Sprichwörter sind ein fester Bestandteil jeder Sprache und Kultur. Sie geben Einblick in die Denkweise, Werte und Erfahrungen eines Volkes. Auch im Deutschen gibt es zahlreiche Redewendungen, deren Ursprung und Bedeutung oft im Dunkeln liegen. Dieser Artikel beleuchtet einige bekannte deutsche Redewendungen und vergleicht sie mit russischen Pendants, um die kulturellen Unterschiede und Gemeinsamkeiten hervorzuheben.
Ursprung und Bedeutung deutscher Redewendungen
Viele deutsche Redewendungen haben eine lange Geschichte und sind aus dem Alltag entstanden. Sie sind oft bildhaft und leicht verständlich, können aber auch missverstanden werden, wenn man ihren Ursprung nicht kennt.
„Alles für die Katz'!“
Diese Redewendung bedeutet, dass etwas umsonst oder der Mühe nicht wert war. Sie geht zurück auf eine Geschichte von Burkard Waldis. Ein Schmied ließ sich für seine Arbeit so bezahlen, wie die Kunden es für angemessen hielten. Viele speisten ihn nur mit einem „Danke!“ ab. Dem Schmied wurde das irgendwann zu bunt. Er band eine alte Katze in seiner Werkstatt an. Immer, wenn ein Kunde nur mit „Danke!“ zahlte, sagte der Schmied: „Katze, das geb' ich dir!“ Da eine Katze von Worten allein nicht leben kann, verhungerte sie. Seither ist Arbeit, die umsonst war, für die Katz'.
„Auf dem Holzweg sein“
„Auf dem Holzweg sein“ bedeutet, dass man ein falsches Ziel ansteuert oder sich irrt. Holzfäller hatten Wege, die nur zum Abtransport von gefällten Bäumen bestimmt waren. Diese endeten oft im Wald oder in einer Sackgasse. Lief man als Wanderer also diesen „Holzweg“ entlang, musste man bald umkehren, weil man so das Ziel nicht erreichte.
„Jemandem ein Angebot machen, das er nicht ablehnen kann“
Darunter versteht man, jemanden mit Druckmitteln zu einer vermeintlich freiwilligen Entscheidung zu nötigen. Die Redewendung stammt aus dem Film „Der Pate“. Unterbreitet wurde so ein „Angebot“ vom Mafiaboss Don Vito Corleone (Marlon Brando), als sein erwachsenes Patenkind eine bestimmte Filmrolle bekommen möchte, der Produzent des Films das aber ablehnt. Corleones Antwort auf die Absage: Er lässt einen Zuchthengst des Produzenten töten und ihm den abgeschnittenen Kopf des Tieres ins Bett legen. Da kann man schon mal seine Entscheidung überdenken.
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„Nur Bahnhof verstehen“
„Ich versteh' nur Bahnhof“ bedeutet, dass man - egal, ob Gesprächsverlauf oder bestimmtes Thema - rein gar nichts kapiert. Vermutlich geht die Redewendung auf kriegsmüde Soldaten am Ende des Ersten Weltkrieges zurück. Für sie war der Bahnhof eine Art magisches Wort und gleichbedeutend mit Heimaturlaub. Sprachen sie über Fronturlaub oder ihre Heimat, wurde jedes Gespräch mit „Sei still, ich versteh' nur Bahnhof“ abgebrochen.
„Jemandem etwas in die Schuhe schieben“
„Jemandem etwas in die Schuhe schieben“ bedeutet, jemanden fälschlicherweise eines Fehlers oder eines Verbrechens zu beschuldigen. Die Redewendung stammt aus einer Zeit, als noch viele Gäste einer Herberge zusammen in einem Zimmer nächtigten. War ein Dieb darunter, der andere Gäste bestahl, und jemand bemerkte seinen Verlust, schob der Langfinger seine Beute fix in die Schuhe eines anderen Gastes - und damit die Schuld auf ihn.
„Geld auf die hohe Kante legen“
„Geld auf die hohe Kante legen“ bedeutet, dass man sein Vermögen spart. Die Redewendung stammt aus dem Mittelalter. Damals brachte man sein Geld noch nicht zur Bank, sondern versteckte es zu Hause, besonders gern auf den Kanten hoher Möbelstücke - unerreichbar für flinke Langfinger.
