Kribbelnde Füße und Hände, Taubheitsgefühle und brennende Nervenschmerzen - diese Symptome können auf eine Polyneuropathie hinweisen. Bei dieser Erkrankung sind die peripheren Nerven geschädigt, was zu vielfältigen Beschwerden führen kann. Die Ursachen für eine Polyneuropathie sind vielfältig und reichen von Stoffwechselerkrankungen über Infektionen bis hin zu äußeren Einflüssen wie Alkohol und bestimmten Medikamenten. Auch Nikotin kann eine Rolle spielen, sowohl als direkter Auslöser als auch im Zusammenhang mit anderen Risikofaktoren.
Was ist Polyneuropathie?
Als peripheres Nervensystem wird der Teil des Nervensystems bezeichnet, der außerhalb des Gehirns und des Rückenmarks liegt. Es verbindet quasi das Gehirn mit der Peripherie des Körpers und ist somit eine Art Ausführungsorgan des zentralen Nervensystems. Bei einer Polyneuropathie ist die Weiterleitung der Reize von Körperteilen z. B. den Extremitäten an das Gehirn gestört. Die sensiblen Nervenfasern leiten Reize wie Wärme, Kälte oder Schmerz zum Gehirn. Sind diese Nerven betroffen, können Nervenschmerzen und Empfindungsstörungen auftreten, so z. B. erhöhte Berührungsempfindlichkeit. Motorische Nerven steuern die Muskulatur im Körper und ermöglichen so willentliche Bewegungen (z. B. Bein anheben). Eine Schädigung der motorischen Nervenfasern kann u. a. zu Muskelschwäche führen. Herz, Atmung, Verdauungstrakt und Blase - unsere inneren Organe werden durch autonome Nerven gesteuert. Kommt es hier zu Schädigungen, können verschiedene Beschwerden ausgelöst werden, so z. B. Herzrasen oder Verdauungsstörungen.
Ursachen der Polyneuropathie
Die möglichen Auslöser der Polyneuropathie gliedern sich in Grunderkrankungen und äußere Einflüsse. Weiterhin kommt in seltenen Fällen die angeborene Polyneuropathie in Frage. Bei einigen Patienten lässt sich die Ursache einer Polyneuropathie hingegen auch trotz einer umfangreichen Untersuchung nicht finden. Die Ursachen für eine Polyneuropathie sind vielfältig:
- Erkrankungen: Die häufigste Ursache ist die Stoffwechselerkrankung Diabetes mellitus. Infolge eines dauerhaft zu hohen Blutzuckerspiegels werden die Nerven beschädigt, die „Rückmeldung“ an das Gehirn ist gestört. Doch auch durch andere Erkrankungen kann eine solche Funktionsstörung des Nervensystems entstehen. Dazu gehören Nierenschäden, Krebserkrankungen und eine Schilddrüsenunterfunktion. Auch Infektionen mit Viren oder Bakterien (z. B. Borreliose, Lepra) können eine Polyneuropathie auslösen. Genetische Faktoren können ebenfalls eine Rolle spielen.
- Äußere Einflüsse: Chronischer Alkoholmissbrauch (alkoholbedingte Polyneuropathie): Alkohol ist ein Nervengift und greift die Nerven an. Zudem kommt bei alkoholkranken Menschen ein Vitamin-B-Mangel häufiger vor. Alkohol und Nikotin sind Nervengifte. Verzichten Sie daher auf Alkohol und hören Sie mit dem Rauchen auf. Holen Sie sich Hilfe und lassen Sie sich von fachkundiger Seite beraten, wenn Sie merken, dass sie es nicht allein schaffen. Gifte (z. B. Schwermetalle) und einige Medikamente (z. B. Chemotherapeutika) können ebenfalls eine Polyneuropathie verursachen. Ebenso sind länger andauernde Mangelerscheinungen mögliche polyneuropathische Ursachen. Wenn Sie sich einseitig ernähren und beispielsweise einen Vitamin-B-12-Mangel infolge einer einseitigen Ernährung aufweisen, steigt das Risiko für die Erkrankung.
- Angeborene Polyneuropathie: Eine erblich bedingte Polyneuropathie kommt vergleichsweise selten vor. Beispielsweise ist eine Amyloidneuropathie möglich. Dabei lagern sich veränderte Eiweiße ungünstig im Nervengewebe ab und sorgen dort für die Beschwerden. Auch ein Enzymdefekt, der für Schädigungen des Nervensystems verantwortlich ist, kann vorliegen. Dabei handelt es sich um die so genannte chromatische Leukodystrophie.
