Die Demenz, insbesondere die Alzheimer-Krankheit, stellt eine wachsende globale Herausforderung dar, die sowohl Betroffene und ihre Angehörigen als auch die Gesellschaft als Ganzes betrifft. Angesichts der steigenden Lebenserwartung und der damit einhergehenden Zunahme von Demenzerkrankungen ist eine umfassende und koordinierte globale Alzheimer-Politik unerlässlich.
Aktuelle Situation und Prognosen
Weltweit leben derzeit schätzungsweise 55 Millionen Menschen mit Demenz. Diese Zahl wird voraussichtlich bis 2030 auf 78 Millionen und bis 2050 auf 139 Millionen ansteigen. In Deutschland sind aktuell etwa 1,8 Millionen Menschen von Demenz betroffen, wobei jährlich rund 300.000 Neuerkrankungen hinzukommen. Prognosen zufolge könnte die Zahl der Demenzerkrankten in Deutschland bis 2050 auf 2,4 bis 2,8 Millionen steigen, sofern keine Durchbrüche in Prävention und Therapie erzielt werden.
Dieser Anstieg ist nicht gleichmäßig über alle Regionen der Welt verteilt. Während in den USA und Europa ein vergleichsweise geringerer Anstieg erwartet wird, ist in Afrika und im Nahen Osten mit einem dramatischen Anstieg zu rechnen. Dies liegt vor allem an der dortigen Alterung der Gesellschaften und der Zunahme von Risikofaktoren wie Übergewicht, Diabetes und Rauchen.
Die Nationale Demenzstrategie Deutschlands
Deutschland hat sich der Herausforderung Demenz angenommen und im Jahr 2020 unter Federführung des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und des Bundesministeriums für Gesundheit die Nationale Demenzstrategie auf den Weg gebracht. Diese Strategie wurde von einem breiten gesellschaftlichen Bündnis aus Politik, Gesundheits- und Sozialwesen, Zivilgesellschaft und Forschung erarbeitet und umfasst mehr als 160 Maßnahmen.
Die Nationale Demenzstrategie zielt darauf ab, die Lebensqualität von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen zu verbessern, die gesellschaftliche Teilhabe zu fördern und die pflegerische Versorgung zu optimieren. Zu den zentralen Maßnahmen gehören:
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- Förderung von Unterstützungsangeboten im direkten Wohnumfeld: Bund, Länder und Kommunen sollen gemeinsam quartiernahe Wohnformen mit gut vernetzten Versorgungs- und Pflegeangeboten für Demenzkranke stärker fördern.
- Entlastung pflegender Angehöriger: Pflegende Angehörige sollen durch eine Lohnersatzleistung unterstützt werden, wenn sie ihre Arbeitszeit reduzieren, um sich um Angehörige zu kümmern.
- Sensibilisierung der Gesellschaft: Durch öffentlichkeitswirksame Kampagnen und Initiativen soll das Bewusstsein für Demenz in der Bevölkerung geschärft und ein offener Umgang mit der Krankheit gefördert werden.
- Förderung von Forschung und Innovation: Die Nationale Demenzstrategie unterstützt Forschungsprojekte, die sich mit der Prävention, Diagnose und Behandlung von Demenz befassen.
Die Umsetzung der Nationalen Demenzstrategie wird durch einen Monitoringprozess begleitet, um die Wirksamkeit der Maßnahmen zu überprüfen und gegebenenfalls Anpassungen vorzunehmen.
Der globale Aktionsplan der WHO
Auch auf internationaler Ebene wird die Demenzproblematik zunehmend thematisiert. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat im Jahr 2017 den „Global action plan on the public health response to dementia 2017 bis 2025“ verabschiedet. Dieser Aktionsplan soll die Regierungen der WHO-Mitgliedsstaaten dazu verpflichten, Demenz stärker ins Blickfeld der Politik zu rücken.
Die Eckpunkte des globalen Aktionsplans umfassen:
- Anerkennung von Demenz als Priorität in der Gesundheitspolitik: Die Mitgliedsstaaten sollen Demenz in ihre nationalen Gesundheitspläne aufnehmen und entsprechende Ressourcen bereitstellen.
- Schärfung des Bewusstseins im Umgang mit der Krankheit: Durch Aufklärungskampagnen und Schulungen soll das Wissen über Demenz in der Bevölkerung und bei Fachkräften verbessert werden.
- Bekämpfung der Risikofaktoren: Die Mitgliedsstaaten sollen Maßnahmen ergreifen, um Risikofaktoren wie Rauchen, Übergewicht, Diabetes und Bewegungsmangel zu reduzieren.
- Verbesserung der Diagnose und Behandlung der Krankheit: Der Zugang zu frühzeitiger Diagnose und qualitativ hochwertiger Behandlung soll verbessert werden.
- Unterstützung derer, die Demenzkranke pflegen: Angehörige und professionelle Pflegekräfte sollen durch Schulungen, Beratungsangebote und finanzielle Unterstützung entlastet werden.
- Austausch von Daten: Die Mitgliedsstaaten sollen Daten über Demenzerkrankungen sammeln und austauschen, um die Forschung und die Entwicklung von Versorgungsmodellen zu fördern.
- Förderung der Forschung: Die Forschung zu den Ursachen, der Prävention, der Diagnose und der Behandlung von Demenz soll intensiviert werden.
