Ernährung bei Spastik: Ein umfassender Leitfaden

Spastik, gekennzeichnet durch eine erhöhte Muskelspannung und Steifheit, kann die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Eine angepasste Ernährung spielt eine wichtige Rolle bei der Linderung der Symptome und der Verbesserung des allgemeinen Wohlbefindens. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die Bedeutung der Ernährung bei Spastik, einschliesslich spezifischer Empfehlungen und Strategien.

Einführung

Eine vollwertige Ernährung ist nicht nur schmackhaft, sondern auch entscheidend für Leistungsfähigkeit, Wohlbefinden und Gesundheit. Sie versorgt den Körper mit allen notwendigen Nährstoffen und Flüssigkeiten in ausreichender Menge, wodurch er leistungsstark bleibt und sich vor Krankheiten schützen kann. Eine bewusste und abwechslungsreiche Ernährung, die pflanzliche Lebensmittel bevorzugt und den Energiebedarf berücksichtigt, ist der Schlüssel zu einer optimalen Gesundheit.

Grundlagen der Vollwertigen Ernährung

Eine vollwertige Ernährung zeichnet sich durch Abwechslung und Bewusstsein aus. Pflanzliche Lebensmittel wie Obst und Gemüse sollten gegenüber tierischen Produkten bevorzugt werden, wobei bei Getreideprodukten die Vollkornvarianten zu wählen sind. Die Nahrungszufuhr sollte dem Energiebedarf angepasst werden, und es ist wichtig, über den Tag verteilt ausreichend zu trinken. Achten Sie darauf, sich Zeit zum Essen zu nehmen und gründlich zu kauen.

Die Rolle der Ernährung bei Spastik

Bei Spastik sind Gelenke oder Körperabschnitte an den Muskeln steifer als normal, was die Bewegungen stört. Die Ernährung spielt eine wichtige Rolle bei der Behandlung von Spastik, indem sie Entzündungen reduziert, die Muskelgesundheit fördert und das Nervensystem unterstützt.

Antioxidantien und ihre Bedeutung

Eine vollwertige Ernährung kann den Körper im Kampf gegen Viren, Bakterien und freie Radikale unterstützen. Freie Radikale können wichtige Proteine, Zellwände oder sogar die Erbsubstanz (DNS) angreifen und Zellschäden verursachen. Der Körper schützt sich dagegen mit Hilfe von Vitaminen, Spurenelementen und Enzymen, den sogenannten Antioxidantien. Für die entzündungshemmende Ernährung sind die Antioxidantien Vitamin A, Vitamin C, Vitamin E und β-Karotin sowie die Spurenelemente Kupfer, Selen und Zink von besonderer Bedeutung.

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Vitamin A, C und E

Die Antioxidantien Vitamin A (oder β-Karotin), Vitamin C und Vitamin E werden bei einer ausgewogenen Ernährung in ausreichender Menge zugeführt. Der Bedarf an diesen Vitaminen kann bei einem Schub jedoch erhöht sein, da der Körper mehr Antioxidantien benötigt, um freie Sauerstoffradikale abzufangen, die den Entzündungsprozess verstärken. Vitamin C kann vom Körper immer nur in begrenzter Menge aufgenommen werden, daher sollten die Vitamin-C-haltigen Lebensmittel über den Tag verteilt zu sich genommen werden. Vitamin A in seiner reinen Form ist nur in tierischen Produkten enthalten, während ß-Karotin, die fettlösliche Vorstufe von Vitamin A, in Gemüse vorkommt.

Vitamin D

In den letzten Jahren wurde zunehmend ein Zusammenhang zwischen dem Verlauf einer MS und dem Vitamin-D-Spiegel diskutiert. Experten konnten inzwischen einen Vitamin-D-Mangel mit einer erhöhten Schubrate und Krankheitsaktivität in Verbindung bringen. Der Körper kann Vitamin D unter Einfluss von UV-Licht selbst erzeugen. Bereits täglich 10 Minuten in der Sonne reichen aus, um genügend Vitamin D zu produzieren. MS-Patienten mit normalen Vitamin-D-Spiegeln können, nach Rücksprache mit ihrem Arzt, Vitamin D ergänzend einnehmen, da sie von einem hohen Vitamin-D-Spiegel profitieren können. Sie sollten jedoch nicht mehr als 4.000 IE (internationale Einheiten) täglich nehmen. Vitamin-D-Hochdosistherapien (z.B. "Coimbra-Protokoll") sind nicht zu empfehlen. Die Einnahme von Vitamin D in hohen Dosen kann giftig sein und langfristig gesundheitsschädlich wirken. Zu den Risiken gehören Nierensteine, Verkalkungen der Nieren und eine Verschlechterung der Nierenfunktion.

