgetika) wie Ibuprofen und Paracetamol oder - bei stärkeren Beschwerden - spezielle Migränemedikamente (Triptane) empfohlen. Manche dieser Medikamente sind verschreibungspflichtig, andere erhält man rezeptfrei in der Apotheke. Aber auch wenn Ihnen rezeptfreie Medikamente helfen, sollten Sie sich vorher von einem Arzt bei der Auswahl und Dosierung beraten lassen.
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- Antiemetika: Geht ein Migräneanfall mit Übelkeit und/oder Erbrechen einher, sollten Betroffene als Erstes zu einem Antiemetikum greifen: entweder Metoclopramid oder Domperidon. Beide Wirkstoffe sind als Tabletten verfügbar. Begleitet heftiges Erbrechen die Migräne, garantieren Zäpfchen mit Metoclopramid, dass der Wirkstoff auch tatsächlich in den Körper gelangt. Antiemetika wirken nicht nur gegen Übelkeit und Erbrechen, sondern verstärken auch die Wirkung von anschließend eingenommenen Schmerzmitteln!
- Mutterkornalkaloide (Ergotamine): Eine weitere Medikamentengruppe, die bei Migräne helfen kann, sind die sogenannten Mutterkornalkaloide (Ergotamine). Weil sie schlechter - aber länger - wirksam sind als Analgetika und Triptane und zudem vermehrt Nebenwirkungen auslösen, werden sie nur in Ausnahmefällen zur Behandlung akuter Migräneattacken empfohlen, etwa bei besonders lange anhaltenden Migränebeschwerden. Hier kann die längere Wirkdauer der Ergotamine also von Vorteil sein.
- Kortison: Kortikosteroide (umgangssprachlich: Kortison oder Cortison) werden bei einer länger als 72 Stunden anhaltenden Migräneattacke verabreicht: Bei einem solchen „Status migraenosus“ erhalten Betroffene eine einmalige Dosis Prednison oder Dexamethason. Studien zufolge können Kortikosteroide die Kopfschmerzen verringern und Wiederkehrkopfschmerzen reduzieren.
- Cannabis: Der Datenauswertung zufolge kann inhaliertes Cannabis bei Migräne und Kopfschmerzen den Schweregrad der Beschwerden deutlich verringern. Allerdings steigerten die Patienten mit der Zeit die Dosierung - das könnte ein Hinweis auf eine mögliche Toleranzentwicklung sein, die dazu führt, dass für eine Schmerzlinderung eine immer höhere Dosis Cannabis nötig ist.
Nicht-medikamentöse Behandlung
- Allgemeine Tipps: Meiden Sie Auslöser: Was können Sie tun, damit es gar nicht erst zu einer Migräneattacke kommt? Die klare Antwort lautet: Meiden Sie möglichst alle Faktoren, von denen Sie wissen, dass Sie Ihnen eine Migräne bescheren können. Diese sogenannten „Trigger“ können bestimmte Nahrungsmittel, ausgelassene Mahlzeiten, Saunabesuche und/oder Hektik und Stress im Alltag sein. Einen guten Überblick erhalten Sie, wenn Sie ein Migräne-Tagebuch führen. Seien Sie kein Perfektionist: Sich an Pläne, Prinzipien und eigene Erwartungen (an sich und andere) zu halten, ist gut - sofern man es nicht übertreibt. Dann lässt er sich manchmal noch stoppen, denn Schmerzmittel wirken besser bei frühzeitiger Einnahme. Achten Sie darauf, Kopfschmerz- bzw. Migränemedikamente nicht zu häufig einzunehmen, weil diese selbst zum Schmerzauslöser werden können (medikamenteninduzierter Kopfschmerz).
Vorbeugende Maßnahmen gegen Migräne
Treten Migräneattacken mehrmals im Monat auf oder halten Attacken sehr lange an und reagieren nicht ausreichend auf die medikamentöse Akuttherapie, dann kann eine Behandlung mit vorbeugend wirksamen Medikamenten erfolgen.
