Pflegeplanung bei Apoplex: Beschäftigungsmöglichkeiten und umfassende Unterstützung

Ein Schlaganfall kann das Leben von Betroffenen und ihren Familien von einer Sekunde auf die andere verändern. Plötzlich werden alltägliche Aufgaben zu großen Herausforderungen. Eine sorgfältige Pflegeplanung ist unerlässlich, um den Betroffenen bestmöglich zu unterstützen und ihnen zu mehr Lebensqualität zu verhelfen. Diese Pflegeplanung konzentriert sich auf medizinische Versorgung, Alltagsgestaltung und psychologische Unterstützung.

Ursachen und Formen des Schlaganfalls (Apoplex)

Ein Schlaganfall, auch Hirnschlag genannt, ist eine ernste Erkrankung, die auftritt, wenn die Blutversorgung zu Teilen des Gehirns plötzlich unterbrochen wird. Dies kann zu einer Beschädigung des Gehirngewebes führen und langfristige Auswirkungen auf das Leben der betroffenen Person haben. Es gibt zwei Haupttypen von Schlaganfällen:

  • Ischämischer Schlaganfall (Hirninfarkt): Dies ist die häufigste Form, die etwa 80 % aller Fälle ausmacht. Er geschieht, wenn ein Blutgerinnsel den Blutfluss zu einem Teil des Gehirns blockiert. Etwa ein Viertel dieser Hirninfarkte geht auf kardioembolische (aus dem Herz stammende Embolie) und mikroangiopathische (Erkrankung der kleinen Blutgefäße) Ursachen zurück. Bei 10 % liegt eine Stenose (Verengung) hirnversorgender Gefäße vor. Eine transitorisch ischämische Attacke (TIA) hat die gleiche Ursache wie ein ischämischer Schlaganfall.
  • Hämorrhagischer Schlaganfall: Dieser Typ tritt auf, wenn ein Blutgefäß im Gehirn platzt oder reißt, was zu einer Blutung ins Gehirn führt.

Schlaganfälle können eine Vielzahl von körperlichen und kognitiven Auswirkungen haben, darunter Lähmungen oder Schwäche auf einer Körperseite (Hemiplegie), Sprach- und Sprechprobleme (Aphasie), Gedächtnis- und Verständnisschwierigkeiten sowie emotionale Probleme. Es ist wichtig, die Anzeichen eines Schlaganfalls zu erkennen und sofort medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen, um die Auswirkungen zu minimieren.

Schlaganfall rechtzeitig erkennen

Bei einem Menschen mit Verdacht auf einen Apoplex zählt jede Minute, um die Schädigung des Hirns zu begrenzen. Umso wichtiger ist es, sie schnell zu erkennen. Die aktuellen Leitlinien empfehlen die Anwendung des FAST-Tests. Er ermöglicht anhand typischer Schlaganfall-Symptome wie Lähmungen und Sprachstörungen eine einfache, schnelle Abklärung mit einer hohen Sensitivität von 82 %. Die Durchführung des FAST-Tests sieht wie folgt aus:

  • Face (Gesicht): Bitten Sie die zu untersuchende Person zu lächeln oder die Zähne zu zeigen. Ein herabhängender Mundwinkel oder eine Asymmetrie der Gesichtshälften deuten auf eine halbseitige Lähmung hin.
  • Arm: Bitten Sie die Person, ihre Arme nach vorne zu strecken, zu heben und dann die Handflächen nach oben zu drehen. Falls die Person nicht beide Arme heben kann, ein Arm sinkt oder sich dreht, deuten diese Anzeichen auf eine Lähmung hin.
  • Sprache: Lassen Sie die Person einen einfachen Satz sprechen. Achten Sie auf undeutliche oder verwaschene Sprache.
  • Time (Zeit): Wenn eines dieser Symptome auftritt, wählen Sie sofort den Notruf.

Neben dem FAST-Test werden bei Menschen mit (Verdacht auf) Schlaganfall verschiedene weitere Testverfahren zur Funktionsdiagnostik eingesetzt. In der Klinik wird zur Akutdiagnostik des Apoplex häufig die National Institutes of Health Stroke Scale (NIHSS) angewendet. Zur Evaluation der Patienten nach einem Schlaganfall wird häufig die Rankin-Skala verwendet.

