Primäres Parkinson-Syndrom ohne Wirkungsfluktuation: Ursachen und Behandlung

Morbus Parkinson, auch bekannt als idiopathisches Parkinson-Syndrom (IPS), ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die das extrapyramidal-motorische System betrifft. Sie ist nach Alzheimer die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung in Deutschland. Charakteristisch sind Hypokinese, Rigor, Tremor und posturale Instabilität. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Diagnose und Behandlung des primären Parkinson-Syndroms ohne Wirkungsfluktuation, wobei die Erfahrungen von Betroffenen wie Chris einbezogen werden.

Was ist das primäre Parkinson-Syndrom?

Das primäre Parkinson-Syndrom, auch idiopathisches Parkinson-Syndrom (IPS) oder Morbus Parkinson genannt, ist die häufigste Form des Parkinson-Syndroms. Der Begriff "idiopathisch" bedeutet, dass die Ursache der Erkrankung unbekannt ist. Das IPS ist durch einen fortschreitenden Verlust von Nervenzellen in der Substantia nigra gekennzeichnet, einer Hirnregion, die für die Produktion von Dopamin verantwortlich ist. Dopamin ist ein Neurotransmitter, der eine wichtige Rolle bei der Steuerung von Bewegungen spielt.

Ursachen des primären Parkinson-Syndroms

Bis heute ist die genaue Ursache des primären Parkinson-Syndroms nicht bekannt. Experten gehen von einer multifaktoriellen Genese aus, bei der Umweltfaktoren, Verhaltenseinflüsse und genetische Faktoren zusammenwirken.

Genetische Faktoren

Bei etwa 5-15 Prozent der IPS-Patienten sind weitere Familienmitglieder betroffen. Bislang sind 16 Gen-Loci (PARK 1-21) für seltene, autosomal vererbte Formen beschrieben. Mutationen in den Genen PARKIN, PINK1 und DJ-1 wurden als Ursache für die früh auftretende, autosomal rezessive Parkinson-Krankheit identifiziert. Mutationen im LRRK2-Gen werden mit autosomal-dominanter Parkinson-Krankheit in Verbindung gebracht.

Umweltfaktoren

Studien deuten darauf hin, dass bestimmte Umweltfaktoren das Risiko, an Parkinson zu erkranken, erhöhen können. Dazu gehören Exposition gegenüber Pestiziden, Lösungsmitteln und bestimmten Metallen.

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Verhaltenseinflüsse

Auch bestimmte Verhaltensweisen können das Parkinson-Risiko beeinflussen. So haben Wissenschaftler in einer retrospektiven Studie ermittelt, dass Amphetamin-Konsumenten ein fast dreifach so hohes Parkinson-Risiko haben wie Menschen ohne Drogenkonsum.

Symptome des primären Parkinson-Syndroms

Das primäre Parkinson-Syndrom beginnt schleichend und schreitet zeitlebens fort. Die Erkrankung ist durch charakteristische motorische Störungen geprägt, wobei die Bradykinese (Bewegungsverlangsamung) das zentrale Kardinalsymptom ist. Weitere Leitsymptome sind Rigor (Muskelsteifheit), Ruhe- und/oder Haltetremor (Zittern) sowie posturale Instabilität (Gleichgewichtsstörungen).

Motorische Symptome

  • Bradykinese: Verlangsamung der Bewegungsgeschwindigkeit, erschwerte Initiierung von Willkürbewegungen, Verlangsamung paralleler motorischer Tätigkeiten.
  • Rigor: Tonuserhöhung der Muskeln, die während des gesamten Bewegungsumfangs auftritt.
  • Tremor: Zittern, meist in Ruhe auftretend, mit einer Frequenz von ca. 4-6 Hz.
  • Posturale Instabilität: Unfähigkeit, den Körper stabil aufrechtzuerhalten, gestörte Stellreflexe, erhöhte Sturzgefahr.

Nicht-motorische Symptome

Neben den motorischen Symptomen können auch eine Reihe von nicht-motorischen Symptomen auftreten, darunter:

  • Depressionen
  • Schlafstörungen
  • Riechstörungen
  • Verdauungsstörungen
  • Kognitive Beeinträchtigungen

Frühsymptome

Den motorischen Kardinalsymptomen geht meist eine - oft jahrelange - Prodromalphase mit unklaren Beschwerden voraus. Typische Frühsymptome sind:

  • REM-Schlaf-Verhaltensstörung (RBD): Ausleben von Träumen im Schlaf.
  • Riechstörungen: Vermindertes oder fehlendes Riechvermögen.
  • Stimmungsschwankungen: Reizbarkeit, Ruhelosigkeit, Angst- und Depressionsneigung.
  • Obstipation: Verstopfung.

Diagnose des primären Parkinson-Syndroms

Die Diagnose des primären Parkinson-Syndroms stützt sich in erster Linie auf die Anamnese und die neurologische Untersuchung. Dabei werden die Bewegungsabläufe des Patienten analysiert und andere Erkrankungen, die ähnliche Symptome verursachen können, ausgeschlossen.

