Die Zahl der Menschen mit Demenz steigt stetig. Umso wichtiger ist es, die bestmöglichen Versorgungsansätze zu finden, um ihre Lebensqualität zu erhalten und den Pflegeaufwand zu reduzieren. Ein wichtiger Baustein hierbei ist die Rehabilitation. Der Grundsatz „Rehabilitation vor Pflege“ sollte konsequent umgesetzt werden, um den Betroffenen ein möglichst selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen.
Bedeutung der Rehabilitation bei Demenz
Das Deutsche Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) fordert eine konsequente Umsetzung des Grundsatzes „Rehabilitation vor Pflege“ bei Demenzpatienten. Geriatrische Rehabilitationsprogramme sollten gezielt an diese Zielgruppe angepasst werden. Aktuell erhalten geriatrische Patienten mit der Nebendiagnose Demenz oft keine Rehabilitation, obwohl dies eine Pflichtleistung der gesetzlichen Krankenkasse ist.
Studien haben gezeigt, dass demenzkranke Patienten zwar langsamer und in geringerem Umfang von geriatrischen Rehabilitationsmaßnahmen profitieren, der Nutzen aber auch für diese Gruppe deutlich belegt werden kann. So können der Pflegeaufwand und die damit verbundenen Kosten gesenkt und die Lebenszufriedenheit gesteigert werden. Dies gilt insbesondere für Programme, die durch kognitives Training und Übungen die Wahrnehmungsfähigkeit fördern.
Studienergebnisse zur Effektivität der Rehabilitation
Eine Health Technology Assessment (HTA)-Bericht untersuchte den Nutzen von uni-, multi- und multiprofessionellen Rehabilitationsprogrammen für geriatrische Patienten mit der Nebendiagnose Demenz und deren Kosteneffektivität. Die Auswertung von 16 Studien ergab, dass Rehabilitationsmaßnahmen bei geriatrischen Patienten mit Demenz wirksam sind.
Positive Einflüsse auf die Behandlungsergebnisse haben:
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- Geringe kognitive und kommunikative Defizite des Patienten
- Einbindung von pflegenden Angehörigen
- Guter funktioneller Zustand bei Behandlungsbeginn
- Heimische Wohnsituation und Entlassung nach Hause
Das Vorhandensein einer Depression beeinträchtigt hingegen den Behandlungserfolg. Das Training kognitiver Fertigkeiten im Rahmen der Rehabilitation verbessert das Ergebnis. Kognitiv leicht und moderat beeinträchtigte Patienten profitieren von Rehabilitationsmaßnahmen. Die Fortschritte verlaufen langsamer als bei kognitiv unbeeinträchtigten Patienten, und es werden geringere Steigerungsraten erreicht. Einige Autoren betonen die Notwendigkeit der Anpassung an die speziellen Bedürfnisse von dementen bzw. kognitiv beeinträchtigten Patienten.
Empfehlungen für die Gestaltung von Rehabilitationsprogrammen
Die Wissenschaftler empfehlen, bestehende Rehabilitationsprogramme um kognitives Training und Übungen zu erweitern und Angehörige in die Schulungen einzubeziehen. Darüber hinaus sollten Ärzte, Therapeuten und Pflegepersonal regelmäßig im Umgang mit Demenzpatienten geschult und die Pflegeüberleitung durch Hausbesuche der Therapeuten verbessert werden.
Formen der Rehabilitation bei Demenz
Es gibt verschiedene Therapieansätze, die im Rahmen der Rehabilitation bei Demenz eingesetzt werden können:
- Ergotherapie: Ziel ist es, motorische Fähigkeiten zu erhalten und zu trainieren, um die Eigenständigkeit im Alltag zu fördern.
- Physiotherapie: Auch hier geht es darum, Mobilität zu erhalten und Bewegung zu fördern.
- Kognitive Stimulation: Das Denkvermögen wird trainiert, um verbliebene Fähigkeiten zu nutzen und zu erhalten.
- Sprachtherapie (Logopädie): Wortfindungsprobleme, schlechte Aussprache und mangelndes Sprachverständnis werden behandelt. Auch bei Schluckstörungen kann die Logopädie helfen.
- Milieutherapie: Die Umwelt wird demenzgerecht gestaltet, um das Wohlbefinden zu steigern und herausforderndes Verhalten zu verringern.
- Psychotherapie: Hilft, einen guten Umgang mit der Demenz im Alltag zu finden und die Gedanken, Einstellungen und Bewertungen gegenüber der Diagnose zu verändern.
- Kunsttherapie: Zeichnen, Malen und Gestalten dienen als Ausdrucksform und fördern motorisches Geschick, Konzentration und die Auseinandersetzung mit eigenen Erinnerungen und Emotionen.
- Musiktherapie: Aktives Musizieren, Tanzen oder Singen in Gruppen (aktiv) oder bewusstes Hören von Musik mit biografischem Bezug (rezeptiv) steigern das Wohlbefinden und wecken Erinnerungen.
- Selbsterhaltungstherapie (SET): Ziel ist es, das Selbstbild und die Wahrnehmung von sich selbst als Person zu erhalten.
- Sensorische Therapie (Snoezelen): Vielfältige sinnliche Wahrnehmungen werden ermöglicht, um positive Reize zu setzen und das Wohlbefinden zu steigern.
- Tiergestützte Therapie: Der Umgang mit Tieren spricht die sinnliche Wahrnehmung und die Sozialfähigkeit an.
Die Rolle der Angehörigen
Die Einbindung der Angehörigen ist ein wichtiger Faktor für den Erfolg der Rehabilitation. Sie sollten in die Schulungen einbezogen werden und lernen, wie sie den Betroffenen im Alltag unterstützen können. Die Alzheimer-Gesellschaft weist ausdrücklich auf die Reha für Angehörige hin, da die Dauerpflege ihr eigenes Erkrankungsrisiko erhöht. Es gibt spezielle Vorsorge- und Rehabilitationsmaßnahmen für pflegende Angehörige und Menschen mit Demenz, die unter bestimmten Voraussetzungen in Anspruch genommen werden können.
Medikamentöse Therapie
Neben den nicht-medikamentösen Therapien gibt es auch medikamentöse Behandlungsansätze. Aktuell sind in Deutschland vier Antidementiva zugelassen, davon drei Acetylcholinesterase-Hemmer und ein Glutamat-Antagonist. Diese Medikamente können den Verlauf der Alzheimer-Demenz verzögern, aber nicht aufhalten. Bei der vaskulären Demenz sind Antidementiva nicht sinnvoll, da die Ursache in einer Durchblutungsstörung der Nervenzellen liegt. Hier können blutdrucksenkende und blutverdünnende Medikamente helfen. Antidepressiva werden eingesetzt, um Depressionen zu behandeln, die häufig als Begleiterscheinung von Demenz auftreten. Neuroleptika können bei Halluzinationen und starker innerer Unruhe eingesetzt werden, sollten aber aufgrund ihrer Nebenwirkungen nur als letztes Mittel der Wahl dienen.
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Rechtliche Aspekte
Die Diagnose Demenz wirft auch rechtliche Fragen auf. Eine Patientenverfügung stellt sicher, dass die medizinischen Wünsche des Betroffenen auch in unerwarteten Situationen respektiert werden. Sie entlastet zudem die Angehörigen von schwierigen Entscheidungen.
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