Rückenmark Regeneration Halswirbelsäule: Ursachen, Symptome und Behandlungen

Eine Rückenmarksverletzung im Bereich der Halswirbelsäule kann schwerwiegende Folgen haben. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome und verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten, um Betroffenen ein umfassendes Verständnis der Thematik zu ermöglichen.

Einführung in die Rückenmarksverletzung der Halswirbelsäule

Bei einer Rückenmarksverletzung werden Teile des Rückenmarks oder die Nervenbahnen geschädigt, was zu vorübergehenden oder dauerhaften Funktionsveränderungen führen kann. Die Halswirbelsäule, bestehend aus sieben Zervikalwirbeln (C1 bis C7), ist besonders anfällig für solche Verletzungen. Der erste Halswirbel (C1), auch Atlas genannt, und der zweite Halswirbel (Axis) bilden zusammen mit den anderen Halswirbeln die Basis für die hohe Beweglichkeit des Kopfes.

Ursachen einer Rückenmarksverletzung

Es gibt vielfältige Ursachen für eine Rückenmarksverletzung. Unfälle sind eine der häufigsten Ursachen, darunter:

  • Autounfälle: Durch plötzliche Krafteinwirkung kann es zu Verletzungen der Halswirbelsäule und des Rückenmarks kommen.
  • Stürze: Stürze aus großer Höhe oder auf den Kopf können ebenfalls schwere Verletzungen verursachen.
  • Sportverletzungen: Besonders bei Hochrisikosportarten wie z.B. American Football oder Rugby kann es zu Verletzungen des Rückenmarks kommen.
  • Gewalteinwirkung: Schussverletzungen oder andere Formen von Gewalt können das Rückenmark direkt schädigen.
  • Chirurgische Komplikationen: In seltenen Fällen können Komplikationen bei Operationen im Bereich der Wirbelsäule zu Rückenmarksverletzungen führen.
  • Infektionen des Rückenmarks: Infektionen können Entzündungen und Schädigungen des Rückenmarks verursachen.
  • Erkrankungen des Rückenmarks: Erkrankungen wie z.B. Tumore oder Gefäßerkrankungen können das Rückenmark schädigen.

Arten und Symptome von Rückenmarksverletzungen

Die Symptome einer Rückenmarksverletzung hängen von der Art und Schwere der Verletzung ab. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen vollständigen und unvollständigen Rückenmarksverletzungen.

  • Vollständige Rückenmarksverletzung: Bei einer vollständigen Verletzung gibt es keinen sensorischen Input und keine willkürliche Bewegung unterhalb der betroffenen Region.
  • Unvollständige Rückenmarksverletzung: Bei einer unvollständigen Verletzung sind noch einige Funktionen unterhalb der Verletzungsstelle vorhanden. Dies kann sich in Form von Empfindungen oder motorischer Kontrolle äußern.

Eine Verletzung, die das Rückenmark quetscht oder zusammendrückt, kann die Nervenbündel, die normalerweise für den Informationsaustausch zwischen Gehirn und Körper verantwortlich sind, dauerhaft schädigen. Diese Nervenschädigung kann die Bewegung oder das Gefühl erheblich beeinträchtigen. Spastik kann Bewegung, Körperhaltung und Gleichgewicht erschweren und die Fähigkeit beeinträchtigen, Gliedmaßen oder eine Körperhälfte zu bewegen.

Lesen Sie auch: Fortschritte in der Rückenmarkforschung

Der HWS-Bandscheibenvorfall als Ursache für Rückenmarkschädigung

Ein Bandscheibenvorfall der Halswirbelsäule (HWS) tritt auf, wenn Material aus dem inneren Gallertkern einer Bandscheibe im Halsbereich durch den umhüllenden Faserring nach außen dringt. Dieses ausgetretene Material kann auf das Rückenmark oder die Spinalnerven drücken und so zu Schmerzen, Lähmungen oder Missempfindungen führen.

Aufbau und Funktion der Halswirbelsäule

Die Halswirbelsäule besteht aus sieben Halswirbeln (C1 bis C7). Zwischen den Wirbelkörpern liegen die Bandscheiben, die Drehbewegungen ermöglichen und Erschütterungen abfedern. Sie bestehen aus einem weichen Gallertkern (Nucleus pulposus), der von einem festen Faserring (Anulus fibrosus) umgeben ist. Die Wirbelbögen bilden den Wirbelkanal (Spinalkanal), in dem das Rückenmark verläuft.

Entstehung eines HWS-Bandscheibenvorfalls

Im Laufe des Lebens kann sich die Feinstruktur des Faserrings degenerativ verändern. Es bilden sich Risse, und er verliert an Elastizität. Wenn der Gallertkern in diese Risse eindringt, entsteht eine Vorwölbung (Bandscheibenprotrusion). Durchbricht der Gallertkern den Faserring vollständig, spricht man von einem Bandscheibenvorfall (Prolaps). Das ausgetretene Material kann auf das Rückenmark oder die Spinalnerven drücken.

