Die Ptosis des rechten Auges, also das Herabhängen des Oberlids, kann verschiedene Ursachen haben, die teilweise auch den Sehnerv betreffen. Dieser Artikel beleuchtet die möglichen Ursachen einer Ptosis und den Einfluss von Sehnervenerkrankungen auf das Sehvermögen.
Einführung
Ein hängendes Augenlid, medizinisch Ptosis genannt, ist nicht nur ein kosmetisches Problem. Es kann auch die Sicht beeinträchtigen und auf ernstere gesundheitliche Probleme hinweisen. Besonders wenn der Sehnerv betroffen ist, sind eine genaue Diagnose und Behandlung entscheidend.
Ursachen einer Ptosis
Eine Ptosis kann verschiedene Ursachen haben. Hier sind die häufigsten:
- Altersbedingte Veränderungen: Mit zunehmendem Alter können die tieferen Gewebe des Augenlids erschlaffen und sich überdehnen. Dies betrifft oft die Sehne des Lidhebermuskels (Levator-Aponeurose).
- Kontaktlinsen: Langjähriges Tragen von Kontaktlinsen kann ebenfalls zu einer Ptosis führen.
- Angeborene Formen: Bei angeborenen Formen (kongenitale Ptosis) ist der Lidhebermuskel (Levator) von Geburt an schwach entwickelt.
- Muskuläre Ursachen: Bestimmte Muskelerkrankungen, wie myasthenische Syndrome, können ebenfalls eine Ptosis verursachen.
- Nervenschädigungen: Schädigungen des Nervus oculomotorius, der für die Steuerung der Augenmuskeln zuständig ist, können eine Ptosis verursachen.
- Fazialisparese: Eine Lähmung des Nervus facialis (Gesichtsnerv) kann ebenfalls dazu führen, dass das Augenlid nicht mehr richtig geschlossen werden kann.
- Hypophysentumore: Tumore der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) können auf die Sehnervenkreuzung drücken und so Sehstörungen verursachen.
- Meningeome: Gutartige Tumore, die den Sehnerven oder die Sehnervenkreuzung komprimieren, können ebenfalls eine Ptosis verursachen.
Neuroophthalmologische Störungen und der Sehnerv
Neuroophthalmologische Störungen betreffen das Auge, die Pupille, den Sehnerv (Nervus opticus), die äußeren Augenmuskeln und ihre Nerven. Auch die zentralen Bahnen zur Kontrolle und Integration der Augenbewegungen und des Sehens können betroffen sein.
Anteriore ischämische Optikusneuropathie (AION)
Die AION ist eine häufige Ursache für plötzliche Sehverschlechterung bei Patienten über 50 Jahren. Sie entsteht durch eine mangelnde Blutversorgung des Sehnervs, was zu einer Schädigung der Nervenfasern führt. Typische Symptome sind eine schmerzlose, sich verschlechternde Sehfähigkeit mit Gesichtsfeldausfällen.
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Optikusneuritis (Neuritis nervi optici)
Die Optikusneuritis ist eine Entzündung des Sehnervs und eine der häufigsten Ursachen für plötzliche Sehminderung bei jungen Patienten. Charakteristische Symptome sind Schmerzen neben oder hinter dem Auge, besonders beim Bewegen der Augen. Oft ist die Ursache eine Multiple Sklerose (MS).
Leber’sche hereditäre Optikusneuropathie
Die Leber’sche hereditäre Optikusneuropathie ist eine neurodegenerative Erbkrankheit, die zu plötzlicher einseitiger Erblindung führen kann. Häufig ist innerhalb weniger Monate auch das andere Auge betroffen. Die Ursache liegt in den Ganglienzellen des Sehnervs.
Hypophysentumore und Meningeome
Hypophysenadenome und Meningeome können auf die Sehnervenkreuzung drücken und so die Durchblutung verschlechtern. Dies kann zu Sehstörungen und Gesichtsfeldausfällen führen.
Pseudotumor cerebri
Bei dieser Erkrankung ist der Hirndruck erhöht, ohne dass eine klare Ursache erkennbar ist. Der Sehnerv kann stark anschwellen und mit der Zeit Schaden nehmen.
