Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, die das Gehirn und das Rückenmark betrifft. Die Krankheit kann zu einer Vielzahl von neurologischen Symptomen führen, darunter Muskelschwäche, Gefühlsstörungen, Sehstörungen und Koordinationsprobleme. Die Behandlung von MS erfordert einen umfassenden Ansatz, der sowohl die akuten Schübe als auch die langfristige Rehabilitation umfasst. In der Region Lübben und Umgebung gibt es verschiedene Einrichtungen, die sich auf die Behandlung und Rehabilitation von MS-Patienten spezialisiert haben. Dieser Artikel bietet einen Überblick über die verschiedenen Angebote und Einrichtungen und geht dabei von spezifischen Details zu generellen Informationen über.
Asklepios Fachklinikum Lübben: Neurologische Frührehabilitation
Das Asklepios Fachklinikum Lübben bietet seit 2012 eine neurologische Frührehabilitation an, die sich an Patienten mit schweren neurologischen Grunderkrankungen und erheblichen körperlichen Funktionseinbußen richtet. Die Frührehabilitation wird von einem fachärztlich angeleiteten Rehabilitationsteam sowie einem interdisziplinären Expertenteam aus verschiedenen Therapiebereichen erbracht, darunter:
- Physio- und Ergotherapie
- Logopädie
- Neuropsychologie
- Pflegedienst
Therapieansätze in der Neurologischen Frührehabilitation
Die Behandlung im Asklepios Fachklinikum Lübben umfasst eine aktivierende therapeutische Pflege und integriert verschiedene Therapiekonzepte:
- Bobath-Therapie: Eine krankengymnastische Methode zur Behandlung pathologischer Haltungsreflexe bei Gehirnschäden.
- Kinästhetik: Die Lehre von den Bewegungsempfindungen, die hilft, Bewegungen bewusster wahrzunehmen und zu verbessern.
- Basale Stimulation: Verschiedene pflegerische und therapeutische Maßnahmen zur Förderung der körperlichen und geistigen Fähigkeiten.
- Restitution und Kompensation: Strategien zur Wiederherstellung verlorener Funktionen und zum Ausgleich verbliebener Defizite.
- Facio-Orale-Trakt-Therapie (FOTT): Eine multidisziplinäre Behandlungsmethode, die unter anderem eine Sprachtherapie beinhaltet und zum Beispiel bei Einschränkungen der Mimik oder Stimmbildungsproblemen eingesetzt wird.
Jeder Patient erhält im Durchschnitt mindestens 300 Therapieminuten pro Tag, auch an den Wochenenden. Ärztliche Visiten finden wochentags täglich statt. Einmal wöchentlich erfolgt eine interdisziplinäre Fallbesprechung, um den Behandlungsfortschritt zu beurteilen und weitere Behandlungsziele und -maßnahmen festzulegen.
Dialyse für schwer erkrankte Patienten
Im Rahmen schwerster neurologischer Erkrankungen können Patienten Schädigungen und Funktionseinschränkungen an verschiedenen Organsystemen erleiden, einschließlich der Lunge und der Niere. Bis zur Wiedererholung der Lungen- und Nierenfunktion müssen diese Organsysteme maschinell unterstützt werden, beispielsweise durch Beatmung oder Dialyse. Im Asklepios Fachklinikum Lübben wird eine sehr schonende Dialyse-Methode angewendet, die kontinuierliche Hämodiafiltration (CVVHDF), um den stark beeinträchtigten Gesundheitszustand der Patienten zu berücksichtigen.
Lesen Sie auch: Neurologe oder Psychologe?
Zugang zur Neurologischen Frührehabilitation in Lübben
Patienten können telefonisch unter 03546/29-277 oder persönlich im Rahmen eines Konsils (Beratung von Ärzten durch einen Facharzt) besprochen werden. Bei entsprechender Eignung ist eine zeitnahe Verlegung in die Neurorehabilitation ohne vorherige Antragstellung beim Kostenträger möglich.
