Polyneuropathie ist eine neurologische Erkrankung, die bei Reptilien wie Geckos, Echsen und Leguanen auftreten kann. Diese Erkrankung betrifft mehrere periphere Nerven und führt zu einer beeinträchtigten Funktion des Nervensystems. Die Ursachen können vielfältig sein und reichen von Mangelernährung über Infektionen bis hin zu toxischen Einflüssen. Die Symptome sind oft unspezifisch, was die Diagnose erschwert. Glücklicherweise gibt es Behandlungsansätze, die darauf abzielen, die Ursachen zu bekämpfen und die Lebensqualität der betroffenen Reptilien zu verbessern.
Ursachen der Polyneuropathie bei Reptilien
Die Polyneuropathie bei Reptilien kann verschiedene Ursachen haben, die oft ineinandergreifen und die Diagnose erschweren. Zu den häufigsten Ursachen gehören:
- Mangelernährung: Eine unausgewogene Ernährung, die reich an essentiellen Vitaminen und Mineralstoffen ist, kann das Risiko von Mangelerscheinungen und damit verbundenen Nervenschäden verringern. Ein Mangel an bestimmten Nährstoffen wie Vitamin B1 kann die Nerven schädigen. Hervorquellendes Bindegewebe, Fettpolster, gespannte Haut oder eine abnorme Größe sind Zeichen von Überfütterung. Abmagerung ist eines der auffälligsten Krankheitszeichen für eine schwerwiegende chronische Erkrankung. Abmagerungszeichen bei Echsen: eingefallener Bauch, eingesunkene Augen, hervorstehende Hüftknochen, schlaffe Haut. Abmagerungszeichen bei Schlangen: ausgemergelter, knochiger Körper, eingesunkene Augen, schlaffe Haut. Abmagerungszeichen bei Schildkröten: eingesunkenen Augen. Hervorstehende Hüftknochen, eingesunkene Augen, schlaffe Haut. Ausgemergelter, knochiger Körper, eingesunkene Augen, schlaffe Haut. Der Bereich, aus dem Kopf und Gliedmaßen aus dem Panzer hervortreten, wirkt eingefallen.
- Infektionen: Bestimmte Viren, Bakterien oder Parasiten können die Nerven angreifen und zu Polyneuropathie führen. Bei Schlangen sind häufig Paramyxoviren, die Einschlußkörperchenkrankheit oder Amöben Schuld, wenn die Nerven angegriffen sind. Bei Schildkröten sollte man als erstes an das Herpes-Virus denken.
- Toxische Einflüsse: Der Kontakt mit giftigen Substanzen wie Pestiziden, Schwermetallen oder bestimmten Reinigungsmitteln kann die Nerven schädigen. Toxine greifen die Nerven an. Wer Futtertiere und Terrarieneinrichtung der Natur entnimmt, geht grundsätzlich immer das Risiko einer Belastung mit Umweltgiften ein. Auch bei der Reinigung des Terrariums lauern versteckte Gefahren.
- Metabolische Erkrankungen: Erkrankungen wie Gicht, Nierenerkrankungen oder Diabetes können die Nervenfunktion beeinträchtigen. Die Ursache hierfür kann in Erkrankungen der Nieren und Leber, Gicht oder Diabetes, Infektionen und Sepsis liegen.
- Verletzungen: Prellungen, Quetschungen, Stürze oder Operationen können das Zentrale Nervensystem betreffen und Lähmungen hervorrufen.
- Tumore und Abszesse: Raumfordernde Prozesse bei Erkrankung der Nieren, durch nicht abgelegte Eier, Tumore oder Abszesse können auf die Nerven drücken.
Symptome der Polyneuropathie bei Reptilien
Die Symptome der Polyneuropathie bei Reptilien können vielfältig sein und hängen von der Schwere der Erkrankung und den betroffenen Nerven ab. Zu den häufigsten Symptomen gehören:
- Bewegungsstörungen: Zaghafte Bewegungen, Schonhaltung, Schonung einzelner Gliedmaßen bei Echsen, Hinterhandschwäche bei Schildkröten oder ein auf dem Boden schleifender Körper sind meistens Schmerzzeichen. Diese treten u.a. Unnatürliche Bewegungen und Haltungen.
