Auf Magnetresonanztomografie-Aufnahmen (MRT) des Gehirns können bei älteren Menschen häufig weiße Flecken auftreten, die als White Matter Hyperintensities (WMH) bezeichnet werden. Diese können ein normaler Bestandteil des Alterungsprozesses sein, aber auch auf relevante Erkrankungen hinweisen, beispielsweise im Zusammenhang mit Demenzerkrankungen. Heutzutage werden WMH oft als Indikator für Kleingefäßerkrankungen angesehen, also Schädigungen der feinsten Blutgefäße im Gehirn.
Ursachen und Risikofaktoren von WMH
Neben dem höheren Alter gilt Bluthochdruck als wichtigster Risikofaktor für die Entstehung von Kleingefäßerkrankungen. Insbesondere ein langjähriger und/oder schlecht eingestellter Bluthochdruck schädigt das Gehirn über verschiedene Mechanismen, wie zum Beispiel Minderdurchblutung und Entzündungsprozesse. Der deutliche Zusammenhang zwischen WMH und Blutdruck unterstreicht die Bedeutung eines gut eingestellten Blutdrucks.
Dr. Janine Gronewold, Erstautorin einer Studie zu diesem Thema, betont: „Ein hoher und vor allem ein schlecht eingestellter Blutdruck verursacht Schäden im Gehirn und kann somit auch die Funktion des Gehirns schädigen. WMH sind offensichtlich späte Folgen von Bluthochdruck." Zukünftige Studien sollen frühere Marker für strukturelle und funktionelle Hirnschäden durch Bluthochdruck untersuchen, um schwerwiegende späte Folgen wie Demenz zu verhindern.
Weitere Risikofaktoren für die Entstehung von Läsionen im Gehirn sind ein hoher Body-Mass-Index (BMI). Frauke Beyer, die Erstautorin einer Studie zu diesem Thema, weist darauf hin, dass die Schädigung des Gefäßsystems ein schleichender Prozess ist und die Gehirne der Betroffenen Informationen im Alltag oft langsamer verarbeiten.
Die Bedeutung von WMH für die Gesundheit
Winzige Gehirnverletzungen, die im MRT nachgewiesen werden können, sind eine häufige Ursache für Demenzen. Die Gehirne der Betroffenen verarbeiten Informationen oft langsamer. Die Verletzungen können bereits ab dem vierzigsten Lebensjahr sichtbar werden.
Lesen Sie auch: Bewertungen zu Neurologe Wall
„Aktuell gibt es keine Therapie für diese Läsionen, obwohl sie ein großer Risikofaktor für Schlaganfall und Demenz sind“, sagt Frauke Beyer. Um herauszufinden, wie man schon bestehende Medikamente anwenden könnte, war es den Forscherinnen wichtig, erst einmal zu verstehen, welche Faktoren für die Entstehung der Läsionen an unterschiedlichen Orten im Gehirn eine Rolle spielen.
Die Wissenschaftlerinnen wollen nun in Folgestudien herausfinden, welche genetischen Faktoren den Läsionen an den verschiedenen Orten im Gehirn zugrunde liegen könnten.
Differentialdiagnose: Was bedeuten weiße Flecken im Gehirn?
Die kleinen weißen Flecken auf dem MRT-Bild des Gehirns können verschiedene Ursachen haben. Sie können auf Multiple Sklerose (MS), einen kleinen Schlaganfall oder einen harmlosen Fehlalarm hindeuten. Für Patienten sind sie oft beunruhigend, für Ärzte sind sie ein Hinweis auf mögliche Probleme im Nervensystem.
PD Dr. Gunther Fesl erklärt: „Die Differentialdiagnose weißer Flecken im Gehirn ist schwierig. Schon die Begrifflichkeiten gehen sehr weit auseinander. So sprechen wir von Leukoaraiose oder Leukencephalopathie; zudem existieren Begriffe wie White Matter Lesions, White Matter Hyperintensities, White Matter Changes oder White Matter Disease.“
Es ist wichtig zu beachten, dass die Übergänge vom normalen Altern bis hin zum Krankheitswert fließend sind. Daher ist es entscheidend, die Grenze zur eigentlichen Erkrankung zu bestimmen. Neben dem Alterungsprozess können Rauchen, Bluthochdruck, Diabetes Mellitus und andere vaskuläre Faktoren Auslöser sein.
Lesen Sie auch: Umfassende Betrachtung: Weiber Fleck im Gehirn
In den meisten Fällen handelt es sich um hypoxisch-ischämische Erkrankungen, die genauer abgeklärt werden müssen. Bei den entzündlichen Erkrankungen ist die Multiple Sklerose mit einer Prävalenz von 100 zu 100.000 am häufigsten.
