Nach einer Rückenmarkoperation, wie beispielsweise bei einer Spinalkanalstenose, ist eine umfassende Rehabilitation entscheidend, um die bestmögliche Wiederherstellung der Funktionen und die Rückkehr zu einem aktiven Leben zu gewährleisten. Dieser Artikel beleuchtet den Ablauf einer solchen Reha, die verschiedenen Therapieansätze und die Ziele, die dabei verfolgt werden.
Einleitung
Eine Operation am Rückenmark stellt für viele Patienten einen bedeutenden Eingriff dar. Umso wichtiger ist es, nach der Operation eine gezielte Rehabilitation durchzuführen, die auf die individuellen Bedürfnisse des Patienten zugeschnitten ist. Ziel ist es, die körperliche Leistungsfähigkeit wiederherzustellen, den Umgang mit der Erkrankung zu erlernen, psychische Belastungen zu verarbeiten und die Integration in den Alltag, sowohl beruflich als auch privat, zu fördern.
Stationäre Reha nach Rückenmark OP
Vorteile einer stationären Reha
Eine stationäre Reha bietet gegenüber ambulanten Maßnahmen einige entscheidende Vorteile. Dazu gehören:
- Rund-um-die-Uhr-Betreuung: Patienten erhalten eine kontinuierliche Betreuung durch ein interdisziplinäres Team, was eine optimale Nutzung der postoperativen Rehabilitationszeit ermöglicht.
- Distanz zum Alltag: Die räumliche Trennung vom Alltag ermöglicht es den Patienten, sich voll und ganz auf die Genesung zu konzentrieren.
- Unterstützung bei Hilfsbedürftigkeit: Besonders für Patienten, die nach der Operation auf fremde Hilfe angewiesen sind, bietet die stationäre Reha eine umfassende Unterstützung.
Therapiebausteine einer stationären Reha
Die stationäre Reha nach einer Rückenmark-OP besteht aus verschiedenen Therapiebausteinen, die individuell auf die Bedürfnisse des Patienten zugeschnitten werden. Diese basieren in der Regel auf vier Säulen:
- Körperlicher Aufbau: Nach der Operation ist der Körper oft geschwächt und instabil. Ein effektives Training hilft, die körperliche Leistungsfähigkeit wieder auf ein ursprüngliches Niveau zu heben, wobei das derzeitige persönliche Leistungslevel berücksichtigt wird. Speziell ausgebildete Ärzte-, Pflege- und Physiotherapeutenteams helfen den Patienten, mit ausgewählten Übungen, einem individuellen Therapieplan und professioneller Wundversorgung, wieder zu alter Stärke zu finden.
- Schulung im Umgang mit der Erkrankung: Viele Patienten haben vor der Operation eine lange Leidenszeit mit Schmerzen hinter sich. Gruppenschulungen helfen, einen positiven Umgang mit Schmerzen zu erlernen und die innere Widerstandsfähigkeit zu stärken.
- Psychische Heilung: Der lange Leidensweg kann Spuren hinterlassen und psychische Erkrankungen wie Depressionen verursachen. Ein psychiatrisches und psychotherapeutisches Team unterstützt die Patienten dabei, neuen Mut und neue Kraft zu schöpfen und mit gestärkter Persönlichkeit ins aktive Leben zurückzukehren.
- Integration in den Alltag (auch beruflich): Um die Rückkehr in den Alltag bestmöglich zu unterstützen, werden umfangreiche Beratungen und Schulungen angeboten. Diese umfassen beispielsweise den richtigen Umgang mit Medikamenten, die Nutzung von Hilfsmitteln und die Unterstützung durch Angehörige.
Ablauf einer Reha nach Rückenmark OP
Der Ablauf einer Reha nach einer Rückenmark-OP lässt sich in mehrere Phasen unterteilen:
Lesen Sie auch: Reha-Kliniken in St. Wendel im Vergleich
- Aufnahme und Ankunft: Nach der Akutphase der Operation findet zunächst eine Aufnahmeuntersuchung und ein Erstgespräch statt. Dabei werden Befunde gesichtet und wichtige Fragen beantwortet. Der Patient lernt das therapeutische Team und seine persönliche Bezugsperson kennen, die ihn während der gesamten Reha begleitet.
- Therapie: Im Anschluss an die Aufnahme erstellt das ärztlich-therapeutische Team einen Therapieplan auf Basis der individuellen Symptome und Bedürfnisse des Patienten. Dieser wird über den Reha-Zeitraum angewandt und bei Veränderungen dem Bedarf entsprechend angepasst.
