Die Gesundheitslandschaft für psychische und neurologische Beschwerden ist weitläufig und kann oft Verwirrung stiften. Viele Berufsbezeichnungen wie Psychotherapeut, Psychologe, Psychiater, Neurologe und Nervenarzt werden oft synonym verwendet, obwohl sie unterschiedliche Qualifikationen und Schwerpunkte haben. Dieser Artikel soll Licht ins Dunkel bringen und die Unterschiede zwischen diesen Berufsgruppen aufzeigen.
Die verschiedenen Berufsgruppen im Überblick
Psychiater
Psychiater sind Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie. Sie haben ein Medizinstudium abgeschlossen und anschließend eine mehrjährige Facharztausbildung in Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik absolviert. Psychiater stellen medizinische Diagnosen, behandeln und erforschen psychische Störungen. Sie haben vertiefte Kenntnisse über Entstehung, Verlauf, Diagnostik und Behandlung von psychischen Erkrankungen. Ein wesentlicher Unterschied zu Psychologen besteht darin, dass Psychiater als Ärzte berechtigt sind, Medikamente zu verschreiben.
Niedergelassene Psychiater erheben in der Regel eine ausführliche Anamnese, um die Biographie und Krankengeschichte des Patienten zu erfassen. Gegebenenfalls werden psychologische und/oder neurologische Tests durchgeführt, um andere Diagnosen auszuschließen. Sobald die Diagnose und Ursache klar ist, wird ein Behandlungsvorschlag erstellt. Bei Bedarf wird eine medikamentöse Behandlung langsam aufdosiert. Wenn ein Antidepressivum oder stimmungsstabilisierendes Medikament nicht den erwünschten Erfolg zeigt, wird nach einigen Wochen ein neuer Versuch mit einem anderen Wirkstoff gestartet. Sind die Medikamente gut eingestellt, erfolgen regelmäßige Kontrolltermine. Eine Gesprächstherapie findet in der Regel nicht statt, es sei denn, der Psychiater arbeitet auch als ärztlicher Psychotherapeut.
Psychologe und Psychologischer Psychotherapeut
Psychologen haben ein Studium der Psychologie abgeschlossen. Die Fachrichtung Psychologie beschäftigt sich damit, menschliches Erleben (Gedanken und Gefühle) und Verhalten zu beschreiben, zu erklären und vorherzusagen. Nach dem Studium arbeiten Psychologen häufig in der Forschung, im pädagogischen Bereich, in der Beratung oder in der Wirtschaft.
Ein Psychologe darf Patienten nur dann behandeln, wenn er eine Zusatzausbildung zum Psychotherapeuten absolviert hat. Psychologische Psychotherapeuten haben nach ihrem Psychologiestudium eine drei- bis fünfjährige Zusatzausbildung absolviert. Im Rahmen dieser Ausbildung müssen sie praktische Erfahrungen in der Psychiatrie und Psychosomatik sammeln, sowieTheoriestunden und Einzelpsychotherapiestunden unter Supervision absolvieren. Supervision bedeutet, dass die Therapeuten regelmäßig mit einem erfahrenen Therapeuten den Verlauf und die Probleme der Therapie besprechen.
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Psychologische Psychotherapeuten üben Psychotherapie im Sinne des Psychotherapeutengesetzes und der Psychotherapierichtlinien aus. Sie sind auf einen bestimmten Therapieansatz spezialisiert, wie z.B. kognitive Verhaltenstherapie, tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie, Psychoanalyse oder systemische Therapie. Im Gegensatz zu Psychiatern dürfen psychologische Psychotherapeuten keine Medikamente verschreiben.
Neurologe
Neurologen sind Fachärzte, die sich mit Erkrankungen des Nervensystems befassen. Dazu gehören das Gehirn, das Rückenmark und die peripheren Nerven. Der Neurologe behandelt beispielsweise Schlaganfälle, Multiple Sklerose, Parkinson, Demenzerkrankungen und neuromuskuläre Erkrankungen wie Amyotrophe Lateralsklerose (ALS). Neurologen haben ebenfalls Medizin studiert und können Medikamente verschreiben.
Der Neurologe diagnostiziert und behandelt alle Arten von Lähmungen und Gefühlsstörungen, aber auch Störungen des Gleichgewichts, des Gedächtnisses und anderer Funktionen des Gehirns (z.B. Sehverarbeitung, Sprache, Bewusstsein, Schlaf).
Nervenarzt
Die Bezeichnung "Nervenarzt" ist eine ältere Bezeichnung, die lange Zeit beide Bereiche, Neurologie und Psychiatrie, umfasste. Es gibt nur noch wenige Ärzte, die eine vollständige Facharztausbildung in beiden Fächern absolviert haben.
