Die postzosterische Neuralgie (PZN) ist eine Komplikation, die nach einer Gürtelrose (Herpes Zoster) auftreten kann. Obwohl das Risiko einer PZN mit zunehmendem Alter steigt, können auch jüngere Menschen unter 50 Jahren betroffen sein. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten der PZN, insbesondere im Hinblick auf sportliche Aktivitäten und altersbedingte Besonderheiten.
Was ist Gürtelrose und wie entsteht PZN?
Gürtelrose, medizinisch Herpes Zoster, wird durch das Varizella-Zoster-Virus (VZV) verursacht, demselben Virus, das auch Windpocken auslöst. Nach einer durchgemachten Windpockenerkrankung verbleiben die Viren inaktiv in den Spinal- oder Hirnnervenganglien. Bei einer Reaktivierung, beispielsweise durch ein geschwächtes Immunsystem, wandern die Viren entlang der Nervenbahnen zur Haut und verursachen dort den typischen Hautausschlag und die damit verbundenen Schmerzen.
Die PZN entsteht, wenn die Nerven durch die akute Gürtelrose so stark geschädigt werden, dass die Schmerzen auch nach Abheilen des Hautausschlags bestehen bleiben. Von einer PZN spricht man, wenn die Schmerzen länger als drei Monate nach dem Abklingen des Ausschlags andauern.
Symptome der Gürtelrose und PZN
Die Gürtelrose beginnt oft mit allgemeinen Symptomen wie:
- Müdigkeit und Abgeschlagenheit
- Fieber
- Kopfschmerzen
Nach einigen Tagen treten dann die typischen Symptome auf:
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- Kribbeln und Missempfindungen der Haut
- Nervenschmerzen (brennend, stechend, einschießend)
- Rötung der Haut
- Mit Flüssigkeit gefüllte Bläschen, die sich gürtelförmig ausbreiten
Die Symptome der PZN können variieren, umfassen jedoch häufig:
- Anhaltende brennende oder bohrende Schmerzen
- Plötzlich einschießende Schmerzen
- Heftige Schmerzen bei Berührung (Allodynie)
- Missempfindungen wie Juckreiz oder Taubheitsgefühle
- Überempfindlichkeit der Haut
Die Schmerzen können so stark sein, dass sie die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen und alltägliche Aktivitäten wie Waschen, Anziehen oder Schlafen erschweren.
Diagnose der PZN
Die Diagnose der PZN basiert in erster Linie auf der Anamnese des Patienten und der klinischen Untersuchung. Wichtige Fragen sind:
- Hatten Sie vor kurzem eine Gürtelrose?
- Wie lange dauern die Schmerzen bereits an?
- Wie würden Sie die Schmerzen beschreiben (Art, Intensität, Lokalisation)?
- Gibt es Faktoren, die die Schmerzen verstärken oder lindern?
Bei der körperlichen Untersuchung wird der Arzt das betroffene Hautareal auf Narben, Rötungen oder andere Auffälligkeiten untersuchen und die Berührungsempfindlichkeit der Haut prüfen. In unklaren Fällen können weitere Untersuchungen wie eine Blutuntersuchung oder eine neurologische Untersuchung erforderlich sein, um andere Ursachen für die Schmerzen auszuschließen.
Behandlung der Gürtelrose und PZN
Akute Gürtelrose
Die Behandlung der akuten Gürtelrose zielt darauf ab, die Virusvermehrung zu hemmen, die Schmerzen zu lindern und Komplikationen zu vermeiden.
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- Antivirale Medikamente: Aciclovir, Famciclovir, Valaciclovir und Brivudin sind verschreibungspflichtige Medikamente, die die Vermehrung des Varizella-Zoster-Virus hemmen. Sie sollten möglichst frühzeitig, idealerweise innerhalb von 72 Stunden nach Auftreten des Hautausschlags, eingenommen werden.
- Schmerzmittel: Zur Schmerzlinderung können Schmerzmittel wie Ibuprofen, Paracetamol, Diclofenac oder Naproxen eingesetzt werden. Bei stärkeren Schmerzen können auch Opioide erforderlich sein.
- Lokale Behandlung: Kühlende und antiseptische Lösungen oder Gele können helfen, die Haut zu beruhigen und bakterielle Infektionen zu verhindern.
Postzosterische Neuralgie
Die Behandlung der PZN ist oft komplex und erfordert einen multimodalen Ansatz. Ziel ist es, die Schmerzen zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern.