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Der Weg der Genesung: Erste Schritte nach einem Schlaganfall

Die ersten Tage nach einem Schlaganfall sind entscheidend für die langfristige Gesundheit und das Wohlbefinden des Patienten. Ziel ist es, weitere Hirnschäden zu minimieren und den Erholungsprozess so schnell wie möglich zu starten.

Unmittelbar nach einem Schlaganfall wird der Patient in der Regel in ein Krankenhaus eingeliefert, wo Ärzte sofort mit der Behandlung beginnen. Diese umfasst in der Regel Medikamente, um das Blutgerinnsel aufzulösen und den Blutfluss im Gehirn wiederherzustellen (bei einem ischämischen Schlaganfall) oder die Blutung zu stoppen (bei einem hämorrhagischen Schlaganfall).

Nach der akuten Phase beginnt die Rehabilitation, die darauf abzielt, verlorene Fähigkeiten wiederzuerlangen und neue Wege zu finden, um mit verbleibenden Herausforderungen umzugehen. Dies kann Folgendes umfassen:

  • Physiotherapie: um Bewegung und Koordination zu verbessern
  • Ergotherapie: um Alltagsaufgaben zu erleichtern
  • Logopädie: um Schluck- und Kommunikationsprobleme zu behandeln

Die Familie und das Pflegepersonal spielen in dieser frühen Phase eine entscheidende Rolle. Ihre Unterstützung und Ermutigung können einen großen Unterschied machen. Es ist wichtig, Geduld zu haben, denn die Erholung von einem Schlaganfall kann langsam und ungleichmäßig verlaufen.

Parallel zur Rehabilitation beginnt die Planung für die Langzeitpflege. Hierbei wird evaluiert, welche Art von Unterstützung der Patient benötigt - sei es zu Hause, in einer Pflegeeinrichtung oder durch ambulante Pflegedienste. In diesem Zusammenhang spielt auch die Auswahl der passenden Pflegehilfsmittel eine wichtige Rolle, beispielsweise Pflegebetten, spezielle Matratzen oder pflegegerechte Möbel.

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Stationäre Therapie des Schlaganfalls

Die Behandlung eines Apoplex ist zeitkritisch und komplex. Patienten mit Schlaganfall sollten schnellstmöglich in einer spezialisierten Einheit (Stroke Unit) versorgt werden.

Eine kausale Therapie eines Schlaganfalls ist erst nach einer Differenzierung der vorliegenden Form mithilfe der bildgebenden Diagnostik möglich. Daher wird schnellstmöglich eine CT oder MRT durchgeführt - soweit möglich unter Kontrastmittelgabe, um die Gefäße darzustellen (CT-Angiografie oder MR-Angiografie).

Die allgemeinen Maßnahmen zur Kontrolle der Basisfunktionen (Blutdruck, Blutzucker, Körpertemperatur und Sauerstoffsättigung) werden intensiviert. Bei einem ischämischen Schlaganfall ist es das Ziel, den Gefäßverschluss schnellstmöglich wieder zu öffnen (Rekanalisation) und die Durchblutung wiederherzustellen (Reperfusion) - entweder mit Lyse-Medikamenten (Thrombolyse) oder mechanisch mit einer Thrombektomie. Bei einem hämorrhagischen Schlaganfall steht die schnelle Blutdrucksenkung im Vordergrund. Bei Patienten mit Blutgerinnungsstörungen kann eine Thrombozytentransfusion oder die Gabe von Gerinnungsfaktoren sinnvoll sein. Einige Patienten kommen für eine Operation infrage, um den Druck im Schädel zu senken. Bei Patienten mit einem ischämischen Schlaganfall besteht ein hohes Rezidivrisiko.