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Neurologische Untersuchung

Bei der neurologischen Untersuchung achtet der Arzt auf die typischen Symptome von Parkinson, wie Bradykinese, Rigor, Tremor und posturale Instabilität. Er testet auch die Reflexe, die Koordination und das Gleichgewicht des Patienten.

Bildgebende Verfahren

In einigen Fällen können bildgebende Verfahren wie MRT (Magnetresonanztomographie) oder DaTSCAN eingesetzt werden, um andere Ursachen für die Symptome auszuschließen oder die Diagnose zu bestätigen.

L-Dopa-Test

Ein L-Dopa-Test kann ebenfalls durchgeführt werden, um die Diagnose zu unterstützen. Dabei erhält der Patient das Medikament L-Dopa, das im Körper in Dopamin umgewandelt wird. Wenn sich die Symptome nach der Einnahme von L-Dopa verbessern, ist die Diagnose Parkinson wahrscheinlich.

Behandlung des primären Parkinson-Syndroms

Das primäre Parkinson-Syndrom ist nicht heilbar, aber die Symptome können mit Medikamenten und anderen Therapien behandelt werden. Ziel der Behandlung ist es, die Lebensqualität des Patienten zu verbessern und die Progression der Erkrankung zu verlangsamen.

Medikamentöse Therapie

Die medikamentöse Therapie ist ein wichtiger Bestandteil der Parkinson-Behandlung. Die am häufigsten verwendeten Medikamente sind:

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  • Levodopa (L-Dopa): Wird im Körper in Dopamin umgewandelt und gleicht den Dopaminmangel aus.
  • Dopaminagonisten: Wirken ähnlich wie Dopamin und stimulieren die Dopaminrezeptoren im Gehirn.
  • MAO-B-Hemmer: Verhindern den Abbau von Dopamin im Gehirn.
  • COMT-Hemmer: Verlängern die Wirkung von L-Dopa.
  • Anticholinergika: Können Tremor und Rigor reduzieren.
  • Amantadin: Kann die Beweglichkeit verbessern.

Weitere Therapiemodule

  • Physiotherapie: Dient dazu, die Beweglichkeit zu erhalten, Muskelsteifheit und Langsamkeit von Bewegungsabläufen aufzuhalten und die Selbstständigkeit zu fördern.
  • Ergotherapie: Hilft, den Alltag besser zu bewältigen und die Feinmotorik zu verbessern.
  • Logopädie: Behandelt Sprach- und Schluckstörungen.
  • Psychotherapie: Unterstützt die psychische Bewältigung der Erkrankung.

Tiefe Hirnstimulation (THS)

Die tiefe Hirnstimulation ist eine operative Behandlungsmethode, die bei Patienten mit fortgeschrittenem Parkinson-Syndrom eingesetzt werden kann. Dabei werden Elektroden in bestimmte Hirnregionen implantiert, die elektrische Impulse abgeben und die Symptome lindern können.

Leben mit Parkinson: Die Erfahrungen von Chris

Chris, der 2017 mit dem idiopathischen Parkinsonsyndrom diagnostiziert wurde, berichtet offen über seine Erfahrungen und seinen Umgang mit der Erkrankung. Er betont die Bedeutung des Austauschs mit anderen Betroffenen und die Notwendigkeit besserer Strukturen im Pflegesystem.

"Der Austausch mit anderen Menschen mit Parkinson ist extrem wichtig in meinem Leben! Parkinson hat einfach so viele Facetten", sagt Chris. Er setzt sich aktiv für Verbesserungen im Pflegesystem ein, da er selbst erlebt hat, wie schwierig es sein kann, Leistungen zu erhalten, die einem vermeintlich zustehen.

Chris hat den Verein „Parkinson Pate e.V.“ gegründet, um Betroffenen und ihren Angehörigen Unterstützung zu bieten. "Nachdem ich mich intensiver mit Parkinson auseinandergesetzt hatte und gut damit umgehen konnte, fragte ich mich, was die Menschen machen, die keine Person haben, die ihnen in der Phase beiseite steht. Da war mir klar: Das muss geändert werden!", erklärt Chris.

Tipps für den Umgang mit Parkinson

  • Akzeptieren Sie, was Sie nicht ändern können: Es ist wichtig, die Erkrankung zu akzeptieren und sich auf das zu konzentrieren, was man tun kann, um die Lebensqualität zu verbessern.
  • Setzen Sie sich mit Ihren Angehörigen mit dem Thema Parkinson auseinander: Eine offene Kommunikation mit Familie und Freunden ist wichtig, um Unterstützung zu erhalten und Missverständnisse zu vermeiden.
  • Bleiben Sie aktiv: Regelmäßige Bewegung und Sport können helfen, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern.
  • Nehmen Sie Ihre Medikamente regelmäßig ein: Es ist wichtig, die Medikamente genau nach Plan einzunehmen, um eine optimale Wirkung zu erzielen.
  • Suchen Sie sich Unterstützung: Der Austausch mit anderen Betroffenen und die Teilnahme an Selbsthilfegruppen können helfen, mit der Erkrankung besser umzugehen.

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