Polyneuropathie: Ursachen und Bedeutung der Mangelernährung

Die Polyneuropathie ist eine Erkrankung des peripheren Nervensystems, die durch eine Schädigung der Nerven außerhalb des Gehirns und des Rückenmarks gekennzeichnet ist. Diese Schädigung beeinträchtigt die Fähigkeit der Nerven, Informationen korrekt zu übertragen, was zu Beschwerden wie Taubheitsgefühlen, Kribbeln oder Schmerzen führt, insbesondere in Händen und Füßen. Schätzungsweise ist jeder 20. Erwachsene von Polyneuropathie betroffen, wobei Diabetiker besonders häufig betroffen sind. Es gibt über 200 verschiedene Ursachen für Polyneuropathie, wobei Diabetes mellitus und Alkoholismus an erster Stelle stehen. Aber auch Infektionskrankheiten oder Stoffwechselkrankheiten, Mangelernährung (z.B. Vitaminmangel), Gift- oder Medikamenteneinwirkungen und Erbkrankheiten können eine Polyneuropathie zur Folge haben. Erworbene Polyneuropathien sind wesentlich häufiger als angeborene. Es gibt verschiedene Formen von Polyneuropathien, die sich danach unterscheiden, welche Nervenfasern geschädigt sind: Sensorische Polyneuropathie, Motorische Polyneuropathie und Autonome Polyneuropathie. Häufig liegen auch Mischformen vor, bei denen mehrere Nervenfasertypen gleichzeitig geschädigt sind.

Ursachen und Risikofaktoren

Es gibt viele mögliche Auslöser für eine Polyneuropathie. Zu den häufigsten Ursachen zählen:

  • Diabetes mellitus: Durch den erhöhten Blutzuckerspiegel werden die Nerven langfristig geschädigt.
  • Alkoholmissbrauch: Übermäßiger Alkoholkonsum kann die Nerven direkt angreifen.
  • Mangelernährung: Ein Mangel an Vitaminen wie B1, B6, B12 oder Folsäure kann Polyneuropathien verursachen. Mit zunehmendem Alter verliert der Mensch die Fähigkeit, Vitalstoffe - z.B. Vitamine oder Spurenelemente - aus der täglichen Nahrung ausreichend aufzunehmen. Die Folge können Beeinträchtigungen der peripheren Nerven oder der Gedächtnisfunktion bis hin zur Demenz sein.
  • Medikamente: Bestimmte Medikamente, vor allem Chemotherapeutika, können Nerven schädigen.
  • Autoimmunerkrankungen: Bei Rheuma oder Vaskulitis greift das Immunsystem die Nerven an.
  • Infektionen: Bakterien und Viren wie HIV, Borreliose oder Gürtelrose können Nervenschäden auslösen.
  • Vererbte Erkrankungen: Seltene, angeborene Nervenerkrankungen wie die Charcot-Marie-Tooth-Krankheit.
  • Tumore: Krebserkrankungen und gut- oder bösartige Tumore im Nervensystem.
  • Andere Grunderkrankungen: Nierenversagen, Schilddrüsenüberfunktion oder Querschnittslähmung erhöhen das Risiko.

Symptome der Polyneuropathie

Die Beschwerden einer Polyneuropathie können sehr vielfältig sein und hängen davon ab, welche Nervenfasern genau geschädigt sind. Zu den häufigsten Symptomen gehören:

  • Taubheitsgefühle, Kribbeln oder Missempfindungen in Händen und Füßen
  • Brennende, stechende oder elektrisierende Schmerzen
  • Muskelschwäche und Muskelkrämpfe
  • Koordinationsstörungen und Gangunsicherheit
  • Beeinträchtigungen von Organfunktionen wie Blasenschwäche oder Verdauungsprobleme

Oft beginnen die Beschwerden zunächst in den Fußsohlen und Unterschenkeln und breiten sich nach oben aus. In schweren Fällen können ganze Körperregionen betroffen sein.

Die Rolle der Mangelernährung bei Polyneuropathie

Mangelernährung, insbesondere ein Mangel an B-Vitaminen (vor allem Vitamin B1 und Vitamin B12), spielt eine bedeutende Rolle bei der Entstehung und Verschlimmerung von Polyneuropathie. Bei einer alkoholbedingten Polyneuropathie kommt häufig eine Mangelernährung hinzu, bei der es an B-Vitaminen und anderen Vitaminen mangelt. Diese Mangelernährung kann die Beschwerden verstärken und das Fortschreiten der Polyneuropathie begünstigen. Auch bei einer diabetischen Polyneuropathie kommt es darauf an, genügend B-Vitamine aufzunehmen.