Die Rolle der Liquoruntersuchung bei der Diagnose neurologischer Erkrankungen
Die Analyse von Liquorproben ist ein wichtiges Puzzlestück, das hilft, die richtige Diagnose und die optimale Therapie für viele neurologische Erkrankungen zu finden. Durch die Analyse können Wissenschaftler erkennen, ob eine Entzündung im Gehirn vorliegt und welche Zelltypen verändert sind. Dies ist wichtig, um das optimale Medikament zur Behandlung von beispielsweise Multipler Sklerose zu wählen.
Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. Sven Meuth erklärt: „Wir können dann eine Therapie wählen, die diese Art von Zellen gezielt angreift.“ Auch weil die Therapieoptionen bei MS immer unübersichtlicher werden, sind diese Analysen sehr gefragt.
COVID-19 und Läsionen im Gehirn
Eine Studie hat gezeigt, dass Hirnschäden bei Patienten mit COVID-19 die kleineren Blutgefäße betreffen. Dort kommt es sowohl zu punktuellen Blutungen als auch zu lokalen Entzündungsreaktionen.
Auf den MRT-Bildern waren zahlreiche punktförmige Läsionen erkennbar, die entweder hypointens- oder hyperintens waren. Hyperintense Läsionen erscheinen auf dem MRT als weiße Flecken. Häufig handelt es sich um Entzündungsherde. Die dunklen Hypointensitäten weisen eher auf Blutungen hin.
Lesen Sie auch: Umfassender Überblick: MRT Gehirn Flecken bei Frauen
Die Forscher vermuten, dass die Läsionen die Folge einer entzündlichen Reaktion des Gehirns sind. Es sei jedoch nicht auszuschließen, dass die Viren nach dem Tod zerfallen und deshalb nicht mehr nachweisbar waren.
Nach den Ergebnissen der Studie könnte es bei COVID-19 zu zweierlei Läsionen im Gehirn kommen. Neben Mikrothromben, die kleine Infarkte auslösen, könnten Entzündungsreaktionen das Gehirn schädigen.
Multiple Sklerose (MS): Eine mögliche Ursache für weiße Flecken
Weiße Flecken im Gehirn können in seltenen Fällen auf Multiple Sklerose (MS) hindeuten. MS ist eine komplexe, chronische neurologische Erkrankung, die das zentrale Nervensystem (ZNS) angreift, welches Gehirn und Rückenmark umfasst. Das eigene Immunsystem greift die schützende Myelinschicht um die Nervenfasern an, was im Hirn- und Rückenmark Entzündungen hervorruft. Diese Entzündungen hinterlassen Narben, die die gewohnte Funktionsweise der Nerven auch langfristig schädigen können.
MS äußert sich oft in Schüben, Phasen, in denen neue Symptome hervortreten oder bestehende sich verschlimmern. Die Ursprünge von MS sind ein Rätsel. Es wird angenommen, dass eine Kombination aus genetischen, Umwelt- und immunologischen Faktoren eine Rolle spielt.
Die Bedeutung klinischer Angaben für die Diagnose
Für Radiologen werden T2-gewichtete Bilder zur Differentialdiagnose immer wichtiger, denn mit ihrer Hilfe lassen sich Mikroblutungen detektieren. Auch helfen kontrastverstärkte Bilder, Tumore, Metastasen und Entzündungsmuster leichter zu diagnostizieren. Für Erkrankungen wie die Multiple Sklerose sind die ergänzende MRT-Untersuchung des Rückenmarks und MRT-Kontrollen des Schädels zentrale Punkte des Erkenntnisgewinns.
PD Dr. Gunther Fesl betont die Bedeutung der Kommunikation zwischen Radiologen und Zuweisern: „Wir sind auf die Anamnese, auf Ergebnisse der klinischen Untersuchung und Werte aus Blut und Liquor angewiesen, um eine adäquate Diagnose vornehmen zu können.“
Schnelle MRT-Termine für eine rasche Diagnose
Die ALTA Klinik bietet eine schnelle und effiziente Lösung für Patienten, die unter Kopfschmerzen, Schwindel oder anderen neurologischen Symptomen leiden. Die Klinik versteht die Dringlichkeit, die mit neurologischen Beschwerden einhergeht, und bietet in der Regel innerhalb von 1 bis 2 Werktagen einen Termin für eine MRT-Untersuchung des Schädels und Gehirns an.