Polyneuropathie: Alternative Behandlungen zu Tavor und Valium

Benzodiazepine wie Tavor (Lorazepam) und Valium (Diazepam) werden häufig zur Behandlung von Angstzuständen, Schlafstörungen und Muskelverspannungen eingesetzt. Sie können jedoch bei längerer Einnahme zu Abhängigkeit und anderen Nebenwirkungen führen. Daher suchen viele Menschen nach alternativen Behandlungsmöglichkeiten, insbesondere bei chronischen Erkrankungen wie Polyneuropathie. Dieser Artikel untersucht verschiedene Alternativen zu Tavor und Valium, insbesondere im Hinblick auf die Behandlung von Polyneuropathie.

Was ist Polyneuropathie?

Polyneuropathie ist eine Erkrankung, die mehrere periphere Nerven betrifft. Sie kann durch verschiedene Faktoren verursacht werden, darunter Diabetes, Alkoholmissbrauch, Autoimmunerkrankungen, Infektionen und genetische Veranlagung. Die Symptome können vielfältig sein und umfassen:

  • Schmerzen
  • Taubheit
  • Kribbeln
  • Muskelschwäche
  • Koordinationsstörungen

Konventionelle Behandlungen der Polyneuropathie

Die konventionelle Behandlung der Polyneuropathie konzentriert sich in erster Linie auf die Linderung der Symptome und die Behandlung der zugrunde liegenden Ursache. Zu den gängigen Behandlungen gehören:

  • Medikamente: Schmerzmittel, Antikonvulsiva, Antidepressiva
  • Physiotherapie: Verbesserung der Muskelkraft und Koordination
  • Ergotherapie: Anpassung an den Alltag mit den Einschränkungen
  • Operation: In seltenen Fällen, wenn Nerven eingeklemmt sind

Alternativen zu Tavor und Valium bei Polyneuropathie

Da Benzodiazepine wie Tavor und Valium nicht zur langfristigen Behandlung von Polyneuropathie geeignet sind, werden im Folgenden verschiedene alternative Ansätze vorgestellt:

1. Koanalgetika

Koanalgetika sind Medikamente, die ursprünglich für andere Zwecke entwickelt wurden, aber auch bei der Schmerzbehandlung wirksam sind. Sie sind besonders nützlich bei neuropathischen Schmerzen, die oft mit Polyneuropathie einhergehen.

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Trizyklische Antidepressiva (TZA)

Trizyklische Antidepressiva wie Amitriptylin, Nortriptylin und Doxepin werden in der Schmerztherapie eingesetzt, um zentrale, aufsteigende Schmerzimpulse zu hemmen. Die schmerztherapeutische Dosis ist in der Regel niedriger als bei der Behandlung von Depressionen. Nebenwirkungen wie Müdigkeit, Mundtrockenheit, Verwirrtheitszustände, Schwindel, Obstipation, Harnverhalt, Akkomodationsstörungen, Potenzstörungen, Haltetremor der Hände und Gewichtszunahme können auftreten.

Selektive Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI)

Duloxetin ist ein SNRI, für den ein Wirksamkeitsnachweis bei neuropathischen Schmerzen erbracht wurde. Es ist in Tablettenform mit 30 mg und 60 mg erhältlich. SNRI können mit anderen Substanzen interagieren, die ebenfalls Serotonin-wiederaufnahmehemmende Wirkung haben, wie Tramadol, Triptane und Ecstasy. Sie bergen eine erhöhte Blutungsgefahr im oberen Gastrointestinaltrakt, besonders bei der Kombination mit NSAR.

Antikonvulsiva

Antikonvulsiva wie Gabapentin und Pregabalin sind gut wirksam bei neuropathischen Schmerzen, allerdings weniger potent als Antidepressiva. Sie haben ein geringes Nebenwirkungsprofil, insbesondere hinsichtlich der unerwünschten cholinergen Nebenwirkungen der Antidepressiva. Die Dosierung wird einschleichend über einen Zeitraum von 4 Wochen erhöht, um typische Nebenwirkungen wie Schwindel, Benommenheit, Schwäche, Kopfschmerzen und periphere Ödeme zu verringern.

  • Carbamazepin: Ist zugelassen und erste Wahl für die Behandlung der Trigeminusneuralgie und für die diabetische Polyneuropathie (zweite Wahl!). Zahlreiche Nebenwirkungen sind möglich, und es ist kontraindiziert bei Hepatopathie, Nieren- und Herzinsuffizienz sowie Hyponatriämie.
  • Gabapentin: Ist zugelassen für diabetische Polyneuropathie und neuropathische Schmerzen und offensichtlich sehr gut verträglich. Eine Dosisreduktion bei Niereninsuffizienz kann erforderlich sein.
  • Pregabalin: Ist indiziert bei peripheren und zentralen neuropathischen Schmerzen. Gegenüber Gabapentin verbesserte Kinetik und geringere Nebenwirkungen.