- Abschlussphase: Gegen Ende der Reha begutachtet das Team den Verlauf der Genesung. Bei Abschluss der Therapie erhält der Patient alle aktuellen Befunde und einen umfassenden Bericht über die angewandten Maßnahmen und den Verlauf der Rehabilitation. Zudem werden letzte wertvolle Tipps für den Alltag gegeben. Ein Entlassmanagement sorgt dafür, dass der Patient auch nach der Reha mit den wichtigsten Dingen versorgt ist, wie Medikamenten, Arztterminen, Ansprechpersonen und eventuellen Haushaltshilfen oder ambulanten Therapien.
Dauer der Reha
Die Dauer einer Reha nach einer Rückenmark-OP ist individuell verschieden und hängt sowohl vom Heilungsfortschritt als auch von persönlichen Befindlichkeiten ab. Die durchschnittliche Behandlungsdauer liegt jedoch bei 3 bis 4 Wochen. Bei medizinischer Notwendigkeit und Bewilligung durch die Krankenversicherung ist eine Therapieverlängerung möglich.
Voraussetzungen für eine Reha
Um eine Reha nach einer Rückenmark-OP zu erhalten, muss die Operation erfolgt und die Reha beim Kostenträger beantragt und genehmigt worden sein. Zudem sollte der Patient in der Lage sein, eine Reha durchführen zu können, d.h. selbstständig seine Aufgaben aus dem Therapieplan umzusetzen. Dies wird in der Regel anhand des Barthel-Index ermittelt, der die Selbstständigkeit einer Person in Punkten misst. Für eine Reha nach einer Spinalkanalstenosen-OP wird in der Regel ein Wert von mindestens 75 Punkten verlangt.
Kostenübernahme
Bei der Kostenübernahme der Reha ist es vom Behandlungsziel abhängig, wer die Kosten übernimmt. Ist die Wiederherstellung der Gesundheit das vorrangige Ziel, übernimmt in der Regel die Krankenkasse die Kosten.
Übungen nach der OP
Die Übungen nach einer Rückenmark-OP sollten individuell auf die Beschwerden des Patienten abgestimmt werden. Daher lässt sich pauschal nicht sagen, welche Übungen durchgeführt werden sollten. In der Reha wird ein auf die Symptome und Befindlichkeiten des Patienten ausgerichteter Therapieplan entwickelt, der die Symptome therapiert und nach der OP wieder zu einem schmerzfreien Alltag verhilft.
Nachbehandlung
Die beste Nachbehandlung nach einer Rückenmark-OP ist die, die die individuellen Symptome und Beschwerden des Patienten berücksichtigt und in den Therapieplan integriert. Nur so kann das Maximum aus der Nachbehandlung herausgeholt werden. Eine stationäre Reha bietet hier den Vorteil, dass sie maßgeschneidert auf die Person zusammengestellt wird und eine persönliche Bezugsperson inklusive ist.
Lesen Sie auch: Bad Aibling: Ihr Experte für neurologische Reha
Wahl der Rehaklinik
Die Wahl der Rehaklinik sollte immer den eigenen Bedürfnissen und Anforderungen entsprechen. Da der Patient je nach Schwere der Symptome mehrere Wochen vor Ort bleibt, ist es sehr wichtig, dass er sich wohlfühlt. Zudem sollte die Rehaklinik eine Vielzahl von therapeutischen Behandlungsmethoden anbieten.
Phasen der Rehabilitation nach Wirbelsäulenoperationen
Die Rehabilitation nach Wirbelsäulenoperationen ist in verschiedene Stadien unterteilt, um den Heilungsprozess optimal zu unterstützen:
- Entlastungsstadium (erste drei Wochen): In diesem Stadium liegt der Fokus auf der Wundheilung und der Entlastung der Wirbelsäule. Es werden stabilisierende, leichte physiotherapeutische Übungen durchgeführt, und auf rückengerechte, physiologische Bewegungsabläufe wird geachtet. Eine Schmerztherapie ist in der Regel erforderlich.
- Heilungsstadium (4. bis 6. Woche): Bei schweren Wirbelsäuleneingriffen, wie mehrsegmentalen Versteifungsoperationen oder Bandscheibenersatz, dauert das Heilungsstadium länger. In leichteren Fällen kann bereits nach der 4. Woche ein Belastungsaufbau stattfinden.
- Belastungsstadium (ab der 7. Woche): In diesem Stadium wird bis zur 12. Woche eine stufenweise Belastungszunahme hin zur Normalität angestrebt.
Behandlungskonzept und Behandlungsziele
Das Behandlungskonzept ist interdisziplinär. Der Rehabilitationsarzt ermittelt das Behandlungspotential durch eine Untersuchung und durch Vorbefunde, legt Behandlungsziele fest und verordnet die Therapie. In Zusammenarbeit mit Therapeuten, Pflegekräften, Sozialarbeitern und Psychologen wird das Therapieprogramm ausgestaltet und durchgeführt. Neben Physiotherapie und Ergotherapie ist im weiteren Verlauf auch an eine Sporttherapie zu denken.
