Die Rückenmarkpunktion, auch Lumbalpunktion genannt, ist ein medizinisches Verfahren, bei dem Nervenwasser (Liquor cerebrospinalis) aus dem Bereich der Lendenwirbelsäule entnommen wird. Sie dient der Diagnose verschiedener Erkrankungen des zentralen Nervensystems. Obwohl die Rückenmarkpunktion heutzutage als relativ sicher gilt, birgt sie dennoch gewisse Risiken, über die werdende Mütter aufgeklärt werden sollten, insbesondere im Zusammenhang mit einer Periduralanästhesie (PDA) während der Geburt.
Wann wird eine Nervenwasseruntersuchung durchgeführt?
Die Nervenwasseruntersuchung (Liquoruntersuchung) wird bei Verdacht auf verschiedene Erkrankungen des Gehirns und des Rückenmarks durchgeführt. Dazu gehören:
- Akut entzündliche Hirnerkrankungen wie Meningitis (Hirnhautentzündung)
- Chronisch entzündliche Erkrankungen wie Multiple Sklerose
- Nachweis oder Ausschluss einer Hirnblutung
- Diagnostik anderer Hirnerkrankungen wie Demenzen
Was steckt hinter einer Nervenwasseruntersuchung?
Gehirn und Rückenmark sind von einer Flüssigkeit, dem Liquor cerebrospinalis, umgeben, die sie wie ein Wasserkissen schützt. Da diese Flüssigkeit in engem Kontakt mit dem Nervensystem steht, kann ihre Untersuchung Aufschlüsse über krankhafte Veränderungen geben.
Durchführung einer Rückenmarkpunktion
Die Liquor-Entnahme erfolgt meistens am sitzenden Patienten durch einen Einstich (Punktion) zwischen zwei Wirbeln der Wirbelsäule im Bereich der Lenden (lumbal). Der Patient wird aufgefordert, den Rücken frei zu machen und zu einem entspannten "Katzenbuckel" zu formen. Vor dem Einstich der sterilen Nadel tastet der Arzt nochmals genau die Lage der Wirbel ab. Der Einstich selbst ist nur vorübergehend schmerzhaft. Die Nadelspitze kommt zwischen den Rückenmarksnerven im Liquor zu liegen, den man langsam von selbst abtropfen lässt. Es werden zwischen fünf und zehn Milliliter entnommen, was nur ein Bruchteil der gesamten vorhandenen Flüssigkeit ist. Am Tag werden circa 300 Milliliter gebildet.
Risiken und Komplikationen einer Rückenmarkpunktion
Obwohl die Rückenmarkpunktion im Allgemeinen als sicher gilt, können in seltenen Fällen Komplikationen auftreten. Es ist wichtig, sich dieser Risiken bewusst zu sein, insbesondere im Zusammenhang mit einer PDA während der Geburt.
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Kopfschmerzen nach Punktion (Postpunktionelle Kopfschmerzen, PKK)
Eine der häufigsten Komplikationen ist der postpunktionelle Kopfschmerz (PKK). Er entsteht, wenn beim Einführen der Punktionsnadel versehentlich die harte Hirnhaut (Dura mater), die auch das Rückenmark umschließt, durchstochen wird.
Die Betroffenen bekommen innerhalb von fünf Tagen nach der Punktion starke Kopfschmerzen beim Aufstehen oder Aufsitzen, die sich im Liegen bessern. Zusätzlich kann mindestens eines der folgenden Symptome auftreten:
- Nackensteifigkeit, Nackenschmerzen
- Ohrgeräusche (Tinnitus)
- Veränderung des Hörens
- Lichtscheu
- Übelkeit
Der postpunktionelle Kopfschmerz hält in der Regel ein bis zwei Wochen an, selten länger. Um das Risiko von postspinalen Kopfschmerzen zu reduzieren, werden bei der Spinalanästhesie sogenannte atraumatische Punktionskanülen genutzt. Diese stanzen beim Durchstechen keinen Gewebszylinder aus der Dura mater, sondern reißen diese auf. So kann sich die Punktionsstelle nach Entfernen der Nadel wieder optimal verschließen, es kommt damit seltener zum Verlust von Liquor.
Infektionen
Dort, wo der PDA-Katheter eingeführt wird und liegt, kann sich eine Infektion entwickeln. Das kann beispielsweise Entzündungen, Eiteransammlungen (Abszesse) und Narbenbildung nach sich ziehen. Ganz selten entwickeln sich schwerwiegende Folgen wie eine "Blutvergiftung" (Sepsis) oder bleibende Lähmungen. Aus hygienischen Gründen sollte der Patient vor der Operation gründlich duschen.
Neurologische Komplikationen
In sehr seltenen Fällen kann es zu Nervenverletzungen kommen, die zu vorübergehenden oder dauerhaften Sensibilitätsstörungen, Muskelschwäche oder sogar Lähmungen führen können. Extrem selten könnten möglicherweise Nervenschäden mit bleibenden Lähmungen bis zum Querschnitt auftreten. Sie könnten durch Blutergüsse, Entzündungen oder direkte Nervenschäden verursacht werden.
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Blutung
In seltenen Fällen kann es zu einer Blutung im Spinalkanal kommen, die auf das Rückenmark drücken und neurologische Schäden verursachen kann.
