Einführung
Pilzinfektionen, insbesondere solche, die das Nervensystem betreffen, stellen eine zunehmende Bedrohung für die öffentliche Gesundheit dar. Obwohl sie oft übersehen werden, können sie für bestimmte Bevölkerungsgruppen lebensbedrohlich sein. In diesem Artikel werden wir uns mit der Thematik des Pilzbefalls des Nervensystems auseinandersetzen, wobei wir uns auf den aufkommenden Pilz Candida auris konzentrieren und die Risiken, die Verbreitung, die Behandlungsmöglichkeiten und die Präventionsstrategien beleuchten.
Die wachsende Bedrohung durch Pilzerkrankungen
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat kürzlich einen Bericht veröffentlicht, in dem sie vor 19 krankheitserregenden Pilzen warnt, die eine globale Gefahr für die öffentliche Gesundheit darstellen. Diese Pilze, darunter Candida auris, stellen aufgrund ihrer potenziellen Resistenz gegen Antimykotika und ihrer Fähigkeit, schwere Infektionen zu verursachen, ein besonderes Problem dar.
Candida auris: Ein aufkommender Erreger
Candida auris ist eine relativ neue Pilzart, die erstmals 2009 in Japan beschrieben wurde. Seitdem hat sie sich rasch über den Globus ausgebreitet und in mehr als 50 Ländern nachgewiesen. Dieser Hefepilz unterscheidet sich von anderen Candida-Arten durch seine Fähigkeit, sich leicht von Mensch zu Mensch durch Schmierinfektionen zu übertragen, was zu Ausbrüchen in Krankenhäusern führen kann.
Die rasche Ausbreitung von Candida auris wird auf mehrere Faktoren zurückgeführt, darunter die internationale Mobilität von Menschen und Gütern sowie der Klimawandel. Der Klimawandel schafft in vielen Regionen der Welt günstigere Lebensbedingungen für Pilze, was ihre Ausbreitung begünstigt.
Wie Candida auris das Nervensystem befällt
Candida auris kann verschiedene Organe und Systeme im Körper befallen, einschließlich des zentralen Nervensystems (ZNS). Wenn der Pilz in den Blutkreislauf gelangt, kann er sich im ganzen Körper ausbreiten und zu einer Sepsis (Blutvergiftung) führen. In diesem Fall kann der Hefepilz das zentrale Nervensystem, Nieren, Leber, Knochen, Muskeln, Gelenke, Milz oder Augen befallen, was sich unter anderem durch hohes Fieber und Schüttelfrost bemerkbar macht.
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Infektionen des zentralen Nervensystems (ZNS) sind zwar selten, haben aber eine schlechte Prognose mit hoher Mortalität und führen zu langen Liegezeiten sowie hohen Kosten. ZNS-Infektionen können durch Pilze, Protozoen, Bakterien und Viren verursacht werden, jedoch sind Virusinfektionen am häufigsten relevant. Die klinische Symptomatologie umfasst unabhängig von der Art des Erregers neben Allgemeinsymptomen wie Krankheitsgefühl, Fieber und Übelkeit/Erbrechen auch organspezifische Symptome wie Kopfschmerzen, Photophobie, Nackensteifigkeit bis hin zu epileptischen Anfällen.
In einem Fallbericht aus den Vereinigten Arabischen Emiraten überlebte ein Patient mit einer schweren Candida-auris-Infektion im Gehirn die Erkrankung und konnte gesund wieder nach Hause gehen. Der 34-jährige Mann aus Südasien hatte sich nach einem Schädel-Hirn-Trauma infolge eines Unfalls im Krankenhaus mit Candida auris infiziert. Der Pilz griff sein Gehirn an und führte dort zu Flüssigkeitsansammlungen. Erst durch weiterführende Untersuchungen konnte Candida auris als Ursache der Infektion identifiziert werden - drei Monate nach seiner Einlieferung. Die anschließende Therapie bestand aus einer Kombination verschiedener Antimykotika.
Risikogruppen
Obwohl Candida auris für gesunde Menschen in der Regel keine Gefahr darstellt, können Infektionen für Menschen mit Vorerkrankungen oder einem geschwächten Immunsystem lebensbedrohlich sein. Zu den Risikogruppen gehören:
- Patienten auf der Intensivstation
- Menschen mit Vorerkrankungen
- Menschen mit eingeschränktem Immunsystem
- Kleine Kinder, deren Immunsystem noch nicht voll ausgereift ist,
- Ältere Menschen, deren Immunsystem schwächer wird,
- Personen nach einer Organtransplantation,
- Patientinnen oder Patienten nach einer Operation,
- Krebspatientinnen und -patienten während einer Chemotherapie,
- Menschen mit Diabetes,
- Menschen, die häufig Antibiotika einnehmen.
- Patientinnen oder Patienten in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen, da sie meist vorerkrankt oder etwas älter sind.
- Menschen, die mit medizinischen Geräten wie Venen- oder Harnwegskathetern versorgt werden, Magensonden tragen oder auf ein Beatmungsgerät angewiesen sind.
Symptome einer Candida-auris-Infektion
Die Symptome einer Candida-auris-Infektion können je nach betroffenem Organ variieren. Zu den häufigsten Symptomen gehören:
- Fieber
- Schüttelfrost
- Ohrinfektionen mit Schmerzen, Juckreiz und Überwärmung
- Wundinfektionen mit Rötung, Schwellung und Schmerzen
- Schmerzhafte Harnwegsinfekte mit Brennen, Harndrang und Trübung des Urins
Gelangt der Erreger etwa in den Blutkreislauf, kann es zu einer „Pilzsepsis“, oft Blutvergiftung genannt kommen, die häufig tödlich endet. Auch Fremdmaterialien im Körper kann der Pilz befallen wie etwa Gelenkprothesen, Katheter - gerade diese Infektionen lassen sich nur schwer behandeln.