2. Kortikosteroide

Die kurzfristige, systemische Anwendung von Kortikosteroiden ist etabliert in der Behandlung des komplexen regionalen Schmerzsyndroms (CRPS), bei neuropathischen Schmerzen und Knochenschmerzen durch Metastasen oder Tumorinfiltration nervaler Strukturen. Als Nebenwirkungen bei der Langzeitanwendung müssen die negativen Auswirkungen auf den Knochenstoffwechsel, Magen-Darm-Ulzera, die Maskierung von Infektionen, Cushing-Syndrom etc. beachtet werden. Dexamethason ist zugelassen zur Schmerztherapie bei Knochenmetastasen, ist aber auch bei akuten neuropathischen Schmerzen hilfreich. Prednisolon ist zugelassen für CRPS und Radikulopathien.

3. Cannabinoide

Der Einsatz der Cannabinoide in der Schmerztherapie wurde in den letzten Jahren in den Medien viel diskutiert. Für den Einsatz natürlicher Cannabisblüten (Marihuana) gibt es in der Schulmedizin keine Indikation. Es können Cannabidiol und teilsynthetisch hergestelltes Tetrahydrocannabinol (THC) eingesetzt werden. Das Nebenwirkungspotenzial aller Cannabinoide ist hoch: Sie können Tachykardien und psychogene Effekte auslösen, Halluzinationen, Depersonisationsphänomene und Schizophrenien hervorrufen, weshalb die Wirkstoffe nicht verharmlost werden dürfen. Ein Missbrauchspotenzial besteht. Alle Cannabinoide machen müde, oft tritt Schwindel auf.

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4. Clonidin

Clonidin kann als Hemmstoff des Sympathikus die Wirkung von Opioiden verstärken und die Wirkung von Lokalanästhetika verlängern. Es kann aber auch als Koanalgetikum bes. bei neuropathischem Schmerz angewandt werden. Blutdruckabfall, Obstipation, Müdigkeit, Mundtrockenheit sind die typischen Nebenwirkungen.

5. Andere Medikamente

  • Botulinumtoxin: Zerstört den präsynaptischen Anteil der neuromuskulären Endplatte, weshalb eine Muskelkontraktion verhindert wird.
  • Calcitonin: Ist ein Parathormon-Antagonist und Osteoklastenhemmer. Es wird auch bei Phantomschmerz eingesetzt, in der Akutschmerztherapie bei Knochenschmerzen durch Malignome zeigt es bessere Wirksamkeit als die Bisphosphonate.
  • Bisphosphonate: Werden nicht nur zur Behandlung der Osteoporose, sondern auch zur Behandlung der tumorassoziierten Hyperkalzämie eingesetzt. Bei ossärem Tumorschmerz können sie Anwendung finden, ebenfalls bei Wirkbelkörperfrakturen.
  • Ketamin: Ist der bekannteste NMDA-Rezeptor-Antagonist und wird schmerztherapeutisch eingesetzt bei opioidresistenten chronischen Schmerzen und opioidinduzierter Hyperalgesie.

6. Topische Behandlungen

  • NSAR: Können in topischen Aufbereitungen auf die betroffene schmerzhafte Region bzw. das Gelenk aufgebracht werden.
  • Capsaicin-Salbe oder -Pflaster: Kann in niedriger Konzentration (0,075 %) als Salbe mehrmals täglich angewendet werden und kann besonders bei peripheren neuropathischen Beschwerden wie Postzoster-, postoperativer oder posttraumatischer Neuralgie und diabetischer Polyneuropathie lindern.
  • Lidocain-Pflaster: Sind für die Behandlung der postherpetischen Neuralgie zugelassen.

7. Nicht-medikamentöse Behandlungen

Neben medikamentösen Behandlungen können auch nicht-medikamentöse Ansätze zur Linderung der Symptome der Polyneuropathie beitragen:

  • Physiotherapie: Übungen zur Verbesserung der Muskelkraft, Koordination und Flexibilität.
  • Ergotherapie: Anpassung des Wohnraums und der Aktivitäten, um den Alltag zu erleichtern.
  • Akupunktur: Kann bei einigen Patienten Schmerzen lindern.
  • Entspannungstechniken: Yoga, Meditation und progressive Muskelentspannung können helfen, Stress abzubauen und Schmerzen zu reduzieren.
  • Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung kann die Nervengesundheit unterstützen.

Lorazepam (Tavor) als Alternative?

