Nervus Accessorius: Qualität, Anatomie, Funktion und Klinische Bedeutung

Einführung

Der Nervus accessorius, auch als elfter Hirnnerv (N. XI) bekannt, spielt eine entscheidende Rolle für die Motorik von Kopf, Hals und Schulter. Dieser Artikel beleuchtet die Anatomie, Funktion, mögliche Schädigungen und deren Behandlung im Kontext der Qualitätssicherung in der medizinischen Praxis.

Anatomie des Nervus Accessorius

Der Nervus accessorius unterscheidet sich von anderen Hirnnerven durch seinen doppelten Ursprung. Er besteht aus zwei Wurzeln:

  • Radix cranialis: Diese Wurzel entspringt aus dem Nucleus ambiguus in der Medulla oblongata. Neuere Untersuchungen deuten darauf hin, dass sie eher zum Nervus vagus gehört.
  • Radix spinalis: Diese Wurzel entspringt aus dem Nucleus spinalis nervi accessorii in den Rückenmarkssegmenten C2 bis C5.

Die Radix spinalis tritt in Höhe der Rückenmarkssegmente C2 bis C5 aus und zieht durch das Foramen magnum in den Schädel, wo sie sich mit der Radix cranialis zum Truncus nervi accessorii vereinigt. Gemeinsam mit dem Nervus glossopharyngeus (N. IX) und dem Nervus vagus (N. X) verläuft der Nervus accessorius durch das Foramen jugulare.

Verlauf und Aufteilung

Nach dem Austritt aus dem Foramen jugulare teilt sich der Nervus accessorius in zwei Äste:

  • Ramus internus: Dieser Ast lagert sich an den Nervus laryngeus recurrens an und innerviert fast alle Muskeln des Kehlkopfs, mit Ausnahme des Musculus cricothyroideus (der vom Nervus laryngeus externus, einem Ast des Nervus vagus, innerviert wird).
  • Ramus externus: Dieser Ast innerviert den Musculus sternocleidomastoideus und den Musculus trapezius.

Anatomische Variationen

In der Halschirurgie ist die Kenntnis der anatomischen Lagebeziehungen von Hirnnerven und Gefäßstrukturen von großer Bedeutung. Der Nervus accessorius verläuft in der Regel lateral (70-96 %) oder medial (3-30 %) der Vena jugularis interna (VJI). Selten (< 1 % der Fälle) tritt eine Lagevariation auf, bei der der Nervus accessorius punktuell durch die VJI hindurchtritt und eine "Lochblende" bildet. Embryologische Theorien diskutieren vaskuläre, nervale oder knöcherne Ursprünge für diese Anomalie. Die Ausbildung einer Venenduplikatur scheint die wahrscheinlichste Erklärung zu sein.

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Funktion des Nervus Accessorius

Der Nervus accessorius ist ein rein motorischer Nerv, der hauptsächlich folgende Muskeln innerviert:

  • Musculus sternocleidomastoideus: Dieser Muskel ist wichtig für die Kopfbewegung. Er ermöglicht das Drehen des Kopfes zur Gegenseite und das Neigen des Kopfes zur gleichen Seite. Bei beidseitiger Kontraktion hebt er das Kinn an (Halsstreckung).
  • Musculus trapezius: Dieser Muskel unterstützt die Bewegung der Schulterblätter, insbesondere das Heben der Schultern und das Drehen sowie Stabilisieren des Schulterblatts während der Armbewegung.

Zusammenfassend ist der Nervus accessorius wichtig für die Mobilität des Kopfes, Nackens und der Schulter.

Klinische Bedeutung: Schädigung des Nervus Accessorius

Ursachen

Funktionsstörungen des Nervus accessorius können nach Verletzungen bei operativen Eingriffen im Halsbereich auftreten. Insbesondere Lymphknotenexstirpationen im hinteren Halsdreieck stellen ein Risiko dar. In einer Studie wurden 31 Patienten mit iatrogenen Verletzungen des N. accessorius operiert, wobei bei 22 Patienten eine Lymphknotenexstirpation vorausgegangen war.

Symptome

Eine Schädigung des Nervus accessorius führt zu typischen Symptomen, die durch die Beeinträchtigung der von ihm innervierten Muskeln entstehen:

  • Lähmung des Musculus trapezius: Patienten können den Arm nur mit Mühe über 90 Grad anheben.
  • Lähmung des Musculus sternocleidomastoideus: Dies äußert sich durch einen Schiefhals, bei dem der Hals zu der Seite des gelähmten Muskels geneigt ist.

Weitere Symptome können sein:

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  • Schmerzen im Hals-Schulter-Bereich
  • Eingeschränkte Schulterabduktion
  • Atrophie des Musculus trapezius

Diagnostik

Die Diagnose einer Schädigung des Nervus accessorius erfolgt klinisch durch die Untersuchung der Muskelkraft und Beweglichkeit. Der Patient soll die Schultern gegen einen Widerstand versuchen anzuheben, um die Funktion des Musculus trapezius zu untersuchen. Zusätzlich können bildgebende Verfahren oder Elektromyographie (EMG) eingesetzt werden, um die Funktion des Nervs und der Muskeln zu beurteilen.

Therapie

Die operative Revision iatrogener Läsionen des N. accessorius umfasst Neurolyse, End-zu-End-Naht oder Transplantation. Eine Nachbeobachtungszeit von durchschnittlich 12,6 Monaten zeigte, dass 23 % der Patienten postoperativ komplett beschwerdefrei waren, bei 61 % konnte eine funktionell relevante Verbesserung erreicht werden. Nur 16 % konnten von diesem Eingriff nicht profitieren, und es kam in keinem Fall zu einer Verschlechterung. Die klinischen Ergebnisse sind auch bei der Notwendigkeit einer Nervennaht oder eines Transplantats nicht schlechter als nach einer externen Neurolyse bei erhaltener Kontinuität.

