Wenn aus einem fröhlichen kleinen Jungen plötzlich ein schweigsamer und komisch riechender „Halbstarker“ wird, sind Eltern oft ratlos. Jede Menge Fragen tauchen auf: Wie lange dauert das und wann ist die schlimmste Phase endlich vorbei? Welches Verhalten ist normal? Braucht der Junge mehr Freiraum oder doch lieber mehr Grenzen? Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die Pubertät bei Jungen, von den verschiedenen Phasen über typische Verhaltensweisen bis hin zu praktischen Tipps für den Umgang mit deinem pubertierenden Sohn.
Einführung in die Pubertät bei Jungen
Die Pubertät ist eine herausfordernde Zeit für alle Beteiligten, sowohl für die Jugendlichen selbst als auch für ihre Eltern und ihre Beziehungen zueinander. Jugendliche wollen ihre eigene Identität entwickeln, sich von den Eltern abnabeln und vieles anders machen. Auf dem Weg zum Erwachsenwerden gewinnt die Clique, die Gruppe der Gleichaltrigen, immer mehr an Bedeutung. Aber trotzdem brauchen Jugendliche in dieser Phase der Unsicherheit ihre Eltern als Stütze und sichere Basis. Erziehung in der Pubertät ist für Eltern eine Gratwanderung zwischen Bindung und Loslassen, Kontrolle und Vertrauen, Grenzen setzen und Freiraum geben. Sie ist eine Herausforderung für die Eltern, die oft nicht wissen, wie sie mit ihren schwierig gewordenen Teenager umgehen sollen.
Phasen der Pubertät bei Jungen
Die Pubertät bei Jungen verläuft in verschiedenen Phasen, die jeweils von spezifischen körperlichen und psychischen Veränderungen geprägt sind. Die Pubertät beginnt bei Jungen meist etwas später als die Pubertät bei Mädchen. Doch schon mit dem Beginn der Vorpubertät zwischen dem 10. und 13. Lebensjahr kündigen sich die ersten Veränderungen an, wenn bei ihnen die Produktion des Sexualhormons Testosteron ansteigt. Dieses männliche Geschlechtshormon spielt eine zentrale Rolle im Umbau des Körpers. Auch die Hypophyse, eine Drüse im Gehirn, ist während der Pubertät entscheidend, da sie die Testosteronproduktion anregt.
- Vorpubertät (ca. 10 bis 12 Jahre): In der Regel beginnt die Pubertät bei Jungen zwischen 10 und 12 Jahren und damit ca. 2 Jahre später als bei Mädchen. Diese sogenannte Vorpubertät dauert etwa 2 Jahre.
- Verhalten: Testosteronproduktion steigt = Beginn der Pubertät. Jungs werden schweigsamer, ziehen sich mehr und mehr zurück. Stimmungsschwankungen, Gefühlsausbrüche durch steigenden Testosteronspiegel sowie Veränderungen im Gehirn. Schlafrhythmus ändert sich (abends länger wach) - dadurch morgens oft müde und mürrisch.
- Körperliche Veränderungen: Hoden- und Peniswachstum beginnen. Erster Samenerguss möglich. Körperbehaarung (Arme, Beine, Scham- und Achselhaare) nimmt zu, erster Bartflaum zeigt sich. Stimmbruch beginnt. Schweißproduktion steigt, Körpergeruch verändert sich. Haare werden u.U. fettiger. Pickel, Akne.
- Hochphase (ca. 13 bis 17 Jahre): Zwischen 12 und 17 sind Jungs dann in der Hochphase. In dieser Zeit finden die größten körperlichen, aber auch psychischen Veränderungen statt. Auch das Gehirn wird jetzt „umgebaut“ und neu vernetzt. Es ist damit auch die anstrengendste Phase.
