Postganglionäre sympathische Neuronen: Funktion und Zusammenspiel im vegetativen Nervensystem

Einleitung

Das vegetative Nervensystem (VNS), auch autonomes Nervensystem genannt, ist ein phylogenetisch älterer Teil des Nervensystems als das zentrale Nervensystem (ZNS) mit Gehirn und Rückenmark. Es steuert lebenswichtige Körperfunktionen ohne willkürlichen Einfluss, wie Atmung, Herzschlag, Verdauung und Stoffwechsel. Das VNS wird in Sympathikus und Parasympathikus unterteilt, die oft gegensätzliche Funktionen ausüben, um ein Gleichgewicht im Körper aufrechtzuerhalten. Der Hypothalamus im Zwischenhirn ist dabei ein wichtiger Dreh- und Angelpunkt. Er reguliert spezifisch sympathische bzw. ergotrope oder parasympathische bzw. trophotrope Reaktionen.

Phylogenetische Entwicklung des vegetativen Nervensystems

Die Entwicklung des Nervensystems lässt sich bis zu einfachen Nervenzellennetzen bei niederen Tieren wie Nesseltieren zurückverfolgen. Bei Würmern findet man bereits ein Strickleitersystem und eine Trennung zwischen Kopf- und Bauchhirn. Weichtiere besitzen ein lernfähiges Hirn und ein vegetatives Nervensystem mit einem Sympathikus, der bei Gefahr reagiert. Bei Gliedertieren erfolgt eine Segmentierung und Knotenbildung (Ganglien). Ein enterisches Nervensystem (ENS) arbeitet unabhängig, und neurosekretorische Zellen bilden ein primitives Hormonsystem. Bei Wirbeltieren erfolgt eine beschleunigte Entwicklung und Funktionsteilung des VNS in ein enterisches, (ortho)sympathisches und parasympathisches System. Säugetiere zeigen im Vergleich zu Reptilien eine Weiterentwicklung der Orientierungsreflexe und Kommunikation.

Funktionelle Anatomie des Nervensystems

Die Funktion der Nervenzellen bzw. Neurone wird durch die Synapsen bzw. postsynaptischen Rezeptoren bestimmt. Mittlerweile sind zahlreiche Subtypen dieser Rezeptoren bzw. Neuro- u.a. Transmitter nachgewiesen worden. So findet man Neurone, welche Signale in verschiedene Richtungen orthograd und retrograd weiterleiten und solche, die diese hemmen. Dies liegt am Bau der Tubuli, intrazellulären Botenstoffen und an der Art der Verschaltung zum benachbarten Neuron (End-zu-End, End-zu-Seit bzw. End-zu-Soma). Andererseits können sie durch exhibitorisch und inhibitorisch wirkende Transmitter Impulse verstärken oder hemmen [1]. Verschiedene Netzwerke prägen schließlich die Funktion verschiedener Teile des Nervensystems. Die Funktion des VNS ist dabei stark von Impulsen des Subcortex bzw. limbischen Systems (Hippocampus, Gyrus cinguli und Mandelkörper bzw. Amygdala), wo alle Lernvorgänge im Laufe des gesamten Lebens gespeichert werden, geprägt (Abb. 1 aus [2])

Der Hypothalamus als zentrale Schaltstelle

Dreh- und Angelpunkt ist der Hypothalamus im Zwischenhirn. Die Steuerung erfolgt in den verschiedenen Kerngebieten, wobei man rostrale Kerne von medialen, lateralen und kaudalen Kernen unterscheidet. Sie regulieren spezifisch sympathische bzw. ergotrope oder parasympathische bzw. trophotrope oder Reaktionen.