Ärztlicher Psychotherapeut
Ärztliche Psychotherapeuten haben Medizin studiert und sich anschließend auf Psychotherapie spezialisiert, z.B. zum Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, für Psychiatrie und Psychotherapie, oder für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie. Auch andere Ärzte, z.B. Psychiater, können Psychotherapie anbieten.
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Heilpraktiker für Psychotherapie
Heilpraktiker für Psychotherapie dürfen nicht die Bezeichnung Psychotherapeut tragen. Eine Ausbildung zum Heilpraktiker kann ohne vorheriges Studium in Medizin oder Psychologie absolviert werden. Die Qualität der angebotenen Therapie kann stark variieren.
Wann sollte man welchen Spezialisten aufsuchen?
- Hausarzt: Erste Anlaufstelle bei Verdacht auf eine Depression oder andere psychische Probleme. Der Hausarzt kann körperliche Ursachen ausschließen und bei Bedarf an einen Facharzt oder Psychotherapeuten überweisen.
- Psychiater: Bei schweren psychischen Erkrankungen wie Depressionen, Psychosen oder bipolaren Störungen. Der Psychiater kann Medikamente verschreiben und gegebenenfalls eine stationäre Behandlung veranlassen.
- Psychologischer Psychotherapeut: Bei psychischen Problemen, die einer Psychotherapie bedürfen, wie z.B. Angststörungen, Depressionen, Zwangsstörungen oderposttraumatischen Belastungsstörungen.
- Neurologe: Bei neurologischen Erkrankungen wie Schlaganfall, Multiple Sklerose, Parkinson oder Demenz.
- Psychosomatische Klinik: Bei psychischen und psychosomatischen Beschwerden, d.h. körperliche Beschwerden, die psychische Ursachen haben.
- Klinik oder Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie: In Krisensituationen, bei schweren Depressionen und Suizidgefährdung.
Die Behandlung von Depressionen
Depressionen sind eine ernstzunehmende Erkrankung, die professionell behandelt werden muss. Die Behandlung kann unter verschiedenen Rahmenbedingungen angeboten werden:
- Hausarzt: Erste Anlaufstelle bei Verdacht auf eine Depression. Der Hausarzt kann körperliche Ursachen ausschließen und bei Bedarf an einen Facharzt (Psychiater, Nervenarzt) bzw. einen psychologischen Psychotherapeuten oder auch in eine Klinik überweisen.
- Psychiater/Nervenarzt: Betreuen den Großteil der depressiv Erkrankten mit spezialisierter Behandlung. Sie haben vertiefte Kenntnisse über Entstehung, Verlauf, Diagnostik und Behandlung von psychischen Erkrankungen.
- Psychotherapeut: Bietet ambulante psychotherapeutische Behandlung an.
- Klinik oder Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie: Behandlung von Patienten in Krisensituationen, mit mittelschweren bis schweren Depressionen sowie Suizidgefährdung. Bestandteil der Behandlung sind Medikamente, psychotherapeutische Angebote und andere Therapieformen (wie z.B. Ergotherapie, Kunsttherapie, Bewegungstherapie).
- Psychosomatische Klinik: Stationäre Therapie bei psychischen und psychosomatischen Beschwerden.
- Tagesklinik: Teilstationäre Behandlung von Montag bis Freitag tagsüber.
Weitere an der Behandlung beteiligte Berufsgruppen
Neben Ärzten und Psychologen sind - insbesondere bei einem Aufenthalt in einer Klinik bzw. Tagesklinik - andere Berufsgruppen an der Behandlung von Depression beteiligt:
- Fachkrankenschwestern und -pfleger: Übernehmen Aufgaben der Pflege und Betreuung und sind in verschiedene Therapieangebote einbezogen.
- Sozialarbeiter/-pädagogen: Helfen den Patienten, in der Zeit ihrer Erkrankung den Alltag in beruflichen und finanziellen Angelegenheiten zu meistern.
- Ergotherapeuten, Kunsttherapeuten, Musiktherapeuten und/oder Physio- bzw. Bewegungstherapeuten: Bieten spezielle Therapieformen an.
Die Bedeutung der Kooperation
Die Kooperation der verschiedenen Berufsgruppen ist wichtig, um eine umfassende und individuelle Behandlung zu gewährleisten. Nicht selten werden Betroffene von zwei Fachleuten betreut, meist Psychiater und Psychologe, wobei der Psychiater die medikamentöse und der Psychologe die psychotherapeutische Seite der Therapie übernimmt.
Online-Therapie als Alternative
Eine weitere Möglichkeit der Behandlung psychischer Probleme ist die Online-Therapie. Bei HelloBetter arbeiten qualifizierte Psychologinnen, Psychotherapeuten und Ärztinnen, die Online-Therapiekurse anbieten. Diese Kurse sind mittlerweile als digitale Gesundheitsanwendung zertifiziert und können von einem Arzt oder Psychotherapeuten auf Rezept verschrieben werden.
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