Einführung
Die Auswirkungen von Substanzen auf das zentrale Nervensystem (ZNS) sind ein komplexes und vielschichtiges Feld. Anabolika, die oft im Sport und Bodybuilding missbraucht werden, und Neurosteroide wie Pregnenolon, die natürlich im Körper vorkommen, können tiefgreifende Auswirkungen auf die Gehirnfunktion und das allgemeine Wohlbefinden haben. Dieser Artikel beleuchtet die vielfältigen Effekte dieser Substanzen auf das ZNS, von den psychischen Auswirkungen von Testosteron bis hin zu den potenziellen therapeutischen Anwendungen von Pregnenolon.
Anabolika und ihre Auswirkungen auf das Gehirn
Anabolika als Dopingmittel
Anabolika gehören zu den am häufigsten verwendeten Dopingmitteln, insbesondere im Bodybuilding. Diese Substanzen, die sich von den männlichen Sexualhormonen, den Androgenen, ableiten, wirken eiweißanabol, was bedeutet, dass sie eine positive Stickstoffbilanz fördern und somit Wachstumsprozesse beschleunigen. In Kombination mit intensivem Training führen Androgene zu einem gesteigerten Muskelwachstum.
Androgene Wirkungen und Nebenwirkungen
Die wichtigste Nebenwirkung aller Anabolika ist ihre androgene Wirkung. Bei Frauen kann dies zu einer "Vermännlichung" (Virilisierung) führen, die sich durch irreversible Veränderungen der Stimme, Klitoriswachstum und verstärktes Haarwachstum äußert. Bei Männern kann es aufgrund der Umwandlung von Anabolika in Östrogene zu einer Vergrößerung der Brustdrüsen (Gynäkomastie) kommen. Bei Kindern und Jugendlichen kann die Einnahme von Steroid-Anabolika zu einer Beschleunigung der Knochenreifung und einem vorzeitigen Verschluss der Epiphysenfuge führen.
Auswirkungen auf die Blutfettwerte und das Herz-Kreislauf-System
Die Einnahme von Androgenen kann auch die Blutfettwerte negativ beeinflussen, indem sie das Gesamtcholesterin, die Triglyceride, die LDL- und die VLDL-Fraktion erhöht, während die HDL-Fraktion sinkt. Dies erhöht das Risiko für Atherosklerose und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Darüber hinaus kann die Einnahme von Steroid-Anabolika zu einer Vergrößerung des Herzmuskels führen, ohne dass die notwendige Kapillarisierung zur Sauerstoffversorgung gewährleistet ist. Bestimmte Anabolika können bei längerer Anwendung auch zu irreversiblen Leberschäden führen.
Psychische Auswirkungen von Testosteron
Da Testosteron wie andere Steroidhormone problemlos die Blut-Hirn-Schranke passiert und der Androgenrezeptor im zentralen Nervensystem an zahlreichen Stellen zu finden ist, sind bei Männern und Frauen zahlreiche Auswirkungen von Testosteron auf die Psyche beschrieben. Am häufigsten diskutiert wird die Beeinflussung der Sexualität, wobei sexuelle Appetenz und Phantasien, spontane nächtliche Erektionen, die sexuelle Aktivität und die Häufigkeit von Orgasmus und Ejakulation Testosteron-abhängig sind.
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Die Stimmungslage und der Antrieb werden möglicherweise ebenfalls durch Testosteron beeinflusst. Einige Männer berichten bei Testosteronmangel über depressive Symptome. Erhöhte Testosteronspiegel wurden in der Vergangenheit mit einer verstärkten Aggressivität in Zusammenhang gebracht.
Anabolika und beschleunigte Hirnalterung
Neue Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Anabolikakonsum das Gehirn schneller altern lassen kann. Studien haben gezeigt, dass die Gehirne von Anabolikakonsumenten im Vergleich zu denen von Nicht-Konsumenten erheblich vorgealtert sind. Diese zerebralen Veränderungen könnten die Lebensqualität der Betroffenen erheblich vermindern, da ein erhöhtes Gehirnalter mit einer verschlechterten kognitiven Funktion und einem größeren Risiko für neurodegenerative Erkrankungen verbunden ist.
