Die postherpetische Neuralgie (PHN) ist eine chronische Schmerzerkrankung, die als Folge einer Gürtelrose (Herpes Zoster) auftreten kann. Sie zeichnet sich durch anhaltende, oft quälende Nervenschmerzen in dem Bereich aus, in dem zuvor der Gürtelrose-Ausschlag lokalisiert war. Diese Schmerzen können das Leben der Betroffenen erheblich beeinträchtigen und erfordern eine umfassende und individuelle Behandlung.
Gürtelrose (Herpes Zoster) als Auslöser
Die Gürtelrose selbst wird durch das Varicella-Zoster-Virus (VZV) verursacht, das auch für Windpocken verantwortlich ist. Nach einer überstandenen Windpockenerkrankung verbleibt das Virus inaktiv in den Nervenzellen des Körpers, insbesondere in den Ganglien der Hirnnerven oder den Spinalganglien des Rückenmarks. Bei einer Schwächung des Immunsystems, beispielsweise durch Stress, Alter, bestimmte Erkrankungen oder Medikamente, kann das Virus reaktiviert werden und entlang der Nervenbahnen zur Haut wandern, wo es den typischen, schmerzhaften Ausschlag der Gürtelrose verursacht.
Ursachen und Risikofaktoren der Gürtelrose
- Varizella-Zoster-Virus (VZV): Das Virus ist die direkte Ursache für Gürtelrose.
- Geschwächtes Immunsystem: Faktoren wie Alter, Stress, HIV-Infektion, Krebserkrankungen (z.B. Hodgkin- oder Non-Hodgkin-Lymphome), Knochenmarktransplantation oder immunsuppressive Therapien erhöhen das Risiko einer Reaktivierung des Virus.
- Alter: Menschen über 50 Jahre sind häufiger betroffen, da das Immunsystem im Alter tendenziell schwächer wird.
- Stress: Dauerhafter Stress kann das Immunsystem beeinträchtigen und somit das Risiko einer Gürtelrose erhöhen.
Postherpetische Neuralgie: Chronische Schmerzen nach Gürtelrose
Von einer postherpetischen Neuralgie spricht man, wenn die Schmerzen nach Abheilung des Hautausschlags der Gürtelrose länger als drei Monate anhalten. Die Schmerzen können dabei unterschiedliche Qualitäten haben, wie z.B. brennend, stechend, bohrend oder elektrisierend. Oftmals ist die Haut in dem betroffenen Bereich auch sehr empfindlich gegenüber Berührungen (Allodynie).
Häufigkeit und Risikofaktoren der PHN
- Häufigkeit: Etwa 10-15% der Gürtelrose-Patienten entwickeln eine postherpetische Neuralgie.
- Alter: Das Risiko steigt mit zunehmendem Alter.
- Schwere der Gürtelrose: Ein schwerer Verlauf der Gürtelrose mit starkem Ausschlag und starken Schmerzen erhöht das Risiko für PHN.
- Vorerkrankungen: Patienten mit geschwächtem Immunsystem haben ein höheres Risiko.
Symptome der Postherpetischen Neuralgie
- Anhaltende Schmerzen: Brennende, stechende, bohrende oder elektrisierende Schmerzen im Bereich des ehemaligen Gürtelrose-Ausschlags.
- Allodynie: Überempfindlichkeit der Haut gegenüber Berührungen.
- Taubheitsgefühle: In einigen Fällen können auch Taubheitsgefühle auftreten.
- Einschränkungen im Alltag: Die Schmerzen können die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen und zu Schlafstörungen, Depressionen und sozialer Isolation führen.
Diagnose der Postherpetischen Neuralgie
Die Diagnose wird in der Regel anhand der Krankengeschichte (vorangegangene Gürtelrose) und der Beschreibung der Schmerzen gestellt. Eine körperliche Untersuchung kann weitere Hinweise liefern, z.B. eine erhöhte Schmerzempfindlichkeit oder Allodynie im betroffenen Bereich. In einigen Fällen können weitere Untersuchungen wie eine quantitative sensorische Testung (QST) oder eine Nervenleitgeschwindigkeitsmessung (Neurographie) durchgeführt werden, um die Funktion der Nerven zu überprüfen.
Behandlung der Postherpetischen Neuralgie
Die Behandlung der PHN zielt darauf ab, die Schmerzen zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern. Da die Schmerzen neuropathischen Ursprungs sind, sind herkömmliche Schmerzmittel oft nicht ausreichend wirksam. Daher kommen spezielle Medikamente und Therapieverfahren zum Einsatz.
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Medikamentöse Therapie
- Antidepressiva: Bestimmte Antidepressiva, wie z.B. Amitriptylin, können die Schmerzwahrnehmung beeinflussen und die Schmerzen lindern.