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Vitaminmangel als Ursache

Ein Vitamin-B1-Mangel kann eine symmetrische, distale, sensomotorische Polyneuropathie verursachen. Die Ursachen für eine Unterversorgung mit Vitaminen - vor allem dem Vitamin-B-Komplex - können vielfältig sein: Alkohol, Nerven- und Magenschutzpräparate spielen ebenso eine Rolle wie die Auswirkung von Medikamenten, Magenverkleinerungen zur Gewichtsabnahme, chronische Magenerkrankungen, Dünndarmerkrankung oder das Kurzdarmsyndrom. Nationale Verzehrstudien zeigen, dass ein erheblicher Teil der Bevölkerung die empfohlene tägliche Zufuhr an wichtigen B-Vitaminen nicht erreicht.

Überdosierung von Vitaminen

Es ist wichtig zu beachten, dass auch eine Überdosierung von Vitaminen, insbesondere Vitamin B6, zu einer schmerzhaften sensiblen Polyneuropathie führen kann. Daher ist eine ärztliche Beratung und regelmäßige Nachverfolgung bei der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln unerlässlich.

Ernährungsempfehlungen bei Polyneuropathie

Eine gezielte Ernährung kann dazu beitragen, die Beschwerden einer Polyneuropathie zu lindern und das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen.

Ballaststoffreiche Ernährung

Bei einer diabetischen Polyneuropathie ist eine ballaststoffreiche Ernährung von Bedeutung. Der Energiebedarf sollte etwa zur Hälfte mit Kohlenhydraten gedeckt werden, doch kommt es darauf an, dass die Kohlenhydrate einen niedrigen glykämischen Index haben. Ballaststoffe haben einen niedrigen glykämischen Index und sorgen dafür, dass Kohlenhydrate langsamer ins Blut gehen. Reich an Ballaststoffen sind Vollkornprodukte, Nüsse, Obst und Gemüse. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt, täglich mindestens 30 Gramm Ballaststoffe aufzunehmen. Bei einer diabetischen Polyneuropathie werden sogar 40 Gramm Ballaststoffe täglich empfohlen.

Gesunde Fettsäuren

Gesunde Fettsäuren sind wichtig für die Nerven. Alpha-Liponsäure ist als schwefelhaltige Fettsäure in jeder Körperzelle enthalten. Sie liefert Energie und ist ein Antioxidans. Alpha-Liponsäure wird häufig zur Behandlung einer peripheren Nervendegeneration verwendet. Sie ist in Brokkoli, Spinat und Tomaten enthalten. Gesunde Fettsäuren mit entzündungshemmender Wirkung sind Omega-3-Fettsäuren. Sie dienen als Nahrung für das Nervensystem und können helfen, Nervensignale besser zu übertragen. Sie sind in fetten Fischen wie Heringen, Makrelen und Lachs, aber auch in Chia- und Leinsamen enthalten.

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Natürliche Fette

Natürliche Fette sind bei Polyneuropathie und bei Diabetes gesund. Pflanzliche Fette sind den tierischen Fetten vorzuziehen. Hervorragend geeignet sind Öle in Form von Olivenöl, Rapsöl oder Sonnenblumenöl. Besonders gesund sind kaltgepresste Öle, beispielsweise kaltgepresstes Olivenöl. Verarbeitete und harte Fette enthalten verschiedene Zusätze und sind daher nicht empfehlenswert. Als Ersatz für Margarine und industriell gehärtete Fette kann man Butter verwenden. Leiden Sie unter einem erhöhten Cholesterinspiegel, sollten Sie weitgehend auf tierische Fette verzichten.

B-Vitamine

Vitamine des B-Komplexes, vor allem Vitamin B1 und Vitamin B12, sind bei einer Polyneuropathie unerlässlich. B-Vitamine sind in Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Spinat und anderem Gemüse enthalten. Reich an Vitamin B12 sind Fisch, Fleisch, Eier und Milch. Menschen, die sich vegan ernähren, leiden häufig unter einem Mangel an Vitamin B12 und können dieses Vitamin als Nahrungsergänzungsmittel zu sich nehmen. In geringen Mengen kommt dieses B-Vitamin in Hülsenfrüchten vor. Bei einer diabetischen Polyneuropathie wählen Sie magere Milchprodukte wie mageren Frischkäse, Quark oder mageren Joghurt. Mageres Fleisch wie Geflügel ist wertvoller als Schweinefleisch und andere fettreiche Fleisch- oder Wurstsorten.

