Die Diagnose Brustkrebs und die damit verbundenen Behandlungen können weitreichende Folgen haben, die sich nicht nur während der Therapie, sondern auch noch Monate oder Jahre später bemerkbar machen können. Viele Betroffene rechnen mit unmittelbaren Nebenwirkungen von Operation, Bestrahlung, Chemotherapie oder Antihormontherapie. Spätfolgen und Beschwerden können sich jedoch auch erst nach Abschluss der Krebsbehandlungen entwickeln. Zu diesen Spätfolgen gehört auch die Polyneuropathie, eine Schädigung der peripheren Nerven.
Ursachen der Polyneuropathie nach Brustkrebsbehandlung
Manche Krebsbehandlungen können die Nerven schädigen. Ärztinnen und Ärzte sprechen von einer „Neuropathie“ oder „Polyneuropathie“. Nervenschädigende Behandlungen sind allen voran die Chemotherapie (Chemotherapie induzierte Polyneuropathie = CIPN), aber auch zielgerichtete Therapien, die Bestrahlung oder eine Operation können diese Nebenwirkung hervorrufen. Geschädigten Nerven können die Reize innerhalb des Nervensystems und der Muskulatur nicht mehr richtig weiterleiten.
Das Risiko für Langzeitfolgen hängt maßgeblich von den angewendeten Therapien ab. Ob und welche Spätfolgen auftreten, ist individuell sehr verschieden und hängt von Faktoren wie dem Stadium und der Aggressivität des Tumors bei der Diagnose, den gewählten Brustkrebsbehandlungen, dem allgemeinen Gesundheitszustand und dem Alter ab.
Symptome der Polyneuropathie
Geschädigte Nerven können die Reize innerhalb des Nervensystems und der Muskulatur nicht mehr richtig weiterleiten. So entwickeln sich die typischen Beschwerden, die oft zuerst in den Händen oder Füßen beginnen:
- Missempfindungen wie Kribbeln oder „Ameisenlaufen“
- Taubheitsgefühle, pelziges Gefühl
- Empfindlichkeit gegenüber Berührung oder Temperaturen
- Stechende Nervenschmerzen
- Gleichgewichtsstörungen, Störungen der Bewegungsabläufe
- (Selten) Probleme beim Wasserlassen oder Verstopfung (Obstipation) - wenn Nerven betroffen sind, die den Magen-Darm-Trakt oder die Blase kontrollieren.
Häufig sind die Beschwerden vorübergehend, sie können aber auch chronisch werden und dauerhaft bestehen bleiben.
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Diagnose von Neuropathien
Die wesentlichen Hinweise für eine ALS ergeben sich bereits durch eine körperliche Untersuchung. Neurologisch ausgebildete Ärzte sind in der Lage, ALS-typische Symptome festzustellen. Typischerweise liegen bei ALS-Patienten keine Gefühlsstörung, Nervenschmerzen oder geistigen Einschränkungen vor.
Neurologische Untersuchung. Die Prüfung der Muskelkraft ist wichtiger Teil der neurologischen Untersuchung.
Neurologische Untersuchung. Die Prüfung der Muskelreflexe ist für Diagnose von Bedeutung
Ein weiteres Merkmal der ALS-Symptomatik ist die langsame Zunahme der Muskelschwäche oder Steifigkeit. Wenn die schmerzlosen Lähmungen schleichend beginnen und allmählich fortschreiten, ohne dass andere neurologische Beschwerden auftreten, entsteht der Verdacht auf ALS. Die äußerlich erkennbaren Symptome können durch zusätzliche Diagnoseverfahren bestätigt und gemessen werden (Elektromyographie, Elektroneurographie, motorisch-evozierte Potentiale).
Abb. ALS-Stufendiagnostik. Basisdiagnostik und spezielle Diagnostik mit Relevanz für Diagnosesicherung, Prognose und Indikationsstellung von Therapieoptionen. Body Mass Index, BMI; Slow Vital Capacity, SVC; Peak Cough Flow, PCF; Neurofilament light chain (NfL); Nichtinvasive Ventilation, NIV; Tracheotomie und invasive Ventilation (TIV); PEG, perkutane endoskopische Gastrostomie.