- Verhalten: Schlimmste Phase mit Stimmungsschwankungen, Genervtsein, Wutausbrüchen, Aggressivität, Rebellion… aber auch Traurigkeit, Niedergeschlagenheit. Selbstbewusstsein leidet unter den Veränderungen (z.B. Pickel), Selbstzweifel, Suche nach der eigenen Identität. Erste sexuelle Erfahrungen, Verliebtheit, Liebeskummer etc. Stärkere Abgrenzung von den Eltern, Freunde / Gleichaltrige werden wichtiger. Starker Wunsch nach Zugehörigkeit im Freundeskreis oder auf Social Media. Suche nach Vorbildern = Suche nach der eigenen Identität. Macho-Benehmen, cool sein wollen - Jungs probieren verschiedene Rollenmuster aus. Erhöhte Risikobereitschaft (Mutproben, angeben oder sich beweisen wollen).
- Körperliche Veränderungen: Überdurchschnittliches Körperwachstum. Muskeln entwickeln sich (bis ca. 17 Verdoppelung der Muskelmasse). "Umbau" des Gehirns - Verbindungen zwischen linker und rechter Hirnhälfte werden "gekappt" und neu vernetzt (vor allem der Hirnbereich für Vernunft entwickelt sich erst sehr spät).
- Spätpubertäre Phase (ca. 18 bis 24 Jahre): Es folgt die spätpubertäre Phase. Die körperliche Entwicklung ist dann bereits abgeschlossen - die psychische allerdings noch nicht. Sie kann bis zum 24. Lebensjahr dauern.
- Verhalten: Jungs werden ruhiger & vernünftiger. Suche nach eigenen Werten, Persönlichkeit und Zukunftsfragen gewinnen an Bedeutung.
- Körperliche Veränderungen: Weitestgehend abgeschlossen.
Diese Angaben sind natürlich nur grobe Richtwerte. Die Pubertät verläuft bei jedem Kind individuell und wenn dein Sohn 1-2 Jahre voraus oder hinterher ist, musst du dir keine Sorgen machen. Von einer vorzeitigen Pubertät spricht man erst, wenn es schon vor dem 8. Lebensjahr losgeht. Eine verzögerte Pubertät liegt vor, wenn sich auch mit 15 noch gar nichts tut. In beiden Fällen solltest du dir bei einem Arzt Rat holen.
Körperliche Veränderungen in der Pubertät
Während der Pubertät tut sich bei Jungs so einiges. Der Körper, die Psyche und auch das Gehirn verändern sich drastisch. Kein Wunder also, dass pubertierende Jungs oft mit sich und ihrer Umwelt nicht mehr so gut klarkommen. Und für dich als Elternteil ist das natürlich auch alles ungewohnt. Plötzlich wird aus deinem kleinen Jungen ein Mann… gerade als Mutter ist man oft unsicher, wie man sich verhalten soll.
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- Körperwachstum: Besonders zwischen dem 13. und 17. Lebensjahr wachsen Jungen sprunghaft. Die pubertierenden Jungs schießen dann nicht nur in die Höhe, sondern auch in die Breite, denn insbesondere die Muskelmasse erhöht sich stark. So verdoppelt sich bis zum Ende der Pubertät bei Jungen die Knochen- wie auch die Muskelmasse. Gut zu wissen: Während der Wachstumsschübe kann es vermehrt zu Nasenbluten bei Kindern kommen.
- Stimmbruch: Zwischen dem 11. und 16. Lebensjahr wächst der Kehlkopf und die Stimmbänder dehnen sich. In dieser Zeit setzt oft auch ein Stimmbruch ein. Das merkst du daran, dass deinem Sohn die Stimme wegbrechen kann oder er urplötzlich besonders hoch oder krächzend spricht. Diese extreme Phase hält meist nur etwa ein halbes Jahr an. Ab dann hat dein Kind auf einmal eine weitaus dunklere, männlichere Stimme.
- Haut: Durch den starken Anstieg des Sexualhormons Testosteron kommt es oftmals zu einer übermäßigen Talgproduktion, was fettige Haut, Hautunreinheiten oder sogar Akne zur Folge haben kann.