- Idiopathische Polyneuropathie: Bei einem Fünftel der Betroffenen kann keine Ursache für die Nervenerkrankung gefunden werden. Ungefähr jeder fünfte betroffene Patient erfährt trotz umfangreicher Untersuchungen nie, warum er an einer Polyneuropathie leidet. Die Ursache kann in diesem Fall schlicht nicht aufgedeckt werden. Lediglich die Behandlung der Symptome spielt bei diesen Patienten mit der so genannten idiopathischen Polyneuropathie eine Rolle.
Nikotin als möglicher Faktor
Nikotin ist ein Nervengift und kann somit potenziell zur Entstehung einer Polyneuropathie beitragen. Es ist zwar nicht der Hauptauslöser, aber es kann die Nerven schädigen und die Symptome verschlimmern, insbesondere in Kombination mit anderen Risikofaktoren wie Diabetes oder Alkoholmissbrauch. Studien haben gezeigt, dass Rauchen das Risiko für periphere Neuropathie bei Diabetikern erhöht.
Kognitive Effekte von Nikotin
Nikotin macht abhängig und ist mitverantwortlich für die Gesundheitsschäden durch Rauchen. Doch der Wirkstoff kann auch die kognitive Leistungsfähigkeit erhöhen und wird deshalb als Therapeutikum für einige neuropsychiatrische Erkrankungen erprobt. Die vielfältige Wirkung des Nikotins auf das Gehirn beruht in erster Linie darauf, dass es das »cholinerge« System aktiviert. Diese Nervenzellen können Acetylcholin synthetisieren und freisetzen, einen der wichtigsten Botenstoffe im Gehirn. Nikotin ist außerdem an der Ausschüttung von wichtigen Botenstoffen wie Serotonin, Glutamat, Noradrenalin und vor allem Dopamin beteiligt. Letzteres ist besonders entscheidend für die Steuerung von Bewegungsabläufen sowie Aufmerksamkeit, Lern- und Suchtverhalten.
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Die dunkle Seite des Nikotins
Nikotin ist ein Alkaloid, eine natürlich vorkommende organische Verbindung, die eine Wirkung auf den tierischen oder menschlichen Organismus hat. Der Stoff kommt in der Tabakpflanze und anderen Nachtschattengewächsen vor und dient hier als Abwehrstoff gegen Fressfeinde. Bei Menschen wirkt es in hohen Dosen als psychoaktives Nervengift, da es die Funktion des vegetativen Nervensystems entscheidend stört. Typische Symptome sind etwa Erbrechen, Benommenheit und ein erhöhter Puls.
Symptome der Polyneuropathie
Die Symptome der Polyneuropathie können vielfältig ausfallen und umfassen nicht nur die typischen Nervenschmerzen. Beispielsweise werden bei Patienten Missempfindungen in den Gliedmaßen (Kribbeln, Taubheitsgefühle oder auch ein verringertes Temperaturempfinden), eine geringere Muskelkraft, Bewegungseinschränkungen, ein brennendes Gefühl und Wadenkrämpfe beobachtet. Von den Nervenschmerzen in Folge einer Polyneuropathie ist schätzungsweise jeder zweite Patient betroffen. Sie entstehen einerseits durch die gestörte Funktion der schmerzhemmenden Mechanismen im menschlichen Körper und andererseits durch Nervenschädigungen. Diese leiten Schmerzimpulse innerhalb des Körpers weiter, ohne dass eine erkennbare Ursache vorliegt. Daher sind die Nervenschmerzen in eine völlig andere Kategorie einzuordnen als beispielsweise „klassische“ Kopf- oder Rückenschmerzen.
Ein plötzlicher, brennender Schmerz im Rücken, der von weiteren Symptomen wie Schwäche, Taubheitsgefühlen oder Berührungsempfindlichkeit begleitet wird, spricht oft für Nervenschmerzen im Rücken. Typische Symptome der Nervenkrankheit Polyneuropathie sind Kribbeln, Brennen und Taubheit, die anfangs an beiden Füßen und Beinen auftreten. Ihren Ursprung haben die Gefühlsstörungen in den langen Nerven, die Muskeln, Haut und Organe mit dem Gehirn verbinden. Schäden an den Nerven führen dazu, dass die Weiterleitung von Informationen zwischen Gehirn, Rückenmark und dem Rest des Körpers gestört ist. Je nachdem, welche Nerven betroffen sind, können bei der Polyneuropathie unterschiedliche Beschwerden im Vordergrund stehen.