Ein im September vorgestellter Bericht der WHO kommt zu dem Ergebnis, dass die meisten Staaten auf die wachsende Zahl der Demenzerkrankungen nicht vorbereitet sind und nur 25 Prozent aller Mitgliedsstaaten über eine Demenzstrategie bzw. einen Plan auf nationaler Ebene verfügen. Die WHO hat sich zum Ziel gesetzt, diesen Anteil bis 2025 auf 75 Prozent zu erhöhen.
Herausforderungen und Lösungsansätze
Trotz der Fortschritte in der Demenzforschung und -politik gibt es noch zahlreiche Herausforderungen zu bewältigen. Dazu gehören:
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- Mangelndes Bewusstsein und Stigmatisierung: Demenz ist in vielen Gesellschaften immer noch ein Tabuthema, das mit Scham und Stigmatisierung verbunden ist. Dies führt dazu, dass Betroffene und ihre Angehörigen oft erst spät Hilfe suchen.
- Unzureichende Versorgungsinfrastruktur: In vielen Regionen gibt es nicht genügend spezialisierte Einrichtungen und Fachkräfte, um die wachsende Zahl von Menschen mit Demenz angemessen zu versorgen.
- Fehlende Integration von Menschen mit Demenz in die Gesellschaft: Menschen mit Demenz werden oft ausgegrenzt und von gesellschaftlicher Teilhabe ausgeschlossen.
- Belastung pflegender Angehöriger: Die Pflege von Menschen mit Demenz ist oft sehr anstrengend und kann zu einer hohen Belastung für die Angehörigen führen.
- Ethische Fragen: Die Diagnose und Behandlung von Demenz wirft eine Reihe ethischer Fragen auf, insbesondere im Hinblick auf die Autonomie und Selbstbestimmung der Betroffenen.
Um diese Herausforderungen zu bewältigen, sind folgende Lösungsansätze erforderlich:
- Intensivierung der Aufklärungsarbeit: Durch gezielte Kampagnen und Informationsveranstaltungen muss das Bewusstsein für Demenz in der Bevölkerung geschärft und die Stigmatisierung abgebaut werden.
- Ausbau der Versorgungsinfrastruktur: Es müssen mehr spezialisierte Einrichtungen und Fachkräfte geschaffen werden, um die wachsende Zahl von Menschen mit Demenz angemessen zu versorgen.
- Förderung der gesellschaftlichen Teilhabe: Menschen mit Demenz müssen aktiv in die Gesellschaft integriert werden, beispielsweise durch die Schaffung demenzfreundlicher Umgebungen und die Förderung von inklusiven Aktivitäten.
- Unterstützung pflegender Angehöriger: Angehörige müssen durch Schulungen, Beratungsangebote, finanzielle Unterstützung und Entlastungsangebote entlastet werden.
- Förderung der Forschung: Die Forschung zu den Ursachen, der Prävention, der Diagnose und der Behandlung von Demenz muss intensiviert werden, um neue Therapieansätze zu entwickeln und die Lebensqualität von Menschen mit Demenz zu verbessern.
- Berücksichtigung ethischer Aspekte: Bei allen Maßnahmen im Bereich der Demenzversorgung müssen die ethischen Aspekte berücksichtigt und die Autonomie und Selbstbestimmung der Betroffenen gewahrt werden.
Internationale Zusammenarbeit
Angesichts der globalen Dimension der Demenzproblematik ist eine enge internationale Zusammenarbeit unerlässlich. Die WHO spielt dabei eine wichtige Rolle, indem sie den globalen Aktionsplan koordiniert und die Mitgliedsstaaten bei der Entwicklung und Umsetzung nationaler Demenzstrategien unterstützt. Auch andere internationale Organisationen, wie Alzheimer's Disease International, tragen durch ihre Arbeit zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit und zur Förderung der Forschung bei.
Darüber hinaus ist es wichtig, dass die einzelnen Staaten voneinander lernen und bewährte Praktiken austauschen. Dies kann beispielsweise durch die Teilnahme an internationalen Konferenzen und Workshops oder durch die Durchführung gemeinsamer Forschungsprojekte geschehen.
Die Rolle der Technologie
Innovative Technologien können eine wichtige Rolle bei der Verbesserung der Versorgung von Menschen mit Demenz spielen. So können beispielsweise Smartphone-Apps pflegende Angehörige entlasten, indem sie ihnen Informationen und Unterstützung bieten. Auch телемедицинские Angebote können den Zugang zu spezialisierter Versorgung verbessern, insbesondere in ländlichen Regionen.
Künstliche Intelligenz (KI) kann ebenfalls zur Verbesserung der Demenzversorgung beitragen. So haben Forscher beispielsweise ein KI-gestütztes Tool entwickelt, das Ärzte bei der Diagnose von Demenz unterstützt. Dieses Tool schlägt auf der Grundlage der diagnostischen Unsicherheit gezielt weitere Untersuchungen vor, um den Diagnoseprozess effizienter zu gestalten.
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Es ist jedoch wichtig, dass die Entwicklung und der Einsatz von Technologien im Bereich der Demenzversorgung stets an den Bedürfnissen der Betroffenen und ihrer Angehörigen ausgerichtet sind. Zudem müssen ethische Aspekte, wie der Schutz der Privatsphäre und die Datensicherheit, berücksichtigt werden.