Ein Schlaganfall, definiert als eine Durchblutungsstörung im Gehirn, kann nicht nur Erwachsene, sondern auch Ungeborene, Neugeborene, Kinder und Jugendliche betreffen. Obwohl Schlaganfälle bei Neugeborenen selten sind, können sie schwerwiegende Folgen haben. Dieser Artikel bietet umfassende Informationen über Schlaganfälle bei Babys, insbesondere über den Mediainfarkt, seine Ursachen, Folgen und Behandlungsmöglichkeiten.
Was ist ein Schlaganfall?
Der Begriff Schlaganfall (Apoplexie), oft auch als "Hirnschlag" oder "Gehirnschlag" bezeichnet, beschreibt Durchblutungsstörungen im Gehirn. Zunehmend wird der Begriff "Stroke" verwendet, insbesondere in den "Stroke Units" der Krankenhäuser, die sich jedoch meist an Erwachsene richten. Zwei Drittel der Kinder und Jugendlichen, die einen Schlaganfall überleben, haben danach gesundheitliche Probleme.
Ursachen von Schlaganfällen bei Neugeborenen
Schlaganfälle bei Neugeborenen sind selten und ihre Ursachen oft unklar. Eine mögliche Ursache, die kürzlich in einer Studie des New England Journal of Medicine veröffentlicht wurde, sind von der Mutter auf das Kind übertragene Anti-PF4-Antikörper. Diese Antikörper können während der Schwangerschaft von einer Mutter mit einer Neigung zu Blutgerinnseln auf das Baby übertragen werden und beim Neugeborenen einen Schlaganfall auslösen.
Anti-PF4-Antikörper
"Dass Antikörper während der Schwangerschaft von der Mutter auf das Kind übertragen werden können, ist gemeinhin bekannt und wird oftmals als Nestschutz bezeichnet", erklärt Prof. Thomas Thiele. Neu ist jedoch, dass auch Anti-PF4-Antikörper von der Mutter übertragen werden und Thrombosen beziehungsweise Schlaganfälle bei dem Kind auslösen können. Dies kann bereits vor, während oder erst nach der Geburt geschehen.
Weitere Risikofaktoren
Auch bereits überstandene Infektionen oder bestimmte Vorerkrankungen können bei der Entstehung der Anti-PF4-Antikörper eine Rolle spielen. In einem Patientenfall aus Österreich konnte dieser Mechanismus entdeckt werden, als der Antikörper-Test eines Neugeborenen, das kurz nach der Geburt einen Schlaganfall erlitt, positiv ausfiel.
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Minimierung des Risikos
Die gute Nachricht ist, dass sich das Risiko einer Thrombose für das Kind minimiert, wenn der Antikörper nur von der Mutter während der Schwangerschaft übertragen wird. "Über einen Zeitraum von etwa sechs Monaten werden diese Antikörper bei dem Kind normalerweise abgebaut, bis sie irgendwann nicht mehr nachweisbar sind", so Thiele.
Spezifische Ursachen im Kindesalter
Im Kindesalter spielen andere Risikofaktoren eine Rolle als bei Erwachsenen. Während arterielle Hypertonie, Rauchen, Vorhofflimmern und Diabetes mellitus bei Erwachsenen Hauptrisikofaktoren sind, zählen bei Kindern Arteriopathien, kardiale Ursachen, Infektionen, angeborene thrombogene Blutgerinnungsstörungen, hämatologisch-onkologische Erkrankungen, genetische Prädispositionen, metabolische Ursachen und Bindegewebserkrankungen zu den Risikofaktoren. Oft liegen mehrere Risikofaktoren gleichzeitig vor.
Arteriopathien
Zu den wichtigsten Arteriopathien zählen die fokale zerebrale Arteriopathie (FCA), die Dissektion und die Moyamoya-Angiopathie. Die FCA ist die häufigste Arteriopathie und betrifft meist die distale A. carotis interna (ICA), proximale A. cerebri media (MCA) und proximale A. cerebri anterior (ACA). Als bekannteste Ursache gilt die (Post-)Varizellen-Arteriopathie.
Infektionen
Infektionen scheinen ein wichtiger Risikofaktor für den kindlichen Schlaganfall zu sein. Auch nach "minor infections" wie Infektionen der oberen Luftwege oder akute Otitis media ist das Schlaganfallrisiko erhöht. Bei bakterieller oder tuberkulöser Meningitis/Meningoenzephalitis stellt der Schlaganfall eine bekannte Komplikation dar.
Kardiovaskuläre Ursachen
Etwa 20-30 % der Schlaganfälle im Kindesalter haben eine kardiovaskuläre embolische Ursache. Typische kardiale Gründe sind angeborene Herzfehler mit linksseitigen Klappenvitien und Vitien mit kardialer Zyanose.
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Prothrombotische Risikofaktoren
Auch angeborene und erworbene prothrombotische Risikofaktoren spielen eine Rolle. Die Risikoerhöhung variiert je nach Risikofaktor, deren isoliertem oder kombiniertem Vorliegen sowie der Koexistienz weiterer Risikofaktoren.