Prognose

Insgesamt ist die Prognose einer mikroneurochirurgischen Therapie nach iatrogenen Läsionen des N. accessorius günstig. Das Intervall zwischen Trauma und Revisionseingriff sollte unter 6 Monaten liegen.

Die Rolle des Nervus Accessorius im Kontext der anderen Hirnnerven

Um die Bedeutung des Nervus Accessorius vollständig zu erfassen, ist es hilfreich, ihn im Kontext der anderen Hirnnerven zu betrachten. Es gibt insgesamt 12 Hirnnerven, die jeweils spezifische Funktionen erfüllen und unterschiedliche Bereiche des Kopfes, Halses und Rumpfes versorgen.

Überblick über die Hirnnerven

Die Hirnnerven werden entsprechend ihres Ursprungs im Gehirn von rostral nach kaudal mit römischen Ziffern nummeriert. Sie können sensorische, motorische oder gemischte Faserqualitäten aufweisen.

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HirnnervBezeichnungQualitätFunktion
INervus olfactoriussensorischRiechen
IINervus opticussensorischSehen
IIINervus oculomotoriusparasympathisch-motorischAugenbewegung, Pupillenverengung, Akkommodation
IVNervus trochlearismotorischAugenbewegung
VNervus trigeminussensibel-motorischSensibilität des Gesichts, Kaumuskulatur
VINervus abducensmotorischAugenbewegung
VIINervus facialissensorisch-parasympathisch-motorischGeschmack (vordere 2/3 der Zunge), Speichel- und Tränenproduktion, Gesichtsmimik
VIIINervus vestibulocochlearissensorischHören und Gleichgewicht
IXNervus glossopharyngeussensorisch-parasympathisch-motorischGeschmack (hinteres 1/3 der Zunge), Speichelproduktion, Schlucken
XNervus vagussensorisch-parasympathisch-motorischRegulation innerer Organe (Herz, Lunge, Verdauungstrakt), Schlucken, Sprechen
XINervus accessoriusmotorischBewegung von Kopf, Nacken und Schultern
XIINervus hypoglossusmotorischZungenbewegung

Funktionelle Gruppen der Hirnnerven

Die Hirnnerven lassen sich auch nach funktionellen Gesichtspunkten gruppieren:

  • Rein sensorische Nerven: N. olfactorius (I), N. opticus (II), N. vestibulocochlearis (VIII)
  • Augenmuskelnerven: N. oculomotorius (III), N. trochlearis (IV), N. abducens (VI)
  • Gemischte Nerven: N. trigeminus (V), N. facialis (VII), N. glossopharyngeus (IX), N. vagus (X)
  • Rein motorische Nerven: N. accessorius (XI), N. hypoglossus (XII)

Topografische Beziehungen

Die Hirnnerven treten an unterschiedlichen Stellen aus dem Gehirn aus und verlaufen durch verschiedene Schädelöffnungen. Dies ist wichtig für die Lokalisation von Läsionen und die Planung chirurgischer Eingriffe.

Qualitätssicherung in der Diagnostik und Therapie von Nervus Accessorius-Schädigungen

Die Qualitätssicherung spielt eine entscheidende Rolle bei der Diagnostik und Therapie von Nervus Accessorius-Schädigungen. Dies umfasst:

  • Sorgfältige Anamnese und klinische Untersuchung: Eine detaillierte Erhebung der Krankengeschichte und eine umfassende neurologische Untersuchung sind unerlässlich, um eine Schädigung des Nervus Accessorius frühzeitig zu erkennen.
  • Standardisierte Testverfahren: Die Verwendung standardisierter Testverfahren zur Beurteilung der Muskelkraft und Beweglichkeit ermöglicht eine objektive und vergleichbare Dokumentation des Krankheitsverlaufs.
  • Bildgebende Verfahren: Der Einsatz von bildgebenden Verfahren wie MRT oder CT kann helfen, die Ursache der Schädigung zu identifizieren und andere Erkrankungen auszuschließen.
  • Elektrophysiologische Untersuchungen: Elektromyographie (EMG) und Nervenleitgeschwindigkeitsmessungen können die Funktion des Nervus Accessorius und der innervierten Muskeln beurteilen und den Schweregrad der Schädigung bestimmen.
  • Interdisziplinäre Zusammenarbeit: Eine enge Zusammenarbeit zwischen Neurologen, Neurochirurgen, Physiotherapeuten und anderen Fachdisziplinen ist wichtig, um eine optimale Behandlung zu gewährleisten.
  • Qualitätskontrolle operativer Eingriffe: Bei operativen Eingriffen im Halsbereich ist eine sorgfältige Präparation und Schonung des Nervus Accessorius unerlässlich, um iatrogene Schädigungen zu vermeiden.
  • Regelmäßige Fortbildungen: Die Teilnahme an regelmäßigen Fortbildungen und Schulungen hilft, das Wissen und die Fähigkeiten der beteiligten Ärzte und Therapeuten auf dem neuesten Stand zu halten.
  • Dokumentation und Auswertung: Eine sorgfältige Dokumentation des Krankheitsverlaufs und der Behandlungsergebnisse ermöglicht eine kontinuierliche Verbesserung der Behandlungsqualität.

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