„Sich wie ein Schneekönig freuen“
Freut man sich „wie ein Schneekönig“, ist man geradezu außer sich vor Glück über bestimmte Umstände wie einen Gewinn oder ein Geschenk. Die Herkunft des Sprichworts: Der Schneekönig ist besser bekannt als Zaunkönig - und seines Zeichens ein Singvogel. Im Gegensatz zu seinen gefiederten Kollegen fliegt er im Winter nicht in den Süden. Er trällert somit auch bei Eis und Kälte weiter - und freut sich scheinbar wie ein Schneekönig.
„Etwas übers Knie brechen“
„Etwas übers Knie brechen“ bedeutet, dass eine Entscheidung ziemlich übereilt ist. Die Redewendung stammt in etwa aus dem 17. Jahrhundert. Man teilte dünne Bretter oder Äste, indem man sie über das Knie legte und dann zerbrach. Dabei entstand eine unsaubere Bruchstelle - die es aber zu vermeiden gilt.
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„Jemandem auf den Sack gehen“
„Jemandem auf den Sack gehen“ bedeutet, tierisch zu nerven. Die Redewendung stammt wohl aus dem 19. Jahrhundert. In der Zeit wurden Leinensäcke als Grundstücksbegrenzung benutzt. Wenn jemand - unangekündigt - ein fremdes Grundstück betrat, ging er also auf den Säcken des Hausherren. Eine andere Erklärung bezieht sich auf den Geldbeutel, den schon damals viele in der Hosentasche trugen. Wenn Bettler oder Diebe dorthin gefasst haben, gingen sie an den (Geld)-Sack des Eigentümers - und waren für diesen somit mehr als lästig.
„Jemandem den Laufpass geben“
„Jemandem den Laufpass geben“ bedeutet, eine Beziehung zu beenden. Der Ausdruck stammt aus dem Militärwesen. Im 18. Jahrhundert bekamen Soldaten einen Laufpass ausgestellt, wenn sie aus dem Dienst schieden. Damit konnten sie belegen, dass sie nicht desertiert sind.
Russische Sprichwörter und ihre Eigenarten
Die russische Sprache ist reich an Sprichwörtern und Redensarten, die oft eine lange Tradition haben und tief in der russischen Kultur verwurzelt sind. Sie spiegeln die russische Seele wider und geben Einblick in die Werte und Normen der russischen Gesellschaft.
Unterschiede zwischen Sprichwort und Redensart
Im Russischen unterscheidet man zwischen Sprichwörtern (пословица [paßlówitsa]) und sprichwörtlichen Redensarten (поговорка [pagawórka]). Ein Sprichwort ist ein treffender, bildlicher, oft belehrender Spruch, der meistens als selbständige Aussage gebraucht wird. Eine sprichwörtliche Redensart ist ein kurzer fester Ausdruck, oft bildlich, der aber keinen eigenständigen Satz bildet und nicht belehrend ist.
Beispiele für russische Sprichwörter
- Без труда не выловишь и рыбку из пруда. (Ohne Fleiß kein Preis.)
- Москва не сразу строилась. (Moskau wurde nicht sofort erbaut.)
Doktor Herzenstube aus dem Roman von Fjodor Dostojewski „Die Gebrüder Karamazow“ versicherte: „Russische Sprichwörter sind die besten und ausdrucksstärksten von allen Sprichwörtern der Welt.“
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Kulturelle Unterschiede und Gemeinsamkeiten
Obwohl deutsche und russische Sprichwörter oft unterschiedliche Bilder und Metaphern verwenden, drücken sie oft ähnliche Weisheiten und Lebenserfahrungen aus. So gibt es in beiden Sprachen Sprichwörter, die die Bedeutung von Fleiß, Ausdauer und Klugheit betonen.
Einige kulturelle Unterschiede spiegeln sich jedoch in den Sprichwörtern wider. So gibt es im Russischen viele Sprichwörter, die sich auf die kalten Winter und die Bedeutung von Wärme und Schutz beziehen. Auch die russische Gastfreundschaft und die Bedeutung von Familie und Gemeinschaft finden in den Sprichwörtern ihren Ausdruck.