Anabolika-induzierte Substanzgebrauchsstörung
Obwohl Anabolika keine klassischen psychoaktiven Substanzen sind, wirken sie stark auf das zentrale Nervensystem. Sie binden an Androgenrezeptoren im Gehirn, insbesondere im limbischen System, das für Motivation, Emotion und Belohnung zuständig ist. Während des Konsums berichten viele über gesteigertes Selbstvertrauen, Antrieb und emotionale Stabilität. Nach dem Absetzen kann es jedoch zu einem rapiden Rückgang dieser Botenstoffe kommen, was zu Symptomen wie depressiver Verstimmung, Angst, Schlafstörungen und Suizidgedanken führen kann.
Viele AAS-Nutzer zeigen klare Symptome einer Substanzgebrauchsstörung. Hinzu kommt die psychische Abhängigkeit: Das Gefühl, ohne AAS kleiner, schwächer oder weniger leistungsfähig zu sein. Viele erleben und fürchten einen sogenannten "Crash" nach dem Absetzen - ein massiver Stimmungsabfall und das Gefühl, "nicht mehr ganz man selbst" zu sein.
Neurosteroide und ihre Rolle im ZNS
Pregnenolon: Das "Großmutterhormon"
Pregnenolon ist ein körpereigenes Steroid, das in den Nebennieren und im Gehirn gebildet wird. Biochemisch fungiert es als Vorstufe für Progesteron, DHEA und weitere Steroide. Zusätzlich wirkt Pregnenolon als Neurosteroid im zentralen Nervensystem, indem es Rezeptorsysteme wie NMDA und GABA moduliert. Diese neurobiologischen Effekte können Schlaf, Stimmung und Gedächtnis beeinflussen.
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Viele Kliniken und Fachtexte umschreiben Pregnenolon als "Großmutterhormon", weil es in mehreren Stoffwechselwegen eine Vorstufenrolle einnimmt. Pregnenolon ist kein klassisches Hormonersatzpräparat wie Östrogen. Es hat eigene neurobiologische Effekte, die attraktiv wirken können, aber die Umwandlung in andere Steroide macht die Situation komplex.
Mögliche Auswirkungen auf Menopause-Symptome
Pregnenolon könnte potenziell folgende Symptome der Menopause beeinflussen:
- Stimmung und Angst: Neurosteroidale Effekte können depressive Symptome mindern oder Angst reduzieren.
- Schlaf und Erholung: Durch die Modulation des GABA-Systems kann Pregnenolon die Schlafarchitektur beeinflussen.
- Kognitive Funktionen: Kleine Studien berichten Hinweise auf Verbesserungen bei Gedächtnis und Aufmerksamkeit.
- Libido: Indirekte Verbesserungen sind möglich, vor allem wenn Stimmung und Energie steigen.
Für Hitzewallungen und Nachtschweiß fehlen derzeit belastbare Daten. Bei Hitzewallungen sind andere nicht-hormonelle Therapien besser geprüft.
Wissenschaftliche Datenlage zur Wirkung von Pregnenolon
Die Studienlage ist heterogen und insgesamt begrenzt. Viele Untersuchungen stammen aus psychiatrischen oder neurologischen Indikationen, randomisierte kontrollierte Studien speziell bei menopausalen Frauen fehlen weitgehend. Kleine klinische Studien berichten Verbesserungen in kognitiven Tests oder bei spezifischen Symptomen, doch die Stichprobengrößen sind häufig unter 100 Personen. In der Praxis bedeutet das: potenzielles Nutzensignal, aber keine eindeutige Empfehlung.
Typische Dosierungen, die in der Praxis genannt werden, reichen von wenigen Milligramm bis zu 50 mg pro Tag. Einheitliche Standardprotokolle fehlen, deshalb ist ärztliche Begleitung und Laborkontrolle essenziell.
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Sicherheit, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen von Pregnenolon
Als Steroidvorstufe kann Pregnenolon in andere Hormone umgewandelt werden. Das hat mehrere Konsequenzen:
- Potenzial für hormonähnliche Effekte, insbesondere bei Umwandlung in Gestagene oder Androgene.
- Langzeitsicherheitsdaten sind limitiert.
- Bei hormonempfindlichen Erkrankungen ist erhöhte Vorsicht geboten.
Berichtete Nebenwirkungen sind meist mild, etwa Unruhe, Schlafstörungen oder Hautreaktionen. Wechselwirkungen mit Psychopharmaka, Enzyminduktoren und anderen Hormonpräparaten sind denkbar. Bei Schwangerschaft oder Stillzeit ist Pregnenolon nicht ohne Rücksprache zu verwenden. Vor Beginn sollten Laborwerte wie Leber, Schilddrüse, Vitaminstatus und relevante Steroide geprüft werden.