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Ausschluss von Krankheiten mit ähnlichen Symptomen
Einige sehr seltene Erkrankungen können ALS-ähnliche Symptome aufweisen. Zu ihnen zählen eine mechanische Schädigung des Rückenmarks (zervikale Myelopathie), Muskelerkrankungen (z.B. Einschlusskörperchenmyopathie), Erkrankungen der peripheren Nerven (motorische Polyneuropathie), bestimmte Formen der Multiplen Sklerose, neurologische Folgeerkrankungen durch Tumore (paraneoplastische Syndrome) und sehr seltene Stoffwechselerkrankungen. Um diese Erkrankungen nachzuweisen oder auszuschließen, stehen verschiedene Untersuchungsmethoden zur Verfügung: Magnetresonanztomographie (Tumor- oder Entzündungserkrankungen des Gehirns und Rückenmarks), Nervenwasseruntersuchung (Infektionen und Autoimmunerkrankungen) oder spezifische Blutuntersuchungen (Stoffwechselerkrankungen, Autoimmunerkrankungen und bestimmte Tumorerkrankungen).
ALS-Differenzialdiagnostik. Eine Diagnosestellung kann erschwert sein, wenn nur isolierte Symptome vorhanden sind und kombinierte Symptome des ersten und zweiten motorischen Neurons (noch) fehlen. In Abhängigkeit von den primären Symptomen und Leitsymptomen (Pfeil) kann die Diagnostik erweitert, um Differentialdiagnosen zu stellen oder auszuschließen. Die genannten Differentialdiagnosen, Leitsymptome und diagnostischen Maßnahmen sind als Orientierung und Auswahl zu verstehen. Es handelt sich nicht um eine einheitliche Diagnostik, die bei der jeder Diagnose verbindlich und sinnvoll ist. AK, Antikörperdiagnostik; AR-Gen, Androgenrezeptor-Gen; CB…
Behandlungsmöglichkeiten bei Polyneuropathie
Eines vorab: Ein spezielles Medikament als „Nervenschutz“ gibt es bislang noch nicht. Bei beginnender Neuropathie gibt es die Möglichkeit, die Dosis des Medikamentes zu reduzieren. Ärztinnen und Ärzte wägen immer genau die Vorteile und Nachteile ab. Die Kühlung und Kompression der Hände und Füße während einer Chemotherapie könnten vor Nervenschäden womöglich ein Stück weit schützen. Dies wird aber noch in Studien untersucht.
- Physiotherapie und Ergotherapie: Regelmäßige Bewegungsübungen können dabei mithelfen, die Beweglichkeit zu erhalten.
- Sensomotorisches Training und Vibrationstraining: Diese Trainingsformen könnten den Tastsinn beziehungsweise die Weiterleitung von Reizen über die Nerven anregen.
- Elektrotherapie: Diese Therapie könnte die Nerven gezielt stimulieren. Die Wirksamkeit der Behandlungen wird aber noch in Studien untersucht.
- Medikamente gegen Depressionen (Antidepressiva): Bei starken Schmerzen sind Medikamente gegen Depressionen (Antidepressiva) eine Möglichkeit.
- Psychologische Unterstützung: Suchen Sie sich professionelle Unterstützung, etwa aus der Psychoonkologie oder Psychologie, wenn die Beschwerden sehr belastend sind und Ihre Lebensqualität stark einschränken.
Weitere mögliche Spätfolgen der Brustkrebsbehandlung
Neben der Polyneuropathie gibt es weitere Spätfolgen, die nach einer Brustkrebsbehandlung auftreten können:
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Fatigue
Fatigue bedeutet per Definition einen besonders schweren körperlichen, geistigen und seelischen Erschöpfungszustand, der sich nicht durch ausreichend Schlaf, Erholung und Schonung bessert. Bis zu 90 Prozent Menschen mit einer Krebserkrankung leiden während oder kurz nach der Krebstherapie unter Fatigue, berichtet die Deutsche Krebsgesellschaft. Bei 20 bis 50 Prozent der Betroffenen hält der Erschöpfungszustand sogar über Monate oder Jahre an und die Fatigue wird chronisch. Die Ursachen für dafür liegen vermutlich in der Krebserkrankung selbst sowie in den Krebsbehandlungen. Auch psychische Belastungen scheinen eine wesentliche Rolle bei der Entwicklung der Fatigue zu spielen. Viele Frauen empfinden die Fatigue infolge einer Brustkrebserkrankung als starke Einschränkung ihrer Lebensqualität. Sie können ihrem Alltag und Beruf, aber auch ihren Hobbys und Freizeitaktivitäten nicht mehr so nachgehen wie zuvor. Auch wenn es vielleicht widersprüchlich klingt: Körperliche Aktivität ist ein sehr wirksames Mittel gegen Fatigue.