Zu meidende Lebensmittel

Verschiedene Lebensmittel können die Beschwerden bei einer Polyneuropathie verstärken und das Fortschreiten der Erkrankung begünstigen. Unabhängig davon, ob es sich um eine diabetische Polyneuropathie oder eine andere Form der Polyneuropathie handelt, stellen zuckerhaltige Getränke wie Cola und Limonaden eine Gefahr für einen steigenden Blutzuckerspiegel dar. Stattdessen greifen Sie zu Mineral- oder Leitungswasser, ungesüßten Früchte- oder Kräutertees oder Saftschorlen. Auch Weißmehlprodukte und Fertiggerichte wirken sich negativ auf die Erkrankung aus. In Fertiggerichten sind versteckte Fette und Zucker enthalten. Auch Geschmacksverstärker, die in Fertigprodukten enthalten sind, schaden der Gesundheit. Handelt es sich um eine alkoholtoxische Polyneuropathie, ist Alkohol für Sie tabu. Auch bei anderen Formen der Polyneuropathie ist Alkohol schädlich.

Diagnose der Polyneuropathie

Die Diagnose einer Polyneuropathie ist nicht immer einfach. Ihr Arzt oder Ihre Ärztin wird zunächst Ihre Krankengeschichte erfragen und eine körperliche Untersuchung durchführen. Dabei werden Reflexe, Berührungsempfinden und Muskelfunktionen getestet.

Für die genauere Untersuchung stehen verschiedene Methoden zur Verfügung:

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  • Nervenleitstudie: Dabei wird die Leitfähigkeit der Nerven gemessen und auf Schädigungen geprüft.
  • Elektromyographie (EMG): Über Nadelelektroden wird die elektrische Aktivität der Muskeln aufgezeichnet.
  • Hautbiopsie: Bei bestimmten Formen wie der Small-Fiber-Neuropathie können Nervenproben aus der Haut Aufschluss geben.
  • Bildgebende Verfahren: MRT oder CT können Ursachen wie Tumore oder Quetschungen der Nerven erkennen.

Oft ist eine Kombination mehrerer Untersuchungen nötig, um die genaue Form und Ursache der Polyneuropathie festzustellen.

Behandlungsmöglichkeiten

Die Behandlung einer Polyneuropathie hängt von der zugrunde liegenden Ursache ab:

  • Bei einer diabetischen Polyneuropathie steht die Einstellung des Blutzuckerspiegels im Vordergrund.
  • Bei Mangelernährung oder Vitaminmangel sind Nahrungsergänzungsmittel und eine angepasste Ernährung wichtig.
  • Autoimmunerkrankungen werden oft mit Kortison oder anderen Medikamenten behandelt.
  • Polyneuropathien durch Medikamente oder Giftstoffe heilen oft aus, wenn die Ursache beseitigt wird.

Darüber hinaus gibt es viele Möglichkeiten, die Beschwerden zu lindern:

  • Schmerzmittel, Antidepressiva und Antikonvulsiva gegen Schmerzen, Kribbeln und Missempfindungen
  • Physiotherapie mit Übungen zur Muskelkräftigung und Koordinationsschulung
  • Ergotherapie zur Anpassung des Wohnumfelds und Hilfsmittelversorgung
  • In Einzelfällen operative Nervenentlastungen oder Stimulationsverfahren

Der beste Therapieerfolg wird mit einer Kombination verschiedener Ansätze erzielt. Dabei sollten immer die Lebensqualität und Selbstständigkeit im Fokus stehen.

Vorbeugung und Lebensstilanpassungen

Eine gesunde Lebensweise kann das Risiko für Polyneuropathien deutlich senken:

  • Blutzuckerkontrolle bei Diabetes durch Medikation, Ernährungsumstellung und Bewegung
  • Vollständiger Alkoholverzicht, um alkoholtoxische Neuropathien zu vermeiden
  • Ausgewogene Ernährung mit ausreichend Vitaminen, Ballaststoffen und gesunden Fetten
  • Regelmäßige Bewegung wie Gehen, Schwimmen oder Radfahren zur Durchblutungsförderung
  • Raucherentwöhnung, da Rauchen die Nerven und Gefäße schädigt
  • Gewichtsreduktion bei Übergewicht zur Entlastung der Nerven in Beinen und Füßen
  • Fußpflege und bequemes, druckentlastendes Schuhwerk zur Vorbeugung von Verletzungen
  • Frühzeitige Behandlung von Infektionen, die Nerven schädigen können

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