Medikamentenbedingte Komplikationen
Auf die bei der PDA injizierten Medikamente können Frauen mit Nebenwirkungen reagieren; dabei sind auch allergische Reaktionen möglich. In leichteren Fällen bekommen die Frauen zum Beispiel Juckreiz, einen Hautausschlag, Übelkeit, Erbrechen oder Kreislaufprobleme. Selten treten schwere Nebenwirkungen beziehungsweise schwere allergische Reaktionen auf, etwa in Form von Krämpfen, Atem-, Herz- und Kreislaufversagen. Nur in Einzelfällen bleiben schwere Schäden zurück, beispielsweise Organschäden oder Lähmungen.
Wird Schwangeren bei der PDA eine zu geringe Medikamentendosis verabreicht, werden die Schmerzen nicht ausreichend gestillt. Dann kann der Arzt oder die Ärztin "nachspritzen". Eine Überdosierung kann eine Lähmung der Muskulatur während der Geburt verursachen. Eine solche PDA-Fehleinstellung kann die Wehentätigkeit stören.
Ein weiteres mögliches PDA-Risiko besteht darin, dass das verabreichte Betäubungsmittel versehentlich direkt in den Blutkreislauf gelangt oder sehr schnell vom Gewebe ins Blut übertritt. Dann können Krampfanfälle, Bewusstlosigkeit und sehr selten lebensbedrohliche Kreislauf- und Atemstörungen auftreten. Gelangt das Betäubungsmittel bei der PDA versehentlich weiter nach "innen" in den sogenannten Spinalraum, können vorübergehende Lähmungen die Folge sein.
Sonstige Risiken
Weitere mögliche Risiken einer Rückenmarkpunktion sind:
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- Rückenschmerzen
- Harnverhalt (Probleme beim Wasserlassen)
- Fieber
- Allergische Reaktionen auf die verwendeten Medikamente
- Blutdruckabfall
PDA bei der Geburt: Auswirkungen auf das Kind
Es lässt sich nicht völlig ausschließen, dass sich die Medikamente (Betäubungs- und Schmerzmittel), die der Mutter zur PDA verabreicht werden, auch auf das Kind auswirken. So kann durch die PDA der Blutdruck der Mutter absinken. Dann verlangsamt sich manchmal der Herzschlag des Ungeborenen. Unter Umständen muss dann schnell ein Kaiserschnitt gemacht werden. Durch die PDA-Medikamente selbst kann das Kind eventuell Atemprobleme bekommen und noch einige Zeit nach der Geburt "verschlafen". Im Normalfall besteht für das Kind durch die PDA bei der Geburt aber keine Gefahr, wenn die empfohlenen Medikamente in der empfohlenen Dosierung verabreicht werden.
Vorbeugung und Behandlung von Komplikationen
Um Komplikationen vorzubeugen, ist es wichtig, dass die Rückenmarkpunktion von erfahrenen Ärzten unter sterilen Bedingungen durchgeführt wird. Vor dem Eingriff sollte der Patient umfassend über die Risiken und Vorteile aufgeklärt werden.
Bei Auftreten von Komplikationen ist eine rasche Diagnose und Behandlung entscheidend. Postpunktionelle Kopfschmerzen können in der Regel mit Schmerzmitteln, Bettruhe und ausreichender Flüssigkeitszufuhr behandelt werden. In schweren Fällen kann ein sogenannter "Blut-Patch" (epidurale Injektion von Eigenblut) erforderlich sein, um das Liquorleck zu verschließen. Infektionen werden mit Antibiotika behandelt. Neurologische Komplikationen erfordern möglicherweise eine operative Dekompression des Rückenmarks.
PDA bei der Geburt: Was Sie wissen sollten
Die Periduralanästhesie (PDA) ist ein weit verbreitetes Verfahren zur Schmerzlinderung während der Geburt. Dabei wird ein Lokalanästhetikum in den Periduralraum der Wirbelsäule injiziert, um die Schmerzübertragung zu blockieren. Obwohl die PDA im Allgemeinen als sicher gilt, ist es wichtig, sich der möglichen Risiken und Komplikationen bewusst zu sein.
Vorteile der PDA
- Effektive Schmerzlinderung während der Geburt
- Möglichkeit, die Dosierung des Schmerzmittels anzupassen
- Erhalt des Bewusstseins der Mutter
- Geringere Risiken und Nebenwirkungen als eine Vollnarkose
Nachteile und Risiken der PDA
- Mögliche Komplikationen wie Kopfschmerzen, Infektionen, neurologische Schäden
- Blutdruckabfall
- Harnverhalt
- Eingeschränkte Bewegungsfähigkeit
- Verlängerung der Geburtsdauer
- Erhöhtes Risiko für Wehenschwäche und operative Entbindung (Saugglocke, Zange, Kaiserschnitt)
- Auswirkungen auf das Kind (z.B. Herzfrequenzabfall)
Wann ist eine PDA nicht möglich?
Es gibt bestimmte Situationen, in denen eine PDA nicht durchgeführt werden kann, z.B. bei:
- Gerinnungsstörungen
- Infektionen im Punktionsbereich
- Allergie gegen Lokalanästhetika
- Sehr niedrigem Blutdruck
- Tattoo im Bereich der Punktionsstelle (relativ)
Was Sie vor einer PDA-Entscheidung beachten sollten
- Lassen Sie sich von Ihrem Arzt oder Ihrer Hebamme umfassend über die PDA aufklären.
- Besprechen Sie Ihre individuellen Risikofaktoren und Bedenken.
- Informieren Sie sich über alternative Methoden der Schmerzlinderung.
- Treffen Sie eine informierte Entscheidung, die Ihren persönlichen Bedürfnissen und Wünschen entspricht.
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