Herzprobleme
Manche „Zellgifte“ (Zytostatika), die bei Chemotherapien zum Einsatz kommen, aber auch eine Strahlentherapie können langfristig das Herz schädigen. Diese Krebstherapien können auch bestehende Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems verschlechtern, zum Beispiel eine Herzmuskelschwäche. Herzschädigend können auch sogenannte „zielgerichtete Therapien“ (engl. targeted therapy“) wirken. Dazu zählen zum Beispiel die Antikörpertherapie (Anti-HER2-Therapie), die bei HER2-positivem Brustkrebs zum Einsatz kommt, oder die Immuntherapie bei triple-negativem Brustkrebs (TNBC). Eine Herzschädigung kann sich durch eine Herzschwäche, Herzrhythmusstörungen oder einen erhöhten Blutdruck (Hypertonie) äußern. Diese Herzprobleme müssen Sie behandeln lassen. Dass diese Medikamente das Herz schädigen können, ist bekannt. Wenn Sie diese Medikamente erhalten, kontrollieren und überwachen Ärztinnen und Ärzte Ihr Herz daher vor und während der Therapie.
Wechseljahresbeschwerden
Die Mehrzahl der Mammakarzinome wächst unter dem Einfluss von Geschlechtshormonen: Östrogen und/oder Progesteron. Diese Tumoren sind hormonrezeptorpositiv (HR+). Dann ist eine Antihormontherapie (endokrine Therapie) eine wichtige Behandlungsmöglichkeit. Diese antihormonelle Behandlung dauert meist fünf, manchmal auch länger. Der Entzug der weiblichen Hormone kann typische Wechseljahresbeschwerden als Nebenwirkung verursachen, zum Beispiel Hitzewallungen, Schweißausbrüche, depressive Verstimmungen oder trockene Haut und Schleimhäute. Auch die Fruchtbarkeit kann (je nach Präparat) dauerhaft leiden. Bei einem Kinderwunsch sprechen Sie daher vorher mit Ihrem Behandlungsteam. Es gibt einige Möglichkeiten, um die Fruchtbarkeit zu erhalten. Einige Wirkstoffe der Antihormontherapie können als Nebenwirkung zu Gelenk- und Muskelschmerzen sowie zu einem verstärkten Knochenabbau und somit zu Knochenschwund (Osteoporose) führen. Ausreichend Bewegung und eine gesunde, ausgewogene und vielseitige Ernährung können die Nebenwirkungen bessern. So kann Sport beispielsweise Erschöpfung und Gelenkschmerzen lindern und dem Knochenabbau entgegenwirken. Auch die Akupunktur (fernöstliche Behandlung, Stiche mit feinen Nadeln) kann Gelenkschmerzen womöglich lindern. Eine gute Versorgung mit Vitamin D und Kalzium kann das Risiko für Osteoporose senken. Über die Ernährung lässt sich allerdings nur wenig Vitamin D zuführen. Es wird vor allem unter der Einwirkung des Sonnenlichts in der Haut produziert. Bei einem Vitamin D-Mangel können eventuell Nahrungsergänzungsmittel mit Vitamin D helfen (vorher Arzt oder Ärztin fragen). Medikamente kommen zum Einsatz, wenn Sie schon unter einer Osteoporose leiden. Gegen Hitzewallungen gibt es ebenfalls Tipps und Tricks. Kleiden Sie sich zum Beispiel nach der „Zwiebeltechnik“, vermeiden Sie scharfe Gewürze und Speisen, bewegen Sie sich viel an der frischen Luft und achten Sie auf eine kühle Raumtemperatur. Hormonersatzpräparate gegen Wechseljahresbeschwerden sind bei den meisten Frauen mit einer Brustkrebserkrankung nicht empfohlen, weil sie das Risiko für einen Rückfall erhöhen können. Die Einnahme von pflanzlichen Mitteln (z.B.