Spurenelemente Selen, Zink und Kupfer

Die Spurenelemente Selen, Zink und Kupfer sind Bestandteil antioxidativ wirksamer, entzündungshemmender Enzyme. Sie kommen in unserem Körper in sehr geringen Mengen vor, und Nahrungsergänzungsmittel sind in der Regel nicht nötig. Die Einnahme dieser Präparate sollte daher immer nur in Rücksprache mit dem behandelnden Arzt erfolgen, da eine Überversorgung in einigen Fällen sogar schaden kann.

Ernährungsempfehlungen bei Spastik

Hier sind einige spezifische Ernährungsempfehlungen, die bei Spastik hilfreich sein können:

Reichlich Gemüse und Obst

Gemüse und Obst sollten ein Drittel der empfohlenen Menge an Lebensmitteln ausmachen. Versuchen Sie daher, mindestens drei kleine Portionen Gemüse und zwei Portionen Obst am Tag zu essen.

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Ballaststoffreiche Ernährung

Ernähren Sie sich ballaststoffreich und greifen Sie bei Broten und Brötchen eher nach der Vollkornvariante. Aus ballaststoffreichen Lebensmitteln stellen Darmbakterien wertvolle kurzkettige Fettsäuren wie Butyrat und Propionat her, die zur Reparatur der Nervenzellen gebraucht werden.

Zucker und Salz reduzieren

Achten Sie auf Zucker, der sich z. B. in vielen Fertigprodukten versteckt. Es ist besser, wenn Sie Ihre Mahlzeiten frisch und selbst zubereiten, um die Kontrolle über den Zuckergehalt zu haben. Gleiches gilt für versteckte Salze.

Ausreichend Wasser trinken

Trinken Sie reichlich Wasser, um den Körper hydriert zu halten und die Muskelgesundheit zu unterstützen.

Mäßiger Genuss

Gönnen Sie sich hin und wieder auch etwas Besonderes wie Kuchen, Pizza oder Wein. Im Rahmen eines gemütlichen Abendessens oder eines festlichen Anlasses müssen Sie nicht vollständig darauf verzichten. Versuchen Sie jedoch, von einem regelmäßigen oder intensiven Genuss alkoholischer Getränke abzusehen.

Entzündungshemmende Ernährung

Eine entzündungshemmende Ernährung kann helfen, den Verlauf von Multipler Sklerose zu verlangsamen und die Lebensqualität zu erhalten. Die Ernährung sollte vor allem aus Gemüse, Pilzen, Nüssen und Samen bestehen. Unbedingt einzuschränken ist der Fleischkonsum, denn insbesondere rotes Fleisch und Wurst enthalten viele entzündungsfördernde Stoffe. Positiv wirken sich dagegen die entzündungshemmenden Omega-3-Fettsäuren aus, die sich in Leinöl oder sogenanntem Algenöl, außerdem in fettreichem Fisch wie Lachs, Hering und Makrele finden. Zu hoher Zuckerkonsum fördert Entzündungen, daher ist es sinnvoll, den Verzehr von Kohlenhydraten (etwa Weißbrot, Nudeln) und vor allem von Zucker- und Knabberkram zu begrenzen.

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Pro- und Präbiotika

Ein weiterer Ansatz ist, für mehr gute Darmbakterien zu sorgen: und zwar mit Pro- und Präbiotika. Denn aus ballaststoffreichen Lebensmitteln stellen Darmbakterien wertvolle kurzkettige Fettsäuren wie Butyrat und Propionat her. Sie werden zur Reparatur der Nervenzellen gebraucht. Propionsäure kann offenbar das Immunsystem stärken: In einer internationalen Studie reduzierte die Gabe zusätzlich zu MS-Medikamenten langfristig die Schubrate.

Gluten und Milchprodukte

Forschende haben Hinweise darauf, dass Zöliakie (Glutenunverträglichkeit) häufiger zusammen mit anderen Autoimmunerkrankungen wie etwa MS auftritt. Einzelnen Betroffenen kann ein Glutenverzicht Linderung verschaffen, dasselbe gilt für einen Verzicht auf Milchprodukte: Forschende haben gezeigt, dass Casein (Kuhmilcheiweiß) in Mäusen eine Autoimmunreaktion triggern kann, die die Nervenzellen schädigt. Bei der Umstellung auf eine entzündungshemmende Ernährung und insbesondere beim Weglassen/Wiedereinführen von Gluten und Casein sollten MS-Betroffene am besten Ernährungs- und Symptomtagebuch führen.