Pregnenolonsulfat (PregS): Ein weiterer wichtiger Akteur
Pregnenolonsulfat (PregS) ist ein Neurosteroid, das in den Nebennieren, den Gonaden und im zentralen Nervensystem gebildet wird. Es wirkt unabhängig von hormonellen Regelkreisen direkt an Nervenzellen und moduliert bestimmte Neurotransmitter-Rezeptoren. Dadurch beeinflusst PregS die neuronale Erregbarkeit, synaptische Plastizität und emotionale Regulation.
PregS wirkt als positiver Modulator von NMDA-Rezeptoren und hemmt zugleich GABA(A)-, Glycin- und AMPA-Rezeptoren. Das komplexe Zusammenspiel trägt zur Balance zwischen neuronaler Erregung und Hemmung bei. PregS fördert Lernen und Gedächtnis über intrazelluläre Ca²+-Signale und durch Aktivierung CREB-abhängiger Genexpression. Es gibt Hinweise aus der Forschung, dass niedrige PregS-Spiegel mit verminderter Aufmerksamkeit, Fatigue und reduzierter kognitiver Leistung in Verbindung stehen könnten.
Austausch von Pregnenolonsulfat über die Blut-Hirn-Schranke
Ein Austausch von Pregnenolonsulfat über die Blut-Hirn-Schranke (BHS) findet durch mehrere Mechanismen statt:
- Spezifische Transporter vermitteln aktiven Ein- und Ausstrom über die BHS.
- Umwandlung in Pregnenolon an der Kapillar- oder Endotheloberfläche. Pregnenolon kann die BHS frei passieren und wird im Gehirn zu PregS resulfatiert.
- Darüber hinaus ist am Plexus choroideus ein Übergang zwischen peripherem Blut und Liquor möglich.
Somit hängt die Serumkonzentration von PregS zwar teilweise mit der neurosteroidalen Aktivität im ZNS zusammen, erlaubt aber keine lineare Ableitung der Gehirnspiegel. Die Konzentration von Pregnenolonsulfat im Serum spiegelt die systemische Verfügbarkeit dieses Neurosteroids wider.
Therapiemonitoring mittels PregS
Bei Einsatz Neurosteroid-modulierender Maßnahmen (z. B. Pregnenolon-Supplementation, ketogene Ernährung, Hormonersatz) kann die PregS-Bestimmung im Verlauf Hinweise auf eine Verbesserung der neurosteroidalen Aktivität liefern. Ein stabiler oder ansteigender PregS-Spiegel kann als Marker einer Normalisierung der neuronalen Erregbarkeit interpretiert werden.
Alternativen zu Hormontherapien
Nicht-hormonelle Strategien bei Menopause-Beschwerden
Es gibt viele effektive, nicht-hormonelle Therapien, die bei Menopause-Beschwerden helfen können. In der Praxis lohnt sich eine kombinierte, personalisierte Strategie.
- Lebensstil: Regelmäßige körperliche Aktivität verbessert Schlaf, Stimmung und kann vasomotorische Symptome reduzieren. Empfohlen werden 30 Minuten moderate Aktivität an 4 bis 5 Tagen pro Woche. Schlafhygiene und Koffeinreduktion helfen bei nächtlichem Schwitzen.
- Mikronährstoffe: Vitamin D, Vitamin B12, Magnesium und Omega-3-Fettsäuren können Defizite ausgleichen. Lassen Sie Werte prüfen, um gezielt zu substituieren.
- Medikamente ohne Hormone: SSRI und SNRI reduzieren Hitzewallungen und verbessern Stimmung. Gabapentin ist eine weitere Option bei starken Hitzewallungen. Nutzen und Nebenwirkungen sollten ärztlich abgewogen werden.
- Psychologische Ansätze: Kognitive Verhaltenstherapie, insbesondere CBT-I bei Schlafstörungen, hat gute Evidenz. Viele Patientinnen berichten deutliche Verbesserungen ohne systemische Risiken.
- Lokale Therapien: Für vaginale Trockenheit sind lokale Cremes, Gleitmittel und bestimmte minimal-invasive Verfahren wirkungsvoll. Diese Methoden wirken lokal und führen meist nicht zu systemischen Hormonspiegelveränderungen.
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