Lymphödem
Ein Lymphödem kann sich nach einer Brust-OP (brusterhaltend, Mastektomie) entwickeln, wenn zusätzlich mehrere Lymphknoten in der Achselhöhle entfernt wurden. Auch nach einer Bestrahlung ist ein Lymphödem möglich. Die Lymphe kann nicht mehr richtig abfließen und staut sich im Arm - er schwillt an. Meist entsteht das Lymphödem direkt nach der Behandlung, manchmal auch zu einem späteren Zeitpunkt. Ein Lymphödem sollten Sie so schnell wie möglich behandeln lassen, um Spätfolgen wie Entzündungen oder Verhärtungen zu vermeiden. Suchen Sie daher ärztlichen Rat, wenn folgende Anzeichen am Arm (Seite der entfernten Lymphknoten) auftreten: Schwellung, Spannungsgefühl, Kraftverlust, Lähmungserscheinungen Bewegungseinschränkungen oder Schmerzen. Die Kombination aus manueller Lymphdrainage (Physiotherapie), Kompressionsbandagen und Bewegungstherapie (Übungen zeigen lassen) fördert das Abfließen der gestauten Lymphflüssigkeit aus dem Gewebe. Als Unterstützung können Sie Ihren betroffenen Arm öfters hochlagern - dies fördert den Abfluss Lymphflüssigkeit. Pflegen Sie Ihre Haut zudem mit rückfettenden Cremes, denn auch der Hautzustand ist bei einem Lymphödem und den damit womöglich verbundenen Hautproblemen wichtig. Dazu zählt zum Beispiel die Wundrose, eine bakterielle Infektion und Entzündung der oberen Hautschichten und Lymphwege. Sie entsteht aufgrund des verlangsamten Lymphabflusses. Achtung: Bei einem Lymphödem besteht die Gefahr, dass es wieder zurückkehrt.
Hand-Fuß-Syndrom
Das Hand-Fuß-Syndrom äußert sich durch schmerzhafte Rötungen und Schwellungen an den Handinnenflächen und Fußsohlen. Feuchte Blasen und Schuppen können hinzukommen. Die Auslöser des Hand-Fuß-Syndroms können bestimmte Chemotherapien oder zielgerichtete Medikamente sein. Das Hand-Fuß-Syndrom ist eigentlich keine Langzeitfolge der Brustkrebsbehandlung. Die Beschwerden klingen meist einige Wochen nach dem Therapieende wieder ab. Kühlen der Hände und Füße kann helfen, die Beschwerden zu lindern. Bei starken Beschwerden sind Salben mit Kortison eine Möglichkeit. Ein Wundverband kann helfen, wenn die Haut eingerissen ist. Bei einem stark ausgeprägten Hand-Fuß-Syndrom, erwägen Ärztinnen und Ärzte manchmal, die Dosis des auslösenden Krebsmedikaments zu reduzieren oder die Therapie abzubrechen.
Psychische Belastung
Brustkrebs hat nicht nur Folgen für den Körper, sondern auch die Seele leidet oft unter der Erkrankung. Viele Menschen haben nach der Krebserkrankung mit Sorgen und Ängsten zu kämpfen, manche auch mit Depressionen. Viele haben Angst vor einem Rückfall (Rezidiv). Manche fürchten auch, ihren den Alltag, ihr Familienleben oder ihren Beruf nicht mehr bewältigen zu können. Damit verbunden sind meist auch finanzielle und existenzielle Sorgen. Einige Untersuchungen haben nachgewiesen, dass eine Krebserkrankung sogar arm machen kann. Zum einen steigen die Ausgaben, zum Beispiel durch Zuzahlungen für Medikamente und Hilfsmittel, zum anderen bricht das „normale“ frühere Einkommen zum Teil weg.
Umgang mit Ängsten und Sorgen
Die Diagnose Brustkrebs und die anschließende Behandlung sind eine große Belastung. Es ist wichtig, sich nicht allein mit seinen Ängsten und Sorgen zu fühlen. Viele Brustzentren bieten psychologische Unterstützung an. Auch der Austausch mit anderen Betroffenen kann helfen.
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