Eine Verschaltung mit den vegetativen Kernen des Sympathikus in den Seitenhörnern des Rückenmarks und denen des Parasympathikus im Mittelhirn erfolgt vom Corpus mamillare über den Tractus mamillotegmentalis bzw. Fasciculus longitudinalis posterior Schütz zu retikulären Mittelhirnstrukturen (Formatio reticularis). Hier befinden sich wichtige Kerngebiete (Ncll. raphe, tegmentalis, ambiguus, tractus solitarius und der Locus coeruleus), welche für Raumorientierung, Koordination der Nahrungsaufnahme, Verdauung und Ausscheidung, Atmung, Herz-Kreislauf, aber auch Kommunikation, Mimik und Gestik zuständig sind. Im aufsteigenden bzw. aszendierendem retikulärem aktivierendem System (ARAS) der Formatio reticularis werden zusätzlich Bewusstseinslage bzw. Wachheitszustand und somit die Sensibilität gegenüber Schmerz, allen Afferenzen, optischen und akustischen Reizen gesteuert. [3,4] Eine weitere Verschaltung findet über Interneurone bis zum Sacralmark statt.

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Der Hypothalamus hat die Fähigkeit, entweder durch vegetativ-nervöse Einzel-Reaktionen per interneuronale Synapsen oder durch endokrin-vaskuläre „Massenreaktion“ auf alle Gewebe je nach Stress homöodynamisch zu reagieren. So beeinflußt er die Hypophyse bei der Sekretion von Hormonen für Gewebe und Drüsen (Wachstum, Stoffwechsel, Streßverarbeitung, Schlaf-Wach-Rhythmus, Fortpflanzung usw.) aus der Adenophypophyse (Vorderlappen) und Neurohypophyse (Hinterlappen) in ein Gefäßsystem (Abb.3 aus [5]).

Histochemisch dominieren zentral als Transmitter Acetylcholin (cholinerges System) und beim monoaminergen System Noradrenalin (adrenerg) bzw. Dopamin (dopaminerg) sowie Serotonin (serotonerg). Darüberhinaus fand man GABA-erge, glutaminerge, histaminerge und weitere peptiderge (z.B. Neuropeptid Y) Synapsen. Noradrenerge (u.a. im Locus coeruleus) und serotonerge Kerne (u.a. Raphé-Kern) beeinflussen sich zentral dabei sehr stark. Dopamin wurde auch im Tegmentum (Abb. 4 aus [6]), in sympathischen Ganglien und der Nebenniere nachgewiesen. [7] Peripher dominieren das cholinerge und adrenerge System mit nicotinergen und muscarnergen sowie alpha- und beta-adrenergen Subtypen.

Der Sympathikus: "Mit-Erreger" in Stresssituationen

Der Sympathikus, auch als "Mit-Erreger" oder "Hauptsympathikus" bezeichnet, bereitet den Körper auf Aktivität und Stress vor ("Fight-or-Flight"-Reaktion). Seine Aktivierung führt zum Abbau von Energiereserven und zur Steigerung der Leistungsfähigkeit. Die Zellkörper der sympathischen Nervenzellen liegen in den Seitenhörnern des Rückenmarks, genauer gesagt in den Segmenten C8 bis L3, weshalb oft von einem "thorako-lumbalen System" gesprochen wird.

Zentrifugale Efferenzen des Sympathikus

Die zentrale Bahn des Sympathikus beginnt wahrscheinlich auch im Hypothalamus. Cholinerge und dopaminerge Verbindungen wurden bis zu den Zellkernen des 1. bzw. präganglionären Neurons in den Ncl. intermediolaterales der Seitenhörner des Rückenmarks (RM) nachgewiesen. [7] Die Topographie der Kerne wird von C7 oder C8 bis L2 oder L3 angegeben (siehe Literatur der topographischen Anatomie).