Lorazepam (Tavor) ist ein Benzodiazepin, das beruhigend, angst- und spannungslösend sowie schlaffördernd wirkt. Es wird zur symptomatischen Kurzzeitbehandlung von Unruhestörungen, Panikattacken und Schlafstörungen eingesetzt. Im Gegensatz zu Antipsychotika und Antidepressiva ist es zudem antikonvulsiv und wird bei Status epilepticus eingesetzt.

Lorazepam wirkt, indem es an GABA-Rezeptoren im zentralen Nervensystem bindet und die Erregung der Nerven reduziert. Die Wirkung ist dosisabhängig:

  • Niedrige Dosen: Beruhigend und angstlösend
  • Höhere Dosen: Muskelrelaxierend
  • Noch höhere Dosen: Schlafanstoßend bis schlaferzwingend

Lorazepam wird in der Regel oral als Tablette verabreicht, kann aber auch intramuskulär oder intravenös gespritzt werden. Die Dosierung ist abhängig vom Behandlungsgrund und der Schwere der Krankheit. Die Tagesdosis in Tablettenform beträgt in der Regel 0,5 mg bis 2,5 mg Lorazepam.

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Wichtige Hinweise zu Lorazepam:

  • Die Dosis sollte so niedrig wie möglich angesetzt werden und die Behandlung so kurz wie möglich sein.
  • Lorazepam kann die Reaktionsfähigkeit beeinflussen, daher dürfen in den ersten Tagen der Behandlung weder Fahrzeuge noch Maschinen bedient werden.
  • Bei gleichzeitiger Gabe mit anderen Medikamenten kann es zu einer Wirkungs- oder Nebenwirkungsverstärkung kommen, insbesondere bei Opioiden.
  • Lorazepam kann zu Abhängigkeit führen, daher ist eine langfristige Anwendung nicht empfehlenswert.

Medikamentenabhängigkeit bei Benzodiazepinen

Benzodiazepine wie Diazepam, Valium und Lorazepam sind die am häufigsten verordneten Beruhigungsmittel. Einigkeit herrscht in der fachlichen Diskussion darüber, dass Benzodiazepine häufig viel länger als empfohlen verordnet werden. Die schädlichen Folgen einer Langzeiteinnahme sind jedoch erheblich und sollten dem Patienten vom Arzt verdeutlicht werden: Gedächtnisstörungen, Intoxikationen, Zunahme von Angst und Schlafstörungen, Dosissteigerungen, erhöhte Unfallgefahr.

Behandlung der Medikamentenabhängigkeit

Bei Benzodiazepinabhängigkeit ist eine Frühintervention bei beginnender Abhängigkeit im Vergleich mit der Behandlung einer jahrzehntelangen Abhängigkeit erfolgreicher. Zu Beginn wird nach sämtlichen medikamentösen Behandlungs- und Selbstbehandlungsversuchen, aber auch nach Erfahrungen, anders als durch Medikamente auf die zugrunde liegenden Beschwerden Einfluss zu nehmen, gefragt, um Ressourcen zu erfassen und die Aufmerksamkeit von Beginn an auf die Alternativen zum passiven Medikamentenkonsum zu lenken.

Akuter Schwindel (Vertigo)

Akuter Schwindel kann verschiedene Ursachen haben, darunter psychogener Schwindel, gutartiger Lagerungsschwindel und komplexer Schwindel. Weitere häufig gestellte Diagnosen im Zusammenhang mit akutem Schwindel sind Herzrhythmusstörungen, Morbus Menière, Neuritis vestibularis, Polyneuropathie, vestibuläre Migräne und zerebrale Durchblutungsstörungen. Eine symptomatische Therapie mit Antivertiginosa soll nur dann erfolgen, wenn keine kausale Therapie möglich ist, die Beschwerden heftig sind und/oder dauerhaft auftreten. In diesen Fällen könnten kurzfristig die Antihistaminika Dimenhydrinat oder Betahistin beziehungsweise Dimenhydrinat in Kombination mit dem Calciumantagonisten Cinnarizin gegeben werden.

Benzodiazepine und Demenzrisiko

Benzodiazepine wie Diazepam gehören zu den Beruhigungsmitteln. Schon länger gibt es Hinweise, dass sie - langfristig eingenommen - die Gehirnleistung schwächen und möglicherweise sogar Demenz begünstigen könnten. Die Wirkstoffe aktivieren offenbar Fresszellen im Gehirn, die dann Verbindungen zwischen den Nervenzellen (Neuronen) schädigen. Experimente mit Mäusen zeigten, dass Tiere, die mehrere Wochen lang täglich eine schlaffördernde Dosis des Benzodiazepins Diazepam erhalten hatten, aufgrund eines Synapsenverlusts kognitive Beeinträchtigungen zeigten.

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