Prostatitis und eingeklemmter Nerv: Ein möglicher Zusammenhang und alternative Ursachen für Beckenschmerzen

Chronische Schmerzen im Beckenbereich können für Betroffene sehr belastend sein und die Lebensqualität erheblich einschränken. Die Ursachen hierfür sind vielfältig und oft schwer zu identifizieren. Im Folgenden werden mögliche Zusammenhänge zwischen Prostatitis und einem eingeklemmten Nerv sowie alternative Ursachen für Beckenschmerzen beleuchtet.

Chronische Prostatitis und chronisches Beckenschmerzsyndrom (CPPS)

Die chronische Prostatitis, auch bekannt als chronisches Prostatitis/Beckenbodenschmerzsyndrom, ist eine langfristige Entzündung der Prostata, die nicht durch eine bakterielle Infektion verursacht wird. Sie ist die häufigste Form der Prostatitis und kann durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden. Die Ursache der Beschwerden ist eine vegetative Dysregulation, die durch Stress ausgelöst wird.

Das chronische Beckenschmerzsyndrom (CPPS) ist ein Syndrom, das durch anhaltende Schmerzen im Beckenbereich gekennzeichnet ist. Es wird als Ausschlussdiagnose gestellt, d.h. andere Ursachen für die Schmerzen müssen ausgeschlossen sein. CPPS ist Bestandteil des Prostatitissyndroms.

Symptome einer chronischen Prostatitis/CPPS können sein:

  • Schmerzen im Beckenbereich, Unterbauch, Rücken oder in den Hoden
  • Schmerzen beim Wasserlassen oder Stuhlgang
  • Häufiger Harndrang
  • Schmerzen bei der Ejakulation
  • Erektionsstörungen

Eingeklemmter Nerv in der Bauchdecke: Eine seltene Ursache?

Die Vorstellung, dass ein Nerv in der Bauchdecke eingeklemmt sein könnte, ist in der medizinischen Fachwelt umstritten. Ein Chirurg äußerte, in seiner 30-jährigen Berufserfahrung noch nie davon gehört zu haben. Es ist wahrscheinlicher, dass ausstrahlende Schmerzen in den Bereich der Bauchdecke von einer Blockade, Bandscheibenvorwölbung oder ähnlichem herrühren.

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Alternative Ursachen für Beckenschmerzen

Neben chronischer Prostatitis/CPPS und einem potenziell eingeklemmten Nerv gibt es zahlreiche andere Ursachen für Beckenschmerzen, die in Betracht gezogen werden sollten:

Erkrankungen des Urogenitaltrakts

  • Infizierte Urachusfistel: Ein persistierender Gang zwischen Nabel und Harnblase, der sich mit Flüssigkeit füllen kann.
  • Chronischer Beckenschmerz beim Mann: Ursache der Beschwerden ist eine vegetative Dysregulation ausgelöst durch Stress (CPPS ist Bestandteil des Prostatitissyndroms: s. Chronische Beckenschmerzsyndrom - Schmerz über mindestens 6 Monate in den Organen und Strukturen des kleinen Beckens; dabei handelt es sich um eine Ausschlussdiagnose d. h. Pelvipathie (Pelvipathia; chronic pelvic pain (CPP), Hysteralgie).
  • Akute Prostata-Entzündung (Prostatitis): Kann ebenfalls Rückenschmerzen verursachen.

Erkrankungen des Verdauungstrakts

  • Appendicitis, Divertikulitis, Kolonkarzinom, Morbus Crohn: Können sekundäre Psoasabszesse verursachen, die Schmerzen im Beckenbereich auslösen.
  • Entzündliche Darmerkrankung (CED): Kann ebenfalls zu Beckenschmerzen führen.

