Plexus Brachialis Läsion: Schmerzen, Ursachen und Behandlungen

Der Plexus brachialis, auch Armplexus genannt, ist ein komplexes Nervengeflecht im unteren Halsbereich, das für die Versorgung von Schulter, Arm und Hand zuständig ist. Verletzungen dieses Nervengeflechts können zu einer Vielzahl von Problemen führen, darunter Schmerzen, Sensibilitätsstörungen und motorische Ausfälle. Dieser Artikel befasst sich mit den Ursachen, Symptomen und Behandlungsmöglichkeiten von Läsionen des Plexus brachialis.

Anatomie und Funktion des Plexus Brachialis

Der Plexus brachialis entspringt aus den Nervenwurzeln C5 bis C8 und Th1, die aus dem Rückenmark austreten. Diese Nervenwurzeln bilden ein komplexes Geflecht, das sich in Primärstränge, Sekundärstränge und schließlich in die Äste der Armnerven aufteilt. Der Plexus brachialis steuert die Muskeln im Arm, in der Schulter und in der Hand und ermöglicht Bewegungen von der Schulter bis zu den Fingern. Darüber hinaus übermitteln sensorische Fasern des Plexus brachialis Tastsinn, Temperatur- und Schmerzempfindungen von der Haut des Arms.

Ursachen von Plexus Brachialis Läsionen

Plexus brachialis Läsionen können durch verschiedene Ursachen entstehen, wobei traumatische Ereignisse die häufigste Ursache darstellen.

Traumatische Ursachen

  • Unfälle: Motorradunfälle sind eine besonders häufige Ursache für Armplexusläsionen, aber auch andere Verkehrsunfälle, Stürze und Sportunfälle können zu Verletzungen des Plexus brachialis führen.
  • Geburtstrauma: Bei schwierigen Geburten kann es durch starke Überdehnung oder Zug an der Schulter des Neugeborenen zu einer Plexusschädigung kommen (Obstetric Brachial Plexus Palsy, OBPP).
  • Offene Verletzungen: In seltenen Fällen können Schnitt- oder Schussverletzungen den Plexus brachialis direkt schädigen.

Nicht-traumatische Ursachen

  • Entzündungen: Entzündliche Erkrankungen der Nerven, wie die Neuralgische Amyotrophie (NA) oder das Parsonage-Turner-Syndrom, können den Plexus brachialis betreffen.
  • Tumore: In seltenen Fällen können Tumore im Bereich des Plexus brachialis auf die Nerven drücken und diese schädigen.
  • Strahlenschäden: Strahlentherapie im Hals-, Schulter- oder Thoraxbereich kann zu Schäden am Plexus brachialis führen.
  • Thoracic-Outlet-Syndrom: Eine Einengung des Raumes zwischen Hals und Brustkorb kann zu einer Kompression des Plexus brachialis führen.

Symptome einer Plexus Brachialis Läsion

Die Symptome einer Plexus brachialis Läsion variieren je nach Schweregrad und Lokalisation der Nervenverletzung. Zu den häufigsten Symptomen gehören:

  • Schmerzen: Schmerzen in der Hals-Schulter-Region, die in den Arm ausstrahlen können. Neuropathische Schmerzen, die als elektrisierend oder brennend beschrieben werden, sind ebenfalls möglich.
  • Sensibilitätsstörungen: Taubheitsgefühl, Kribbeln oder ein Gefühl des "Eingeschlafenseins" in Arm und Hand.
  • Motorische Ausfälle: Kraftverlust, Schwäche oder Lähmung in einem oder mehreren Gelenken des Arms. Koordinationsstörungen und Ungeschicklichkeit können ebenfalls auftreten.
  • Muskelatrophie: Bei länger bestehenden Lähmungen kann es zu einem Muskelschwund kommen.
  • Eingeklemmter Plexus brachialis: Verhärtete Muskeln, die auf die Nerven drücken, können ziehende Schmerzen verursachen, die sich durch Bewegung verstärken.
  • Entzündeter Plexus brachialis: Ziehende Schmerzen, die in Bewegung und bei Belastung stärker werden, aber auch in Ruhe spürbar sind.