- Antikonvulsiva: Medikamente, die ursprünglich zur Behandlung von Epilepsie eingesetzt werden, wie z.B. Gabapentin und Pregabalin, haben sich auch bei neuropathischen Schmerzen als wirksam erwiesen.
- Opioide: In schweren Fällen können Opioide zur Schmerzlinderung eingesetzt werden. Aufgrund des Suchtpotenzials sollten sie jedoch nur unter strenger ärztlicher Kontrolle eingenommen werden.
- Lokale Behandlung: Capsaicin-Cremes oder -Pflaster können die Schmerzen lokal lindern. Lidocain-Pflaster können ebenfalls zur Schmerzlinderung eingesetzt werden.
Nicht-medikamentöse Therapie
- Physiotherapie: Gezielte Übungen können die Beweglichkeit verbessern und die Schmerzen lindern.
- Transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS): Die TENS-Therapie kann die Schmerzwahrnehmung beeinflussen und die Schmerzen lindern.
- Akupunktur: Einige Studien deuten darauf hin, dass Akupunktur bei neuropathischen Schmerzen wirksam sein kann.
- Psychotherapie: Psychologische Unterstützung kann den Betroffenen helfen, mit den chronischen Schmerzen umzugehen und ihre Lebensqualität zu verbessern.
- Naturheilkundliche Therapien: Neuraltherapeutische Injektionen mit Lokalanästhetika, Quaddelungen mit homöopathischen Mitteln, Darmbäder und die Überprüfung des Schlafplatzes auf geopathische Belastungen können unterstützend eingesetzt werden.
Invasive Verfahren
In einigen Fällen können invasive Verfahren wie Nervenblockaden oder die Implantation eines Rückenmarkstimulators in Erwägung gezogen werden, um die Schmerzen zu lindern.
Vorbeugung der Postherpetischen Neuralgie
Die beste Vorbeugung gegen PHN ist die Vermeidung einer Gürtelrose. Hierfür stehen Impfstoffe zur Verfügung.
Impfung gegen Gürtelrose
- Lebendimpfstoff: Ein attenuierter Lebendimpfstoff ist seit 2013 verfügbar. Er dient dem Schutz gegen das Ausbrechen der Erkrankung selbst und zur Verhinderung oder Verminderung von postherpetischen Neuralgien (PHN). Aufgrund der eingeschränkten Wirksamkeit und seiner begrenzten Wirkdauer wird der Herpes-zoster-Lebendimpfstoff nicht als Standardimpfung empfohlen. Weiterhin eignet sich der Impfstoff nicht für Personen mit geschwächtem Immunsystem.
- Totimpfstoff: Seit 2018 ist ein adjuvantierter Herpes-Zoster-subunit-Totimpfstoff verfügbar. Für alle Personen ab 60 Jahren gilt der Herpes-zoster-Totimpfstoff als Standardimpfung vor Gürtelrose und postherpetischer Neuralgie. Außerdem wird die Impfung allen Personen ab 50 Jahren empfohlen, deren Immunsystem geschwächt ist oder die unter einer Grunderkrankung leiden, welche eine erhöhte gesundheitliche Gefährdung für das Auftreten eines Herpes Zoster infolge haben könnte.
Weitere Präventive Maßnahmen
- Stärkung des Immunsystems: Ein gesunder Lebensstil mit ausgewogener Ernährung, ausreichend Schlaf, regelmäßiger Bewegung und Stressreduktion kann das Immunsystem stärken und das Risiko einer Gürtelrose verringern.
- Frühzeitige Behandlung der Gürtelrose: Eine frühzeitige Behandlung der Gürtelrose mit antiviralen Medikamenten kann das Risiko für PHN reduzieren.
Naturheilkundliche Therapieansätze
Die Naturheilkunde bietet verschiedene Therapieansätze zur Behandlung der Gürtelrose und zur Vorbeugung der Post-Zoster-Neuralgie. Diese zielen darauf ab, das Immunsystem zu stärken, die Virusvermehrung zu hemmen und die Schmerzen zu lindern.
- Neuraltherapie: Injektionen mit Lokalanästhetika an die Segmentnerven können die Schmerzen lindern und die Selbstheilungskräfte des Körpers aktivieren.
- Homöopathie: Ausgewählte homöopathische Mittel, die direkt unter die Bläschen gespritzt werden, können den Heilungsprozess unterstützen und das Risiko einer Neuralgie reduzieren.
- Darmbäder (Colon-Hydro-Therapie): Diese dienen der Entgiftung des Körpers und können das Immunsystem stärken.
- Ernährungsumstellung: Eine ausgewogene Ernährung mit viel frischem Obst und Gemüse, Vollkornprodukten und gesunden Fetten kann das Immunsystem stärken.
- Schlafplatzuntersuchung: Die Überprüfung des Schlafplatzes auf geopathische Belastungen kann die Schlafqualität verbessern und das Immunsystem stärken.
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