- Haare: Auch die Kopfhaut wird durch die verstärkte Talgproduktion schnell fettiger, womit auch die Haare am Ansatz oft ölig aussehen.
- Geschlechtsmerkmale und Körperformen: Im Verlauf der Pubertät entwickeln sich die sekundären Geschlechtsmerkmale wie etwa das Wachstum der Körperbehaarung. Dazu zählen der erste Bartwuchs, der Zuwachs an Schambehaarung sowie ein männlicherer Körperbau durch breitere Schultern und eine stärkere Muskulatur.
- Schweißproduktion: Auch diese nimmt während der Pubertät bei Jungen ordentlich Fahrt auf. Und so kommt es bei heranwachsenden Männern oft und schnell zu stärkerem Körpergeruch. Spätestens jetzt ist die Zeit, dass du deinem Sohn erklären solltest, dass er öfter mal unter die Dusche sollte und der Einsatz von Deo sehr hilfreich sein kann.
- Geschlechtsorgane: Penis und Hoden wachsen während der Pubertät. Ab einem bestimmten Zeitpunkt beginnt auch die Produktion von Spermien, und der erste Samenerguss tritt ein. Dies ist ein klares Zeichen der erreichten Geschlechtsreife und damit der Fortpflanzungsfähigkeit.
Psychische und emotionale Veränderungen
Die Veränderungen des eigenen Körpers und der Gefühlswelt während der Pubertät sind für viele Jungen nicht einfach. Häufig kommt es zu schnell wechselnden starken Emotionen und Stimmungsschwankungen, mit denen die Teenager nur schwer umgehen können. Wut, Aggressivität, Genervtsein, aber auch Unsicherheit und Traurigkeit - die Zeit der Pubertät kann eine reine Achterbahnfahrt der Gefühle sein.
- Hormone und Gehirn: Nicht nur männliche Hormone wie Testosteron beeinflussen die Entwicklung - auch Östrogene spielen in geringer Menge eine Rolle bei der Pubertät von Jungen. Hier finden während der Pubertät viele Prozesse statt. Zudem reift das limbische System, das für Emotionen verantwortlich ist, schneller als der vordere Teil des Gehirns (der präfrontale Kortex). Daher haben gerade in der Pubertät Gefühle die Oberhand - und nicht die Vernunft. Das führt oft zu Entscheidungen, die für Erwachsene schwer nachzuvollziehen sind. Erst ab dem 14./15. Lebensjahr geht diese "Chaos-Phase" langsam zu Ende und dein Kind wird "vernünftiger".
- Schlafrhythmus: Die Steuerung des Schlaf-Wach-Rhythmus' ändert sich während der Pubertät und so kommt es dazu, dass pubertierende Jungen abends oft noch lange wach und morgens schlecht aus dem Bett zu kriegen sind. Ausreichend Schlaf ist während der Pubertät allerdings wichtig und so holen Teenager ihren Schlaf nicht selten am Wochenende nach.
- Wutausbrüche: Durch die hohe Testosteronproduktion und das unausgeglichene Verhältnis zwischen Hormonen und Gehirnentwicklung sind Stimmungsschwankungen und Aggressionen keine Seltenheit.
- Abgrenzung von den Eltern: Während der Pubertät kommt es zu den großen Fragen "Wer bin ich?" und "Was wird aus mir?". Daher suchen sich pubertierende Jungs für die Findung ihrer eigenen Identität nun Vorbilder und experimentieren mit ihrer eigenen Rolle. Das geschieht häufig in Abgrenzung zu ihren Eltern. Um ihren eigenen Weg zu finden, nabeln Jungen sich zunehmend von ihrem Elternhaus ab und Freund:innen werden die wichtigsten Sozialkontakte. Vieles was vorher an Mutter und Vater okay war, ist nun peinlich. Keine Sorge: Das legt sich wieder.
