Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende, starke Kopfschmerzen gekennzeichnet ist, oft begleitet von Übelkeit, Erbrechen und extremer Empfindlichkeit gegenüber Licht und Geräuschen. Die Behandlung von Migräne zielt darauf ab, die Häufigkeit und Intensität der Attacken zu reduzieren und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die verschiedenen Aspekte der Ruhe Migräne Behandlung, von den Ursachen und Symptomen bis hin zu den neuesten Therapieansätzen.
Was ist Migräne?
Migräne ist mehr als nur ein starker Kopfschmerz. Es handelt sich um eine neurologische Erkrankung, die durch anfallsartige, starke und wiederkehrende Kopfschmerzen gekennzeichnet ist, die in der Regel einseitig auftreten. Einem Migräneanfall geht häufig eine Migräneaura voraus, im Rahmen derer Betroffene unter optischen Wahrnehmungsstörungen leiden. Häufig werden beispielsweise Blitze oder gezackte Linien im Sichtfeld wahrgenommen.
Unterschied zwischen Migräne und Kopfschmerzen
Der Unterschied zwischen Spannungskopfschmerzen (Kopfschmerzen ohne spezielle zugrunde liegende Ursache) und Migräne liegt in erster Linie in der Intensität der Schmerzen. Zwar sind Kopfschmerzen allgemein störend und unangenehm, Migräne jedoch schränkt die Betroffenen im Alltag gänzlich ein. Während Spannungskopfschmerzen meist am gesamten Kopf auftreten, beschränkt sich der Schmerz bei Migräne nicht selten auf eine Kopfhälfte.
Migräne Dauer
Ein Migräneanfall kann unterschiedlich lang dauern, meist zwischen vier und 72 Stunden. Dennoch sind mehrtägige Anfälle eher die Seltenheit. In der Regel ist die Migräneattacke nach einem Tag durchgestanden.
Ursachen und Auslöser von Migräne
Obwohl Migräne als Krankheitsbild längst anerkannt ist, sind ihre Ursachen bislang nicht abschließend erforscht. Eine genetische Vorbelastung scheint ebenso eine Rolle zu spielen wie der körpereigene Serotoninspiegel. Ein unausgeglichener Serotoninspiegel verändert die Reizbarkeit der Nerven, macht die Blutgefäßwände durchlässiger und wirkt sich nicht zuletzt auch auf den Magen-Darm-Trakt aus, sodass Übelkeit und Erbrechen ebenfalls damit in Zusammenhang gebracht werden können.
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Unabhängig von den Ursachen der Migräne stehen die Auslöser im Mittelpunkt. Als sogenannte Trigger kommen vor allem Stress und ein gestörter Schlafrhythmus infrage. Aber auch Hormonschwankungen, etwa während der Regel oder in der Schwangerschaft, können Migräne begünstigen.
Häufige Migräne-Trigger
- Stress: Sowohl akuter als auch chronischer Stress kann Migräneattacken auslösen.
- Schlafmangel: Unregelmäßige Schlafzeiten oder zu wenig Schlaf können Migräneattacken provozieren.
- Hormonelle Veränderungen: Menstruation, Schwangerschaft und Menopause können Migräne beeinflussen.
- Ernährung: Bestimmte Nahrungsmittel und Getränke wie Alkohol, Käse, Schokolade und Zitrusfrüchte können bei manchen Menschen Migräne auslösen.
- Umweltfaktoren: Wetterwechsel, Lärm, grelles Licht und starke Gerüche können Migräneattacken triggern.
Symptome der Migräne
Migräne-Symptome sind vielgestaltig und teilweise unspezifisch, da innerhalb der Migräneerkrankung mehrere Migräneformen bekannt sind. Migräne geht mit unterschiedlichen Beschwerden einher, je nach Form der Migräne können folgende Symptome auftreten:
- Kopfschmerzen: Massive, einseitige Kopfschmerzen von pulsierendem Charakter stehen im Mittelpunkt.
- Aura: In vielen Fällen tritt im Vorfeld die Aura auf.
- Übelkeit und Lichtempfindlichkeit: Die Kopfschmerzen nehmen im Verlauf des Migräneanfalls zu und werden meist von Übelkeit und Lichtempfindlichkeit begleitet.
Phasen eines Migräneanfalls
Migräneschübe treten üblicherweise in vier Phasen auf, im Falle einer Migräne ohne Aura sind es hingegen nur drei Phasen. Ein Migräneanfall läuft daher wie folgt ab:
- Vorbotenphase: In dieser Phase, die von vielen Migränikern nicht wahrgenommen wird, kündigt sich die Migräne an. Typische Vorboten für einen nahenden Migräneanfall sind beispielsweise gesteigerte Müdigkeit und häufiges Gähnen, aber auch Heißhungerattacken, Darmbeschwerden, Verstopfungen und eine bereits erhöhte Licht- und Lärmempfindlichkeit.