Risikofaktoren für einen HWS-Bandscheibenvorfall

  • Degenerative Verschleißerscheinungen: Mit zunehmendem Alter verliert der Faserring an Stabilität und Elastizität.
  • Fehlbelastungen: Berufliche oder sportliche Fehlbelastungen der Halswirbelsäule können Abnutzungsprozesse begünstigen.
  • Unfälle: In seltenen Fällen können Unfälle mit abrupten Drehbewegungen des Kopfes zu einem akuten HWS-Bandscheibenvorfall führen.
  • Veranlagung: Eine Bindegewebsschwäche kann das Risiko für einen Bandscheibenvorfall erhöhen.

Symptome eines HWS-Bandscheibenvorfalls

Die Symptome eines HWS-Bandscheibenvorfalls können vielfältig sein und hängen davon ab, welche Nervenwurzeln oder das Rückenmark betroffen sind. Typische Symptome sind:

  • Nackenschmerzen: Oft strahlen die Schmerzen in die Schulter, den Arm oder die Hand aus.
  • Taubheitsgefühl: Kribbeln oder Taubheitsgefühl in Arm, Hand oder Fingern.
  • Muskelschwäche: Lähmungen oder Schwäche der Muskulatur in Arm oder Hand.
  • Bewegungseinschränkungen: Schwierigkeiten beim Drehen oder Neigen des Kopfes.
  • In schweren Fällen: Lähmungen in den Beinen, Gleichgewichtsstörungen oder Störungen der Blasen- und Darmfunktion.

Diagnose eines HWS-Bandscheibenvorfalls

  • Anamnese und körperliche Untersuchung: Der Arzt erfragt die Krankheitsgeschichte und untersucht die Funktion der Nerven und Muskeln.
  • Bildgebende Verfahren:
    • Röntgen: Zur Beurteilung der knöchernen Strukturen.
    • CT (Computertomographie): Detailliertere Darstellung der Knochen und Bandscheiben.
    • MRT (Magnetresonanztomographie): Darstellung des Rückenmarks, der Nervenwurzeln und der Bandscheiben.
    • Myelographie: In seltenen Fällen zur Darstellung des Rückenmarkkanals.

Konservative Behandlungsmöglichkeiten eines HWS-Bandscheibenvorfalls

In vielen Fällen kann ein HWS-Bandscheibenvorfall konservativ behandelt werden. Ziel der konservativen Therapie ist es, die Schmerzen zu lindern, die Entzündung zu reduzieren und die Muskulatur zu stärken. Zu den konservativen Maßnahmen gehören:

Lesen Sie auch: Der Conus Medullaris: Eine detaillierte Analyse

  • Schmerzmittel: Medikamente zur Schmerzlinderung und Entzündungshemmung.
  • Physiotherapie: Übungen zur Stärkung der Nackenmuskulatur und zur Verbesserung der Beweglichkeit.
  • Wärmeanwendungen: Zur Entspannung der Muskulatur.
  • Halskrause: Zur Ruhigstellung der Halswirbelsäule.
  • Injektionen: Injektion von schmerz- und entzündungshemmenden Medikamenten direkt an die Nervenwurzeln (Infiltration).

Operative Behandlungsmöglichkeiten eines HWS-Bandscheibenvorfalls

Wenn die konservativen Behandlungsmethoden nicht ausreichend helfen oder neurologische Ausfälle auftreten, kann eine Operation erforderlich sein. Ziel der Operation ist es, den Druck auf das Rückenmark oder die Nervenwurzeln zu beseitigen. Es gibt verschiedene operative Verfahren:

  • Entfernung der Bandscheibe (Diskektomie): Die geschädigte Bandscheibe wird entfernt, um den Druck auf das Rückenmark oder die Nervenwurzeln zu beseitigen.
  • Fusion (Spondylodese): Nach der Entfernung der Bandscheibe werden die benachbarten Wirbelkörper miteinander verbunden, um die Stabilität der Halswirbelsäule wiederherzustellen.
  • Bandscheibenprothese: Anstelle der Fusion kann eine Bandscheibenprothese eingesetzt werden, um die Beweglichkeit der Halswirbelsäule zu erhalten.
  • Laminektomie: Erweiterung des Spinalkanals durch Entfernung von Teilen des Wirbelbogens.

Die Operation kann von vorne (ventral) oder von hinten (dorsal) erfolgen. Die Wahl des Operationsverfahrens hängt von der Art und Lokalisation des Bandscheibenvorfalls ab.

Rehabilitation nach einer HWS-Bandscheibenoperation

Nach einer Operation ist eine Rehabilitation wichtig, um die Muskulatur zu stärken, die Beweglichkeit zu verbessern und die Schmerzen zu lindern. Die Rehabilitation kann ambulant oder stationär erfolgen.