- Leichtsinnigkeit: Jungen in der Pubertät neigen zu leichtsinnigem Verhalten. Der Grund dafür: Der Präfrontale Kortex im Gehirn, der für Gefahreneinschätzung und Selbstwahrnehmung zuständig ist, wird erst als letztes ausgebildet.
- Geschwächtes Selbstbewusstsein: In der Pubertät nimmt die Selbstreflexion bei Teenagern zu. Auf einmal wird das eigene Verhalten von allen Seiten beleuchtet und hinterfragt, was nicht selten mit einem geringeren Selbstbewusstsein einhergeht. Pubertierende gehen in der Regel davon aus, dass auch andere ihr Verhalten derart bewerten, was große Verunsicherung schaffen kann.
- Dazugehören wollen: Gruppenzwang ist ein großes Thema während der Pubertät bei Jungen und Mädchen. Teenager wollen dazugehören und bloß nichts verpassen. Hier gilt es, einen guten Kompromiss zu finden, damit sich die Kinder in die Gruppe integriert fühlen können, aber auch nicht nonstop am Bildschirm hängen.
- Erste Liebe: Während der Pubertät kommt es bei Jungen wie Mädchen höchstwahrscheinlich auch zu den ersten Verliebtheitsgefühlen, Beziehungen und sexuellen Handlungen.
Tipps für den richtigen Umgang mit pubertierenden Jungen
Wie du anhand der Tabelle siehst, kann das Verhalten pubertierender Jungs besonders in der Hochphase recht anstrengend sein. Damit ihr trotzdem halbwegs entspannt durch diese Zeit kommt, hab ich hier ein paar Tipps für dich:
- Versuch´s mal mit Verständnis: Auch wenn es manchmal schwerfällt - versuche bitte Verständnis zu haben für deinen Sohn. Mach dir klar, dass die Pubertät auch für ihn eine extrem herausfordernde Zeit ist! Das heißt nicht, dass du alles gutheißen sollst, was er tut (siehe auch Punkt 9). Aber versuche immer zu verstehen, warum er sich gerade so abweisend, unvernünftig, aufbrausend oder aggressiv verhält. Akzeptiere, wenn er sich zurückzieht und nicht reden will… und dass er seine Zeit jetzt lieber mit seinen Freunden verbringt als mit der Familie. Versuche ihn so anzunehmen, wie er gerade ist. Sei dir bewusst, dass er sich zurzeit oft selbst nicht versteht. Da tut es unheimlich gut, wenn ihm wenigstens die Eltern das Gefühl geben: Alles ist gut. Du bist voll okay, so wie du bist! PS: Das gilt besonders dann, wenn z.B. seine schulischen Leistungen, seine Interessen oder auch seine sexuellen Neigungen nicht deinen Erwartungen entsprechen. Mach dir klar, dass es SEIN Leben ist, nichts deins.
- In der Ruhe liegt die Lösung: Ganz wichtig: Lass dich nicht provozieren! Ja, ich weiß - leichter gesagt als getan. Denn Pubertierende suchen oft regelrecht nach Streit und Konfrontation. Das liegt einfach daran, dass sie sich jetzt ausprobieren und durchsetzen wollen. Vor allem Väter werden gerne als „Sparringspartner“ genutzt, um das eigene männliche Verhalten „üben“ bzw. überhaupt erstmal definieren zu können. Außerdem betrachten jugendliche Jungs ihre Eltern als uncool und peinlich, wollen sich daher abgrenzen und schlagen dabei gerne über die Stränge. Nimm das nicht persönlich! Sag deinem Junior klar und deutlich, wenn er zu weit geht, aber lass dich nicht auf endlose Diskussionen oder gar Geschrei ein.