- Schmerzmittel:
- Nicht-opioide Schmerzmittel: Ibuprofen, Paracetamol, Diclofenac können bei leichten bis mäßigen Schmerzen helfen.
- Opioide: Bei starken Schmerzen können Opioide wie Tramadol oder Oxycodon eingesetzt werden.
- Antidepressiva: Trizyklische Antidepressiva wie Amitriptylin oder Nortriptylin können die Schmerzweiterleitung im Rückenmark beeinflussen und so die Schmerzen lindern.
- Antikonvulsiva: Medikamente wie Gabapentin oder Pregabalin, die eigentlich zur Behandlung von Epilepsie eingesetzt werden, können auch bei Nervenschmerzen wirksam sein.
- Topische Therapien:
- Lidocain-Pflaster: Lidocain ist ein Lokalanästhetikum, das die Nervenenden betäubt und so die Schmerzen lindern kann.
- Capsaicin-Pflaster: Capsaicin ist der Wirkstoff, der Chilischoten ihre Schärfe verleiht. Es kann die Schmerzrezeptoren in der Haut beeinflussen und so den Schmerz dämpfen.
- Nervenblockaden: In einigen Fällen können Nervenblockaden mit Lokalanästhetika oder Steroiden eingesetzt werden, um die Schmerzweiterleitung zu unterbrechen.
- Transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS): Bei der TENS werden Elektroden auf die Haut aufgebracht, um die Nerven mit elektrischen Impulsen zu stimulieren. Dies kann helfen, die Schmerzen zu lindern.
- Weitere Therapien:
- Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, die Beweglichkeit zu verbessern und Muskelverspannungen zu lösen.
- Psychotherapie: Psychotherapie kann helfen, mit den chronischen Schmerzen umzugehen und die Lebensqualität zu verbessern.
- Akupunktur: Einige Studien deuten darauf hin, dass Akupunktur bei der Behandlung von PZN helfen kann.
Sport und PZN unter 50 Jahren
Sport und körperliche Aktivität sind generell wichtig für die Gesundheit und das Wohlbefinden. Bei Menschen mit PZN unter 50 Jahren können sportliche Aktivitäten jedoch eine besondere Herausforderung darstellen. Die Schmerzen können die Beweglichkeit einschränken und die Leistungsfähigkeit beeinträchtigen.
Folgende Aspekte sollten bei sportlicher Betätigung berücksichtigt werden:
- Schmerzmanagement: Es ist wichtig, die Schmerzen vor, während und nach dem Sport im Auge zu behalten. Gegebenenfalls müssen Schmerzmittel angepasst oder andere Behandlungsstrategien eingesetzt werden.
- Art der sportlichen Aktivität: Sportarten mit geringer Belastung wie Schwimmen, Radfahren oder Yoga sind oft besser geeignet als Sportarten mit hoher Belastung wie Laufen oder Gewichtheben.
- Intensität und Dauer: Die Intensität und Dauer der sportlichen Aktivität sollten langsam gesteigert werden, um eine Überlastung der Nerven zu vermeiden.
- Aufwärmen und Abkühlen: Ein gründliches Aufwärmen vor dem Sport und ein langsames Abkühlen danach sind wichtig, um Muskelverspannungen zu vermeiden.
- Pausen: Regelmäßige Pausen während des Sports sind wichtig, um die Nerven zu entlasten.
- Individuelle Anpassung: Jeder Mensch ist anders. Es ist wichtig, die sportlichen Aktivitäten an die individuellen Bedürfnisse und Fähigkeiten anzupassen.
Es ist ratsam, sich vor Beginn einer sportlichen Aktivität von einem Arzt oder Physiotherapeuten beraten zu lassen, um einen individuellen Trainingsplan zu erstellen, der die PZN berücksichtigt.
Vorbeugung der PZN
Die beste Möglichkeit, einer PZN vorzubeugen, ist die Vermeidung einer Gürtelrose.
- Impfung: Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Impfung gegen Gürtelrose für alle Personen ab 60 Jahren sowie für Risikogruppen ab 50 Jahren. Die Impfung kann das Risiko einer Gürtelrose und damit auch das Risiko einer PZN deutlich reduzieren.
- Stärkung des Immunsystems: Ein gesundes Immunsystem kann helfen, eine Reaktivierung des Varizella-Zoster-Virus zu verhindern. Dazu gehören eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Schlaf, regelmäßige Bewegung und Stressabbau.
- Frühzeitige Behandlung der Gürtelrose: Eine frühzeitige Behandlung der Gürtelrose mit antiviralen Medikamenten kann das Risiko einer PZN verringern.
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