Erste Anzeichen und Krankheitsverlauf
Eine Polyneuropathie entwickelt sich schleichend. Viele Patienten bemerken zunächst, dass sich ihr Empfinden in den Armen oder Beinen verändert. Spezifizieren können sie dieses Gefühl nicht oder nur unzureichend. Später kommen erste Missempfindungen wie Kribbeln hinzu, bevor bei einigen Patienten auch Schmerzen auftreten. Der Krankheitsverlauf der Polyneuropathie ist langsam fortschreitend. Zwar gibt es keine vollständige Heilungsmöglichkeit für die meisten Patienten, jedoch existieren oft wirksame Gegenmittel zur Linderung der Beschwerden. Auch ist bei der erworbenen Polyneuropathie die Behandlung der Grunderkrankung möglich und sehr wichtig, um starke Symptome und weitere Schädigungen des Nervensystems zu vermeiden.
Mögliche Folgen
Mögliche Folgen betreffen vor allem die Symptome der Polyneuropathie. Beispielsweise können Patienten gangunsicher werden, wenn das Gefühl in den Beinmuskeln verloren geht. Die Betroffenen neigen dann zu Stürzen. Auch ein gestörtes Temperaturempfinden in Beinen und Füßen, das manche Patienten aufweisen, bringt Risiken mit sich. Temperaturen können nicht mehr richtig eingeschätzt werden, weshalb unbemerkte Verbrennungen oder Verletzungen möglich sind - zum Beispiel in Folge eines ungewollt zu heiß gewählten Fußbads.
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Diagnose der Polyneuropathie
Bei Verdacht auf eine Polyneuropathie veranlasst der Arzt im Anschluss an ein ausführliches Gespräch und eine körperliche Untersuchung verschiedene Laboruntersuchungen. Zusätzlich kann durch elektrophysiologische Tests beim Neurologen geklärt werden, ob die Symptome auf beiden Körperseiten oder nur auf einer auftreten und ob z. B. das Schmerz- und Temperaturempfinden beeinträchtigt ist. Falls nötig, können darüber hinaus noch verschiedene weitere Untersuchungen (z. B. Nervenbiopsie) durchgeführt werden. Der Arzt hat verschiedene Möglichkeiten, um die Polyneuropathie zu erkennen und sicher zu diagnostizieren. Beispielsweise prüft er, wie Patienten bestimmte Vibrationen empfinden, indem er eine Stimmgabel anschlägt. Die Betroffenen müssen infolge dieser Untersuchung berichten, wann die Schwingungen nicht mehr für sie spürbar sind. Alternativ schickt der Arzt Stromimpulse durch die Nervenbahnen, um die Geschwindigkeit der Übertragung zu testen. Sofern hier Verzögerungen auftreten, ist das ein Indiz für die Polyneuropathie. Weiterhin kann das Temperaturempfinden des Patienten mit Hilfe von computergesteuerten Reizen gemessen werden. Nimmt der Patient Reize erst bei deutlich höheren Temperaturen als etwa 38 Grad Celsius wahr, könnte auch das für die Polyneuropathie sprechen.
Zur Messung der Nervenleitgeschwindigkeit wird Strom durch die Nervenbahnen geschickt. Mit einer Stimmgabel prüft der Neurologe das Vibrationsempfinden. Bei der standardisierten Quantitativen Sensorischen Testung werden durch sieben verschiedene Gefühlstests an der Haut 13 Werte ermittelt. Sie helfen zu erkennen, welche Nervenfasern genau geschädigt sind und wie stark die Schädigung fortgeschritten ist. Um das Temperaturempfinden exakt zu messen, kommen bei der sogenannten Thermode computergesteuerte Temperaturreize zum Einsatz. Die Untersuchung einer Gewebeprobe kann helfen, die Ursache einer Polyneuropathie zu finden. Dazu wird eine sogenannte Nerv-Muskel-Biopsie aus dem Schienbein entnommen und feingeweblich untersucht. Hierbei wird festgestellt, ob der Schaden an der Hüllsubstanz des Nerven (Myelin) oder am Nerven selbst entstanden ist. Bei bestimmten Ursachen finden sich zum Beispiel Entzündungszellen oder Amyloid-Ablagerungen. Bei einer Untergruppe der Neuropathien sind insbesondere die dünnen, kleinen Nervenfasern der Haut betroffen. Sie werden unter dem Namen Small-Fiber-Neuropathien zusammengefasst. Die Nervenleitgeschwindigkeit, die die Funktion von dickeren Nerven misst, ist dann oft unauffällig. Für die richtige Diagnose ist die Quantitative Sensorische Testung mit Messung des Temperaturempfindens entscheidend. Darüber hinaus kann eine Gewebeprobe aus der Haut (Hautbiopsie) unter dem Mikroskop untersucht werden.