Ernährung bei Querschnittlähmung und Spastik

Bei einer Schädigung des Rückenmarks kann es zu Lähmungen und Spastik kommen. Die Dauer und die Stärke der Spastik äußern sich sehr unterschiedlich, was wiederum den Energieumsatz unterschiedlich beeinflusst. Neben den motorischen und sensiblen Einschränkungen kann eine Schädigung des Rückenmarks auch das autonome Nervensystem betreffen, was einen deutlichen Einfluss auf die Ernährung und die Verdauung hat. Das Darmmanagement spielt bei der Querschnittlähmung eine große Rolle, um die Gesundheit und das Wohlbefinden zu erhalten und Komplikationen zu vermeiden. In der Gesamtheit weicht die Ernährung von Querschnittgelähmten nicht wesentlich von der von Nichtgelähmten ab, da die grundsätzliche Physiologie erhalten bleibt. Nichtsdestotrotz sollten Betroffene bereits früh nach der Lähmung mit dem Thema Ernährung und Problemen hinsichtlich des Magen-Darm-Traktes informiert und vor allem geschult werden.

Weitere wichtige Aspekte

Multiple Sklerose und Ernährung

Multiple Sklerose (MS) kann durch bestimmte Verhaltens- und Ernährungsweisen positiv beeinflusst werden. Menschen mit MS sollten das Rauchen aufgeben, auf eine ausgewogene Ernährung achten, sich ausreichend bewegen, auf ihre mentale Gesundheit achten und ihren Vitamin-D-Spiegel bestimmen lassen.

Fatigue

Bei Fatigue (starke Erschöpfbarkeit) können z.B. Energiemanagement-Programme oder Achtsamkeitstraining helfen. Einige Studien deuten darauf hin, dass bestimmte Ernährungsformen (paläolithisch, mediterran, low-fat) helfen könnten, Fatigue zu verringern. Für Medikamente gegen Fatigue gibt es keine nachgewiesene Wirksamkeit.

Rauchen

Rauchen erhöht das Risiko, an MS zu erkranken und scheint auch den Verlauf der MS zu verschlechtern.

Hitze

Hitze und/oder eine erhöhte Körpertemperatur können bei Menschen mit MS dazu führen, dass sie sog. Pseudo-Schübe bekommen. Dabei treten vorübergehend neue MS-Symptome auf oder bestehende Symptome verschlechtern sich. Für MS-Betroffene ist es jedoch wichtig, sich körperlich zu bewegen und ausreichend frische Luft und Sonnenlicht zu bekommen.

Körperliche Aktivität

Viele Studien zeigen, dass körperliche Fitness wichtig für die Gesundheit ist. Bei Menschen mit MS kann schon regelmäßiges Gehen alleine die Mobilität verbessern.

Osteoporose

Menschen mit MS haben ein erhöhtes Risiko für Osteoporose und damit auch für Knochenbrüche. Deshalb sollte bei Frauen mit MS ab der Menopause und bei Männern mit MS ab dem 50. Lebensjahr eine Knochendichtemessung zur Früherkennung von Osteoporose durchgeführt werden.

Stressbewältigung

Traumatische Lebensereignisse und posttraumatische Belastungsstörungen erhöhen das Risiko für Autoimmunerkrankungen, einschließlich MS. Es gibt auch Hinweise darauf, dass Stress Schübe auslösen kann. Verschiedene Methoden zur Stressbewältigung, z.B. Achtsamkeitstraining, Meditation, Yoga oder autogenes Training, können hilfreich sein.

Übergewicht

Übergewicht kann das Risiko erhöhen, an MS zu erkranken, und auch zu einem ungünstigeren Verlauf der Krankheit führen.

Alkohol

Da Alkohol jedoch immer - auch in kleinen Mengen - gesundheitsschädlich ist und das Risiko für viele Krankheiten erhöht, sollte am besten ganz auf Alkohol verzichtet werden.

Reisen mit MS

Wenn Menschen mit Multipler Sklerose verreisen wollen, ist eine gute Planung wichtig: Extremes Klima sollte vermieden, nötige Impfungen mit Ärzten abgesprochen und die medizinische Versorgung vor Ort in Erfahrung gebracht werden. Vor und während der Reise sollte Stress so gut wie möglich vermieden werden.

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