- Die Herausforderung: Loslassen und vertrauen: Akzeptiere auch, dass dein Sohn jetzt langsam erwachsen wird und eigene Wege geht. Je leichter du loslassen kannst, desto entspannter wird euer Verhältnis sein. Dazu gehört auch Vertrauen! Dein Sohn will das Wochenende bei seinen Kumpels verbringen? Dann wünsche ihm viel Spaß und quäle dich (und ihn) nicht mit Horrorvisionen von Alkohol- und Drogenexzessen oder dergleichen. Du kannst es ja sowieso nicht kontrollieren, also mach dich nicht verrückt. Und versuch dich mal in deinen Sohn hineinzuversetzen. Wie würdest du dich fühlen, wenn dir ständig jemand unterstellt, du würdest Blödsinn anstellen, heimlich rauchen, die Schule schwänzen usw.? Das nagt total am Selbstwertgefühl! Also - vertrau deinem Sohn und zeig ihm das auch.
- Verlier nicht das Interesse: Egal wie schweigsam oder gar abweisend dein Sohn jetzt ist - bleibe trotzdem interessiert an dem, was er tut. Erkundige dich, wie sein Tag war, wie ihm die Party gefallen hat oder welches Spiel er gerade am PC spielt. Wenn er nicht antwortet, okay. Aber wenn er merkt, dass du aus ehrlichem Interesse fragst - und nicht, um ihn kontrollieren zu wollen - erzählt er vielleicht doch ab und zu mal was. Nutze vor allem Gelegenheiten wie z.B. gemeinsame Autofahrten für lockere, „freundschaftliche“ Gespräche. Als Vater eignen sich auch kleine „Ausflüge unter Männern“ wie Radtouren, ein Camping-Wochenende oder dergleichen. Das hilft vor allem auch hinsichtlich des folgenden Punktes:
- Worauf du achten solltest: Leider neigen gerade Jungs während der Pubertät zu riskanten Aktionen oder lassen sich auf Alkohol und Drogen ein, weil sie dazugehören wollen. Bleibe also stets wachsam - jedoch ohne deinem Sohn hinterherzuspionieren (siehe Punkt 6). Zugegeben, das ist nicht immer ganz einfach … Grundsätzlich hilft es jedoch, wenn du auf folgende Anzeichen achtest: Zeigt er plötzliche und sehr auffällige Verhaltensänderungen, die du nicht auf die Pubertät alleine zurückführen kannst? Braucht er auf einmal sehr viel mehr oder sehr viel weniger Schlaf? Verändert sich sein Essverhalten oder nimmt er in kurzer Zeit extrem ab oder zu? Zieht er sich auch von Gleichaltrigen total zurück, will eventuell nicht mehr zur Schule gehen? Merkst du, dass er irgendwas vor dir versteckt? Hat er plötzlich körperliche Verletzungen, für die er fadenscheinige Erklärungen hat oder die er vor dir versucht zu verbergen? Wirkt er längere Zeit niedergeschlagen, traurig, depressiv? Äußert er Suizidgedanken? All das können Hinweise auf Essstörungen, Suchtverhalten, gefährliche Mutproben, Depressionen oder auch Mobbing/Cybermobbing usw. sein. Hast du einen Verdacht, solltest du diesem behutsam nachgehen. Sprich mit deinem Sohn, befrage notfalls Lehrer und Freunde und/oder wende dich an eine Beratungsstelle.
- Die Privatsphäre ist heilig: Je älter Kinder werden, desto wichtiger ist ihnen ihre Privatsphäre. Bitte respektiere das! Du möchtest ja auch nicht, dass dein Sohn abends plötzlich einfach in euer Schlafzimmer kommt … Genauso hat er das Recht, dass du eine geschlossene Zimmertür respektierst und auch nicht heimlich in seinen Sachen, seinem Handy usw. herumschnüffelst. Natürlich ist das auch immer eine Gratwanderung. Vor allem, wenn du den Verdacht hast, dass er z.B. Drogen nehmen könnte oder ähnliches. Aber auch dann solltest du ihn lieber ehrlich darauf ansprechen anstatt heimlich zu spionieren. Das zerstört euer Vertrauensverhältnis und dann wird er sich dir erst recht nicht mehr anvertrauen (siehe auch den nächsten Punkt).