Vermeidung von Auslösefaktoren: Die beste Migräneattacke ist die, die erst gar nicht auftritt. Versuchen Sie deshalb, ihre Auslösefaktoren herauszufinden. Ein Kopfschmerztagebuch kann Ihnen dabei helfen. Erstellen Sie sich Kopien davon, und füllen Sie es regelmäßig aus. So können Sie erreichen, dass ausschließlich durch Verhaltensmaßnahmen Migräneattacken wesentlich weniger stark und häufig auftreten.
- Identifizieren und meiden Sie Ihre persönlichen Migräneauslöser
- Behalten Sie einen gleichmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmus bei, vor allem am Wochenende.
- Achten Sie auf regelmäßige Nahrungseinnahme. Versuchen Sie, Ihre gewohnten Essenszeiten einzuhalten
- Treiben Sie regelmäßig gesunden Sport, z. B. Schwimmen, Radfahren, Wandern; das hilft beim Entspannen
- Versuchen Sie eine ausgeglichene Lebensführung. Ein gleichmäßiger Tagesablauf kann Kopfschmerzen verhindern
- Lernen Sie, "nein" zu sagen. Lassen Sie sich nicht zu Dingen drängen, die Sie nicht tun wollen
- Lernen Sie das Entspannungstraining "Progressive Muskelrelaxation nach Jacobsen"
- Lassen Sie öfters einmal fünf gerade sein. Überfordern Sie sich nicht. Lassen Sie Dinge einfach einmal liegen, wenn sie Ihnen zu viel werden
Reduktion der Anfallsbereitschaft: Die zweite Möglichkeit, die Auslösung von Migräneattacken zu verhindern, ist die Reduktion der erhöhten Anfallsbereitschaft des Gehirns. Dazu stehen medikamentöse und nichtmedikamentöse Möglichkeiten zur Verfügung.
- Nichtmedikamentöse Verfahren: Auslösefaktoren wirken durch eine plötzliche Veränderung der normalen Hirnaktivität. Nichtmedikamentöse Verfahren zur Vorbeugung der Migräneattacke versuchen, die Hirnaktivität zu stabilisieren, damit plötzliche Störungen sich nicht auswirken können. Oberstes Gebot ist ein möglichst regelmäßiger Tagesablauf, der zu einer Synchronisation der Gehirntätigkeit und damit zu einer geringeren Störanfälligkeit führt. Das erfordert eine Planung und Regeln, an die Sie sich selbst halten müssen. Aber auch andere sind gehalten, auf diese Regeln Rücksicht zu nehmen. Fertigen Sie sich einen Stundenplan für die Woche. Achten Sie dabei darauf, dass Sie feste Zeiten für Mahlzeiten, Arbeit und Freizeit vorsehen. Lassen Sie in Ihrem Stundenplan auch Platz für spontane Entscheidungen. Der Plan soll Sie nicht an ein starres Zeitkorsett binden. Sinn ist vielmehr, einen ungleichmäßigen Tagesablauf gegen eine klare Struktur einzutauschen.
- Entspannungsverfahren: Jeden Tag sollten Sie mindestens 15 Minuten für Ihr Entspannungstraining einplanen. Am besten hat sich die progressive Muskelrelaxation nach Jacobsen bewährt. Kurse werden von Ärzten/Ärztinnen, Psychologen/Psychologinnen und Volkshochschulen angeboten. Es gibt auch Online-Selbstlernkurse. Die beste Zeit für die Durchführung eines Entspannungstrainings ist, wenn anschließend etwas Positives und Angenehmes auf dem Plan steht, z. B. eine Teepause oder der tägliche Spaziergang mit Ihrem Hund. Geben Sie nicht gleich auf, wenn es am Anfang nicht so klappt wie gewünscht. Ihr Stundenplan lässt sich mit zunehmender Erfahrung optimieren.