- Muskelschwäche: Bei Echsen ist eine Lähmung häufig an den hinteren Extremitäten zu beobachten. Ein oder beide Hinterbeine werden nachgezogen. Auch der Schwanz kann betroffen sein. Bei Schildkröten ist eine Hinterhandschwäche nicht selten.
- Gangunsicherheit: Geringe natürliche Färbung, blasse Färbung, ev. Unnatürliche Bewegungen und Haltungen, Zittern und Koordinationsstörungen treten bei Erkrankungen des Gehirns auf (siehe ZNS-Erkrankungen).
- Zittern:
- Koordinationsstörungen:
- Appetitlosigkeit: Appetitlosigkeit bzw. Der Nahrungsbedarf von Reptilien wird meistens stark überschätzt. Vielmehr benötigen sie erheblich weniger Nahrung als Säugetiere oder Vögel. Davon ausgenommen sind lediglich sehr junge Tiere. Verschiedene natürliche Faktoren können dazu führen, dass Reptilien die Nahrungsaufnahme verringern oder ganz einstellen. Hierzu zählen vor allem extreme Kälte- bzw. Hitzeperioden und Sommer- bzw. Winterruhezeiten. Auch während der Fortpflanzungszeit verzichten viele Arten auf Nahrungszufuhr.
- Gewichtsverlust: Das Gewicht adulter Reptilien bleibt normalerweise relativ konstant. Plötzliche Gewichtsveränderungen weisen auf Flüssigkeitsverluste oder krankhafte Flüssigkeitsansammlungen im Körper hin.
- Veränderungen der Haut: Die Haut sollte artgemäßen Glanz und Spannkraft besitzen. Gesunde Reptilien häuten sich in regelmäßigen Abständen. Die meisten Echsen und Schildkröten streifen dabei die Haut in Fetzen ab. Schlangen und bestimmte Echsenarten häuten sich hingegen in einem Stück. Wasser- und Landschildkröten stoßen außerdem ihre Panzerschuppen ab. Gesunde Reptilien besitzen in der Regel glänzende und relativ straffe Haut, die frei von Verletzungen, Schwellungen oder Anhaftungen ist. Sie sind ihre Art und jeweiligen Umgebung entsprechend gefärbt.
- Veränderungen des Verhaltens: Bei Infektionskrankheiten suchen Reptilien i.d.R. besonders warme Bereiche auf und bleiben dort länger als gewöhnlich: dies gilt für Echsen, Schlangen und Schildkröten gleichermaßen. So erwärmen sie ihren Körper bis auf Fiebertemperatur, um Krankheitserreger wirksamer bekämpfen zu können. Auch verschiedene natürliche Faktoren können dazu führen, dass Reptilien ihr allgemeines Verhalten ändern. Hierzu zählen vor allem extreme Kälte- bzw. Hitzeperioden und Sommer- bzw. Auch während der Fortpflanzungszeit sind häufig Verhaltensänderungen zu beobachten, wie z.B.
Diagnose der Polyneuropathie bei Reptilien
Die Diagnose von Polyneuropathie bei Reptilien kann eine Herausforderung darstellen, da die Symptome oft unspezifisch sind und mit anderen Erkrankungen verwechselt werden können. Zu den typischen Anzeichen zählen eine verringerte Koordination, Schwäche in den Beinen, Zittern oder ungelenkes Gehen. Eine gründliche klinische Untersuchung durch einen reptilienkundigen Tierarzt ist der erste Schritt bei der Diagnosestellung. Zusätzlich können weitere diagnostische Verfahren wie Blutuntersuchungen, Röntgenbilder oder neurologische Tests durchgeführt werden.
- Klinische Untersuchung: Der Tierarzt wird das Reptil gründlich untersuchen, um die Symptome zu beurteilen und andere mögliche Ursachen auszuschließen.
- Blutuntersuchungen: Blutuntersuchungen helfen, Entzündungswerte, Vitaminmängel oder Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes nachzuweisen.
- Röntgenbilder: Röntgenbilder können helfen, Verletzungen oder Tumore zu erkennen, die auf die Nerven drücken.
- Neurologische Tests: Neurologische Tests können helfen, die Funktion der Nerven zu beurteilen. Ist eine Nervenschädigung wahrscheinlich, können neurologische Untersuchungen sinnvoll sein.
- Epikutantest (Pflastertest): Bei Verdacht auf eine Allergie kann ein Allergietest durchgeführt werden. Beim sogenannten Epikutantest (Pflastertest) werden mögliche Allergene auf die Haut aufgebracht und nach 24 bis 72 Stunden die Reaktion beurteilt.
