Pflegebetten bei Multipler Sklerose: Mehr Lebensqualität und Unabhängigkeit

Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, die das Gehirn und das Rückenmark betrifft. Die Krankheit ist durch eine Vielzahl von Symptomen gekennzeichnet, die von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich sein können. Viele Betroffene benötigen im Laufe der Zeit Hilfsmittel, um ihren Alltag besser bewältigen zu können. Ein Pflegebett kann hierbei eine wichtige Unterstützung darstellen.

Medizinische Indikationen für ein Pflegebett

Ein Pflegebett ist ein speziell entwickeltes Bett, das Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen den Alltag erleichtern soll. Es bietet eine Reihe von Funktionen, die über die eines normalen Bettes hinausgehen. Ob ein Seniorenbett oder Pflegebett mit medizinischen Indikationen sinnvoll ist, hängt von den individuellen Bedürfnissen und dem Krankheitsverlauf ab. Moderne medizinische Pflegebetten wurden gezielt für Menschen mit komplexen medizinischen Herausforderungen, wie schweren neurologischen Erkrankungen, entwickelt. Sie bieten spezifische Unterstützung für verschiedene neurologische und motorische Erkrankungen und deren charakteristische Symptome.

  • Multiple Sklerose: MS-Patienten kämpfen mit unvorhersehbaren Symptomen und schwankender Mobilität. Adaptable Pflegebetten passen sich flexibel an gute und schlechte Tage an. Die programmierbaren Funktionen können je nach aktuellem Zustand des Patienten angepasst werden, was besonders bei der unvorhersehbaren Natur von MS wertvoll ist. Bei MS kann ein Pflegebett das Leben viel leichter machen, wenn Aufstehen, Hinlegen und Setzen nicht mehr ohne Hilfe möglich sind oder wenn Schwierigkeiten beim Gehen, Aufrichten oder Umdrehen im Bett auftreten.

  • Parkinson-Erkrankung: Menschen mit Parkinson leiden unter Muskelsteifheit, Tremor und verlangsamten Bewegungen. Spezialisierte Pflegebetten unterstützen diese Patienten durch sanfte Bewegungsunterstützung beim Aufstehen und reduzieren die Anstrengung erheblich. Die programmierbaren Funktionen können an die schwankende Symptomatik angepasst werden, die für Parkinson typisch ist.

  • Alzheimer und Demenz: Bei fortschreitender Demenz wird die Sturzgefahr zu einem kritischen Problem. Moderne Pflegebetten bieten durch kontrollierte Aufstehfunktionen maximale Sicherheit und reduzieren das Risiko von Stürzen drastisch. Die einfache Bedienung berücksichtigt kognitive Einschränkungen und ermöglicht trotzdem selbstständige Nutzung. Für Menschen mit Demenz, die zu nächtlicher Bettflucht neigen, ist ein Drehbett bestens geeignet, da es auf eine niedrige Einstiegshöhe von 32 cm abgesenkt werden kann, was einem Niederflurbett gleichkommt.

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  • Schlaganfall-Folgen: Nach einem Schlaganfall sind oft eine Körperseite oder bestimmte Bewegungen beeinträchtigt. Spezialisierte Pflegebetten kompensieren diese Einschränkungen durch assistierte Bewegungen und ermöglichen auch bei Halbseitenlähmung sicheres Aufstehen und Transferieren.

  • Querschnittslähmung: Für Menschen mit Querschnittslähmung ist der sichere Transfer zwischen Bett und Rollstuhl von entscheidender Bedeutung. Ein Pflegebett mit Aufstehhilfe und Drehfunktion kann hier eine große Hilfe sein.

Vorteile eines Pflegebettes mit Aufstehhilfe und Drehfunktion

Ein Pflegebett mit Aufstehhilfe und Drehfunktion bietet sowohl für den Patienten als auch für die Pflegeperson zahlreiche Vorteile:

  • Mehr Selbstständigkeit: Der Patient kann selbst entscheiden, wann und wie er aufstehen möchte. Er kann bequem sitzen und sich einem Gesprächspartner zuwenden oder aus dem Fenster schauen.
  • Kräfte- und rückenschonende Arbeitsweise für die Pflegeperson: Die Drehfunktion ermöglicht es der Pflegeperson, den Patienten kräfte- und rückenschonend zu lagern, zu pflegen und zu therapieren.
  • Mehr Lebensqualität und weniger Schmerzen: Das Bett übernimmt die Arbeit, um vom Liegen ins Sitzen oder ins Aufstehen zu kommen. Damit entfällt das oft sehr schmerzhafte Ziehen und Anheben durch die Pflegeperson. Bei den Patienten kann dadurch pflegebedingten Gelenksentzündungen vorgebeugt werden.
  • Eigenmobilisierung schafft gesundheitliche Erleichterung: Ständig bettlägerige Menschen profitieren davon, dass sie sich selbst regelmäßig neu positionieren und mobilisieren können. Veränderte Sitz- und Liegepositionen stärken das Herz-/Kreislaufsystem, entlasten die Lunge und lassen freier atmen und können die Dekubitusgefahr reduzieren.
  • Wohlfühlatmosphäre: Durch das ansprechende Design erinnert nichts mehr an ein Pflegebett. Auch wenn im Wohnbereich gepflegt wird, vermittelt das Bett eine Wohlfühlatmosphäre und wirkt nicht störend.
  • Minimierung der Sturzgefahr: Die niedrige Einstiegshöhe von 32 cm minimiert die Sturzgefahr. Die individuelle Höheneinstellung erleichtert auch Menschen im Rollstuhl das Umsetzen ins Bett.
  • Mehr Unabhängigkeit: Betroffene, die noch selbstständig mit einer Gehilfe zur Toilette gehen oder sich ein Glas Wasser aus der Küche holen können, aber nicht mehr alleine aus dem Bett kommen, können für sich entscheiden, wann sie sich in der Nacht ein Glas Wasser holen oder auf die Toilette gehen.
  • Weniger Pflegezeit und geringere Pflegekosten: Je weniger Pflegezeit notwendig ist, umso geringer die Pflegekosten.
  • Länger selbstständig und unabhängig in den eigenen vier Wänden wohnen bleiben.