Die Fasern sind schwach myelinisiert und verlassen das Vorderhorn des RM über die Radices ventrales C(7)8-L2(3), aber auch über die dorsale Wurzel. Ihr Signal passiert die Wirbelsäule als Nervus spinalis durch den Recessus bzw. das Neuroforamen und gelangt über den R. communicans albus (also weiß) zum Truncus sympathicus im Segment. Dieser beiderseits paravertebral gelegene Grenzstrang (mit pars cervicalis, thoracalis, lumbalis und sacralis) besteht aus Ganglien (z.B. Ggl. cervicale superius (GCS), medius und inferius (bei 70%er Verschmelzung mit 1. thorakalem heißt es Ggl. cervicothoracicum bzw. stellatum), weitere 11 thorakale, 4 lumbale und mind. 3 sacrale Ganglien sowie einem unpaarem Ggl impar am kaudalen Verschmelzungspol. [4]

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In diesen Ganglien erfolgt entweder die Umschaltung von prä- auf postganglionäre Fasern über Acetylcholin oder der „Durchlauf“ zu anderen unpaaren prävertebralen, präaortalen bzw. peripheren Ganglien. [4,8]

Nach cholinerger Umschaltung verlaufen zahlreiche Fasern erst entlang des Grenzstrang nach kranial oder kaudal (bis zu 5 Segmenten) und dann über Verzweigungen in andere Segmente oberhalb C8 und unterhalb L2 (primäre Divergenz des Grenzstrangs). Da diese Verzweigungen nicht myelinisiert sind, erscheinen sie als Rr. communicantes grisei (also grau). Nun verzweigen sich die Nn. spinales nochmal in die Peripherie über rami dorsales und ventrolaterales (sekundäre Divergenz der Spinalnerven). Dadurch gelangen sympathische Impulse entlang der Nerven und schließlich Gefäße (tertiäre Divergenz der Gefäße) in die Peripherie. So ist die sympathische Versorgung durch die Kerngebiete über andere Segmente in die Regionen von Kopf-Hals (C8-D3), Armen (D3-7), Becken (D10-12) und Beinen (L1-3) gewährleistet. [4,8]

Bis auf die weitere cholinerge Umschaltung in den Schweißdrüsen erfolgt die periphere Umschaltung adrenerg über Noradrenalin.

Plexus des Sympathikus

Vernetzungen des Grenzstrangs bestehen cervical zum prävertebralem Plexus caroticus et thyroideus. Über das GCS gibt es Verbindungen zu Art. carotis, Nn. trigeminus, glosspharyngeus, vagus et hypoglossus sowie phrenicus und weiter zu Ggl. ciliare, N. petrosus major und Ggl. spheno(pterygo)platinum (Palatinum). Über das Stellatum erreichen Fasern N et Art. vertebralis, Nn. vagus, laryngeus recurrens und Art. subclavia. [4]

Im thorakalen Teil bestehen Verbindung zu prävertebralen Plexus cardiacus, pharyngeus, pulmonalis, coeliacus und zu einem gel. vorkommednen Pl. splanchnicum. [4]

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Lumbal sind die Plexus aorticus abdominalis, mesenterialis und hypogastricus superior sowie sacral der Plexus hypogastricus inferior vernetzt. [4]

Weiterhin ziehen sympatische Fasern als Nn. splanchnici major (beginnt an den Grenzstrangganglien Th5-9) et minor (Th10-11), gel. auch imus (Th12) in das prävertebrale Ggl coeliacus (besser Plexus) und dann zur Niere als Plexus renalis. Als Nn. splanchnici lumbales et sacrales verlaufen Fasern in die Peripherie und anastomosieren variabel mit dem Parasympathikus (z.B. im Plexus hypogastricus). [4]

Ohne nachgewiesene Bedeutung sind Paraganglien wie das sich zurückbildende Zuckerkandl-Organ an der Art. mes. inf. sowie andere chromaffine Paraganglien in Drüsen und dem Peritoneum.