Asklepios Fachklinikum Teupitz: Führend in der MS-Behandlung in Brandenburg
Das Asklepios Fachklinikum Teupitz, unweit von Lübben, nimmt laut Bundes-Klinik-Atlas eine führende Position in Brandenburg bei der Behandlung von Multipler Sklerose ein. Diese Bewertung basiert auf hohen Fallzahlen und einer ausgezeichneten personellen Ausstattung.
Schwerpunktambulanz für Multiple Sklerose in Teupitz
Das Fachklinikum Teupitz behandelt seit rund 20 Jahren Patienten mit MS und hat mehr als 4000 Behandlungsfälle dokumentiert. Die Klinik für Neurologie und klinische Neuropsychologie bietet eine Schwerpunktambulanz für Multiple Sklerose an. Beratungstermine können unter der Telefonnummer 033766/66485 vereinbart werden.
Pflegepersonalquotient
Nach Angaben der Asklepios-Klinik liegt der Pflegepersonalquotient der neurologischen Abteilung in Teupitz bei 46,43. Dieser Wert setzt den Aufwand der Pflegebetreuung in Bezug zur Anzahl des Pflegepersonals. Je niedriger der Wert, desto besser, was auf eine gute Personalausstattung hinweist.
Ambulante Spezialfachärztliche Versorgung (ASV)
Die Ambulante Spezialfachärztliche Versorgung (ASV) ist ein wichtiger Baustein in der Versorgung von Patienten mit komplexen und seltenen Erkrankungen wie MS. Die ASV soll eine sektorenübergreifende Versorgung ermöglichen, bei der spezialisierte Fachärzte aus dem ambulanten und stationären Bereich zusammenarbeiten.
Lesen Sie auch: Die Verbindung zwischen Kriminalität und Parkinson
Teilnahme an der ASV
An der ASV teilnehmen können Fachärzte, Medizinische Versorgungszentren sowie ermächtigte Ärzte und Krankenhäuser, sofern sie die in der ASV-Richtlinie und den jeweiligen Anlagen definierten Anforderungen erfüllen. Die Teilnahme setzt die Zusammenarbeit in einem interdisziplinären Team voraus.
Teamstruktur in der ASV
Das Kernteam besteht aus Fachärzten, die aufgrund ihrer Kenntnisse und Erfahrungen bei der Behandlung der jeweiligen Erkrankung mitwirken. Die Mitglieder des Kernteams bieten in der Regel an mindestens einem Tag in der Woche eine Sprechstunde in der Praxis des Teamleiters an. Bei Bedarf können weitere Fachärzte hinzugezogen werden.
Leistungen und Abrechnung in der ASV
Welche Leistungen zur ASV gehören, ist in den Anlagen zur ASV-Richtlinie für jede Erkrankung beschrieben. Jeder Arzt rechnet seine ASV-Leistungen selbst ab, entweder über die KV oder direkt mit den Krankenkassen. Die Vergütung ist für Praxis- und Klinikärzte einheitlich und erfolgt zu festen Preisen, extrabudgetär und ohne Mengenbegrenzung.
Überweisung in die ASV
Die Überweisung in den ASV-Bereich kann für ein oder mehrere Quartale erfolgen. Zum Zeitpunkt der Überweisung muss eine gesicherte Diagnose vorliegen, bei seltenen Erkrankungen reicht eine Verdachtsdiagnose. Eine Überweisung ist nicht erforderlich, wenn Patienten von einem niedergelassenen Facharzt in den ASV-Bereich aufgenommen werden, der ASV-berechtigt ist, oder direkt aus dem stationären Bereich in die ASV wechseln.
Verordnung von Arznei-, Heil- und Hilfsmitteln in der ASV
Die Verordnung von Arznei-, Heil- und Hilfsmitteln unterliegt dem Prinzip der Wirtschaftlichkeit. Anders als in der vertragsärztlichen Versorgung gibt es in der ASV jedoch keine Richtgrößen, die einzuhalten sind. Bei ASV-Rezepten ist in der Codierleiste die Pseudoziffer „222222222“ (neunmal die zwei) eingedruckt.
