Die Polyneuropathie ist eine Erkrankung des peripheren Nervensystems, die sich durch verschiedene Symptome wie Taubheitsgefühle, Kribbeln, Schmerzen und Muskelschwäche äußern kann. In seltenen Fällen kann eine Polyneuropathie auch nach einer Impfung mit dem COVID-19-Impfstoff von AstraZeneca auftreten. Dieser Artikel beleuchtet die möglichen Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten der Polyneuropathie im Zusammenhang mit der AstraZeneca-Impfung.
Was ist Polyneuropathie?
Polyneuropathie (PNP) ist eine Erkrankung, die das periphere Nervensystem schädigt, also die Nerven außerhalb des Gehirns und des Rückenmarks. Dadurch können Reize nicht oder nur eingeschränkt an das zentrale Nervensystem weitergeleitet werden. Die Symptome der Polyneuropathie (PNP) zeigen sich hauptsächlich in Händen und Füßen. Sie äußern sich auf unterschiedliche Weise und können in der Ausprägung von Person zu Person schwanken. Viele Betroffene beklagen zunächst Schmerzen und Gefühlsstörungen in den Fußsohlen oder Fingerspitzen, die sich strumpf- und handschuhartig ausdehnen können. Auch kann es zu Taubheitsgefühlen oder genau gegenteilig zu Kribbeln in den Gliedmaßen kommen.
Ursachen der Polyneuropathie
Eine Polyneuropathie kann durch verschiedene Ursachen entstehen. Dazu gehören:
- Chemotherapie: Insbesondere platinhaltige Chemotherapien können zur Entstehung einer Polyneuropathie führen. In diesem Fall spricht man von einer Chemotherapie-induzierten Polyneuropathie (CIPN). Zytostatika haben nicht nur einen schädlichen Einfluss auf Krebszellen, sondern wirken sich auch auf gesunde Körperzellen aus. Einige von Ihnen sind neurotoxisch. Die Sorge, eine Polyneuropathie als Nebenwirkung der Chemotherapie zu entwickeln, ist bei vielen Betroffenen groß.
- Krebserkrankung: Zwar kann eine Krebserkrankung selbst Ursache für eine Polyneuropathie sein, wenn es zu einer Vermehrung bestimmter Eiweißstoffe im Blut kommt (Paraproteinämie) und diese sich in und um die Nerven ablagern und so zu einer Nervenschädigung führen.
- Diabetes mellitus
- Alkoholmissbrauch
- Vitaminmangel (B1, B6, B12)
- Infektionen
- Autoimmunerkrankungen
- Medikamente
- genetische Faktoren
Polyneuropathie nach AstraZeneca-Impfung: Ein möglicher Zusammenhang
Auch nach Impfung mit dem COVID-19-Impfstoff von AstraZeneca werden in der Literatur Fälle von GBS beschrieben. Dem Paul-Ehrlich-Institut (PEI) wurden bis zum 31.07.2021 insgesamt 84 Fallberichte eines GBS bzw. Miller-Fisher-Syndroms im Zusammenhang mit Vaxzevria® gemeldet. In sieben Fällen gab es Hinweise auf andere (z. B. infektiöse) Auslöser. Betroffen waren jeweils 42 Männer und Frauen im Alter von 21 bis 93 Jahren (bei zwei Patienten wurde kein Alter angegeben). Die ersten Symptome traten im Mittel 17 Tage nach der Impfung auf.
Die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) hat das Guillain-Barré-Syndrom auf die Liste „sehr seltener“ Nebenwirkungen des Coronaimpfstoffs von Astrazeneca aufgenommen. Die Wahrscheinlichkeit, dass es einen kausalen Zusammenhang zwischen der Impfung mit dem Astrazeneca-Vakzin und dem Auftreten der Nervenerkrankung gebe, sei „zumindest begründet“, heißt es in einer Erklärung der EMA. Die Wahrscheinlichkeit, nach einer Astrazeneca-Impfung am Guillain-Barré-Syndrom zu erkranken, sei sehr gering, betonte die EMA aber auch. Von 10.000 Menschen sei weniger als einer betroffen. Das Guillain-Barré-Syndrom kann zu Lähmungserscheinungen sowie zu Atemproblemen führen. Die meisten Patienten erholen sich wieder.
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Ein demyelinisierendes Schädigungsmuster mit ausgefallenen F-Wellen in der sensiblen und motorischen Neurographie spricht für eine schwerpunktmäßige Schädigung der Myelinschicht des peripheren Nerven.
Es kann deshalb nicht ausgeschlossen werden, dass es sich bei dem berichteten Fall um eine zufällige Koinzidenz handelt. Da die Inzidenz eines etwaigen Vaxzevria®-assoziierten GBS sehr niedrig eingeschätzt wird (14), überwiegt aus Sicht der AkdÄ nach wie vor der Nutzen der Impfung deren Risiken.