- Biofeedback-Therapie: In der Biofeedback-Therapie wird vom Therapeuten bzw. von der Therapeutin mit einem Gerät eine bestimmte Körperfunktion wie die Kopfmuskelaktivität oder der Pulsschlag gemessen. Die Ergebnisse werden für den Patienten/die Patientin z. B. auf einem Bildschirm angezeigt. Durch diese Rückmeldung ("feedback") kann der Patient/die Patientin direkt sehen, ob seine Muskeln entspannt sind oder sein Puls regelmäßig und langsam schlägt. In der weiteren Therapie wird gelernt, diese Körperfunktionen direkt und gezielt zu beeinflussen. Ziel ist eine unmittelbare willentliche Steuerung der Körperfunktionen.
- Selbstsicherheitstraining: Das Selbstsicherheitstraining soll Patientinnen in die Lage versetzen, für ihre persönlichen Rechte einzustehen und ihre eigenen Gedanken, Gefühle und Einstellungen auszudrücken. Selbstsicherheit und soziale Kompetenz können dazu führen, dass man sein Leben mit mehr innerer Gelassenheit und Ruhe leben kann. Wünsche werden mit möglichst geringem Aufwand realisiert. In Trainingssituationen werden den Patientinnen Aufgaben zur sozialen Kompetenz gestellt, die sie zu bewältigen haben. Die Übungen werden entweder im Rollenspiel in einer Gruppe, mit einem Therapeuten/einer Therapeutin oder Trainer bzw. Trainerin oder als Hausaufgabe "live" geübt. Es gibt sehr viele unterschiedliche Trainingsprogramme.
- Weitere Methoden: Es gibt eine Vielzahl von nichtmedikamentösen Maßnahmen, die bei manchen Patient*innen günstig auf den Migräneverlauf wirken. Zunächst sind hier weitere Entspannungsverfahren zu nennen, wie z. B. Thai Chi, Yoga oder verschiedene Meditationsarten. Diese Verfahren müssen erlernt werden und können nur bei regelmäßiger Anwendung wirken. Auch regelmäßiger Sport, Spazierengehen und bewusste Lebensführung sind Möglichkeiten, Stress im Alltag abzubauen und die Migräne günstig zu beeinflussen. Physikalische Therapieverfahren, wie Gymnastik, Massagen, Hydro- und Thermotherapie dienen dem gleichen Zweck.
Medikamentöse Vorbeugung: Sollten trotz Einhaltens der empfohlenen Verhaltensregeln weiterhin mehr als drei Migräneattacken pro Monat auftreten oder sprechen Patient*innen während der einzelnen Anfälle nicht prompt auf Medikamente an, kann eine medikamentöse Vorbeugung sinnvoll sein. Ziel ist es, durch regelmäßige tägliche Einnahmen von bestimmten Substanzen die Attackenhäufigkeit, -dauer und -intensität um die Hälfte zu reduzieren. Es wäre jedoch falsch zu glauben, Migräne könnte komplett unterdrückt werden. Migräne kann nicht geheilt werden! Genauso falsch wäre es, die Medikamente als Ersatz für Verhaltensmaßnahmen anzusehen.
- Häufig eingesetzte Substanzen sind die Betarezeptorenblocker Metoprolol.
- Monoklonale Antikörper: Wenn die normalerweise gut wirksamen Mittel zur Vorbeugung nicht helfen, nicht vertragen werden oder aus bestimmten Gründen nicht angewendet werden dürfen, kann man seit einiger Zeit auf monoklonale Antikörper zur Vorbeugung von Migräne zurückgreifen. Weil sie nur als Injektionslösung zur Verfügung stehen, spricht man auch von „Anti-Migräne-Spritzen“.
Pflanzliche Präparate
Im Zusammenhang mit einer Migräne-Prophylaxe werden oft auch pflanzliche Präparate genannt, beispielsweise mit Pestwurz oder Mutterkraut: Ein bestimmter Extrakt aus der Pestwurz (Petasites hybridus) hat sich in zwei Studien tatsächlich als vorbeugend gegen Migräneattacken erwiesen. In außergewöhnlich seltenen Fällen verursacht er aber schwere Störungen der Leberfunktion. Präparate mit Pestwurzextrakt zur Migräneprophylaxe sind in Deutschland, Österreich und der Schweiz nicht mehr als Arzneimittel erhältlich (teilweise aber als Nahrungsergänzungsmittel). Ebenfalls in zwei Studien konnte ein CO2-Extrakt aus Mutterkraut (Tanacetum parthenium) seine vorbeugende Wirkung gegen Migräne zeigen. In dieser Form wird Mutterkraut aber nicht vertrieben. Andere Zubereitungen von Mutterkraut wurden nicht auf ihre Wirksamkeit bei Migräne untersucht, weshalb sie auch nicht empfohlen werden können.
