Morbus Parkinson ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung, die das zentrale Nervensystem betrifft und sich hauptsächlich durch motorische Symptome wie Zittern, Steifheit, verlangsamte Bewegungen und Gleichgewichtsstörungen äußert. Neben der medikamentösen Behandlung spielt die Physiotherapie eine entscheidende Rolle bei der Linderung der Symptome und der Verbesserung der Lebensqualität von Parkinson-Patienten. In Reinickendorf gibt es spezialisierte Physiotherapeuten, die maßgeschneiderte Behandlungen anbieten, um den individuellen Bedürfnissen der Patienten gerecht zu werden. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der Parkinson-Behandlung durch Physiotherapie in Reinickendorf.
Die Bedeutung der Physiotherapie bei Parkinson
Die Physiotherapie ist ein wesentlicher Bestandteil der umfassenden Behandlung von Morbus Parkinson. Sie zielt darauf ab, die motorischen Fähigkeiten zu verbessern, die Steifheit zu reduzieren, das Gleichgewicht zu stabilisieren und die allgemeine körperliche Fitness zu erhalten. Durch gezielte Übungen und Techniken können Physiotherapeuten den Patienten helfen, ihre Selbstständigkeit im Alltag so lange wie möglich zu erhalten.
Ganzheitliche Behandlung
Ein wichtiges Anliegen der Physiotherapeuten ist es, den Betroffenen und den sie pflegenden Angehörigen eine ganzheitliche Behandlung anzubieten. Diese umfasst sowohl die motorischen Symptome als auch die nicht-motorischen Symptome, die im Krankheitsverlauf immer stärker in den Vordergrund rücken können. Zu den nicht-motorischen Komplikationen gehören Depressionen, Halluzinationen, Verwirrtheitszustände und Demenz.
Erstdiagnose und komplexe Therapie
Neben der Behandlung des bereits diagnostizierten Parkinson-Syndroms sind Neurologen auch in der Erstdiagnose bei unklaren Bewegungsstörungen tätig. In der Parkinson-Komplexbehandlung können alle Betroffenen mit einem Parkinson-Syndrom behandelt werden, die motorisch in der Lage sind, an einer Gruppentherapie teilzunehmen. Die Dauer des Aufenthalts richtet sich nach den Bedürfnissen des Patienten.
Therapiekonzepte in der Physiotherapie
Für die physiotherapeutische Behandlung von neurologischen Erkrankungen gibt es drei unterschiedliche Therapiekonzepte:
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- Bobath-Therapie
- Vojta-Therapie
- PNF-Therapie
Jede dieser Behandlungsformen hat unterschiedliche Schwerpunkte und Therapieansätze. Allen gemeinsam ist eine eingehende Befundung zu Beginn der Behandlung sowie eine enge Zusammenarbeit zwischen Therapeut und Patient.
Bobath-Therapie
Die Bobath-Therapie wurde von Dr. Karel Bobath und seiner Frau, der Physiotherapeutin Dr.h.c. Berta Bobath, entwickelt. Verordnet wird Bobath z. B. als physiotherapeutische Behandlung nach Schlaganfällen oder Schädel-Hirn-Verletzungen. Auch Patienten mit Morbus Parkinson und Multipler Sklerose können von dieser Therapieform profitieren. Im Gegensatz zu den meisten anderen Therapien ist Bobath ein handlungsorientiertes Konzept ohne standardisierte Übungsfolgen. Voraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung ist die konsequente Förderung und Stimulation des Patienten - möglichst durch alle betreuenden Personen. Die Bobath-Therapie ist ein bewegungstherapeutisches Behandlungskonzept ohne vorgeschriebene Techniken oder Übungen. Im Mittelpunkt steht das handlungsorientierte Training körperlicher, geistiger, emotionaler und sozialer Fähigkeiten. Angewendet wird die Bobath-Therapie vor allem bei Patienten, deren Motorik, Wahrnehmung oder Gleichgewicht aufgrund neurologischer Funktionsstörungen beeinträchtigt sind. Vorrangiges Behandlungsziel ist es, die Selbstständigkeit und Handlungsfähigkeit im Alltag durch Eigenaktivität so gut wie möglich wiederherzustellen.
PNF-Therapie
PNF (Propriozeptive Neuromuskuläre Fazilitation) kann in vielen klinischen Bereichen eingesetzt werden - insbesondere in Neurologie, Orthopädie und Chirurgie. Ziel der Therapie ist es, durch gezielte Stimulation das Zusammenspiel zwischen Nerven und Muskeln zu erleichtern und zu verbessern. Dabei werden vorhandene Fähigkeiten des Patienten genutzt und gezielt zur Verbesserung der Bewegungs- und Haltungskontrolle eingesetzt. Angewendet wird die Therapie vor allem bei Bewegungsstörungen aufgrund Multipler Sklerose, Morbus Parkinson, eines Schädel-Hirn-Traumas oder Schlaganfalls, ebenso nach Sportunfällen und Gelenkoperationen. Bei der PNF-Therapie werden Propriozeptoren gezielt angeregt. Diese Rezeptoren befinden sich in Muskeln, Gelenken und Sehnen und leiten Informationen über die Haltung und Bewegung des Körpers an das zentrale Nervensystem weiter. Durch gezielte Stimulation der betroffenen Körperabschnitte werden natürliche Bewegungsmuster, die im zentralen Nervensystem abgespeichert sind, angeregt.