- Auraphase: Bei einer Migräne mit Aura folgt die Auraphase der Vorbotenphase. Die Aura entsteht unmittelbar vor Beginn der starken Kopfschmerzen. Sie ist geprägt von fehlerhaften Sinneswahrnehmungen im Bereich des Sehens. Betroffene verlieren zum Beispiel die Fähigkeit zum räumlichen Sehen, es entstehen Zick-Zack-Linien im Bild, die Konturen werden unscharf und verschleiert. Außerdem können zusätzliche Strukturen im Bild entstehen, oder aber fehlen. Rund 20 Prozent aller Patienten sehen zudem nur noch halbe Bilder, weil das Gesichtsfeld während der Auraphase stark eingeschränkt sein kann.
- Kopfschmerzphase: Sehr selten tritt eine Migräneaura ohne anschließende Kopfschmerzen auf. In über 90 Prozent der Fälle folgt der Auraphase jedoch die Kopfschmerzphase, die mit einseitigen, starken Kopfschmerzen im Bereich der Stirn und Schläfe einhergeht. Oftmals ist zudem ein Auge betroffen, sodass die Schmerzen in das Augenlid ausstrahlen. Die Migränekopfschmerzen werden von Betroffenen als pochend oder pulsierend, aber auch als stechend und vor allem quälend wahrgenommen.
- Rückbildungsphase: In der Rückbildungsphase, wenn der Schmerzanfall bereits überstanden ist, befindet sich der Körper noch in der Erholung. Betroffene fühlen sich müde und abgespannt, die Appetitlosigkeit und die Übelkeit können in dieser Phase noch bis zu 24 Stunden bestehen bleiben, bevor die vollständige Erholung von der Migräneattacke einsetzt.
Diagnose von Migräne
Für die Diagnose macht die Ärztin oder der Arzt eine körperliche Untersuchung und benötigt eine detaillierte Beschreibung der Beschwerden, die während eines Anfalls auftreten. Entscheidend sind Angaben, wo genau der Schmerz sitzt und wie lange er anhält. Ebenfalls wichtig ist der Abstand zwischen den Attacken und eventuelle Begleitsymptome. Ein Kopfschmerz-Fragebogen und -Tagebuch (in Papierform oder als App) erleichtern die Diagnose.
Migräne-Test
Obwohl eine sichere Migräne-Diagnose nur von einem Arzt gestellt werden kann, können Sie sich mithilfe einiger Fragen selbst beantworten, ob Sie unter Spannungskopfschmerzen oder Migräne leiden. Die nachstehenden Fragen können bereits erste Hinweise auf eine mögliche Diagnose geben. Falls Sie die folgenden Fragen überwiegend mit ja beantworten müssen, ist eine Migräne wahrscheinlich:
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- Ist der Kopfschmerz einseitig?
- Sind die Kopfschmerzen pulsierend?
- Sind die Kopfschmerzen sehr stark?
- Verstärken sich die Kopfschmerzen durch Anstrengung?
- Leiden Sie unter Übelkeit?
- Leiden Sie unter Licht- und Lärmempfindlichkeit?
- Halten die Kopfschmerzen über mehrere Stunden oder Tage an?
Behandlung von Migräne
Die Behandlung von Migräne zielt darauf ab, die Symptome während einer Attacke zu lindern und die Häufigkeit und Schwere zukünftiger Attacken zu reduzieren. Es gibt verschiedene Behandlungsansätze, die je nach Schweregrad der Migräne und individuellen Bedürfnissen eingesetzt werden können.
Akutbehandlung
Die Akutbehandlung zielt darauf ab, die Schmerzen und Begleitsymptome während einer Migräneattacke zu lindern. Zu den gängigen Medikamenten gehören:
- Schmerzmittel: Acetylsalicylsäure (ASS), Paracetamol, Ibuprofen und Naproxen können bei leichten bis mittelschweren Migräneattacken helfen.
- Triptane: Diese Medikamente sind speziell für die Behandlung von Migräne entwickelt und wirken, indem sie die Blutgefäße im Gehirn verengen und die Freisetzung von entzündungsfördernden Substanzen reduzieren.
- Antiemetika: Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen können helfen, diese Begleitsymptome zu lindern.
Die Leitlinie zur Therapie von Migräne der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) und der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) empfiehlt bei akuten Attacken, möglichst früh Medikamente einzunehmen. Denn grundsätzlich gilt: je früher der Zeitpunkt der Einnahme, desto besser die Wirkung.
