Das Glaukom, auch bekannt als Grüner Star, ist eine der Hauptursachen für Erblindung weltweit. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung können den Verlauf der Erkrankung verlangsamen oder aufhalten. Die Präzisionsvermessung des Sehnervs spielt dabei eine entscheidende Rolle.
Bedeutung des Sehnervs für das Sehen
Der Sehnerv (Nervus opticus) ist eine Art "Kabel", das die visuellen Informationen vom Auge zum Gehirn leitet, wo sie interpretiert werden, um ein Bild zu erzeugen. Eine Schädigung des Sehnervs führt zu einer Beeinträchtigung des Sehvermögens, da weniger oder falsche Signale übertragen werden.
Glaukom und seine Auswirkungen auf den Sehnerv
Das Glaukom ist durch eine Schädigung des Sehnervs gekennzeichnet, die oft, aber nicht immer, mit einem erhöhten Augeninnendruck einhergeht. Eine mangelhafte Blutversorgung des Sehnervs kann ebenfalls eine Ursache sein. Unbehandelt führt das Glaukom zu einer fortschreitenden Einschränkung des Gesichtsfelds, die vom Betroffenen oft erst in späten Stadien bemerkt wird, wenn bereits irreversible Schäden entstanden sind.
Bei einer Glaukomerkrankung ist am Sehnervenkopf eine Vertiefung (Excavation) erkennbar, welche mit Fortschreiten der Erkrankung zunimmt. Die genaue Ausmessung ist bedeutsam zur Unterscheidung von solchen Excavationen, welche z.B. physiologisch vorkommen. Oft kommen Grenzfälle vor. Dann stellt sich die schwierige Frage: erkrankt? - noch nicht erkrankt? So kommt der rechtzeitigen Untersuchung des Sehnerven am Augenhintergrund besondere Bedeutung zu.
Traditionelle Methoden zur Beurteilung des Sehnervs
Früher beschränkte sich die Untersuchung des Sehnervenkopfes auf Befundbeschreibungen und Zeichnungen, die auf einer Betrachtung mit dem Augenspiegel basierten. Diese Methode war jedoch subjektiv und ungenau.
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Moderne Methoden der Präzisionsvermessung
Moderne Technologien ermöglichen eine präzise und objektive Vermessung des Sehnervs, wodurch eine frühzeitige Diagnose und Verlaufskontrolle des Glaukoms möglich sind. Zu den wichtigsten Methoden gehören:
Heidelberger Retina Tomograph (HRT)
Der Heidelberger Retina Tomograph (HRT) ist ein Laser-Scanning-Gerät, das eine dreidimensionale Vermessung der Sehnervoberfläche ermöglicht. Eine Laser-Kamera erstellt dreidimensionale Bilder vom Sehnervenkopf und ein Computer wertet die ca. 147.000 Messpunkte aus. Die Ergebnisse der Messung werden gespeichert und können so mit späteren Messungen exakt verglichen werden. Damit kann schon eine geringe Zunahme der Veränderungen sichtbar gemacht werden.
Die Untersuchung mit dem HRT dauert nur wenige Sekunden, ist vollkommen schmerzlos, ohne Strahlenbelastung und beeinträchtigt anschließend nicht die Arbeits- oder Fahrfähigkeit.
Funktionsweise und Vorteile:
- Abtastung der Sehnervoberfläche in höchster Auflösung.
- Berechnung, ob der Sehnerv eine normale oder krankhaft veränderte Form aufweist.
- Früherkennung eines Glaukoms, oft Jahre vor dem Auftreten spürbarer Beschwerden.
- Speicherung der Daten für einen empfindlichen Vergleich der Vorbefunde.
- Erkennung kleinster Veränderungen im Verlauf, was besonders wichtig für die Überwachung bei bekanntem Glaukom ist.
- Genauere Beurteilung der Effizienz der Therapie.
Optische Kohärenztomographie (OCT)
Die Optische Kohärenztomographie (OCT) ist ein bildgebendes Verfahren, das hochauflösende Querschnittsbilder der Netzhaut und des Sehnervenkopfes erzeugt. Ihr Augenarzt kann die Dicke der mehrschichtigen Netzhaut im hinteren Augenabschnitt mit den herkömmlichen Verfahren nicht genau messen. Durch die Optische Kohärenztomographie (OCT) ist dies aber heutzutage in einer kurzen Untersuchungszeit völlig unschädlich und ohne Berührung des Auges möglich. Die häufigsten schwerwiegenden Erkrankungen des Augenhintergrundes gehen mit einer Dickenveränderung der mehrschichtigen Netzhaut einher. Diese Erkrankungen möglichst genau festzustellen und zu verfolgen ist die Aufgabe moderner apparativer Diagnostik in der Augenheilkunde.