Behandlung der Polyneuropathie
Die Therapie bei Polyneuropathie umfasst neben der Behandlung der individuellen Grunderkrankung (ursächliche Therapie) ggf. auch eine symptomatische Behandlung zur Linderung der Beschwerden. Die polyneuropathische Behandlung richtet sich vorwiegend nach der Ursache. Liegt beispielsweise eine Stoffwechselerkrankung oder eine Schilddrüsenfehlfunktion zugrunde, wird diese zunächst therapiert. Bei Alkoholmissbrauch sollte der Alkoholkonsum reduziert werden, bei Mangelerscheinungen muss der Mangel durch eine angepasste Ernährung oder Nahrungsergänzungsmittel ausgeglichen werden. Auch kommen hier verschiedene Wirkstoffkomplexe in Frage. Ist die Ursache nicht klar feststellbar, muss die polyneuropathische Behandlung im Hinblick auf die Linderung der Beschwerden des Patienten erfolgen.
Behandlung bei Diabetes
Für die Behandlung einer Polyneuropathie infolge einer Diabetes-Erkrankung stehen mehrere Möglichkeiten zur Verfügung. Insbesondere muss der Blutzuckerspiegel auf einem optimalen Niveau gehalten werden, um weiteren Nervenschädigungen vorzubeugen. Das gelingt beispielsweise durch eine entsprechende Ernährung, Verzicht auf Alkohol und Nikotin und viel Bewegung. Darüber hinaus können Vitamine und Nahrungsergänzungsmittel dazu beitragen, die Nervenschädigungen zu lindern. Ein wichtiger Punkt bei Diabetikern ist außerdem eine sorgfältige und regelmäßige Fußpflege, um die Entstehung von Wunden zu verhindern und damit die Infektionsgefahr zu verringern. Bei diabetesbedingter Polyneuropathie: Die ursächliche Behandlung besteht hier in der optimalen Einstellung des Blutzuckerspiegels. Ist ein Diabetiker an einer Polyneuropathie erkrankt, sollte der Blutzucker zur Vermeidung weiterer Nervenschäden möglichst auf unter 150 mg/dl auch nach dem Essen eingestellt werden. Schon die Verbesserung der Blutzuckereinstellung kann zu einer schlagartigen Verbesserung der polyneuropathischen Beschwerden und teilweise sogar zu einer Rückbildung der schon eingetretenen Nervenschäden führen. Nimmt man als Vergleich wieder den mangelernährten Mann, so ist es verständlich, dass sich dieser abgemagerte Mann mit ausreichendem Essen wieder erholt und seine Konzentrationsstörungen wieder zurückgehen. So ist es auch im Bereich der Nerven zu sehen. Ist der Blutzucker gut eingestellt, kommt es nicht mehr zur Anlagerung von Zucker an die kleinen Blutgefäße in den Beinen. Die nunmehr freien Gefäße können das Blut wieder gut zu den Nerven transportieren und die Nerven werden bei guter Ernährung wieder voll funktionsfähig. Alle weiteren Therapieansätze sind gegenüber einer guten Einstellung des Blutzuckers unbedeutend.
Hat ein Diabetes schleichend über viele Jahre die Nerven angegriffen, muss der Patient seine Blutzuckerwerte in den Griff bekommen, um die Nervenschädigung zu stoppen. Allerdings führt eine zu rasche Senkung der Blutzuckerwerte zu weiteren Nervenschäden. Als optimal gilt eine sanfte Senkung des HbA1c-Wertes um weniger als zwei Prozentpunkte über einen Zeitraum von drei Monaten. Bei Altersdiabetes empfehlen Ärzte eine Umstellung des Lebensstils mit Gewichtsreduktion und viel Bewegung. Ziel ist, dass sich die Nerven wieder erholen. Besteht die Schädigung allerdings schon lange, ist die Polyneuropathie in der Regel nicht heilbar.