Sonderrolle des Nebennierenmarks

Eine Sonderrolle spielt das umgewandelte sympathische Ganglion „Nebennierenmark“. Ohne Umschaltung im Grenzstrang wird über die Segmente Th10-L2(3) bei jeglichem Stress (Schmerz, Verletzung, Hypotension und Hypothermie sowie starke Angst) über die sympathiko-medulläre Achse (SMA) in Sekundenschnelle Adrenalin aus dem Nebennierenmark für die adrenerg versorgten Organe bereitgestellt, um der Gefahr phylogenetisch gerecht zu werden (fight or flight). [8,9]

Zentripedale Afferenzen des Sympathikus

Durch Nozizeptoren von freien Nervenendigungen im Bindegewebe (extrazelluläre Matrix), Thermorezeptoren oder Mechanorezeptoren glatter Muskelzellen (besonders der Gefäße und Hohlorganen) gelangen Signale aus der Peripherie nach zentral sowie Noradrenalin endokrin an α1-Rezeptoren [9]. 80% aller sympathischer Afferenzen werden über den Ramus dorsales des N. spinalis in den Laminae des Hinterhorns verschaltet. Die übrigen gelangen wie der Großteil der sensorischen Afferenzen über den ventrolateralen Ast in das Hinterhorn des RM und werden nach zentral oder kontralateral weitergeleitet, gehemmt oder reflektorisch beantwortet. Die verhältnismäßig langsame Leitung erfolgt über marklose C-Fasern entlang der Gefäße, peripheren und o.g. Eingeweide-Nerven zum Grenzstrang bzw. nach „Durchlauf“ über die Spinalganglien (pseudounipolare Zellen) in die hinteren Wurzeln der Segmente C(7)8 bis L2(3). Durch diese Konvergenz werden sympathische Afferenzen zentral „unsegmental“ empfunden, jedoch über reflektorische Efferenzen polysegmental oder auch streng segmental in Dermatome als referred pain nach Head, als Verquellungen in „Subkutome“ nach Kibler, Kohlrausch, Aschner, Gleditsch etc., faszio-muskulär in Triggerpunkte nach Travell, kinetischen Muskel-Ketten nach Mackenzie bzw. als arthrogene Blockierungen projiziert.

Vorm Erreichen des N. spinalis kann aber auch ein axonaler Reflex mit Umschaltung in Ephapsen auf eine Efferenz zu reflektorisch-vegetativen bzw. algetische Krankheitszeichen (u.a. triple response nach Lewis mit red spot (zentrale Rötung), spreading flare (Umgebungsreaktion der Gefäße) und wheal (Ödem) lokal [12] und einer so genannten neurogenen Entzündung systemisch führen, wobei hier die Substanz P eine entscheidende Rolle spielt. [8]

Wirkungen des Sympathikus

Der Sympathikus beeinflusst zahlreiche Organe und Körperfunktionen, um den Körper auf erhöhte Leistung vorzubereiten:

  • Augen: Erweiterung der Pupillen (Mydriasis)
  • Herz: Erhöhung der Herzfrequenz (positiv chronotrop), Steigerung der Kontraktionskraft (positiv inotrop), Beschleunigung der Erregungsleitung (positiv dromotrop), schnellere Relaxation des Herzmuskels (positiv lusitrop)
  • Lunge: Erweiterung der Bronchien
  • Magen-Darm-Trakt: Hemmung der Verdauung, Reduktion der Drüsenaktivität
  • Harnblase: Speicherfunktion (Hemmung M. detrusor vesicae)
  • Niere: Reninfreisetzung, Volumenretention, bei starker Aktivierung Reduktion der Nierendurchblutung.

Neurotransmitter des Sympathikus

Die Reizübertragung im Sympathikus erfolgt über verschiedene Neurotransmitter:

  • Acetylcholin: Wird an der Umschaltung vom ersten auf das zweite Neuron freigesetzt und aktiviert nikotinerge Acetylcholinrezeptoren.
  • Noradrenalin: Wird vom zweiten Neuron an den Erfolgsorganen freigesetzt und aktiviert Adrenorezeptoren (α- und β-Rezeptoren).