Diagnose einer Plexus Brachialis Läsion

Die Diagnose einer Plexus brachialis Läsion umfasst in der Regel eine Kombination aus:

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  • Anamnese und körperliche Untersuchung: Der Arzt erfragt die Krankengeschichte des Patienten, den Verletzungsmechanismus und die Art der Beschwerden. Bei der körperlichen Untersuchung werden die Motorik, Sensibilität und Reflexe des Arms überprüft.
  • Elektrophysiologische Untersuchungen: Elektromyographie (EMG) und Elektroneurographie (ENG) werden eingesetzt, um die Funktion der Nerven zu beurteilen und Schäden der peripheren Nerven nachzuweisen.
  • Bildgebende Verfahren:
    • Röntgen- oder CT-Aufnahmen: Dienen zum Ausschluss von Knochenbrüchen und anderen Begleitverletzungen.
    • MRT des Plexus brachialis (Neurografie): Stellt die Nervenbahnen dar und kann Teilläsionen eines Nervenstranges nachweisen.
    • Ultraschall (Nervensonografie): Kann die Armnerven und den Plexus brachialis untersuchen.
  • Myelo-Computertomographie: Zum Ausschluss eines Wurzelausrisses.
  • Offene intradurale Revision: Bei unklaren Befunden zur Beurteilung der ventralen und dorsalen Nervenfasern.

Behandlung von Plexus Brachialis Läsionen

Die Behandlung von Plexus brachialis Läsionen zielt darauf ab, Schmerzen zu lindern, sensible und motorische Defizite zu verringern und die Funktionen des Arms und der Hand zu erhalten oder wiederherzustellen. Die Behandlungsmöglichkeiten umfassen:

Konservative Behandlung

  • Schmerzmittel: Zur Linderung von Schmerzen, einschließlich neuropathischer Schmerzen.
  • Physiotherapie: Zur Verbesserung der Beweglichkeit, Kraft und Koordination des Arms.
  • Ergotherapie: Zur Anpassung an die Einschränkungen und zur Erleichterung alltäglicher Aktivitäten.
  • Elektrotherapie: Zur Verzögerung von Muskelschwund, bis die Nervenregeneration abgeschlossen ist.
  • Rehabilitationsmaßnahmen: Zur Unterstützung der Genesung und Wiedereingliederung in den Alltag.
  • Handorthesen: Moderne Handorthesen können bei Funktionseinschränkungen durch eine Plexusparese eine wichtige Rolle spielen, indem sie Greif-, Halte- und Bewegungsfunktionen übernehmen und erleichtern.

Operative Behandlung

Eine Operation wird in folgenden Fällen empfohlen:

  • Wenn die Regeneration unter konservativer Behandlung nach 3-6 Monaten nicht ausreicht.
  • Wenn eine spontane Reinnervation unmöglich ist (z. B. bei ausgerissenen Nervenwurzeln).
  • Bei offenen Plexusläsionen oder Hämatomen, die das umliegende Gewebe verdrängen.

Zu den möglichen Operationsverfahren gehören:

  • Neurolyse: Freilegung von eingeengtem Nervengewebe.
  • Nerventransfer: Verlagerung von gesunden Ästen an beschädigte Äste innerhalb oder außerhalb des Plexus.
  • Autologe Nerventransplantation: Versetzen eines eigenen Nervenastes aus einem anderen Körperbereich.
  • Muskelverlagerung (Ersatzoperation): Verlagerung von intakten Muskeln zum Funktionserhalt.

Der Zeitpunkt der Operation hängt vom Ausmaß der Verletzung ab. Bei ausgerissenen Nervenwurzeln wird möglichst nach 6-8 Wochen operiert. Wenn keine Nerven durchtrennt sind, sollte die Operation später stattfinden, und zwar nach 3-6 Monaten.

Übungen bei einem eingeklemmten Plexus brachialis

  • Schulterkreisen: Gerade hinstellen, Arme locker an der Seite halten und die Schultern langsam und kreisend von hinten nach vorne bewegen (ca. 2 Minuten). Anschließend die Richtung wechseln.
  • Schulter nach hinten ziehen: Stehend, mit an der Seite hängenden Armen die Schulter seitengleich und vorsichtig nach hinten ziehen, bis man auf der Vorderseite einen leichten Zug wahrnimmt. Diese Position einige Sekunden halten.
  • Pendeln: In bequemer Position die Arme locker an der Seite hängen lassen und langsam pendelnde Bewegungen mit den Armen durchführen (beidseitig oder gegensinnig).

Prognose

Die Prognose einer Plexus brachialis Läsion hängt vom Schweregrad und der Art der Verletzung ab. Bei leichten Verletzungen kann eine spontane Regeneration der Nerven eintreten. Bei schweren Verletzungen ist die Prognose schlechter, insbesondere bei unteren Plexusläsionen und ausgerissenen Nervenwurzeln. Langfristig können Defizite der Sensibilität oder Motorik mit einer Funktionseinschränkung zurückbleiben. Neuropathische Schmerzen können chronisch werden.

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Prävention

  • Tragen Sie eine Schutzausrüstung, wenn Sie sich in Situationen mit einem entsprechenden Verletzungsrisiko begeben (z. B. bei Extremsportarten und beim Motorradfahren).
  • Vermeiden Sie Fehlbelastungen und Überlastungen der Arme und Schultern.

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