- Volle Rückendeckung in jeder Lebenslage: Du wünschst dir, dass dein Sohn mit all seinen Sorgen und Problemen zu dir kommt? Dass er sich dir anvertraut, wenn er Scheiße gebaut hat? Möglichst BEVOR du es durch Dritte erfährst? Tja, das klappt natürlich nur, wenn er weiß, dass er nichts zu befürchten hat. Wenn er keine Angst haben muss, bestraft oder heftig ausgeschimpft zu werden. Was natürlich nicht heißt, dass du ihm jetzt alles durchgehen lassen sollst. Ernste Angelegenheiten müssen selbstverständlich auch ernst besprochen werden! Aber… versuche möglichst nicht zu schimpfen, sondern bleibe ruhig und sachlich. Bestrafe ihn nicht, sondern zeige ihm die natürlichen Konsequenzen auf bzw. lass ihn diese spüren. Suche mit ihm gemeinsam nach Lösungen. Halte zu ihm, was auch immer er angestellt hat. Manchmal erfordert es ein bisschen Fingerspitzengefühl … in einigen Situationen ist es wichtig, dass er die Suppe alleine auslöffelt, die er sich eingebrockt hat. Merkst du jedoch, dass er damit überfordert ist, hilf ihm. Auch das stärkt wiederum euer Vertrauensverhältnis.
- So stärkst du sein Selbstwertgefühl: Während der Pubertät leiden viele Kinder unter Selbstwertproblemen, Selbstzweifeln, bis hin zu Minderwertigkeitskomplexen. Das ist ganz normal. Der Körper verändert sich - plötzlich ist man schlaksig oder ungelenk und tollpatschig. Dazu kommen die Pickel, der Körpergeruch, der Stimmbruch usw. Andere Jungs sind vielleicht schon viel weiter in ihrer Entwicklung und kommen besser bei den Mädchen an. Eventuell ist man sogar das Opfer von Mobbing … Darunter leidet natürlich das Selbstbewusstsein! Du kannst deinem Sohn helfen, indem du ihm jetzt mehr und mehr Verantwortung überträgst. Lass ihn zunehmend eigene Entscheidungen treffen. Frag ihn nach seiner Meinung und nimm diese auch ernst. Behandle ihn wertschätzend und respektvoll - das stärkt sein Selbstbewusstsein.
- Regeln trotz Rebellion: Ich erwähnte es bereits - allem Verständnis zum Trotz brauchen auch Pubertierende gewisse Regeln und Grenzen. Wenn sich gefühlt alles im Leben gerade verändert, sind diese sogar sehr wichtig. Sie geben Halt und Orientierung. Aber natürlich sollten sie dem Alter und Entwicklungsstand angemessen sein sowie klar und verständlich kommuniziert werden. Deinen 13-jährigen Jungen jetzt weiterhin um 18:30 Uhr ins Bett zu schicken ist also genauso unangemessen wie ihm zu erlauben, dass er bis Mitternacht um die Häuser zieht … Überlege also genau, welche Regeln dir wichtig sind und warum. Je klarer du das für dich selbst formulieren kannst, desto überzeugender kannst du sie auch vermitteln. Passe diese Grenzen auch regelmäßig an. Und je älter dein Sohn wird, desto mehr Mitspracherecht solltest du ihm einräumen. So lernt er auch gleich, wie man diskutiert, Argumente einbringt und ggf. Kompromisse eingeht.