Erkrankungen des Bewegungsapparates

  • Iliosakralgelenk-Blockade: Hier verschieben sich die Gelenkflächen des Iliosakralgelenks gegeneinander und blockieren durch erhöhte Muskelspannung. Das verursacht mitunter Rückenschmerzen.
  • Bandscheibenvorfall: Kann zu Schmerzen in der Lendenwirbelsäule führen, die in den Beckenbereich ausstrahlen. Am häufigsten klemmen sich Menschen den Ischias-Nerv ein.
  • Arthrose der Wirbelsäulengelenke (Facettensyndrom): Ein Verschleiß der Wirbelsäule tritt am häufigsten am unteren Rücken auf (lumbales Facettensyndrom).
  • Spinalkanal-Stenose: Bei einer Spinal-Stenose ist der Spinalkanal stellenweise eingeengt und drückt auf das Rückenmark beziehungsweise die austretenden Nervenwurzeln. Die Folge sind Rückenschmerzen, zum Beispiel im Bereich des Kreuzbeins (Kreuzschmerzen).
  • Wirbelsäulen-Verkrümmung: Die seitliche Verbiegung der Wirbelsäule führt unter Umständen zu Schmerzen im unteren Rücken, Verspannungen und möglichen Fehlstellungen des Beckens.
  • Wirbelgleiten: Bei dieser Erkrankung sind die Wirbel instabil, sodass sie sich mitunter leicht verschieben lassen. Auch dies tritt vor allem im unteren Rücken im Bereich der Lendenwirbelsäule vor.
  • Muskelverspannungen: Insbesondere dann, wenn es durch Fehlhaltungen beim Sport zu Rückenschmerzen kommt, wie beispielsweise einem Hohlkreuz beim Joggen oder einer Fehlhaltung beim Fahrradfahren.

Gynäkologische Ursachen (bei Frauen)

  • Ovarialzyste: Flüssigkeitsgefüllter Hohlraum im Eierstock, der bei Ruptur Schmerzen verursachen kann.
  • Pelvipathie: Chronische Unterbauchschmerzen bei Frauen, die länger als sechs Monate andauern.
  • Vulvodynie: Missempfindungen und Schmerzen der äußeren primären Geschlechtsorgane, die länger als drei Monate ohne identifizierbarer Ursache andauern.
  • Endometriose: Eine chronische Erkrankung, bei der Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut ähnelt, bei der Frau außerhalb der Gebärmutter wächst.
  • Vaginismus: Eine Erkrankung, bei der sich die Beckenbodenmuskulatur unwillkürlich und schmerzhaft zusammenzieht, wenn etwas in die Scheide eingeführt wird, wie zum Beispiel ein Tampon oder beim Geschlechtsverkehr.
  • Schwangerschaft: Während der Schwangerschaft durchläuft der Körper einer Frau viele Veränderungen, die den Beckenboden belasten können, wie zum Beispiel Gewichtszunahme oder hormonelle Veränderungen.

Weitere mögliche Ursachen

  • Primärer Psoasabszess: Entsteht durch hämatogene Dissemination (Aussaat über die Blutwege) bei unklarem Primärherd und betrifft vornehmlich jüngere Patienten.
  • Referred Pain: Übertragener Schmerz, dessen Ursache nicht direkt im Beckenbereich liegt.
  • Gürtelrose (Herpes Zoster): Kann unter Umständen entlang der Rückenmarksnerven auftreten, zum Beispiel am unteren Rücken in Höhe des Hosengürtel und verursacht mitunter sehr starke Rückenschmerzen.
  • Samenstranglipome oder Lipome im Leistenkanal: Gutartige Fettgeschwulste, die ähnliche Anzeichen wie die Sportlerleiste oder ein Leistenbruch verursachen können.
  • Beckenhernie (Obturatorhernie): Bei der Beckenhernie werden Organteile durch das Hüftbeinloch gedrückt, welches normalerweise durch eine Faszie verschlossen ist. Diese Hernie tritt sehr selten auf und ist bei einer körperlichen Tastuntersuchung kaum zu spüren, weswegen sie meist von Ärzten lange Zeit übersehen wird.

Die Rolle des Beckenbodens

Der Beckenboden spielt eine wichtige Rolle bei der Stabilisierung der Körpermitte und der Kontrolle der Harn- und Stuhlausscheidung. Verspannungen, Verletzungen oder eine Überlastung der Beckenbodenmuskulatur können zu Schmerzen im Beckenbereich führen. Beckenbodenschmerzen können sich als dumpfes, ziehendes oder drückendes Gefühl im unteren Beckenbereich äußern. Manchmal treten die Schmerzen auch als brennendes oder stechendes Empfinden auf. Bei Frauen können sich die Beschwerden zyklisch verstärken, zum Beispiel rund um die Regel, wenn hormonelle Veränderungen die Durchblutung und Muskelspannung beeinflussen.