Der Parasympathikus: "Nebensympathikus" für Ruhe und Erholung

Der Parasympathikus, auch als "Nebensympathikus" bezeichnet, fördert Ruhe, Erholung und Verdauung ("Rest-and-Digest"-Modus). Er wirkt den Effekten des Sympathikus entgegen und dient dem Aufbau von Energiereserven.

Zentrifugale Efferenzen des Parasympathikus

Topographisch unterscheidet man hier die Pars encephalica von der sacralis (Abb. 8 aus [3]). Die zentralen Ursprungskerne der 1. bzw. präganglionären Neurone vom N. occulomotorius (Edinger-Westphal), chorda tympani n. facialis (salivatorius superior), glossopharyngeus (salivatorius inferior) und vagus (dorsalis n. vagi, ambiguus et tractus solitarius) befinden sich im Mittel- bzw. Rautenhirn (Abb. 9 aus [10]. [11]

Sie verlaufen weiter vagabundierend mit diesen Hirnnerven III, VII, IX und X, anderen Hirnnerven (z.B. N. trigeminus) und entlang von Gefäßen bis zu den Erfolgsorganen (z.B. Drüsen und Muskeln). Die Umschaltung von prä- auf postganglionäre Fasern erfolgt über Acetylcholin in Ganglien (Ggll. ciliare, oticum, spheno(pterygo)palatinum), submandibulare) und nicht-chromaffinen Paraganglien (Glomus caroticum et aorticum). Über den N. vagus, welcher einerseits aus dem Ncl. dorsalis n. vagi entspringt, zu Kehlkopf, Luftröhre, Bronchien, Herz und Magen sowie zum Gatrointestinaltrakt bis zum Cannon-Böhm’schen Punkt verläuft, erreicht der parasympathische Einfluss die Organe, welche für die Aufnahme von Sauerstoff und Nahrung sowie deren Verteilung verantwortlich sind. Im Rahmen der Poly-Vagal-Theorie nach Proges werden über den „smarteren“ N. vagus, welcher sich erst im Laufe der letzten Schwangerschafts- und ersten Lebensmonate entwickelt, myelinisiert ist und vorwiegend aus dem Ncl. ambiguus Impulse erhält, v.a. kommunikative und soziale Fähigkeiten wie Modulation der Muskeln von Biss (N. V), Auge und Gesicht (N. III, IV, VI und VII), Ohr (N. VIII), Rachen und Kehlkopf (N. IX) vermittelt. Dieser phylogenetisch jüngste Teil des VNS moduliert v.a. linksseitg die subdiaphragmalen Organe und rechtsseitig die o.g. supradiaphragmalen „Organe“ einschl. Sinusknoten und damit die Herzvariabilität. Ein weiterer vagaler Einfluss v.a. auf die Respiration beim Sprechen wird durch den Ncl. tractus solitarii ausgeübt. [11] Ein Einfluss besteht auch auf die vom N. accessorius (XI) versorgten Muskeln Sternocleidomastoideus und Trapezius (die häufigsten Triggerpunkte) und scheint sich durch die enge anatomische und phylogenetische Beziehung der so genannten Vagusgruppe zu ergeben.