Lesen Sie auch: Neurologe oder Psychologe?
Physiotherapie als wichtiger Bestandteil der MS-Behandlung
Physiotherapie spielt eine entscheidende Rolle bei der Behandlung von MS-Patienten. Sie hilft, die körperlichen Funktionen zu erhalten oder wiederherzustellen, die durch die Erkrankung beeinträchtigt wurden.
Qualifikation von Physiotherapeuten
Physiotherapeuten sind qualifizierte Fachkräfte, die sich auf die Behandlung und Prävention von Funktionsstörungen des Bewegungsapparates spezialisiert haben. In Deutschland ist für die Ausübung des Berufs eine dreijährige Ausbildung an einer staatlich anerkannten Schule erforderlich, die mit einer staatlichen Prüfung abschließt. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, ein Studium im Bereich Physiotherapie zu absolvieren.
Aufgaben von Physiotherapeuten
Physiotherapeuten arbeiten in Krankenhäusern, Rehabilitationszentren oder ambulanten Praxen. Sie erstellen individuelle Behandlungspläne, führen therapeutische Übungen durch und nutzen verschiedene Techniken wie Bewegungstherapien, manuelle Therapie oder auch passive Maßnahmen.
Sportphysiotherapie
Sportphysiotherapeuten arbeiten eng mit Sportlern zusammen, um Verletzungen vorzubeugen, diese gegebenenfalls zu behandeln und die Rückkehr zum Sport zu unterstützen. Die Spezialisierung erfordert zusätzliche Weiterbildungen und Zertifikate.
Multiple Sklerose: Eine chronische Erkrankung des Nervensystems
Multiple Sklerose ist eine chronische Erkrankung des zentralen Nervensystems, bei der das Immunsystem die Schutzschicht der Nervenfasern (Myelin) angreift. Dadurch werden die Nervenimpulse gestört, was zu einer Vielzahl von Symptomen führen kann.
Symptome von MS
Die Symptome von MS können sehr unterschiedlich sein und hängen davon ab, welche Bereiche des Nervensystems betroffen sind. Häufige Symptome sind:
- Muskelschwäche
- Gefühlsstörungen (z. B. Kribbeln, Taubheit)
- Sehstörungen (z. B. Doppelbilder, verschwommenes Sehen)
- Koordinationsstörungen
- fatigue (extreme Müdigkeit)
- Spastik (Muskelverkrampfungen)
- Blasen- und Darmfunktionsstörungen
- Kognitive Beeinträchtigungen (z. B. Gedächtnisprobleme, Konzentrationsschwierigkeiten)
Diagnose von MS
Die Diagnose von MS basiert auf einer Kombination aus neurologischer Untersuchung, Anamnese (Krankengeschichte) und verschiedenen technischen Untersuchungen, wie z. B.:
- Magnetresonanztomographie (MRT) des Gehirns und Rückenmarks
- Untersuchung des Nervenwassers (Liquorpunktion)
- Messung der Nervenleitgeschwindigkeit (evozierte Potentiale)
Behandlung von MS
Die Behandlung von MS zielt darauf ab, die Symptome zu lindern, die Schübe zu reduzieren und das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen. Es gibt verschiedene Medikamente, die zur Behandlung von MS eingesetzt werden, darunter:
- Immunmodulatoren (z. B. Interferone, Glatirameracetat)
- Immunsuppressiva (z. B. Natalizumab, Fingolimod)
- Kortikosteroide (zur Behandlung akuter Schübe)
Neben der medikamentösen Therapie spielen auch nicht-medikamentöse Behandlungen eine wichtige Rolle, wie z. B.:
- Physiotherapie
- Ergotherapie
- Logopädie
- Psychotherapie
- Sport und Bewegung
- Ernährung
tags: #psychologe #spezialisiert #auf #multiple #sklerose #lubben