Progesteron, oft als „weibliches“ Hormon betrachtet, spielt eine entscheidende Rolle im Körper, sowohl bei Frauen als auch bei Männern. Es ist bekannt für seine beruhigenden, stimmungsaufhellenden, schlaffördernden, libido-steigernden und knochenstärkenden Eigenschaften. Bei Männern dient Progesteron als Vorstufe zur Testosteronbildung und wirkt gleichzeitig ausgleichend, um den Östrogenspiegel zu senken. Ein Ungleichgewicht dieses Hormons kann sich auf vielfältige Weise äußern.
Parallel dazu existiert die Polyneuropathie, eine Erkrankung, bei der die Nervenbahnen Schwierigkeiten haben, Nachrichten richtig weiterzuleiten. Dies führt zu Schmerzen, Taubheitsgefühlen und Bewegungseinschränkungen, was wiederum Schlafstörungen, Gangunsicherheit, Erschöpfung und Depressionen zur Folge haben kann.
Dieser Artikel beleuchtet die komplexen Zusammenhänge zwischen Progesteron, Polyneuropathie und anderen Faktoren wie Xenohormonen und Wechseljahresbeschwerden.
Progesteron: Mehr als nur ein weibliches Hormon
Progesteron ist ein Steroidhormon, das eine Schlüsselrolle im Menstruationszyklus, in der Schwangerschaft und in der Embryonalentwicklung spielt. Es wird hauptsächlich in den Eierstöcken produziert, aber auch in geringen Mengen in den Nebennieren und im Gehirn.
Progesteron bei Frauen
Während der Perimenopause, der Übergangsphase vor der Menopause, nimmt die Progesteronproduktion der Eierstöcke allmählich ab. Dies kann zu verschiedenen Beschwerden führen, darunter:
Lesen Sie auch: Hilft Progesteroncreme wirklich gegen Migräne?
- Dysmenorrhoe (schmerzhafte Menstruation)
- Verstärkte Blutungen
- Verkürzung des Blutungsintervalls
- Stimmungsschwankungen
- Schlafstörungen
Dr. Lee empfiehlt, dass eine gute Progesteroncreme täglich 20-30 mg Progesteron liefern sollte, was der Menge entspricht, die gesunde Eierstöcke während der Lutealphase produzieren. Die Anwendung sollte am 12. Tag nach Beginn der Periode beginnen und 14 Tage lang täglich erfolgen, gefolgt von einer Pause.
Pregnenolon, eine Vorläufersubstanz von Progesteron und anderen Steroidhormonen, kann ebenfalls eine stabilisierende Wirkung auf die weibliche Sexualfunktion haben, insbesondere bei Menstruationsstörungen oder Wechseljahresbeschwerden. Es versorgt Frauen nach der Menopause mit hormoneller Grundsubstanz und sichert über Progesteron-Effekte die Gesundheit der weiblichen Sexualorgane.
Progesteron bei Männern
Auch Männer benötigen Progesteron. Mit zunehmendem Alter sinken die Testosteronspiegel, während die Östrogenspiegel steigen. Dieser Anstieg kann durch das Enzym Aromatase beschleunigt werden, das Testosteron in Östrogen umwandelt. Ein niedriger Progesteronspiegel kann zu einer Östrogendominanz führen, selbst wenn der Östrogenspiegel nicht erhöht ist.
Männer mit niedrigem Progesteronspiegel haben ein höheres Risiko für Angstzustände, geringe Libido, Haarausfall, Gewichtszunahme, Müdigkeit, Depressionen, erektile Dysfunktion, Impotenz, Knochenschwund und Muskelverlust.
Die Bedeutung von Progesteron für das Gehirn
Das Gehirn ist reich an Progesteronrezeptoren, sowohl bei Frauen als auch bei Männern. Progesteron ist wichtig für den Schutz der Nerven- und Gehirnfunktion und wird sogar direkt im Gehirn produziert. Es kann bei der Behandlung von Epilepsie und Aufmerksamkeitsstörungen eingesetzt werden, um die Gehirnfunktion zu stabilisieren. Nach einer Hirnverletzung wird Progesteron lokal gebildet, um die Heilung der Gehirnneuronen zu unterstützen.