Querschnittlähmung und Immunfunktion

Forschende haben untersucht, inwiefern Rückenmarksverletzungen auch zu einer eingeschränkten Immunfunktion beitragen. Komplette Querschnittlähmungen können zu Immunschwäche und einem erhöhten Infektionsrisiko führen. Akut querschnittgelähmte Patienten sind besonders anfällig für Infektionen, etwa für Atem- oder Harnwegsinfekte. Eine Immunschwäche nach Rückenmarkverletzung wird auch Spinal Cord Injury-induced Immune Deficiency Syndrome (SCI-IDS) genannt.

Neue Therapieansätze und Forschung

  • Stammzelltherapie: In einer Studie wurden Stammzellen in das verletzte Rückenmark eines Patienten injiziert. Der Patient zeigte Anzeichen der Besserung, wie die Wissenschaftler berichten. Er begann, wieder Gefühl in seinen Händen zu erlangen und konnte nach und nach die Arme immer besser bewegen und kontrollieren.
  • Digitale Schnittstelle zwischen Gehirn und Rückenmark: Eine digitale Schnittstelle zwischen Gehirn und Rückenmark könnte zukünftig gelähmten Patienten ihre Bewegungsfähigkeit zumindest teilweise zurückgeben. In einer Pilotstudie ermöglichte das Implantat einem Patienten, der seit zehn Jahren querschnittsgelähmt war, wieder aus eigener Kraft zu gehen und zu stehen - wenn auch mit Krücken.

Myelopathie: Eine weitere Form der Rückenmarkschädigung

Als Myelopathie wird eine Reihe an klinischen Symptomen bezeichnet, die durch Schädigung des Rückenmarks vor allem im Bereich der Halswirbelsäule (mitunter auch an der Brustwirbelsäule) ausgelöst wird. Eine Myelopathie wird durch eine Verengung des Spinalkanals ausgelöst. Der Spinalkanal liegt im Inneren der Wirbelsäule. Dort verlaufen das Rückenmark und die Nervenwurzeln. Kommt es zu einer Einengung des Spinalkanals, so werden Rückenmark und Nerven eingeschnürt oder gereizt, was Schmerzen und weitere Symptome auslöst. Typische Beschwerden einer Myelopathie sind Schmerzen im Nacken, die in die Arme ausstrahlen. Außerdem können sie Taubheit und mitunter Kraftverlust in den Armen auslösen. Im frühen Stadium helfen Medikamente gegen leichtere Schmerzen. Die eigentlichen Ursachen der Schmerzen und der neurologischen Störungen können aus diesen Gründen nur operativ beseitigt werden. Ziel des neurochirurgischen Eingriffs ist es, dem Rückenmark und den Nerven wieder mehr Raum zu verschaffen.

Lesen Sie auch: Rückenmarksanatomie im Detail erklärt

Ursachen der Myelopathie

  • Kompressionsmyelopathien: Bedrängung des Rückenmarks durch Spinalkanalstenose, Arthrosen, Bandscheibenvorfälle, Tumore oder Frakturen.
  • Vaskuläre Myelopathien: Gefäßveränderungen wie Fehlbildungen oder Gefäßtumore.
  • Strahlenmyelopathien: Schädigung des Rückenmarks durch ionisierende Strahlung.

Symptome der Myelopathie

Die Symptomatik einer Myelopathie hängt maßgeblich von der Lokalisation der Rückenmarksschädigung sowie dem Ausmaß ab. Typische Symptome der zervikalen Myelopathie sind zunächst bewegungsabhängige Störungen der Motorik und auch der Sensibilität, die später auch in Ruhe bestehen können. Ebenso können Schmerzen im Bereich der Schultern oder Arme auftreten. Im Verlauf kann es zu einer ähnlichen Symptomatik wie bei einer Querschnittslähmung kommen. Die Betroffenen leiden dabei zunehmend unter Lähmungserscheinungen, teilweise einhergehend mit einer erhöhten Muskelspannung, einer sogenannten Spastik.

Behandlung der Myelopathie

Grundsätzlich stehen zur Behandlung von Myelopathien sowohl konservative als auch operative Möglichkeiten zur Verfügung. Die Therapie sollte sich dabei stets nach der Ursache richten. Konservative Behandlungsmöglichkeiten kommen vor allem bei moderaten Einschränkungen zum Einsatz. Dabei stehen meist die Gabe von Schmerzmitteln sowie die Physiotherapie zur Stärkung und Stabilisierung der Muskulatur im Vordergrund. Bei schwereren Formen der Myelopathie mit ausgeprägten Einschränkungen, vor allem auch beim Vorliegen von Blasen- und Darmstörungen, sind operative Eingriffe indiziert.

tags: #ruckenmark #regeneration #hws