Pflegeplanung im Detail - diese Punkte müssen bedacht werden

Die Pflegeplanung nach einem Schlaganfall kann eine Herausforderung sein - sie erfordert eine sorgfältige Betrachtung der Bedürfnisse des Betroffenen, der verfügbaren Ressourcen und der Wünsche und Anforderungen des Patienten und seiner Familie. Dieser Plan soll dazu beitragen, die bestmögliche Betreuung und Lebensqualität für den Patienten sicherzustellen.

Zunächst ist es wichtig, die individuellen Bedürfnisse und Ziele des Patienten zu identifizieren. Dies kann eine Bewertung der körperlichen und kognitiven Fähigkeiten, der emotionalen Verfassung und der täglichen Aktivitäten einschließen. Dabei sollten folgende Punkte berücksichtigt werden:

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  • Aktivitäten des täglichen Lebens: Wie unabhängig kann der Patient essen, sich kleiden, sich bewegen, seine persönliche Hygiene bewältigen und soziale Interaktionen führen?
  • Gesundheitliche Bedenken: Welche medizinischen Bedingungen hat der Patient? Benötigt er Medikamente oder unterstützende Therapien?
  • Soziale Unterstützung: Werden Freunde und Familie in der Lage sein, Unterstützung zu leisten?

Sobald ein umfassendes Bild der Bedürfnisse des Patienten vorliegt, können Ziele für die Pflege festgelegt werden. Dies kann die Verbesserung der Mobilität, die Förderung der Unabhängigkeit oder die Bewältigung spezifischer gesundheitlicher Herausforderungen sein. Die Beteiligung des Patienten und seiner Familie an der Erstellung der Pflegeplanung kann zur Akzeptanz und Bindung an den Plan beitragen. Es ist wichtig, die Ziele und Maßnahmen der Pflege in regelmäßigen Abständen zu überprüfen und gegebenenfalls anzupassen.

Frühzeitige Rehabilitation von Menschen mit Schlaganfall

Neben der medizinischen Behandlung ist die frühzeitige Rehabilitation der Schlaganfallpatienten durch geschulte Pflegekräfte und ein interdisziplinäres Team aus den Bereichen Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie wichtig. Die S2e-Leitlinie empfiehlt, 48 Stunden nach dem Schlaganfallereignis mit einer Mobilisierung durch Pflegekräfte und Physiotherapeuten zu beginnen - sofern keine medizinischen Gründe dagegen sprechen. Zum Beispiel sollten Patienten mit einem leichten bis mittelschweren Schlaganfall häufige, kurze Aktivitäten außerhalb des Bettes durchführen.

Die besondere Rolle der Pflege in der Schlaganfallversorgung

Pflegefachkräfte spielen in der Versorgung von Schlaganfallpatienten eine zentrale Rolle. Sie übernehmen beispielsweise das Monitoring von Vitalparametern und die Überwachung der Patienten. Überdies koordinieren sie die Diagnose- und Therapiemaßnahmen sowie die Zusammenarbeit zwischen Therapeuten, Funktionsabteilungen, Patienten und Angehörigen.

Nach der Akutphase verlagert sich der Schwerpunkt in der Pflege auf zwei Aufgaben: Die Sekundärprävention eines weiteren Schlaganfalls vor allem durch die Überwachung einer geeigneten Medikation.

Schlaganfallkomplikationen vorbeugen: Dekubitus und Stürze

Das Risiko für einige Komplikationen lässt sich mit geeigneten pflegerischen Maßnahmen verringern.

Hohes Dekubitus-Risiko - auch nach der Krankenhausentlassung

Literaturangaben zufolge beträgt die Dekubitus-Inzidenz bei Patienten mit schlaganfallbedingten Lähmungen 20 % bis 70 %. Dabei gehen Dekubitus-Erkrankungen bei Schlaganfallüberlebenden auf eine komplizierte und multifaktorielle Pathogenese zurück. Risikofaktoren sind unter anderem:

  • Eingeschränkte Mobilität
  • Sensorische Beeinträchtigungen
  • Inkontinenz

Ein hohes Dekubitus-Risiko besteht bei Schlaganfallpatienten insbesondere nach der Entlassung aus dem Krankenhaus im häuslichen Umfeld. Um der Entstehung eines Dekubitus vorzubeugen, sollten u. a. regelmäßige Umlagerungen erfolgen.

