Polyneuropathie durch Quensyl: Ursachen, Symptome und Behandlung

Einleitung

Polyneuropathie (PNP), eine Erkrankung des peripheren Nervensystems, kann vielfältige Ursachen haben. Dieser Artikel beleuchtet die mögliche Verbindung zwischen der Einnahme von Quensyl (Hydroxychloroquin) und dem Auftreten von Polyneuropathie. Dabei werden Ursachen, Symptome, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten der Quensyl-induzierten PNP erörtert. Es ist wichtig zu betonen, dass eine durch Quensyl verursachte PNP eine sehr seltene Nebenwirkung darstellt.

Was ist Polyneuropathie?

Polyneuropathie ist eine Erkrankung, bei der mehrere periphere Nerven geschädigt sind. Die peripheren Nerven verbinden das Gehirn und das Rückenmark mit den Muskeln, der Haut und den inneren Organen. Eine Schädigung dieser Nerven kann zu einer Vielzahl von Symptomen führen, die von leichten Missempfindungen bis hin zu schweren motorischen und sensorischen Ausfällen reichen können. Polyneuropathien sind in Abhängigkeit vom Alter mit einer Prävalenz von circa 5-8 % bei Erwachsenen die häufigsten Erkrankungen des peripheren Nervensystems. Das Auftreten steigt mit zunehmendem Alter.

Ursachen von Polyneuropathie

Polyneuropathien können verschiedene Ursachen haben. Diabetes mellitus ist die häufigste Ursache von Polyneuropathien in Europa und Nordamerika. Laut der nationalen Versorgungsleitlinie für Diabetes im Erwachsenenalter beträgt die Prävalenz der diabetischen Neuropathie 8-54 % bei Typ-1- beziehungsweise 13-46 % bei Typ-2-Diabetes. Daneben hat die alkoholassoziierte Polyneuropathie eine Prävalenz von 22-66 % unter chronisch Alkoholkranken. Die Prävalenz neuropathischer Schmerzen liegt weltweit laut Studien zwischen 7-10 %.

Weitere mögliche Ursachen sind:

  • Genetische Ursachen
  • Vitaminmangel oder -überdosierungen
  • Toxine
  • Immunologische Vorgänge
  • Unerwünschte Wirkungen von Medikamenten

Quensyl (Hydroxychloroquin) und Polyneuropathie

Quensyl ist ein Medikament, das zur Behandlung von Autoimmunerkrankungen wie rheumatoider Arthritis (RA) und Lupus erythematodes eingesetzt wird. Es wirkt entzündungshemmend und kann die Symptome dieser Erkrankungen lindern.

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Obwohl Quensyl im Allgemeinen als gut verträglich gilt, kann es in seltenen Fällen zu Nebenwirkungen kommen. Eine sehr seltene Nebenwirkung ist die Polyneuropathie.

Ein Erfahrungsbericht schildert den Fall eines Patienten, der nach 14-monatiger Einnahme von Quensyl (400mg/Tag) wegen seronegativer RA eine deutliche PNP entwickelte. Die neurologische Untersuchung ergab eine deutliche PNP mit axonaler, demyelinisierender oder kombinierter Ursache. Umfangreiche neurologische Ursachenklärung blieb ohne konkretem Hinweis auf mögliche Ursache. Aufgrund der zeitlichen Kongruenz mit der Quensyltherapie wurde dieses versuchsweise abgesetzt und es kam allmählich zu einer gefühlten Besserung der Symptomatik.

In den Fachinformationen von Quensyl werden "gestörte Nervenleitung" und "Neuromyopathie" als seltene Nebenwirkungen aufgeführt. Arzneimittelbedingte Neuropathien hängen in der Regel von der Dosis und der Dauer der Verabreichung ab. Meistens, aber nicht immer, bessern sie sich nach Therapieabbruch. Der Mechanismus der Schädigung ist fast immer unbekannt. Pathophysiologisch wird unterschieden zwischen Noxen, die primär die Nervenzelle (Motoneuron oder Spinalganglienneuron) angreifen, und solchen, die Prozesse in der Nervenfaser (Axon und Schwann-Zelle) stören.

Symptome der Quensyl-induzierten Polyneuropathie

Die Symptome einer Quensyl-induzierten Polyneuropathie können vielfältig sein und variieren je nach Schweregrad der Nervenschädigung. Mögliche Symptome sind:

  • Kribbeln und Taubheitsgefühl: Besonders in den Füßen und Beinen, kann sich aber auch auf Arme und Hände ausweiten.
  • Schmerzen: Brennende, stechende oder bohrende Schmerzen in den betroffenen Bereichen.
  • Verlust der Temperaturempfindung: Betroffene können Wärme oder Kälte schlechter wahrnehmen.
  • Muskelschwäche: Schwierigkeiten beim Gehen, Heben von Gegenständen oder anderen alltäglichen Aktivitäten.
  • Gleichgewichtsstörungen: Unsicherheit beim Gehen und erhöhte Sturzgefahr.
  • Geschmacksmissempfindungen: Metallischer Geschmack im Mund.
  • Depressive Verstimmung: Evtl. durch Missempfindungen, evtl auch davon unabhängig.