Lesen Sie auch: Die Rolle von Östradiol bei Hirnblutungen
Bioidentisches Progesteron
Bioidentisches Progesteron wird zunehmend bei jungen Frauen eingesetzt, die die Pille nicht vertragen. Es kann auch bei peripherer Neuropathie aufgrund von Diabetes und Multipler Sklerose helfen. Progesteron steigert die Serotoninbildung im Gehirn und reguliert die Körpertemperatur, Energie und das sexuelle Verhalten.
Für Gehirn-, Schlaf-, Beruhigungs- und Nervenschutzwirkungen wird die orale Einnahme von Progesteron empfohlen, da die Leber es in wichtige Metaboliten umwandelt. Die orale Dosis kann zwischen 25 mg und 400 mg variieren. Es ist wichtig, synthetische Progestine nicht mit natürlichem, bioidentischem Progesteron zu verwechseln, da Progestine ein höheres Risiko für Nebenwirkungen haben.
Polyneuropathie: Wenn die Nervenbahnen streiken
Polyneuropathie ist eine Erkrankung, die durch Schädigung der peripheren Nerven verursacht wird. Die peripheren Nerven verbinden das Gehirn und das Rückenmark mit den Muskeln, der Haut und den inneren Organen. Eine Schädigung dieser Nerven kann zu einer Vielzahl von Symptomen führen, darunter:
- Ameisenlaufen, Taubheitsgefühl, Brennen oder Schmerzen in den Beinen
- Schlafstörungen
- Gangunsicherheit
- Erschöpfung
- Depressionen
Die Polyneuropathie kann Menschen jeden Alters betreffen und durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden, darunter:
- Diabetes
- Alkoholabhängigkeit
- Schilddrüsenunterfunktion
- Krebserkrankungen
- Infektionskrankheiten wie Borreliose
- Autoimmunerkrankungen
- Schwermetallbelastungen
- Medikamente wie Chemotherapeutika, Antibiotika und Statine
Für die Regeneration der Nerven ist ein ausreichend hoher Vitamin B12-Spiegel erforderlich. Bei chronischen Magen-Darm-Beschwerden kann die Aufnahme von Vitamin B12 beeinträchtigt sein, was eine Vitamin B12-Injektion oder die Aufnahme über die Mundschleimhaut erforderlich macht. Eine erhöhte Zufuhr von Vitamin B6, Folsäure, Magnesium, Glutathion und Alpha-Liponsäure kann ebenfalls hilfreich sein.
Lesen Sie auch: Erfahrungen mit bioidentischem Progesteron gegen Migräne
Der Zusammenhang zwischen Progesteron und Polyneuropathie
Obwohl wechseljahrsbedingte Hormonveränderungen nicht zu den bekannten Ursachen für Polyneuropathie zählen, gibt es Hinweise darauf, dass Progesteron eine Rolle bei der Behandlung von peripherer Neuropathie spielen kann. Bioidentisches Progesteron wird zunehmend bei peripherer Neuropathie aufgrund von Diabetes und Multipler Sklerose eingesetzt. Studien haben gezeigt, dass sich die Symptome in vielen Fällen bessern, wenn der konventionellen Medikation Progesteronersatz zugesetzt wird.
Es ist wichtig zu beachten, dass Progesteron kein „Wunderhormon“ ist, das alle Arten von Beschwerden lindern kann. Es ist jedoch ein wichtiges Hormon, dessen Mangel vielfältige Auswirkungen haben kann.
Xenohormone: Eine zusätzliche Belastung für den Körper
Xenohormone, auch bekannt als endokrine Disruptoren, sind chemische Verbindungen, die in der Umwelt vorkommen und hormonähnliche Wirkungen im menschlichen Körper entfalten können. Sie sind Bestandteile vieler synthetisch hergestellter Produkte, insbesondere solcher aus Kunststoff. Zu den bekanntesten Xenohormonen gehören Bisphenol A (BPA), Phthalate und bestimmte Pestizide.
Die Belastung mit Plastik und damit mit Xenohormonen nimmt weltweit zu. Mikroplastik findet sich in Plastikflaschen, Lebensmitteln und Hygieneartikeln. Wenn Plastikflaschen zerkratzen oder zu lange in der Sonne stehen, löst sich Mikroplastik, das wir mittrinken.