Für wen ist ein Pflegebett mit Aufstehhilfe geeignet?

Das Pflegebett mit Aufstehhilfe und Drehfunktion ist für alle Menschen geeignet, die nicht mehr ohne fremde Hilfe gehen können und z.B. auf den Rollator oder Rollstuhl angewiesen sind. Das sind unter anderem Menschen mit neurologischen Beeinträchtigungen wie Parkinson, MS, Lähmungen o.ä. Hier bietet das Pflegebett die Möglichkeit, sich ohne fremde Hilfe in eine aufrechte oder nach hinten geneigte Sitzposition zu bringen. Eine Viertel-Drehung später haben sie dann eine angenehme Sitzposition, um z.B. Fernsehen zu schauen oder ihr Essen an einem Beistelltisch zu sich zu nehmen. Das alles können die Betroffenen jetzt alleine machen, wo vorher eine Pflegeperson helfen musste.

Menschen im Rollstuhl profitieren ebenfalls von der Möglichkeit, das Bett weit nach unten absenken zu können. Das erleichtert das Übersetzen vom Rollstuhl aufs Bett.

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Pflegebedürftige mit Schluckstörungen können zur Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme in eine aufrechte und stabile Sitzposition gebracht werden und durch die Drehfunktion „außerhalb“ des Bettes essen und trinken.

Kostenübernahme durch die Krankenkasse

Es gibt Aufstehbetten, die im Hilfsmittelverzeichnis gelistet sind und eine Hilfsmittelnummer haben; somit ist bei entsprechender Indikation die Kostenübernahme durch die Kassen möglich. Um ein Pflegebett zu bekommen, ist es nicht zwingend notwendig, einen Pflegegrad zu haben. Ausschlaggebend ist, ob die Indikation erfüllt ist.

Wenn die Krankenkasse die Kosten nicht übernimmt, haben Sie die Möglichkeit, das Bett selbst zu kaufen oder zu mieten.

Es ist ratsam, sich von einem Arzt oder einer MS-Nurse beraten zu lassen, welche Hilfsmittel im individuellen Fall infrage kommen. Auch der Sozialverband VdK kann bei der Beantragung von Hilfsmitteln unterstützen.

Weitere Hilfsmittel bei Multipler Sklerose

Neben Pflegebetten gibt es eine Vielzahl weiterer Hilfsmittel, die das Leben mit MS erleichtern können. Dazu gehören:

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  • Alltagshelfer: Flaschen- und Glasöffner, Tubenausdrücker, spezielles Geschirr mit ergonomischen Griffen und einem Schutz vorm Verschütten.
  • Gehhilfen: Rollatoren, Rollstühle, Handbikes, Elektromobile, Scooter.
  • Orthesen: Systeme, die den Fußheber, der MS-bedingt schwächeln kann, stimulieren.
  • Inkontinenzhilfen: Hygieneartikel.
  • Kommunikationshilfen.
  • Sehhilfen.
  • Sitzhilfen.
  • Sprechhilfen.
  • Stehhilfen.

Die Bedeutung der Selbstständigkeit

Pflegebetten und Hilfsmittel können eine große Chance sein: Als Betroffene oder Betroffener können Sie sich über mehr Unabhängigkeit freuen und brauchen nicht immer Helfende an Ihrer Seite. Es ist wichtig, dass Menschen mit MS so lange wie möglich selbstständig und aktiv bleiben. Ein Pflegebett kann hierbei eine wertvolle Unterstützung bieten.

Spezialbetten für besondere Anforderungen

Pflegebedürftige Menschen haben sehr unterschiedliche Bedürfnisse. Spezialbetten bieten überzeugende Lösungen für viele Anforderungen.

  • Schwerlastbetten: Modelle wie Gigant und Allura bieten großen und kräftigen Menschen den Raum, den sie für erholsamen Schlaf und einen erfüllten Alltag benötigen.
  • Pflegebett für einen sicheren Rundum-Schutz: Das Spezialbett Regia v. gardo von Burmeier ist das optimale Pflegebett für Menschen, die von Krankheiten wie Chorea Huntington, Multiple Sklerose oder Epilepsie betroffen sind. Es bietet Schutz bei unkontrollierten Bewegungen und der Sorge um Stoßverletzungen.

Worauf Sie bei der Auswahl eines Pflegebettes achten sollten

Bei der Auswahl eines Pflegebettes sollten Sie folgende Punkte beachten:

  • Die individuellen Bedürfnisse des Patienten: Welche Funktionen sind notwendig, um den Alltag zu erleichtern?
  • Die Größe des Bettes: Passt das Bett in den Raum? Bietet es ausreichend Platz für den Patienten?
  • Die Belastbarkeit des Bettes: Ist das Bett für das Gewicht des Patienten geeignet?
  • Die Qualität des Bettes: Ist das Bett stabil und langlebig?
  • Der Preis des Bettes: Kann die Krankenkasse die Kosten übernehmen?

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