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Diagnose und Behandlung
Die Diagnose einer Candida-auris-Infektion kann schwierig sein, da der Pilz leicht mit anderen Pilzarten verwechselt werden kann. Die Diagnose erfordert in der Regel eine Kultivierung von Proben aus infizierten Stellen, wie z. B. Blut, Urin oder Wundabstrichen. Wichtig ist es, den Hefepilz schnell und genau als Candida auris zu identifizieren. Hierzu nimmt man beispielsweise Abstriche von der Haut. Bei einer bereits bestehenden Infektion eignen sich sowohl Proben aus dem Wund- oder Atemwegssekret als auch Blut- oder Urinproben, je nach Körperregion der Infektion. Anschließend kommt die Probe ins Labor, wo sie kultiviert wird, damit ein Pilz - falls vorhanden - herangezüchtet werden kann. Das dauert mehrere Tage. Anhand des Aussehens der herangezüchteten Kultur identifizieren Expertinnen und Experten den Pilz.
Die Behandlung von Candida-auris-Infektionen kann aufgrund der Resistenz des Pilzes gegen viele Antimykotika eine Herausforderung darstellen. In der Regel werden Echinocandin-Antimykotika eingesetzt. Wenn diese Behandlung nicht wirksam ist, können andere Antimykotika wie Amphotericin B oder eine Kombination von Arzneimitteln eingesetzt werden. Die Behandlung einer Infektion erfolgt mit geeigneten Antimykotika, also Antipilzmitteln. Medizinerinnen und Mediziner richten die Therapie auch an der Grunderkrankung der Betroffenen, ihrem Alter, der Schwere der Infektion, einer Einschränkung des Immunsystems sowie der Nierenfunktion aus.
Gesunde Menschen, bei denen lediglich eine Kolonisation, also eine Besiedlung von Candida auris nachgewiesen wird, werden nicht mit einem Antimykotikum behandelt. Bei besiedelten Patientinnen und Patienten mit einem geschwächten Immunsystem kann der Hefepilz jedoch in den Körper eindringen und eine Infektion verursachen. Deswegen reicht es zunächst, die Kontaktpersonen zu überwachen. Patientinnen und Patienten im Krankenhaus oder in einer Pflegeeinrichtung, die sich tatsächlich infiziert haben, sollten separat von anderen Personen untergebracht werden. Dazu kommen entsprechende Hygienemaßnahmen. Hierzu gehört eine gründliche Reinigung der Hände mit Wasser, Seife und Desinfektionsmitteln. Das gilt nicht nur für das medizinische Fachpersonal, sondern auch für Besucherinnen und Besucher im Krankenhaus oder im Pflegeheim. Oberflächen sollten mit Desinfektionsmitteln gereinigt werden, die gegen Candida auris wirksam sind. Medizinisches Personal sollte im Umgang mit den infizierten Patientinnen und Patienten zusätzlich Handschuhe und Schutzkleidung tragen.
Prävention
Die Prävention von Candida-auris-Infektionen ist entscheidend, um die Ausbreitung des Pilzes zu verhindern. Zu den wichtigsten Präventionsmaßnahmen gehören:
- Händehygiene: Regelmäßiges Händewaschen mit Wasser und Seife oder die Verwendung von Händedesinfektionsmitteln ist unerlässlich, um die Übertragung von Candida auris zu verhindern.
- Umweltreinigung: Die ordnungsgemäße Reinigung und Desinfektion von Oberflächen in Gesundheitseinrichtungen ist wichtig, um die Ausbreitung des Pilzes zu reduzieren.
- Infektionskontrollmaßnahmen: Gesundheitseinrichtungen sollten strenge Infektionskontrollmaßnahmen implementieren, um die Ausbreitung von Candida auris zu verhindern. Dazu gehören die Isolierung infizierter Patienten, die Verwendung von Schutzkleidung durch medizinisches Personal und die ordnungsgemäße Entsorgung von kontaminierten Materialien.
- Überwachung: Die Überwachung von Candida-auris-Infektionen ist wichtig, um Ausbrüche frühzeitig zu erkennen und geeignete Maßnahmen zu ergreifen.
Gesunde Menschen profitieren von einem starken Immunsystem und müssen im Grunde keine Infektion mit Candida auris befürchten.
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Die Rolle der Forschung
Weitere Forschung ist erforderlich, um Candida auris besser zu verstehen und wirksamere Strategien zur Vorbeugung und Behandlung von Infektionen zu entwickeln. Zu den Forschungsbereichen gehören:
- Entwicklung neuer Diagnostika: Es werden schnellere und genauere Diagnostika benötigt, um Candida-auris-Infektionen frühzeitig zu erkennen.
- Entwicklung neuer Antimykotika: Die Entwicklung neuer Antimykotika ist unerlässlich, um Candida-auris-Infektionen zu behandeln, die gegen bestehende Medikamente resistent sind.
- Untersuchung der Resistenzmechanismen: Das Verständnis der Mechanismen, die Candida auris resistent gegen Antimykotika machen, ist wichtig, um neue Strategien zur Bekämpfung der Resistenz zu entwickeln.
- Bewertung von Präventionsstrategien: Die Bewertung der Wirksamkeit verschiedener Präventionsstrategien ist wichtig, um die Ausbreitung von Candida auris zu verhindern.