Diagnose
Die Diagnose wird mit bildgebenden Verfahren gestellt. Goldstandard ist die kraniale Magnetresonanztomographie (cMRT), die eine frühe Infarkterkennung und eine gute Beurteilbarkeit der hinteren Schädelgrube ermöglicht. Ist eine cMRT nicht zeitnah möglich, sollte eine cCT inklusive cCT-Angiographie durchgeführt werden, die später durch eine MRT-Diagnostik ergänzt wird. Zur Basisdiagnostik gehören neben der kardiologischen Abklärung eine laborchemische, infektiologische und immunologische Diagnostik sowie Untersuchungen auf prothrombotische Risikofaktoren.
Behandlung
Die Behandlung von Schlaganfällen bei Kindern unterscheidet sich von der bei Erwachsenen. Prospektive klinische Studien zum Einsatz der Revaskularisationstherapien (Lysetherapie und mechanische Thrombektomie) im Kindesalter fehlen. Diese Therapieoptionen können derzeit nur als Off-label-Therapien eingesetzt werden. Bei fehlender Indikation für eine Thrombolyse oder MT sollte schnellstmöglich eine Antikoagulation mit Heparin oder Thrombozytenaggregationshemmung mit Acetylsalicylsäure (ASS) begonnen werden. Im Verlauf kann die Therapie und anschließende Sekundärprophylaxe je nach Ursache des Schlaganfalls umgestellt werden.
Akuttherapie
Die Akuttherapie umfasst die Stabilisierung der Vitalfunktionen und die Einleitung spezifischer Therapien zur Wiederherstellung der Durchblutung des Gehirns. Bei erhöhtem Hirndruck kommen spezielle Maßnahmen zur Anwendung, und neuroprotektive Strategien sollen sekundäre Hirnschädigungen vermeiden.
Langzeittherapie
In der Postakutphase sind funktionelle medizinische Therapien wie Physio-, Ergo- und Sprachtherapie wichtig. Moderne Übungskonzepte wie Robotik, Botulinumneurotoxin (BoNT) und Virtual Reality werden eingesetzt. Die Beratung und Aufklärung der Familien über das Erkrankungsbild und die individuelle Prognose sind ebenfalls von großer Bedeutung.
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Folgen von Schlaganfällen bei Babys
Die Folgen eines Schlaganfalls bei Babys können vielfältig sein und hängen von der Art und dem Ausmaß des Schlaganfalls ab. Häufige Folgen sind motorische Einschränkungen, Sprachstörungen, kognitive Beeinträchtigungen und Verhaltensauffälligkeiten.
Sehstörungen
Im Zusammenhang mit einem Schlaganfall können verschiedene Arten von Sehstörungen auftreten. Das Auge beziehungsweise die Sehbahn kann direkt betroffen sein, weil sie nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt werden, was zur Erblindung auf einem Auge führen kann. Häufiger ist jedoch eine Beeinträchtigung der Informationsverarbeitung im Gehirn, was zu Gesichtsfeldeinschränkungen, Doppelbildern, Herdblick und visuell-räumlichen Störungen führen kann.
Globale Aphasie
Eine globale Aphasie ist eine schwere Sprachstörung, bei der alle Modalitäten der Sprache beeinträchtigt sind. Patienten können sich entweder gar nicht äußern oder ihre Äußerungen sind unverständlich. Auch das Verständnis für gehörte und geschriebene Sprache ist stark gestört. Ursache ist meist ein Mediainfarkt, der zu einer Minderdurchblutung in einem großen Bereich des Gehirns führt.
Langzeitfolgen und Rehabilitation
Viele Kinder, die einen Schlaganfall überleben, haben langfristige gesundheitliche Probleme. Motorische Einschränkungen (v. a. Hemiparese), kognitive Beeinträchtigungen und Verhaltensauffälligkeiten sind häufig. Die gesundheitsassoziierte Lebensqualität ist bei Kindern mit AIS signifikant niedriger als bei Gleichaltrigen. Eine langfristige interdisziplinäre multiprofessionelle biopsychosoziale Betreuung ist daher wichtig.
Prävention
Da die Ursachen für Schlaganfälle bei Babys oft unklar oder nicht beeinflussbar sind, ist eine gezielte Prävention schwierig. Wichtig ist jedoch, Risikofaktoren wie Infektionen und kardiovaskuläre Erkrankungen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Bei Müttern mit einer Neigung zu Blutgerinnseln sollten während der Schwangerschaft entsprechende Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden.
Rezidivrisiko
Kinder ohne oder mit nur einem nachgewiesenen Risikofaktor haben ein geringeres Rezidivrisiko als Kinder mit mehreren Risikofaktoren. Bei stenosierenden Arteriopathien wie der Moyamoya-Angiopathie oder der Sichelzellkrankheit ist das Rezidivrisiko besonders hoch. Daher ist es wichtig, nach einem ersten Schlaganfall die genauen Ursachen zu erforschen, um eine gute Sekundär-Prävention aufbauen zu können.
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