Diagnostik

Die Diagnose von Beckenschmerzen gestaltet sich oft schwierig und erfordert eine umfassende Anamnese, körperliche Untersuchung und gegebenenfalls weitere diagnostische Maßnahmen. Dazu können gehören:

  • Körperliche Untersuchung: Abtasten von Bauch, Leisten, Penis und Hoden (bei Männern) oder gynäkologische Untersuchung (bei Frauen). Rektale Tastuntersuchung der Prostata (bei Männern).
  • Bildgebende Verfahren: Ultraschall, CT, MRT, Bauchspiegelung (Laparoskopie).
  • Laboruntersuchungen: Harnuntersuchung, Blutuntersuchung (einschließlich PSA-Wert bei Männern).
  • Urologische Untersuchungen: Uroflowmetrie, Zystoskopie.

Behandlung

Die Behandlung von Beckenschmerzen richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache. Mögliche Therapieansätze sind:

  • Medikamentöse Therapie: Antibiotika (bei bakterieller Prostatitis), Schmerzmittel, Muskelrelaxantien, Antidepressiva.
  • Physiotherapie: Speziell ausgerichtete Übungen zur Stärkung und Entspannung der Beckenbodenmuskulatur.
  • Triggerpunkt-Massage: Eine spezialisierte Technik zur Behandlung von verspannter Muskulatur und festem Bindegewebe, einschließlich solcher im Beckenbodenbereich.
  • Operation: In einigen Fällen kann eine Operation erforderlich sein, z.B. bei einer Hernie oder einer Ovarialzyste.
  • Psychotherapie: Bei chronischen Schmerzen kann eine psychotherapeutische Behandlung helfen, die Schmerzen besser zu bewältigen.

Sport und Beckenschmerzen

Ein zeitlicher Zusammenhang zwischen dem Auftreten von Schmerzen und sportlicher Aktivität kann ein wichtiger Hinweis auf die Ursache der Beschwerden sein. Es ist wichtig, auf die Atmung während des Trainings zu achten und Überlastungen zu vermeiden. Pressatmung kann die Bauchdecke beeinflussen und Muskelfaserverletzungen verursachen.

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Was tun bei Beckenschmerzen?

Bei anhaltenden oder starken Beckenschmerzen sollte ein Arzt aufgesucht werden, um die Ursache abzuklären und eine geeignete Behandlung einzuleiten. Es ist wichtig, nicht zu lange mit der Diagnose und Therapie zu warten, da chronische Schmerzen sich verselbstständigen können.

Die Bedeutung der Früherkennung bei Prostatabeschwerden

Beschwerden mit der Prostata sind in den meisten Fällen harmlos - aber nicht immer. Bei bestimmten Symptomen sollten Männer zum Urologen gehen. Nur so können gutartige Geschwüre oder Prostatakrebs früh entdeckt und unangenehme Beschwerden verhindert werden. Die Kosten für die Früherkennung werden ab dem 45. Lebensjahr von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

Symptome einer kranken Prostata

  • Beschwerden beim Wasserlassen: Häufiger Harndrang und das sogenannte Nachtröpfeln sind typische Begleiterscheinungen. Auch ein weniger kräftiger Harnstrahl sowie nächtlicher Harndrang sind Hinweise auf eine vergrößerte Vorsteherdrüse (benigne Prostatahyperplasie).
  • Blut im Urin oder im Sperma: Auch dann sollte auf jeden Fall ein Arzt (Urologe) aufgesucht werden, der eine Diagnose stellt. Es kann eine harmlose Ursache dahinterstecken, aber eben auch ein Hinweis auf ein bösartiges Prostatakarzinom sein.
  • Inkontinenz: Wenn die Blase schwächelt: Eine Inkontinenz ist aber eher in seltenen Fällen ein Anzeichen für einen Tumor. Eine Schwäche der Blase ist viel häufiger eine Begleiterscheinung der Krebsbehandlung.
  • Potenzstörung: Die Prostata kann dahinterstecken: In den meisten Fällen liegt die Ursache in der Prostatavergrößerung, aber in einigen Fällen ist auch ein Prostatakarzinom der Auslöser.
  • Erhöhter PSA-Wert: Hinweis auf Prostatakrebs?: Ist der PSA-Wert erhöht, kann das ein Hinweis auf eine gut- oder bösartige Veränderung der Prostata sein, aber auch auf eine Entzündung hinweisen. Im Bedarfsfall werden dann weitere Untersuchungen in die Wege geleitet.
  • Schmerzen in der Prostata:
  • Beeinträchtigungen in der Blasenentleerung:
  • Probleme bei der Darmentleerung:
  • "Ischias"-Schmerzen:

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