Behandlungsziele sind neben der Wundheilung und der Schmerzreduktion die Erreichung einer normalen Belastbarkeit sowie eine Konditionierung des Herzkreislaufsystems und des muskuloskeletalen Systems. Im weiteren Verlauf ist jedoch auch das Erreichen einer Gesundheitskompetenz wichtig, um langfristig Rezidive bzw. Verschlechterungen zu vermeiden und eine gute Lebensqualität wieder herzustellen. Die Trainingssteuerung erfolgt über Belastungsintensität, Belastungsdauer sowie Ausgestaltung des Programms mit Ruhepausen.
Wirbelsäulenstabilisation
Ein wesentliches Ziel zum Erreichen eines normalen Lebens und einer guten Lebensqualität ist eine stabile Wirbelsäule, um durch aktive statische und dynamische Sicherung des Rumpfes und stabiler Haltung eine geordnete Zielmotorik, beispielsweise Ausführungen von Alltagsbewegungen, zu erreichen. Hierzu sind die sogenannte Tiefenstabilisation und das senso-motorische System wichtig. Sensomotorik bezeichnet dabei die enge Verknüpfung und Abstimmung von Wahrnehmung und Bewegung, die trainiert werden kann und zu einer verbesserten Körperhaltung und verbesserten Bewegungsabläufen führt.
Lesen Sie auch: Bewertung der neurologischen Reha in der Mediclin Klinik Reichshof
Sensomotorisches Training
Die Tiefenstabilität und die Sensomotorik können durch relativ einfache Übungen trainiert werden, wie Zehenstand und Einbeinstand sowie im Vierfüßlerstand. Am Anfang stehen jedoch Bewegungen in entlastender Lagerung, wie Rückenlage. Im weiteren Verlauf können einfache Geräte, wie ein Schlingengerät (Therapie-Master) benutzt werden. In der Medizinischen Trainingstherapie können diese Gerätschaften gezielt eingesetzt, in den Alltag umgesetzt und sowohl zur Konditionierung wie auch zum weiteren Aufbau der Tiefenstabilisation dienen.
Medizinisch-Berufliche-Orientierung
Um eine Rückkehr an den Arbeitsplatz zu gewährleisten, haben sich arbeitsbezogenes Training sowie eine Arbeitsbelastungserprobung bewährt. Hierbei wird zunächst die funktionelle Leistungsfähigkeit untersucht und dann arbeitsbezogen geübt. Ob allerdings eine Rückkehr an die zuvor ausgeübte Arbeit bzw. den Arbeitsplatz möglich ist, muss der erfahrene Rehabilitationsmediziner in einer sozialmedizinischen Beurteilung herausfinden und dem jeweiligen Rentenversicherungsträger plausibel darlegen.
Neurologische Reha nach Rückenmark OP
In einigen Fällen kann nach einer Rückenmark OP eine neurologische Reha erforderlich sein. Diese konzentriert sich auf die Behandlung von Patienten nach Erkrankungen oder Verletzungen des Gehirns, des Nervensystems oder des Rückenmarks. Ziel ist es, die Lebensqualität und Selbständigkeit der Betroffenen zu verbessern, indem physische, kognitive und emotionale Fähigkeiten gezielt gefördert werden.
Zielgruppen der neurologischen Reha
- Patienten nach einem Schlaganfall
- Personen mit Schädel-Hirn-Trauma
- Menschen mit chronischen neurologischen Erkrankungen (z.B. Parkinson, Multiple Sklerose)
- Patienten mit Gehirntumoren
- Patienten nach Operationen am Gehirn oder Rückenmark
Voraussetzungen für eine neurologische Reha
- Diagnose einer neurologischen Erkrankung oder Verletzung
- Medizinische Notwendigkeit einer Reha
- Rehabilitationsfähigkeit (aktive Teilnahme am Programm)
- Positive Rehabilitationsprognose
- Abschluss der akuten Behandlungsphase
Phasen der neurologischen Reha
Die neurologische Reha ist in verschiedene Phasen gegliedert, die sich nach dem Schweregrad der Erkrankungsfolgen richten:
- Phase A: Akutversorgung
- Phase B: Frührehabilitation
- Phase C: Weiterführende Rehabilitation
- Phase D: Anschlussrehabilitation (AHB/AR)
- Phase E: Nachsorge und berufliche Rehabilitation
- Phase F: Langzeitpflege
Behandlungen in der neurologischen Reha
- Medizinische Betreuung
- Physiotherapie
- Ergotherapie
- Logopädie
- Kognitives Training
- Psychologische Betreuung
- Sozialdienst
Dauer der neurologischen Reha
Eine neurologische Reha dauert in der Regel drei bis vier Wochen. Eine Verlängerung ist möglich, wenn sie medizinisch notwendig ist.
tags: #reha #nach #ruckenmark #op