Die sacralen Kerne befinden sich wie beim Sympathikus in den Ncll. intermediolaterales, jedoch in den RM-Segme… Parasympathikus und Sympathikus bilden gemeinsam das vegetative Nervensystem des Menschen. Der Parasympathikus spielt eine zentrale Rolle in der Regulation der körperlichen Reaktionen in Ruhe und während der Verdauung und ist dadurch vor allem beim Aufbau von neuen Energiereserven aktiv. Das parasympathische Nervensystem reguliert die Körperfunktionen im Gegenspiel mit dem Sympathikus. Parasympathikus und Sympathikus wirken antagonistisch, sind also während verschiedener Stoffwechselzustände im Gegenspiel aktiv. Die Fasern des Parasympathikus verlaufen vorwiegend entlang der inneren Organe des Kopfes und des Bauchraums. Seine Kerngebiete liegen im Hirnstamm. Von dort verlaufen die Fasern zu den parasympathischen Ganglien und werden auf das postganglionäre Neuron umgeschaltet. Die postganglionären Fasern ziehen vor allem zur glatten Muskulatur und den Drüsenzellen der jeweiligen Zielorgane. Der Parasympathikus entspringt in verschiedenen Kerngebieten im Hirnstamm und verläuft von dort aus gemeinsam mit den zugehörigen peripheren Nerven zu seinen Zielstrukturen. Nucleus oculomotorius accessorius: Dieser Kern wird synonym auch aus Edinger-Westphal-Kern bezeichnet und bildet den Nervus oculomotorius. Die parasympathischen Fasern ziehen mit diesem Nerven zum Ganglion ciliare. Nucleus salivatorius superior: Der Kern liegt in der Pons im Hirnstamm und bildet den Ursprung des Nervus facialis. Auch die parasympathischen Neurone zur Versorgung der Tränendrüse (Glandula lacrimalis), der Unterkieferspeicheldrüse (Glandula submandibularis), der Unterzungenspeicheldrüse (Glandula sublingualis) sowie weiterer kleinerer Drüsen am Gaumen, der Zunge und der Nase, entspringen im Nukleus salivatorius superior. Nucleus salivatorius inferior: In diesem Kerngebiet entspringt der Nervus glossopharyngeus und zieht zum Ganglion oticum. Die somatoafferenten Fasern im N. Nucleus dorsalis nervus vagi: Der Kern liegt in der Medulla oblongata und gibt viszeroefferente, parasympathische Fasern ab, die mit dem Nervus vagus in die Peripherie ziehen. In der Brusthöhe und im Bauchraum liegen die parasympathischen Ganglien in der Nähe der jeweiligen Zielorgane. “Sakral” bezeichnet in der Medizin etwas, das im oder am Kreuzbein liegt. Die Fasern des Parasympathikus, die im Hirnstamm entspringen, versorgen die Eingeweide bis zur linken Colonflexur. Auf Höhe des sakralen Rückenmarks (S2-S4) liegen die präganglionären, parasympathischen Neurone in den Seitenhörnern des Rückenmarks, von wo aus sie als Nervi splanchnici pelvici ebenfalls zu organnahen Ganglien ziehen. Der Parasympathikus folgt einer komplexen Physiologie. Der größte Unterschied zu seinem Gegenspieler, dem Sympathikus, sind die Transmitter. An der ersten Synapse in den Ganglien, wo das präganglionäre parasympathische Neuron auf das zweite Neuron umgeschaltet wird, befinden sich nicotinerge Acetylcholinrezeptoren. In Phasen der Erholung und zur Auffüllung der Energiereserven ist der Parasympathikus besonders aktiv. Ob der Parasympathikus eine direkte Wirkung auf die Blutgefäße hat, ist bisher nicht abschließend geklärt. Allerdings hemmt er die Aktivität des Sympathikus, wodurch eine indirekte Wirkung in Form einer Gefäßerweiterung die Folge ist. Am Auge bewirkt der Parasympathikus eine Kontraktion der Mm. Der Parasympathikus hat starke Effekte auf die Sekretion der Drüsen. Ist der Tonus des Parasympathikus dauerhaft erhöht, kann es zu verschiedenen Störungen kommen. Beispielsweise können vasovagale Synkopen dann auftreten, wenn die Gefäße weitgestellt sind, gleichzeitig aber auch die Herzfrequenz sehr niedrig ist. Dadurch „versackt“ das Blut im Stand in den Beinen und erreicht nicht mehr in ausreichender Menge das Gehirn, weswegen es zu Bewusstlosigkeit kommt. Auf den Parasympathikus kann mit einer Vielzahl verschiedener Medikamente Einfluss genommen werden. Dabei sind verschiedene Strukturen des Parasympathikus pharmakologische Ziele. In der Folge wird die Wirkung entweder verstärkt oder gehemmt. Medikamente, die die Wirkung des Parasympathikus verstärken, nennt man Parasympathomimetika. Weiterhin können sie ihre Wirkung indirekt entfalten. Parasympatholytika sind Medikamente, die die Wirkung des Parasympathikus hemmen. Was ist der Unterschied zwischen Parasympathikus und Sympathikus? Der Parasympathikus ist in Ruhe aktiv und fördert die Auffüllung der Energiereserven des Körpers („Rest and Digest“). Der Sympathikus bewirkt als Gegenspieler bei Stress oder in Notsituationen die sofortige Bereitstellung von Reserven („Fight or Flight“). Welche Aufgaben hat der Parasympathikus? Der Parasympathikus steuert alle Körperfunktionen, die zur Wiederherstellung und Regeneration des inneren Gleichgewichts notwendig sind. Er reguliert die Verdauung und die Sekretion der meisten Drüsen und ist vorwiegend in Ruhephasen aktiv. Wo befindet sich der Parasympathikus? Die Kerngebiete des Parasympathikus sitzen im Hirnstamm und dem sakralen Rückenmark.