Behandlung der Polyneuropathie bei Reptilien
Die Behandlungsmöglichkeiten für Polyneuropathie bei Reptilien sind begrenzt und richten sich in erster Linie nach der zugrunde liegenden Ursache der Erkrankung.
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- Korrektur der Ernährung: Wenn die Polyneuropathie durch eine Mangelernährung verursacht wird, ist die Korrektur der Ernährung ein wichtiger Schritt. Eine ausgewogene Ernährung, die reich an essentiellen Vitaminen und Mineralstoffen ist, kann helfen, die Symptome zu lindern und die Nervenfunktion zu verbessern. Mit einer ausgewogenen Ernährung aus hochwertigen Futterinsekten (gut loading nicht vergessen) und Vitaminen und Mineralien sowie einer optimalen Beleuchtung kannst Du den schweren Folgen dieser Mangelkrankheit leicht vorbeugen.
- Behandlung von Infektionen: In Fällen, in denen Infektionen die Ursache sind, ist eine gezielte Behandlung erforderlich. Antibiotika oder Antiparasitika können notwendig sein, um Infektionen zu bekämpfen.
- Entfernung toxischer Substanzen: Bei toxischen Einflüssen stehen die Entfernung der Giftquelle und die Unterstützung der Entgiftung des Körpers im Vordergrund. Es ist daher wichtig, auf spezielle Reinigungsmittel zurückzugreifen und nach der Reinigung mit warmem Wasser alle Rückstände zu entfernen.
- Behandlung von Stoffwechselerkrankungen: Bei Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes ist eine gute Einstellung der Blutzuckerwerte wichtig.
- Schmerzbehandlung: Zur Schmerzlinderung können spezielle Medikamente für neuropathische Schmerzen eingesetzt werden.
- Physiotherapie: Auch Physiotherapie oder andere unterstützende Verfahren können helfen.
- Wärmetherapie: Bei Infektionen kann eine Wärmetherapie natürlich behandeln. So erwärmen sie ihren Körper bis auf Fiebertemperatur, um Krankheitserreger wirksamer bekämpfen zu können.
Nachbehandlung der Polyneuropathie bei Reptilien
Die Nachbehandlung von Polyneuropathie bei Reptilien ist entscheidend, um die Genesung zu unterstützen und Rückfälle zu vermeiden.
- Regelmäßige tierärztliche Überwachung: Eine regelmäßige tierärztliche Überwachung ist wichtig, um den Fortschritt der Behandlung zu beurteilen und gegebenenfalls Anpassungen vorzunehmen.
- Optimierung der Lebensbedingungen: Es ist wichtig, die Lebensbedingungen des Reptils zu optimieren, um Stress zu minimieren und die Heilung zu unterstützen. Dazu gehört die Sicherstellung einer angemessenen Temperatur und Luftfeuchtigkeit im Terrarium sowie die Bereitstellung von Rückzugsorten, in denen sich das Tier sicher und wohl fühlt.
- Unterstützung der Darmtätigkeit: Handwarme Bäder in einer Elektrolytlösung regen darüber hinaus die Darmtätigkeit an.
- Stressreduktion: Stress und Stressreduktion bei Reptilien sind wichtige Aspekte der Nachbehandlung.
Vorbeugung der Polyneuropathie bei Reptilien
Die Vorbeugung von Polyneuropathie bei Reptilien beginnt mit der richtigen Pflege und Ernährung.
- Ausgewogene Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung, die reich an essentiellen Nährstoffen ist, kann das Risiko von Mangelerscheinungen und damit verbundenen Nervenschäden verringern.
- Vermeidung toxischer Substanzen: Reptilienhalter sollten darauf achten, dass die Umgebung des Tieres frei von schädlichen Chemikalien ist und dass bei der Reinigung des Terrariums nur sichere Reinigungsmittel verwendet werden. Ein weiterer wichtiger Aspekt der Vorsorge ist die Vermeidung von toxischen Substanzen.
- Quarantäne: Hygiene und Quarantäne sind wichtige Maßnahmen, um Seuchen im Tierbestand zu verhindern.
- Regelmäßige Händewaschen: Immer die Hände waschen! Desinfektionsmittel für Hände und Terrarium können ebenfalls verwendet werden.
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