Sturzprävention zur Vorbeugung weiterer Komplikationen

Bis zu 73 % der Schlaganfallpatienten stürzen innerhalb eines Jahres nach dem Ereignis. Daher sind Maßnahmen zur Sturzprävention besonders wichtig.

Autonomie und Würde: Unverzichtbare Aspekte der Schlaganfall-Pflege

Die Wiedererlangung von Autonomie und die Wahrung der Würde sind zentrale Aspekte in der Pflege nach einem Schlaganfall. Sie tragen nicht nur dazu bei, dass der Patient sein Leben trotz der neuen Herausforderungen als erfüllend empfindet, sondern sie stärken auch sein Selbstbewusstsein und seine Motivation, aktiv an der eigenen Genesung mitzuwirken.

Ein erster Schritt zur Förderung der Autonomie besteht darin, dem Patienten so viel Kontrolle wie möglich über seinen Alltag zu lassen. Das kann folgendermaßen erreicht werden:

  • Selbstbestimmung bei der Tagesgestaltung: Dazu gehört, dass der Patient selbst entscheiden kann, wann er aufstehen, essen oder Besuch empfangen möchte.
  • Beteiligung an Entscheidungen: Der Patient sollte aktiv in Entscheidungen über seine Pflege und Behandlung eingebunden werden.
  • Nutzung von Hilfsmitteln: Moderne Hilfsmittel können dazu beitragen, dass der Patient alltägliche Aufgaben selbst ausführen kann.

Gleichzeitig ist es wichtig, die Würde des Patienten zu achten. Im Kontext der Schlaganfall-Pflege bedeutet dies:

  • Respekt vor der Privatsphäre: So sollte beispielsweise beim Umziehen oder bei der Körperpflege so viel Privatsphäre wie möglich gewahrt werden.
  • Anerkennung als Individuum: Der Patient sollte nicht nur als Pflegefall, sondern als Person mit eigenen Wünschen, Interessen und Gefühlen gesehen werden.
  • Förderung von Selbstwertgefühl: Der Patient sollte ermutigt werden, seine Fähigkeiten und Fortschritte zu erkennen und wertzuschätzen.

Umgang mit spezifischen Herausforderungen in der Pflege

Je nach Ausprägung des Schlaganfalls können verschiedene spezifische Herausforderungen in der Pflege auftreten. Hier einige Beispiele und Lösungsansätze:

Aphasie (Sprachstörung)

  • Definition: Zentrale Sprachstörung, die das Sprechen, Lesen, Verstehen und Schreiben beeinträchtigen kann.
  • Umgang: Dem Patienten die Wörter nicht vorwegnehmen, langsam und deutlich sprechen, positive Rückmeldungen geben, Fehler nicht korrigieren, Freunde und Angehörige zur Kommunikation animieren.

Neglectphänomen

  • Definition: Der Betroffene nimmt eine Körperhälfte oder den Raum auf einer Seite nicht wahr.
  • Umgang: Den Betroffenen immer wieder auf die vernachlässigte Seite aufmerksam machen, Gegenstände auf dieser Seite platzieren, Aktivitäten auf dieser Seite fördern.

Hemiplegie (Halbseitenlähmung)

  • Definition: Lähmung einer Körperseite, oft verbunden mit Spastik.
  • Umgang: Lagerung nach Bobath, Mobilisation unter Berücksichtigung der betroffenen Seite, Hilfsmittel zur Unterstützung der Bewegung.

Schluckstörungen (Dysphagie)

  • Definition: Schwierigkeiten beim Schlucken von Nahrung und Flüssigkeiten.
  • Umgang: Angepasste Konsistenz der Nahrung, aufrechte Sitzposition beim Essen, sorgfältiges Anreichen des Essens, Kontrolle des Mundraums nach dem Essen.

Kognitive Einschränkungen

  • Definition: Gedächtnis-, Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen.
  • Umgang: Klare und einfache Kommunikation, kurze und strukturierte Anweisungen, ruhige Umgebung, Vermeidung von Überforderung.