Vorbeugende Behandlung
Die vorbeugende Behandlung zielt darauf ab, die Häufigkeit, Schwere und Dauer von Migräneattacken zu reduzieren. Sie wird in der Regel bei Menschen mit häufigen oder schweren Migräneattacken eingesetzt. Zu den gängigen Medikamenten gehören:
- Betablocker: Diese Medikamente werden häufig zur Behandlung von Bluthochdruck eingesetzt, können aber auch Migräneattacken reduzieren.
- Antidepressiva: Bestimmte Antidepressiva können helfen, die Häufigkeit von Migräneattacken zu reduzieren.
- Antiepileptika: Einige Antiepileptika können ebenfalls zur Vorbeugung von Migräne eingesetzt werden.
- CGRP-Antikörper: Diese relativ neuen Medikamente blockieren das Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP), ein Molekül, das eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Migräneattacken spielt.
Nicht-medikamentöse Behandlungen
Neben Medikamenten gibt es auch eine Reihe von nicht-medikamentösen Behandlungen, die bei Migräne helfen können:
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- Verhaltensänderungen: Regelmäßiger Schlaf, Stressmanagement, Entspannungsübungen und das Vermeiden von Triggern können helfen, Migräneattacken zu reduzieren.
- Physiotherapie: Bestimmte physiotherapeutische Techniken können helfen, Muskelverspannungen im Nacken- und Schulterbereich zu lösen und so Migräneattacken vorzubeugen.
- Akupunktur: Einige Studien deuten darauf hin, dass Akupunktur bei der Vorbeugung von Migräneattacken helfen kann.
- Biofeedback: Diese Technik hilft Menschen, ihre Körperfunktionen wie Herzfrequenz und Muskelspannung besser zu kontrollieren, was bei der Stressbewältigung und Migräneprävention helfen kann.
Natürliche Heilmittel
Einige Menschen finden Linderung durch natürliche Heilmittel wie:
- Magnesium: Magnesiummangel kann Migräneattacken auslösen. Die Einnahme von Magnesiumpräparaten kann helfen, die Häufigkeit von Migräneattacken zu reduzieren.
- Riboflavin (Vitamin B2): Riboflavin kann helfen, die Häufigkeit und Schwere von Migräneattacken zu reduzieren.
- Pfefferminzöl: Das Einreiben der Stirn mit Pfefferminzöl kann bei leichten Migräneanfällen helfen.
- Ingwer: Ingwer kann helfen, Übelkeit und Erbrechen im Zusammenhang mit Migräne zu lindern.
Ruhe und Entspannung als Teil der Migränebehandlung
Ruhe und Entspannung sind wichtige Bestandteile der Migränebehandlung. Während einer Migräneattacke ist es wichtig, sich in einen dunklen, ruhigen Raum zurückzuziehen und sich auszuruhen. Entspannungsübungen wie autogenes Training, progressive Muskelentspannung und Yoga können helfen, Stress abzubauen und Migräneattacken vorzubeugen.
Kathrin Behrens hat gelernt, mit ihrer Erkrankung zu leben. Für Kathrin Behrens lautet die Antwort: Ja! Wenn die 36-Jährige durch den Forstgarten im nordrhein-westfälischen Kleve joggt, weiß sie, dass jeder Schritt in ihren schwarzen Laufschuhen sie stark macht, um die nächste Migräneattacke durchzustehen, wahrscheinlich sogar viele davon verhindert. „Beim Laufen kann ich Stress abbauen“, sagt sie. „Es fördert mein Selbstbewusstsein und lässt meine Schmerzschwelle ansteigen. Das habe ich schon nach wenigen Wochen gemerkt.“
Kathrin Behrens leidet an Migräne. Das Laufen ist für die Krankenschwester ein wichtiger Teil ihrer Therapie. Meist joggt sie an zwei Abenden in der Woche, immer in Gesellschaft. Allein war sie durch die ständigen Kopfschmerzen lange genug.
Spezielle Therapieangebote
Einige Kliniken bieten spezielle Therapieprogramme für Menschen mit Migräne an. Die Neurologisch-verhaltensmedizinische Schmerzklinik Kiel unter der Leitung von Prof. Dr.med. Dipl.Psych. Hartmut Göbel bietet beispielsweise eine spezielle Therapie von Migräne mit und ohne Aura, Migräne-Komplikationen und anderen Kopfschmerzarten an.
Aufnahmeformalitäten
Für die Planung eines Aufnahmetermins in der Schmerzklinik Kiel sind folgende Schritte erforderlich:
- Der behandelnde Arzt stellt eine Verordnung von Krankenhausbehandlung aus.
- Der Arzt füllt die Aufnahme-Checkliste aus.
- Der Patient füllt den Schmerzkalender und den Schmerzfragebogen aus.
- Alle Unterlagen und Kopien relevanter Arztbriefe, Röntgenbilder etc. werden an die angegebene Anschrift gesendet.