Funktionsweise und Vorteile:
- Ähnlich wie ein Ultraschall, aber mit Lichtwellen anstelle von Schallwellen.
- Detaillierte Bilder der verschiedenen Gewebeschichten des Auges.
- Präzise Auskunft darüber, ob und in welchem Umfang Schädigungen bestehen.
- Ergänzende Informationen zum HRT über krankhafte Veränderungen am Sehnerv.
Papillentomographie
Mit der Papillentomographie kann man Veränderungen des Sehnerven nicht nur sehen - wie bei der augenärztlichen Untersuchung mit dem Mikroskop - sondern sehr exakt ausmessen und mit den Vorbefunden vergleichen. Damit ist man den bleibenden Funktionsausfällen einen großen Schritt voraus.
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IOL Master 500
In unserer Praxis führen wir die optische Biometrie mit dem IOL Master 500 der Firma Zeiss durch. Dieses Gerät vermisst das Auge berührungsfrei mittels Lasertechnik. Dabei wird neben der Länge des Auges, der Abstand zwischen Hornhaut und Linse (Vorderkammertiefe), der Hornhautradius und der Hornhautdurchmesser (White-to-White) gemessen. Empfehlenswert ist die Untersuchung mittels IOL Master z. B. Für die Glaukomdiagnostik spielt die Messung der Hornhautdicke eine entscheidende Rolle, da die Dicke der Hornhaut einen Einfluss auf die exakte Messung des Augeninnendruckes hat. Nur ein korrekt bestimmter Augeninnendruck hilft dem Augenarzt, den für Sie individuell richtigen Zieldruck zu bestimmen und zu kontrollieren. Dieses Gerät kann Informationen zur Sehschärfe vor und nach einer Kataraktoperation bereitstellen, um das Ergebnis der Operation zu überprüfen. So kann der Patient den Einfluss von Premium-IOLs auf seine Sehschärfe erleben.
Wann ist eine Sehnerv-Untersuchung sinnvoll?
Eine regelmäßige Sehnerv-Untersuchung ist besonders wichtig für:
- Personen mit erhöhtem Augeninnendruck. Viele ältere Menschen weisen einen zu hohen Augendruck auf und sind gefährdet, eine dauerhafte Sehstörung zu erleiden, die durch Sehhilfen nicht korrigiert werden kann.
- Personen mit Glaukom in der Familie. Wenn in der Familie jemand an grünem Star leidet, sollte man auf jeden Fall regelmäßige augenärztliche Sehnerv-Untersuchungen durchführen lassen - mit einer Messung des Sehnervs.
- Personen mit Diabetes oder Hypertonie, da diese Erkrankungen Auswirkungen auf die Blutgefäße haben können.
- Personen mit auffälliger Exkavation (Aushöhlung) des Sehnervenkopfes oder Veränderungen der Form des Sehnervenkopfes.
- Personen mit Glaukomverdacht.
Ablauf einer Sehnerv-Untersuchung
Die Untersuchung des Sehnervs umfasst in der Regel folgende Schritte:
- Anamnese: Erhebung der Krankengeschichte und Risikofaktoren.
- Augeninnendruckmessung: Messung des Drucks im Auge.
- Ophthalmoskopie: Betrachtung des Sehnervenkopfes mit einem Augenspiegel nach Erweiterung der Pupille.
- Präzisionsvermessung: Durchführung von HRT und/oder OCT.
- Gesichtsfelduntersuchung: Überprüfung der Funktion des Sehnervs.
Kosten der Untersuchung
Die Kosten für die Präzisionsvermessung des Sehnervs mit HRT und OCT werden in der Regel nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Sie ist aber eine wichtige und sinnvolle Untersuchung zur Kontrolle des Glaukoms und des Erfolgs der Therapie. Die Abrechnung erfolgt daher auf privatärztlicher Grundlage. Von den privaten Krankenversicherungen werden die Kosten jedoch meist übernommen (außer von der KVB).
Vorteile der Früherkennung
Die frühzeitige Erkennung von Glaukom durch Präzisionsvermessung des Sehnervs ermöglicht:
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- Rechtzeitige Einleitung einer Therapie, um den Verlauf der Erkrankung zu verlangsamen oder aufzuhalten.
- Vermeidung von Gesichtsfeldausfällen und Erblindung.
- Bessere Lebensqualität durch Erhaltung des Sehvermögens.
- Eine eventuell notwendige Therapie kann eingeleitet oder umgestellt und deren Wirksamkeit kontrolliert werden, bevor ein Patient zunehmende Schäden und Beschwerden erst selbst bemerkt.
- Die Notwendigkeit einer Behandlung (mit Medikamenten oder einer Operation) und deren ausreichende Wirksamkeit kann jetzt besser und früher als bisher erkannt werden.
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