Beschäftigungsmöglichkeiten und Alltagsgestaltung

Eine sinnvolle Beschäftigung und Alltagsgestaltung ist für Schlaganfallpatienten von großer Bedeutung, um ihre kognitiven und motorischen Fähigkeiten zu fördern, ihre soziale Interaktion zu verbessern und ihre Lebensqualität zu steigern. Hier einige Beispiele für Beschäftigungsmöglichkeiten:

  • Körperliche Aktivitäten: Spaziergänge, leichte Gymnastik, Schwimmen, Tanzen (je nach körperlicher Verfassung).
  • Kognitive Aktivitäten: Gedächtnistraining, Kreuzworträtsel, Lesen, Schreiben, Malen, Musizieren.
  • Soziale Aktivitäten: Besuch von Angehörigen und Freunden, Teilnahme an Gruppenaktivitäten, Besuch von kulturellen Veranstaltungen.
  • Alltagstraining: Üben von alltäglichen Aufgaben wie Kochen, Waschen, Anziehen.

Das Bobath-Konzept: Ein wichtiger Ansatz in der Rehabilitation

Das Bobath-Konzept ist ein umfassendes Bewegungskonzept zur Rehabilitation von Patienten mit Erkrankungen des zentralen Nervensystems, einschließlich Schlaganfall. Es basiert auf der Annahme, dass das Gehirn des Menschen lebenslang lernfähig ist und dass intakte Hirnareale die Funktionen der geschädigten Bereiche übernehmen können.

Grundlagen des Bobath-Konzepts

  • Individualität: Das Bobath-Konzept berücksichtigt stets die individuellen Möglichkeiten und Grenzen jedes einzelnen Patienten.
  • Alltagsbezug: Alle Übungen werden in den Tagesablauf integriert, um die Patienten in alltäglichen Situationen zu fördern.
  • Wiederholung: Durch immer wiederkehrende Bewegungsmuster werden die Nervenbahnen umprogrammiert und neue Verknüpfungen im Gehirn geschaffen.
  • Aktive Mitarbeit: Das Bobath-Konzept fordert die aktive Mitarbeit des Patienten, um seine motorischen Fähigkeiten und Selbstständigkeit zurückzugewinnen.

Anwendung des Bobath-Konzepts

  • Lagerung nach Bobath: Bei halbseitiger Lähmung empfiehlt sich die Lagerung nach Bobath, um die beeinträchtigten Körperpartien zu stimulieren und den Muskeltonus zu regulieren.
  • Mobilisation nach Bobath: Der Patient wird aktiv in sämtliche Positionswechsel einbezogen, beginnend mit einfachen unterstützenden Bewegungsabläufen.
  • Waschen nach Bobath: Beim Waschen wird stets von der gesunden zur kranken Seite hin gearbeitet, um die Körperwahrnehmung zu fördern.

Ergänzung durch Vojta-Therapie

In der Altenpflege kann die Krankengymnastik nach Vojta eine gute Ergänzung zum Bobath-Konzept sein. Hierbei aktivieren Physiotherapeuten die natürlichen menschlichen Bewegungsmuster über verschiedene Druckpunkte. Dadurch lassen sich Symptome wie beispielsweise Spastizität lindern und Bewegungsniveaus verbessern. Der Unterschied zu Bobath: Vojta soll angeborene Bewegungsmuster aktivieren, Bobath schafft neue Verknüpfungen im Gehirn.

Wichtige Aspekte für die Umsetzung

  • Zusammenarbeit: Alle an der Pflege beteiligten Personen müssen an einem Strang ziehen und den Patienten während des gesamten Tagesablaufs an die Übungen heranführen.
  • Beratung: Es ist ratsam, sich mit einem Physiotherapeuten zu beraten, der auf Bobath spezialisiert ist.