Diagnose von Ptosis und Sehnervenerkrankungen
Um die Ursache einer Ptosis und mögliche Sehnervenerkrankungen zu diagnostizieren, sind verschiedene Untersuchungen notwendig:
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- Eingehende Augenuntersuchung: Eine umfassende Untersuchung des betroffenen Auges und des Partnerauges ist der erste Schritt.
- Optische Kohärenztomographie (OCT): Mit der OCT kann die Netzhaut berührungsfrei untersucht und mögliche Veränderungen präzise erfasst werden.
- Gesichtsfelduntersuchung: Eine Gesichtsfelduntersuchung kann Ausfälle im Gesichtsfeld aufdecken, die auf eine Schädigung des Sehnervs hindeuten.
- Neurologische Untersuchung: Bei Verdacht auf eine neurologische Ursache der Ptosis ist eine neurologische Untersuchung erforderlich.
- Bildgebende Verfahren: MRT- oder CT-Aufnahmen des Gehirns und der Augenhöhle können Tumore oder andere strukturelle Veränderungen aufdecken.
- Swinging-Flashlight-Test: Dieser Test dient zur Überprüfung eines relativen afferenten Pupillendefekts (RAPD), der auf eine Schädigung des Sehnervs hinweist.
Behandlungsmöglichkeiten
Die Behandlung einer Ptosis hängt von der Ursache ab:
- Altersbedingte Ptosis: In den meisten Fällen wird eine altersbedingte Erschlaffung der Sehne des Lidhebermuskels operativ behandelt. Dabei wird der Lidhebermuskel verkürzt (Levator-Resektion oder -Faltung).
- Angeborene Ptosis: Bei angeborenen Formen ist oft eine Operation notwendig, um die Funktion des Lidhebermuskels zu verbessern.
- Fazialisparese: Bei einer Fazialisparese kann ein Platin-Implantat in das Oberlid eingenäht werden, um den Lidschluss wiederherzustellen.
- Hypophysentumore und Meningeome: Die Behandlung von Tumoren der Hypophyse oder Meningeomen kann eine Operation, Strahlentherapie oder medikamentöse Therapie umfassen.
- Optikusneuritis: Die Behandlung der Optikusneuritis kann Kortikosteroide umfassen, um die Entzündung zu reduzieren.
- AION: Es gibt keine spezifische Behandlung für AION, aber Maßnahmen zur Verbesserung der Durchblutung und zur Vorbeugung weiterer Schäden können helfen.
- Endokrine Orbitopathie: Die Endokrine Orbitopathie wird meist mit entzündungshemmenden Medikamenten oder in schweren Fällen mit einer Operation behandelt.
Epiretinale Gliose als mögliche Ursache für Sehstörungen
Eine verzerrte oder verschwommene Sicht kann auch auf eine epiretinale Gliose hindeuten. Bei dieser Erkrankung bildet sich auf der Netzhautoberfläche eine Membran, die eine Auffaltung der Netzhaut verursachen kann.
Symptome und Diagnose der epiretinalen Gliose
Typisch für eine epiretinale Gliose ist die verzerrte Wahrnehmung im zentralen Sichtfeld. Patienten sehen oft Wellen, schiefe Linien oder Doppelbilder. Die Diagnose erfolgt durch eine eingehende Augenuntersuchung und moderne Diagnoseverfahren wie die optische Kohärenztomographie (OCT).
Behandlung der epiretinalen Gliose
Eine epiretinale Gliose kann nur operativ im Rahmen einer Glaskörperentfernung (Pars Plana Vitrektomie) behandelt werden. Dabei werden der Glaskörper und die Membran auf der Netzhaut entfernt.
Weitere Ursachen für Sehstörungen
Neben den bereits genannten Ursachen gibt es noch weitere Faktoren, die Sehstörungen verursachen können:
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- Trockenes Auge: Eine verminderte Tränenproduktion oder eine falsche Zusammensetzung des Tränenfilms können zu trockenen Augen und Sehstörungen führen.
- Bindehautentzündung: Entzündungen der Bindehaut können ebenfalls Sehstörungen verursachen.
- Schlaganfall: Ein Schlaganfall kann sich isoliert an der Sehrinde manifestieren und zu Gesichtsfeldausfällen führen.
- Amblyopie: Eine Schwachsichtigkeit, die sich im Kindesalter entwickelt, kann ebenfalls zu dauerhaften Sehstörungen führen.
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