Im oben genannten Fall begann es mit einem leichten Kribbeln und Taubheitsgefühl in der rechten Großzehe, langsame Steigerung der Missempfindungen, zunächst weitgehend ignoriert bis nach 12 Monaten Einnahmedauer die Sache eskalierte: Verlust der Temperaturempfindung in den Beinen bis Mitte Oberschenkel, anfallsartige brennende Schmerzen in den Beinen, teils auch in den Armen, Geschmacksmissempfindungen (metallisch).

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Diagnose

Die Diagnose einer Quensyl-induzierten Polyneuropathie basiert auf einer Kombination aus:

  • Anamnese: Erhebung der Krankengeschichte, einschließlich der Einnahme von Quensyl und anderer Medikamente.
  • Klinischer Untersuchung: Neurologische Untersuchung zur Feststellung von sensorischen und motorischen Defiziten.
  • Elektrophysiologischen Untersuchungen: Messung der Nervenleitgeschwindigkeit (Elektroneurographie), um die Funktion der peripheren Nerven zu beurteilen.
  • Ausschluss anderer Ursachen: Um andere mögliche Ursachen der Polyneuropathie auszuschließen, können weitere Untersuchungen wie Bluttests, Liquoruntersuchung oder Nervenbiopsie erforderlich sein. Im oben genannten Fall blieb die umfangreiche neurologische Ursachenklärung (exklusive Suralisbiopsie) ohne konkretem Hinweis auf mögliche Ursache.

Behandlung

Die Behandlung einer Quensyl-induzierten Polyneuropathie zielt in erster Linie darauf ab, die Symptome zu lindern und die Nervenfunktion zu verbessern. Wichtigster Schritt ist das Absetzen von Quensyl. Da Hydroxychloroquin eine lange Halbwertszeit hat (30-50 Tage), dauert es gut 3 Monate, bis das Medikament weitgehend aus dem Körper ausgeschieden ist.

Weitere Behandlungsmöglichkeiten sind:

  • Schmerzmittel: Zur Linderung von Schmerzen.
  • Physiotherapie: Zur Verbesserung der Muskelkraft und Koordination.
  • Ergotherapie: Zur Anpassung des Alltags an die Einschränkungen durch die Polyneuropathie.
  • Nahrungsergänzungsmittel: In einigen Fällen können Vitaminpräparate (z.B. Vitamin B12) oder andere Nahrungsergänzungsmittel helfen, die Nervenfunktion zu unterstützen.

Im oben genannten Fall zeigte die Elektroneurographie 6 Monate nach Absetzung von Quensyl ein Nicht-Fortschreiten der PNP, evtl sogar eine leichte Besserung.

Andere Medikamente, die Polyneuropathie verursachen können

Neben Quensyl gibt es eine Reihe anderer Medikamente, die Polyneuropathie als Nebenwirkung verursachen können. Dazu gehören:

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  • Statine: Die Polyneuropathie der HMG-CoA-Reduktase-Inhibitoren zeigt sich als Gruppeneffekt und ist in der Regel nach Absetzen der Medikation reversibel.
  • Amiodaron: Periphere sensorische Neuropathien sind eine gelegentliche Nebenwirkung. Die Polyneuropathie ist, wie auch bei Statinen, außer in Einzelfällen, reversibel.
  • Vincaalkaloide: Vincristin zeigt eine Inzidenz von 30-40 % für periphere Neuropathien.
  • Taxane: Docetaxel hat eine Inzidenz von bis zu 50 % für CIPN, während bei Paclitaxel bis zu 95 % der Patienten unter peripheren Nervenschäden leiden.
  • Platinverbindungen: Unter der Therapie mit Oxaliplatin leiden bis zu 98 % der Patienten an einer akuten und bis zu 60 % an einer chronischen Neuropathie.
  • Bortezomib und Thalidomid: CIPN tritt unter der Behandlung mit Bortezomib bei bis zu 75 % der Patienten auf, wobei bis zu 30 % der Behandelten über schwere Symptome klagen.
  • Antibiotika: Isoniazid, Ethambutol, Linezolid, Nitrofurantoin und Metronidazol können periphere Neuropathien auslösen.

Bei Patienten, die unter Polyneuropathien leiden oder durch Diabetes mellitus beziehungsweise eine Alkoholsucht ein erhöhtes Risiko für die Entstehung einer Polyneuropathie haben, sollte die Therapie mit oben genannten Medikamenten (außer Metformin) vermieden werden.

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