Die vorbeugende Einnahme von Medikamenten sollte immer mit nicht-medikamentösen Maßnahmen zur Migräneprophylaxe kombiniert werden.
Hausmittel gegen Migräne
Hausmittel gegen Migräne haben den Vorteil, dass sie den Organismus in der Regel nicht durch ausgeprägte Nebenwirkungen belasten. Andererseits ist die Wirkung der Hausmittel meist nicht wissenschaftlich bestätigt. Mediziner und Psychologen vermuten, dass in vielen Fällen auch der Placebo-Effekt - also der Glaube an die Wirksamkeit eines bestimmten Hausmittels - bei Betroffenen zu einer tatsächlichen Besserung führt. Hausmittel haben ihre Grenzen. Wenn die Beschwerden über einen längeren Zeitraum bestehen, nicht besser oder sogar schlimmer werden, sollten Sie immer ärztlichen Rat einholen.
- Pfefferminzöl: Das Öl wirkt erfrischend kühl auf der Haut, was Betroffene oft als sehr angenehm empfinden. Achten Sie bei der Anwendung darauf, dass kein ätherisches Öl in die Augen gelangt. Äußerlich aufgetragenes Pfefferminzöl ist nicht nur bei Migräne, sondern auch bei Spannungskopfschmerzen wirksam.
- Wärme- und Kälteanwendungen: Beginnt die Migräne mit einem Wärmegefühl im Kopf und kalten Füßen und/oder Händen, kann ein ansteigendes Arm- beziehungsweise Fußbad helfen, also ein Teilbad mit langsamer Temperaturerhöhung. Manchen Betroffenen helfen Wechselduschen bei der Linderung ihrer Beschwerden, aber auch eine heiße Dusche kann bei Migräne sinnvoll sein - oder ein Vollbad in 36 bis 38 Grad warmem Wasser. Ein Badezusatz aus Fichtennadeln und Rosmarin regt zusätzlich die Durchblutung an. Ebenfalls hilfreich sind Badezusätze aus Baldrian und Hopfen (zur Beruhigung) oder Arnika und Heublumen (zur Schmerzlinderung). Statt von Wärme profitieren andere Betroffene von Kälte: Eine kühle Kompresse auf der Stirn oder im Nacken während eines akuten Anfalls finden viele Patientinnen und Patienten sehr angenehm. Manche schwören auch auf ein kaltes Arm- oder Fußtauchbad.
- Tee gegen Migräne: Manche Betroffenen haben auch mit Heilpflanzentees gute Erfahrungen gemacht bei Migräne:
- Beispielsweise spricht die Volksmedizin Schlüsselblumentee (Primel) eine gute Wirkung bei Migräne zu.
- Ingwertee kann Übelkeit und Erbrechen, die oft einen Migräne-Anfall begleiten, lindern.
- Weidenrindentee hilft bei Kopfschmerzen und Migräne wegen der enthaltenen Salicylate.
- Weitere Tees, die gegen Migräne helfen sollen, sind Oregano, Zitronenmelisse, Lindenblüten und Rosmarin.
- Kaffee mit Zitrone: Koffein hat einen erweiternden Effekt auf die Blutgefäße.
- Aromatherapie: Auch mit der Aromatherapie werden gute Erfolge erzielt. Zur sanften Behandlung von Migräne-Kopfschmerzen eignet sich beispielsweise zehnprozentiges Pfefferminzöl. Das ätherische Öl wird auf Stirn, Schläfen und Nacken aufgetragen und wirkt schmerzlindernd. Daneben gibt es weitere Essenzen, die du gegen Migräne nutzen kannst: Grüner Apfel, Lavendel, Eukalyptus, Rosmarin, Kamille, Majoran. Die ätherischen Öle tragen zu deinem Wohlbefinden bei und können Körper und Geist entspannen.