Xenohormone können die hormonelle Balance stören und das Risiko für Menopausenbeschwerden erhöhen. Sie können auch die Wirksamkeit von Hormonersatztherapien beeinflussen. Da Xenohormone lipophil sind, werden sie mit zunehmender Menge an Körperfett gespeichert.
Wechseljahre: Eine Zeit hormoneller Veränderungen
Die Menopause tritt in der Regel zwischen dem 45. und 55. Lebensjahr auf und ist durch einen Rückgang der Ovarialfunktion und einen Anstieg der follikelstimulierenden Hormone (FSH) und luteinisierenden Hormone (LH) gekennzeichnet. Die sinkenden bzw. schwankenden Hormonspiegel können zu verschiedenen Beschwerden führen, darunter:
- Hitzewallungen
- Reizbarkeit
- Stimmungsschwankungen
- Schlafstörungen
- Schweißausbrüche
- Parästhesien (Kribbeln, Brennen oder Taubheitsgefühl)
Bei durch die Wechseljahre bedingten Parästhesien wird die Ärztin oder der Arzt zunächst eingehend diagnostizieren, um die genaue Ursache abzuklären.
Weitere Faktoren, die eine Rolle spielen können
Neben Progesteron, Polyneuropathie, Xenohormonen und Wechseljahren gibt es noch weitere Faktoren, die eine Rolle bei der Entstehung von Beschwerden spielen können. Dazu gehören:
- Brustkrebsbehandlungen: Bestimmte Behandlungen wie Chemotherapie, Bestrahlung und Antihormontherapie können Spätfolgen wie Fatigue, Herzschäden, Gelenk- und Muskelschmerzen, Knochenschwund, Lymphödeme und Neuropathie verursachen.
- Vitaminmangel: Ein Mangel an Vitamin B12, B6, Folsäure, Magnesium, Glutathion und Alpha-Liponsäure kann die Nervenfunktion beeinträchtigen.
- Depressionen: Depressionen können sowohl Ursache als auch Folge von hormonellen Ungleichgewichten und neurologischen Erkrankungen sein.
Was kann man tun?
Es gibt verschiedene Maßnahmen, die man ergreifen kann, um Beschwerden im Zusammenhang mit Progesteronmangel, Polyneuropathie, Xenohormonen und Wechseljahren zu lindern:
- Progesteronersatztherapie: Bei Frauen mit Progesteronmangel kann eine Progesteronersatztherapie in Betracht gezogen werden. Dr. Lee empfiehlt eine tägliche Dosis von 20-30 mg Progesteron in Form einer Creme.
- Pregnenolon-Supplementierung: Pregnenolon kann eine stabilisierende Wirkung auf die weibliche Sexualfunktion haben und bei Menstruationsstörungen oder Wechseljahresbeschwerden helfen.
- Ernährungsumstellung: Eine gesunde, ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Vollkornprodukten und magerem Eiweiß kann helfen, den Körper mit den notwendigen Nährstoffen zu versorgen. Es ist wichtig, ausreichend Vitamin B12, B6, Folsäure, Magnesium, Glutathion und Alpha-Liponsäure zu sich zu nehmen.
- Bewegung: Regelmäßige Bewegung kann helfen, die Durchblutung zu verbessern, die Muskeln zu stärken und die Stimmung zu heben.
- Entspannungstechniken: Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation und progressive Muskelentspannung können helfen, Stress abzubauen und die Nerven zu beruhigen.
- Vermeidung von Xenohormonen: Es ist ratsam, den Kontakt mit Xenohormonen so weit wie möglich zu reduzieren, indem man beispielsweise auf Plastikflaschen verzichtet, Bio-Lebensmittel bevorzugt und Kosmetikprodukte ohne schädliche Chemikalien verwendet.
- Behandlung von Grunderkrankungen: Wenn die Beschwerden durch eine Grunderkrankung wie Diabetes, Schilddrüsenunterfunktion oder Borreliose verursacht werden, ist es wichtig, diese Erkrankung zu behandeln.
- Psychologische Unterstützung: Bei starken psychischen Belastungen kann professionelle Unterstützung durch einen Therapeuten oder Psychoonkologen hilfreich sein.
tags: #progesteron #und #polyneuropathie