Pflege bei spezifischen Beeinträchtigungen

Die Pflege von Schlaganfallpatienten erfordert oft spezielle Anpassungen, um den individuellen Beeinträchtigungen gerecht zu werden. Hier einige Beispiele:

Pflege bei Hemiplegie

  • Lagerung: Lagerung auf der betroffenen Seite stimuliert die beeinträchtigten Körperpartien. Lagerung auf der nicht betroffenen Seite kann den Muskeltonus entspannen.
  • Mobilisation: Den Patienten aktiv in sämtliche Positionswechsel einbeziehen.
  • Körperpflege: Beim Waschen nach Bobath stets von der gesunden zur kranken Seite hin arbeiten.

Pflege bei Neglect

  • Aufmerksamkeit lenken: Gegenstände und Personen auf der betroffenen Seite platzieren, um die Aufmerksamkeit darauf zu lenken.
  • Visuelle Reize: Visuelle Reize auf der betroffenen Seite verstärken, z.B. durch farbige Markierungen.

Pflege bei Aphasie

  • Geduld: Geduldig zuhören und dem Patienten Zeit geben, sich auszudrücken.
  • Einfache Sprache: Einfache Sätze verwenden und Fachbegriffe vermeiden.
  • Nonverbale Kommunikation: Mimik, Gestik und Bilder zur Unterstützung der Kommunikation einsetzen.

Pflege bei Schluckstörungen

  • Konsistenzanpassung: Die Konsistenz der Nahrung an die Schluckfähigkeit des Patienten anpassen (püriert, angedickt).
  • Aufrechte Position: Den Patienten in einer aufrechten Position füttern.
  • Sorgfältiges Anreichen: Kleine Mengen Nahrung langsam und sorgfältig anreichen.
  • Mundpflege: Nach dem Essen den Mundraum sorgfältig reinigen, um Speisereste zu entfernen.

Hilfsmittel und technische Unterstützung

Eine Vielzahl von Hilfsmitteln und technischen Geräten kann die Pflege von Schlaganfallpatienten erleichtern und ihre Selbstständigkeit fördern. Dazu gehören:

  • Pflegebetten: Höhenverstellbare Betten mit Seitengittern erleichtern den Ein- und Ausstieg und bieten Sicherheit.
  • Rollstühle: Rollstühle ermöglichen die Fortbewegung und Teilnahme am sozialen Leben.
  • Gehhilfen: Rollatoren und Gehstöcke unterstützen die Mobilität undBalance.
  • Badewannenlifte und Duschstühle: Erleichtern die Körperpflege und reduzieren das Sturzrisiko.
  • Kommunikationshilfen: Sprechende Zeigetafeln und Tablets mit Sprachausgabe unterstützen die Kommunikation bei Aphasie.
  • Alltagshilfen: Spezielles Besteck, Dosenöffner und Greifzangen erleichtern dieVerrichtung alltäglicher Aufgaben.

Unterstützung für Angehörige

Die Pflege eines Schlaganfallpatienten ist eine große Herausforderung, die oft mit erheblichen Belastungen für die Angehörigen verbunden ist. Es ist wichtig, dass Angehörige sich nicht überfordern und professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten der Unterstützung:

  • Pflegedienste: Ambulante Pflegedienste übernehmen dieGrundpflege, medizinische Behandlungspflege und hauswirtschaftliche Versorgung.
  • Tagespflege: Tagespflegeeinrichtungen bieten einetagsstrukturierende Betreuung undEntlastung für die Angehörigen.
  • Selbsthilfegruppen: Selbsthilfegruppen bieten einen Austausch mit anderen Betroffenen und Angehörigen.
  • Pflegestützpunkte: Pflegestützpunkte beraten und informieren über alle Fragen rund um die Pflege.
  • Psychologische Beratung: Psychologische Beratung kann helfen, die emotionalen Belastungen zu bewältigen.

Pflegeplanung am Beispiel von Frau Wolken

Die Pflegeplanung für Frau Wolken berücksichtigt ihre eingeschränkte Bewegungsfähigkeit aufgrund eines Schwächegefühls im linken Arm, Koordinierungsproblemen mit der linken Hand und einer Parese des linken Beines. Diese Einschränkungen beeinflussen auch ihre Fähigkeit zur Selbstpflege. Die Pflegeziele umfassen die Verbesserung der Mobilität, insbesondere die Fähigkeit, allein aufzustehen und den linken Arm und die linke Hand bei der Pflege einzusetzen. Die Pflegemaßnahmen beinhalten physiotherapeutische Behandlungen wie Krankengymnastik und Massagen zur Aktivierung der betroffenen Körperteile. Die Mobilisation in der Pflege spielt eine zentrale Rolle bei der Rehabilitation von Schlaganfallpatienten.