- Wie du in den Wald hinein rufst…: Gespräche mit einem pubertierenden Jungen können ziemlich anstrengend sein. Mal antwortet er gar nicht oder ist total albern, ein anderes Mal nimmt er alles persönlich und geht sofort an die Decke. Oder du bekommst Sprüche a la „Alter, jetzt bleib mal gechillt“ an den Kopf geworfen. Da heißt es, tief durchatmen… Trotzdem ist es sehr wichtig, dass du weiterhin mit deinem Junior im Gespräch bleibst und selbst respektvoll und wertschätzend mit ihm redest. Lass dich nicht auf sein Niveau herab! (Außer, du setzt es mal gezielt ein, um ihn „wachzurütteln“ - siehe Tipps.) Hier kommen ein paar Kommunikationstipps: Halte keine langen Predigten - die gehen sowieso im pubertierenden Gehirn verloren. Sag lieber kurz und knapp, was du zu sagen hast. Nutze Ich-Botschaften und sage, was dich beschäftigt. Also anstatt „Warum warst du so lange weg? Wir hatten 22 Uhr vereinbart“ lieber „Ich war in Sorge, weil du nicht pünktlich zu Hause warst“. Vermeide Vorwürfe, Verallgemeinerungen und Befehle. Versuche, aktiv zuzuhören und dich in seine Lage hineinzuversetzen. Frage nach, wenn du etwas nicht verstehst. Und ganz wichtig: Nimm ihn ernst! Auch wenn du seine Probleme oder Sorgen nicht nachvollziehen kannst.
Zusätzliche Ratschläge für Eltern
- Kommunikation ist alles: Hören Sie Ihrem Kind gut zu! Reden Sie mit ihm über das, was Ihr Kind beschäftigt. Das kann der Pickel auf der Nase sein, der scheinbar nur mit der Lupe erkennbar ist, aber auch die erste Liebe, Intimität oder Sexualität. Bleiben Sie im Gespräch!
- Denken Sie zurück an Ihre eigene Pubertät! Dann fällt es Ihnen leichter, mit den Gefühlsschwankungen und Widersprüchlichkeiten Ihres pubertierenden Kindes umzugehen.
- Teenager brauchen Regeln, aber lassen Sie Spielräume! Handeln Sie Kompromisse aus und treffen Sie gemeinsame Absprachen!
- Teenager müssen sich streiten können!
- Anerkennung und Wertschätzung tun Ihrem Kind gut und geben Sicherheit!
- Achten Sie die Privatsphäre Ihres Kindes!
- Respektieren Sie die Clique Ihres Teenagers!
- Vertrauen Sie Ihrem Kind, denn Vertrauen und Liebe sind die Grundlage, um Krisenzeiten zu meistern!
- Lassen Sie Ihr Kind mit zunehmenden Alter mehr Verantwortung übernehmen!
- Bleiben Sie gelassen!
- Tauschen Sie sich mit anderen Eltern aus, z. B. im Elterngesprächskreis "Wozu der ganze Zoff?" Herausforderung Pubertät.
- Wenn’s zuhause ständig kracht und Sie keinen Rat mehr wissen, wenden Sie sich an eine Erziehungsberatungsstelle unserer Stadt.
Was Väter tun können
Jungs werden ab einem gewissen Alter häufig als schwieriger empfunden als Mädchen, werden oft auch als das schwache Geschlecht bezeichnet - warum? Anton Wieser aus Kitzbühel, Jungen-Coach und Erlebnispädagoge, sieht noch ein weiteres Problem: "Wir sprechen zu oft über die Jungs statt mit ihnen". Väter sollen den Sohn am eigenen Leben teilhaben lassen, erzählen und Einblick in die Freuden und Herausforderungen des männlichen Lebens geben. Väter können mit ihren Söhnen mitwachsen, vielleicht sogar bestimmte Herausforderungen, die sie seit der eigenen Pubertät mitschleppen, endgültig lösen. Ein pubertierender Sohn will als das gesehen werden, was er ist: Ein Junge, der sich ausprobiert, der die ersten, vielleicht noch zögerlichen Schritte in die Welt der Männer macht und jemand, der doch noch Unterstützung braucht. Auch wenn er oft einen auf dicke Hose macht.
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