- Salz-Eis-Packungen: Fülle bei einer akuten Migräne-Attacke einen Stoffbeutel mit einem Teil Salz und vier Teilen Eiswürfeln. Drücke diesen auf die pochenden, schmerzenden Schläfen oder leg ihn auf die Stirn. Das Salz stabilisiert das Eis und die Kälte betäubt den Schmerz.
- Ansteigendes Fußbad: Bemerkst du Anzeichen einer Migräne-Attacke, kann es sich überdies lohnen, ein ansteigendes Fußbad auszuprobieren. Stelle deine Füße in eine kleine Wanne und bitte jemanden, diese mit etwa 32 Grad warmem Wasser aufzufüllen. Nimm hierzu ein Thermometer zur Hilfe. Im Laufe der nächsten 20 Minuten sollte die Wanne schubweise mit heißem Wasser aufgefüllt werden, bis die Temperatur auf 42 Grad ansteigt. Das warme Wasser wirkt beruhigend und erweitert die Blutgefäße, sodass es gut als Hausmittel gegen Migräne eingesetzt werden kann.
- Armgüsse und Wechselduschen: Lasse kühles Wasser über deine Unterarme laufen. Das kurbelt den Kreislauf an. Der Wechsel zwischen warm und kalt wirkt ebenfalls belebend und kann Kopfschmerzen vertreiben.
Spezielle Aspekte der Migränepflege
- Migräne bei Senioren: Die Diagnose einer Migräne kann sich bei Senioren schwierig gestalten. Nicht selten haben alte Menschen eine andere Schmerzwahrnehmung als jüngere oder sind nicht in der Lage, ihren Bedürfnissen verbal ausreichend Ausdruck zu verleihen. Ferner kommt hinzu, dass andere Beschwerden nicht selten mit Migräne verwechselt werden. Trotzdem oder vielleicht gerade deshalb sollte bei Kopfschmerzen immer mit Schmerzmitteln gearbeitet werden. Nur so kann sichergestellt werden, dass der Schmerz eingedämmt wird und letztendlich nachlässt. Es sollte nicht darauf verzichtet werden, gleich zu Beginn der Beschwerden mit Schmerzmitteln entgegenzuwirken. Pflegerische Maßnahmen werden während einer Migräneattacke auf ein Minimum reduziert. Der Grund dafür liegt darin, dass jede Berührung des Körpers der betroffenen Person zu enormen Schmerzen führen kann. Es werden ausschließlich die Maßnahmen durchgeführt, die unbedingt nötig sind. Die Pflegekräfte sollten individuell entscheiden, ob Kälteanwendungen bei entsprechenden Patienten sinnvoll sind. Es ist wichtig, dass das Pflegepersonal dem Patienten ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen entgegenbringt. Extreme Schmerzen führen nicht selten zu schlechter Laune, die häufig an den Pflegefachkräften und Ärzten ausgelassen wird. Die wohl wichtigste Pflegemaßnahme ist eine angemessene Schmerzmittelversorgung.
- Selbsthilfegruppen: Eine Selbsthilfegruppe versteht sich als Hilfe zur Selbsthilfe für den Umgang mit dem Migräneleiden. Die Betroffenen können durch den Zusammenschluss mit ihren Leidensgenossen ihre persönlichen Erfahrungen mit der Erkrankung austauschen. Viele Betroffene, aber auch die Angehörigen in einer Selbsthilfegruppe, schöpfen Kraft aus einem persönlichen Gespräch mit ebenfalls an Migräne leidenden Gruppenmitgliedern, die die eigenen Schmerzen, Ängste oder auch Bedürfnisse nachvollziehen können. In besonderen Veranstaltungen mit Vorträgen und durch eigene Magazine oder Internetforen der Selbsthilfegruppen wird der Betroffene über den aktuellen Erkenntnisstand der Migräne-Forschung und über neue Behandlungsmöglichkeiten informiert. Die Selbsthilfegruppe unterstützt u. a. einseitig auftretenden Kopfschmerzattacken.