Die Pflegeplanung für Frau Wolken berücksichtigt ihre Schwierigkeiten beim Ankleiden aufgrund der Parese des linken Beins und des Schwächegefühls im linken Arm. Trotz dieser Einschränkungen kann sie sich mit dem rechten Arm unterstützen und zeigt Motivation, ihre Selbstständigkeit wiederzuerlangen. Die Pflegemaßnahmen umfassen die Anleitung durch Pflegekräfte beim Ankleiden im Krankenzimmer. Dabei wird Wert darauf gelegt, dass Frau Wolken ihre Kleidung selbst auswählt, um ihre Autonomie zu fördern. Zusätzlich wird ihr Mann angeleitet, wie er sie beim Ankleiden unterstützen kann.

Die Pflegeplanung für Frau Wolken konzentriert sich auf die Verbesserung ihrer Kommunikationsfähigkeiten und ihrer Selbstständigkeit beim Essen und Trinken. Aufgrund ihrer eingeschränkten Artikulationsfähigkeit nach einem Schlaganfall benötigt sie Unterstützung bei der Kommunikation. Trotz dieser Herausforderung kann sie in einfachen Worten ihre Bedürfnisse äußern. Im Bereich Essen und Trinken zeigt Frau Wolken Schwierigkeiten bei der Zubereitung des Frühstücksbrots und beim Schneiden von Fleisch. Die Pflegemaßnahmen zielen darauf ab, ihre Selbstständigkeit in diesen Bereichen zu fördern. Bei der Kommunikation wird besonders auf Geduld und nonverbale Unterstützung durch Gestik und Mimik Wert gelegt.

Prophylaktische Maßnahmen zur Vermeidung eines erneuten Schlaganfalls

Bei der Pflege von Patienten mit Schlaganfall ist es besonders wichtig, erneuten Schlaganfällen vorzubeugen. In der Regel entsteht ein Schlaganfall durch eine Durchblutungsstörung im Gehirn, manchmal ist er aber auch Folge einer Hirnblutung. Glücklicherweise können Sie bei der Pflege bei Menschen mit Schlaganfall unmittelbar Rücksicht auf die klassischen Risikofaktoren nehmen.

Vorbeugende (prophylaktische) Maßnahmen auf einen Blick:

  • Vermeiden Sie Bluthochdruck: Bluthochdruck lässt Blutgefäße verkalken sowie verengen und erhöht somit das Schlaganfall-Risiko. Kontrollieren Sie daher regelmäßig die Blutdruckwerte - ein optimaler Wert liegt bei maximal 135/85 mmHg. Mit einer kochsalzarmen Ernährung und einem Gewichtsverlust können Sie den Blutdruckwert positiv beeinflussen.
  • Motivieren Sie Ihren Angehörigen mit dem Rauchen aufzuhören: Tabakkonsum erhöht ebenfalls das Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden.
  • Lassen Sie die Zuckerkrankheit überwachen: Diabetiker haben ein zwei- bis dreifach erhöhtes Schlaganfall-Risiko. Ist Ihr Angehöriger zuckerkrank, sollten seine Werte regelmäßig überprüft und bei Bedarf Insulin verabreicht werden.
  • Helfen Sie Ihrem Angehörigen dabei, Übergewicht zu verlieren: Auch Übergewicht kann das Schlaganfall-Risiko negativ beeinflussen. Mit einer nährstoffreichen, fleischarmen und betont pflanzlichen Ernährung kann Ihr Familienmitglied nicht nur überflüssiges Gewicht verlieren, sondern auch erhöhte Blutfette senken.

Ob Ihr Angehöriger sich nach einem Schlaganfall wieder vollständig erholt, ist zunächst nicht vorhersehbar.

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