Vojta-Therapie
Die Vojta-Therapie wird zur physiotherapeutischen Behandlung von Haltungs- und Bewegungsstörungen sowie bei Störungen des zentralen Nervensystems eingesetzt. Grundprinzip der von Prof. Dr. Václav Vojta entwickelten Therapie ist die Aktivierung von automatischen Bewegungsmustern, die von Geburt an im zentralen Nervensystem angelegt sind. Durch wiederholtes Auslösen dieser Muster werden Blockaden innerhalb der nervlichen Netzwerke zwischen Gehirn und Rückenmark gelöst oder neue nervliche Verbindungen gebahnt. Auslöser ist stets ein gezielter Druck des Therapeuten auf eine spezifische Körperzone. In der Vojta-Therapie werden keine aktiven Bewegungsmuster oder Bewegungsfunktionen geübt. Über gezieltes Stimulieren (Triggern) bestimmter Auslösezonen (Triggerpunkte) an bestimmten Stellen des Körpers oder der Extremitäten werden motorische Basismuster bzw. Reflexe ausgelöst. Ziel ist es, Bewegungsmuster und angeborene Funktionen zu aktivieren und zu verbessern.
Spezialisierte Therapieangebote in Reinickendorf
In Reinickendorf gibt es verschiedene Physiotherapiepraxen und Therapiezentren, die sich auf die Behandlung von neurologischen Erkrankungen wie Morbus Parkinson spezialisiert haben. Diese Einrichtungen bieten ein breites Spektrum an Therapieangeboten, die auf die individuellen Bedürfnisse der Patienten zugeschnitten sind.
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Neurologisches Therapiezentrum
Ein Beispiel ist das Neurologische Therapiezentrum in Berlin-Niederschönhausen, das Patientinnen mit neurologischen und orthopädischen Erkrankungen versorgt. Dank der seit 1994 stetig ausgebauten Expertise und einem ganzheitlichen Behandlungskonzept können die Therapeuten auf jede individuelle Situation gezielt eingehen. Das Zentrum bietet Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie an, wobei die Therapeutinnen eng zusammenarbeiten, um eine strukturierte, fachübergreifende Kommunikation und eine individuelle Zielplanung zu gewährleisten.
Therapieziele in der Physiotherapie
Bei Erwachsenen wird Krankengymnastik ZNS angewendet, um natürliche Bewegungsmuster sowie Körperwahrnehmung, Gleichgewicht und Bewegungsübergänge zu verbessern. Ziel ist es, die Selbstständigkeit des Patienten im Alltag so schnell und gut wie möglich zu erhöhen und somit auch die Lebensqualität zu steigern. Ziel bei der Therapie bei Kindern ist es dagegen, Entwicklungsverzögerungen, Wahrnehmungsstörungen, Koordinations- oder Bewegungsstörungen durch gezielte Bewegungsreize zu behandeln. Je nach Alter werden dabei verschiedene Methoden eingesetzt, um das motorische Lernen anzuregen. Diese Methoden werden auch bei schwerst- oder mehrfachbehinderten Säuglingen und Kindern angewendet, um natürliche Bewegungen und Bewegungsübergänge zu üben.
LSVT-BIG Therapie
Die LSVT-BIG Therapie ist ein standardisiertes, wissenschaftlich fundiertes Behandlungsprogramm, das speziell für Menschen mit Morbus Parkinson entwickelt wurde. Sie wird im WALK AGAIN Center in Berlin Mitte als wichtiger Bestandteil der neurologischen Therapieverfahren angeboten. Bei Parkinson kommt es durch den Dopaminmangel zu einer veränderten Bewegungswahrnehmung: Betroffene nehmen ihre Bewegungen als normal wahr, obwohl diese für Außenstehende bereits deutlich verkleinert erscheinen. Die im LSVT-BIG trainierten großen Bewegungsamplituden werden im robotergestützten Gang- und Armtraining weiter gefestigt und automatisiert. Die Wirksamkeit von LSVT-BIG ist durch zahlreiche wissenschaftliche Studien belegt und wird von führenden Parkinson-Gesellschaften empfohlen.