Wirkungen des Parasympathikus

Der Parasympathikus wirkt entgegengesetzt zum Sympathikus und fördert:

  • Verdauung: Anregung der Darmtätigkeit und Drüsensekretion
  • Herz: Verlangsamung der Herzfrequenz
  • Auge: Verengung der Pupille
  • Harnblase: Entleerungsfunktion (Kontraktion M. detrusor vesicae)

Neurotransmitter des Parasympathikus

Sowohl die präganglionären als auch die postganglionären Neurone des Parasympathikus verwenden Acetylcholin als Neurotransmitter. Dieses aktiviert muskarinerge Acetylcholinrezeptoren an den Erfolgsorganen.

Zusammenspiel von Sympathikus und Parasympathikus

Sympathikus und Parasympathikus wirken als Gegenspieler, um die Körperfunktionen optimal an die jeweiligen Bedürfnisse anzupassen. In Stresssituationen überwiegt die Aktivität des Sympathikus, während in Ruhephasen der Parasympathikus dominiert. Dieses Zusammenspiel ermöglicht eine feine Regulation der Organfunktionen und sorgt für ein stabiles inneres Gleichgewicht (Homöostase).

Das enterische Nervensystem (ENS)

Zahlreiche Zellen (108) des Darm-System in Serosa, Tunica bzw. Tela mucosa und submucosa (Plexus submucosus Meissner) sowie muscularis (Plexus muscularis Auerbach) werden als enterisches Nervensystem (ENS) zusammengefasst. [4]

Das ENS ist ein spezielles intramurales und weitgehend autonomes Nervensystem des Magen-Darm-Trakts, welches auch ohne den Einfluss des vegetativen Nervensystems die Darmfunktionen steuert. Das vegative Nervensystem (Sympathikus und Parasympathikus) wirkt jedoch stimulierend oder bremsend auf die Darmfunktionen. Auch Auerbach-Plexus genannt, zwischen Ring- und Längsmuskelschicht der Tunica muscularis propria.

Klinische Bedeutung

Störungen des vegetativen Nervensystems (Dysautonomie) können zu vielfältigen Beschwerden führen, wie z.B. Herz-Kreislauf-Problemen, Verdauungsstörungen, Blasenfunktionsstörungen undRegulationsstörungen des Blutdrucks. Das Horner-Syndrom ist eine Erkrankung, die die sympathischen Nerven einer Seite des Gesichts schädigt und den sympathischen Ausgang des oberen Halsganglions beeinflusst. Horner-Syndrom resultiert aus einer Verletzung, einer Krankheit oder einer erblichen Mutation. VNS-Dysfunktion (Dysautonomie): führt zu nicht-funktionsfähigen Organen des VNS. Paraneoplastische Syndrome und M. Parkinson.

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