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Behandlung von Mangelerscheinungen
Liegt bei Ihnen eine langjährige oder akute Mangelerscheinung vor, sollten Sie diese ausgleichen, indem Sie Ihre Ernährung umstellen. Vor allem die Vitamine B12, B1 und B6 spielen in Hinblick auf Erkrankungen des peripheren Nervensystems eine wichtige Rolle. Ein Vitamin-B12-Mangel lässt sich durch den erhöhten Konsum von Fisch, Fleisch, Eiern oder Meeresfrüchten ausgleichen, bei Vitamin-B1-Mangel sind es hingegen Speisen wie Sonnenblumenkerne, Wildreis oder Haferflocken. Ein Vitamin-B6-Mangel kann durch den Genuss von Lebensmitteln wie Lachs oder Walnusskernen ausgeglichen werden. Bei drastischen Mangelerscheinungen erweisen sich außerdem Nahrungsergänzungsmittel als hilfreich. Die „Nervenvitamine“ Folsäure und B12 sind besonders wichtig in Zusammenhang mit einer Polyneuropathie. Gut zu wissen: Bei vollständigem Verzicht auf tierische Lebensmittel wie Fleisch, Fisch, Milch und Eier passiert es besonders leicht, dass zu wenig Vitamin B12 auf den Tisch kommt.
Behandlung von Nervenschmerzen
Bei Nervenschmerzen sind die klassischen Schmerzmittel wie z. B. Ibuprofen oder Paracetamol oft nicht ausreichend wirksam. Darüber kann bei örtlich begrenzten Nervenschmerzen auch eine lokale Schmerztherapie mit wirkstoffhaltigen Salben oder Pflastern (z. B. Capsaicin) in Betracht gezogen werden. Leiden Sie infolge der Nervenschädigungen an Nervenschmerzen, ist eine individuelle Schmerztherapie empfehlenswert. Zur schulmedizinischen Schmerzbehandlung kommen unterschiedliche Wirkstoffe wie beispielsweise Antidepressiva, Antiepileptika und Schmerzmittel aus der Gruppe der Opiode in Frage. Das Ziel ist es, die Entstehung eines „Schmerzgedächtnis“ zu verhindern.
Capsaicin ist für die Schärfe der Chilischoten verantwortlich und hat sich in Form von Capsaicin-Pflastern auf der Haut in Studien als erfolgversprechendes Mittel gegen Polyneuropathie erwiesen. Es betäubt nicht nur den schmerzenden Bereich und steigert die Durchblutung, sondern scheint sogar die Neubildung kleiner Nervenfasern anzuregen. Bei der Elektrotherapie werden die Nerven durch Impulse aus einem speziellen Gerät so stimuliert, dass Erkrankte statt Schmerzen ein leichtes Kribbeln spüren. Von außen lässt sich dieses durch ein TENS-Gerät erreichen. Die Therapien müssen dauerhaft durchgeführt werden. Eine Pause beeinträchtigt schnell den Behandlungserfolg.
Weitere Therapieansätze
Einige Patienten berichten nach der Verabreichung von starken Infusionen mit Liponsäure über eine Dauer von mindestens zwei bis drei Wochen von einer Beschwerdelinderung. Die Gabe von Liponsäure in Tablettenform oder in Form von Vitamin B hat jedoch bislang keinen Nutzen gezeigt. Erst bei anhaltenden starken Schmerzen sollte der Einsatz von nervenschmerzlindernden Medikamenten (Saroten®, Tegretal®) erwogen werden, da diese in ihrer Wirkung sehr stark sind und eine Reihe von unerwünschten Nebenwirkungen verursachen können. In spezialisierten Rehakliniken konnte weiterhin durch den regelmäßigen Einsatz von Zweizellen- bzw. Vierzellenbädern (sog. "Stangerbäder") ein zusätzlicher Erfolg erzielt werden. Gegen die fortschreitende Gangunsicherheit wirkt Gleichgewichtstraining in der Physiotherapie. Wie die gezielten Reize der Akupunktur die Nerven beleben, ist noch ungeklärt.
Allgemeine Tipps
Bei Patienten mit Polyneuropathie sind die Physiotherapie und gezielte sportliche Übungen ein wichtiger Faktor zur Unterstützung der Heilung. Sie können durch verschiedene Trainingseinheiten dazu beitragen, dass sich Ihre Muskelkraft wieder verbessert und Durchblutungsstörungen verhindert werden. Ergänzend sollten Sie sich von Zeit zu Zeit einen Kräutertee gönnen. Beruhigend wirken beispielsweise Baldrian- oder Johanniskrauttee, während ein Tee aus frisch aufgebrühtem Ingwer Nervenschmerzen lindern kann.
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