Weitere Therapieangebote
Neben den genannten Therapiekonzepten gibt es weitere Angebote, die den Therapieerfolg unterstützen können:
- Ergotherapie: Ergotherapie unterstützt Patient*innen dabei, eingeschränkte bzw. verloren gegangene Fähigkeiten wiederzuerlangen. Ziel der Ergotherapie ist es, die Mobilität, Sensibilität und Geschicklichkeit der Betroffenen zu fördern, um ihnen die Bewältigung ihres Alltags zu erleichtern und damit ihre Lebensqualität zu verbessern. Dazu gehören u. a. individuelle Hilfsmittelberatung und -anpassung.
- Logopädie: In der Logopädie werden Patient*innen mit Sprech-, Sprach-, Stimm- und Schluckstörungen behandelt und unterstützt, ihre Beschwerden zu bewältigen oder zu kompensieren.
- Neuropsychologie: Die Neuropsychologie spielt eine entscheidende Rolle in der Geriatrie, insbesondere bei der Diagnostik und Behandlung von Krankheitsbildern wie der Alzheimer Demenz, Morbus Parkinson, dem Schlaganfall oder dem postoperativen Delir. Des Weiteren werden psychische Störungen wie Depression oder Angststörungen untersucht und behandelt.
- Gerätegestütztes Training: Das Training mit Geräten und Hilfsmitteln unterstützt Sie effektiv bei der Aufrechterhaltung bzw. Wiedererlangung ihrer motorisch-funktionellen Fähigkeiten und kann einen wichtigen Teil zu Ihrer Genesung beitragen.
Finanzierung der Physiotherapie
Soweit eine medizinische Notwendigkeit beim Patienten besteht, können alle niedergelassenen Ärzte aller Fachrichtungen ein Rezept zur Physiotherapie als sogenanntes Heilmittel ausstellen. Dazu zählen z.B. Hausärzte, Orthopäden, Durchgangsärzte, Neurologen, Zahnärzte, aber auch Dermatologen und Lymphologen. Dabei werden manche Heilmittel von manchen Fachrichtungen der Ärzte häufiger verordnet. So verschreiben Neurologen z.B. häufiger Krankengymnastik ZNS. Die meisten Verordnungen für Physiotherapie stellen jedoch Hausärzte und Orthopäden aus. Die Kosten sind im Heilmittelkatalog festgelegt und richten sich nach der verordneten Maßnahme. In der Regel beträgt die Zuzahlung für Patienten 10 % der Behandlungskosten zuzüglich 10 Euro pro Rezept. Bei Patienten, die eine Bescheinigung über eine Befreiung von der Zuzahlung von ihrer Krankenkasse haben, übernimmt die Krankenkasse 100 % der Kosten. Bei Arbeitsunfällen übernimmt die Berufsgenossenschaft die gesamten Kosten für die verordneten Therapien. Bei Privatpatienten richten sich die Kosten für eine Behandlungseinheit nach dem gewählten Leistungssatz. Pro Rezept können maximal 10 Einheiten verordnet werden. Der Gesamtumfang der Behandlung richtet sich nach der Diagnose und kann bei Erwachsenen bis zu 30 Einheiten und bei Kindern (bis zum vollendeten 18. Lebensjahr) bis zu 50 Einheiten betragen. Therapeutisch sinnvoll sind dabei 1 bis 3 Behandlungen pro Woche. Genaueres legt Ihr behandelnder Arzt fest. Eine Therapieeinheit dauert ca. 25 Minuten; bei doppelter KG-ZNS sind es ca.
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Faktoren für den Therapieerfolg
Der Erfolg einer Behandlung hängt von zahlreichen Faktoren ab wie z. B. der Art oder dem Schweregrad der Erkrankung bzw. Einschränkung. Auch die Vorerkrankungen und der Lebensstil jedes Patienten spielen eine Rolle. Etliche weitere Faktoren können sich positiv oder negativ auf den Behandlungs- und Krankheitsverlauf auswirken. Besonders wichtig ist aber die Mitarbeit des Patienten. Möchten Sie also schnell wieder schmerzfrei werden, müssen Sie aktiv zu Ihrer Genesung beitragen.
Mögliche Erstverschlechterung
In einigen Fällen kann es zu einer Erstverschlechterung oder einer anfänglichen Verschlechterung des Gesundheitszustandes kommen. Der Heilungsprozess insgesamt wird jedoch in der Regel durch Physiotherapie unterstützt und positiv beeinflusst - auch wenn nicht sofort nach jeder Behandlung ersichtlich ist, wie wirksam sie ist. Oft stellt sich der Erfolg einer Therapie erst nach und nach ein.
Gültigkeit von Verordnungen
Verordnungen der Krankenkassen sind generell 28 Tage gültig. Bei einem dringenden Behandlungsbedarf muss die Behandlung innerhalb von 14 Tagen starten. Dies wird auf der Verordnung gesondert vermerkt. Verordnungen von Berufsgenossenschaften (Unfall-/ Durchgangsärzten) müssen innerhalb von 7 Tagen begonnen werden.
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