Symptome der Polyneuropathie
Die Symptome der Polyneuropathie können vielfältig sein und hängen davon ab, welche Nerven betroffen sind. Zu den häufigsten Symptomen gehören:
- Schmerzen: Die betroffenen Körperregionen können ein brennendes Schmerzgefühl auslösen.
- Sensibilitätsverlust: Es kann zu einem Verlust der Berührungsempfindung kommen.
- Taubheitsgefühle: Kribbeln in den Gliedmaßen kommen.
- Schwäche und Muskelschwund: Die Polyneuropathie kann zu Schwäche, Kraftlosigkeit und Muskelschwund, sowie Bewegungseinschränkungen führen.
- Gang- und Gleichgewichtsstörungen: Aufgrund der beeinträchtigten Sensorik und Motorik kann es zu Problemen mit Gleichgewicht, Koordination und unsicherem Gang kommen.
- Autonome Störungen: In manchen Fällen können auch autonome Nerven betroffen sein, was zu Störungen der Herzfrequenz, des Blutdrucks, der Verdauung oder der Blasenfunktion führen kann.
Diagnose der Polyneuropathie
Um eine Polyneuropathie zu diagnostizieren, sind unterschiedliche Methoden notwendig. Zunächst besprechen Sie mit Ihrer behandelnden Ärztin oder Arzt Ihre Beschwerden. Eine Blutuntersuchung gibt Aufschluss über Mängel, die zu einer Schädigung der Nerven führen können, denn insbesondere die Vitamine B1, B6 und B12 spielen eine wichtige Rolle bei der Versorgung Ihrer Nervenzellen. Auch Vitamin C, E und Vitamin D sollten überprüft werden, sowie ein möglicher Mangel an Spurenelementen und Mineralstoffen. Bei Vitaminen und Nährstoffsupplementierung gilt nicht die Regel: „Viel hilft viel“. Eine körperliche Untersuchung dient zur Ermittlung der Schwere und Ausprägung Ihrer Polyneuropathie. Zudem können Messungen der Nervenleitgeschwindigkeit anhand einer Elektroneurografie (ENG) und die Elektromyografie (EMG) zur Messung der elektrischen Aktivität im Muskel erfolgen.
Behandlung der Polyneuropathie
Entscheidend für den Verlauf der Polyneuropathie ist die frühzeitige Behandlung Ihrer Beschwerden. Die eigentliche Ursache, also die nervenschädigende Wirkung der Therapie lässt sich nicht behandeln. Aktuell ist kein Medikament verfügbar, um die Nerven während der Therapie zu schützen. Die Behandlung zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Zu den möglichen Behandlungsansätzen gehören:
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- Schmerzmittel: Bei gelegentlich auftretenden Schmerzen können in Absprache mit Ihrer behandelnden Ärztin oder Arzt Analgetika eingesetzt werden.
- Antidepressiva: aus der Gruppe der Antidepressiva
- Antikonvulsiva: aus der Gruppe der Antikonvulsiva (Epilepsie-Medikamente, wie z.B.
- Kryotherapie: Einige Studien belegen die Wirksamkeit von sogenannter Kryotherapie während der Chemotherapie. Das bedeutet, während der Therapie tragen die Betroffenen Kältehandschuhe und -strümpfe.
- Bewegungstherapie: Üben Sie genau das, was möglicherweise durch die Neuropathie schlechter wird: Gleichgewicht und Koordination, aber auch Sensorik und Motorik. Bewegung hilft vielen Betroffenen besser mit den Nervenschmerzen zurechtzukommen. Besonders nützlich sind Übungen und Bewegungsformen, die Gleichgewicht und Koordination schulen, also beispielsweise Qi Gong, Tai Chi oder Yoga. Aber auch Laufen oder Nordic Walking wirkt sich positiv auf Ihr Gangbild aus.
- Ergotherapie: Ergotherapeuten können Betroffenen helfen, ihren Alltag besser zu bewältigen und компенсаторische Strategien zu entwickeln.
- SENSI-Bäder: SENSI-Bäder dienen der Stimulierung Ihrer Nerven durch das Setzen verschiedener Reize. Sie können beispielweise in Schüsseln mit Linsen, Tannenzapfen, Watte, etc.
- Anpassung des Lebensstils: Langes und häufiges Stehen vermeiden, z.B.
- Psychologische Unterstützung: Chronische Schmerzen und Einschränkungen können психологische Belastungen verursachen. Eine psychologische Unterstützung kann Betroffenen helfen, mit der Erkrankung besser umzugehen.
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