Russen
Für viele Deutsche existiert Russland gar nicht. Also klar, auf der Landkarte und im Geschichtsbuch und natürlich in den Nachrichten, das schon. Aber ein echter Ort, in den man einfach hinfliegen kann? Wer nicht gerade russische oder russlanddeutsche Vorfahren hat, für den ist Russland in der Regel ein komplett fremdes Land. Nicht von irgendwoher ist die erste Frage, die sich Internationals in Russland gegenseitig stellen: Wie hat es dich hierher verschlagen? Wer dann nach Russland kommt, merkt: Vieles läuft hier anders, anders als gedacht und anders in Bereichen, an die man überhaupt nicht gedacht hätte.
Alltag in Russland
- Moskau ist eine Weltstadt, in der man auch ohne die Landessprache gut zurecht kommt? Weit gefehlt! Wer kein Russisch kann, ist im Alltag außerhalb der Business-Bubbles aufgeschmissen! Jeder Supermarkteinkauf wird zum Stresstest, genauso jedes um Hilfe Fragen im öffentlichen Raum. „Wir sprechen hier kein Englisch“, so die trockene Antwort beim Arzt, als ich damals noch naiv auf Englisch meine Gesundheitsbestätigung abholen wollte. Der Metroplan sowie die Bank- und Ticketautomaten sind zwar auf Englisch einstellbar. Aber wer mit Passanten, Verkäufern, Schaffnerinnen und Taxifahrern reden will, muss Russisch lernen. Und das ist keine Generationenfrage! Auch der Großteil der jungen Leute, so scheint es mir, spricht kein oder nur spärliches Englisch.
- „Das Land des Lächelns“, so heißt eine Operette von Franz Lehár. Der Typ am Schalter bei der Einreise war keine Ausnahme: Jeder Angestellte, Verkäufer oder Passant guckt so ernst aus der Wäsche, was zunächst ziemlich irritiert und auch frustriert. „Lachen ohne Grund ist das Merkmal eines Narren“, lautet ein russisches Sprichwort. Ausländer erkennt man vor allem daran, dass sie Fremde anlächeln. Aufgesetztes Lächeln gilt als unhöflich und falsch. Aber man lernt, damit umzugehen. Und umso schöner, wenn einen dann ein echtes Lächeln streift!
- Früher war die Metro so dröhnend laut, dass jegliche Unterhaltung vergeblich war. Moderne Technik hat den Fahrtlärm gedämpft, aber das notgedrungene Schweigen blieb. Auch daran erkennt man die Ausländer in der Moskauer Metro: Sie unterhalten sich lebhaft, während die Einheimischen still und stumm dasitzen. Und nicht nur das, Moskowiter sehen beim Metrofahren auch apathisch ins Leere und nehmen kaum ihre Mitmenschen wahr. Eine Freundin erzählte mir, dass ihre Eltern einmal stationenlang nebeneinander saßen, und erst beim Verlassen der Metro einander gewahr wurden. Diese distanzierte Höflichkeit macht die Fahrt zwar angenehm, aber auch sehr unspektakulär. Bei der Gelegenheit noch ein weiteres Ausländermerkmal: Sie haben keine Scheu, ihre Tasche auf den Zugboden zu stellen, während die Russen ihr Gepäck immer auf dem Schoß transportieren. Fußnote: Anders als auf längeren Zugfahrten würde Russen im Traum nicht einfallen, in der Metro zu essen. Es gibt innerhalb des Moskauer Metro-Systems auch keine Mülleimer.
- Ganz und gar nicht still ist es aber ansonsten in Moskau. Der Bürger wird dauerbeschallt, aus allen Richtungen: Von der Straße lärmt beständig der Verkehr, aus und in den Geschäften dröhnt Musik, auf dem Bürgersteig rufen „Marktschreier“ per Mikrofon und Verstärker Werbeangebote aus, in den Restaurants dudeln die Lounge-Sounds viel zu laut und selbst in den Parks sind überall Lautsprecher, die mit Ansagen und Popmusik „erfreuen“. Und Baustellen arbeiten bis spätabends und selbstverständlich auch sonntags. Was Einheimische außerdem in der Metro tun: Bücherlesen. Richtige gedruckte Bücher! Die Russen sind eine Lesenation, wie Umfragen und Studien immer wieder bestätigen. Meterlange Bücherregale in ansonsten spärlichen Haushalten sind nichts Ungewöhnliches. Dabei ist Lesen hier auch ein geldbeutelfreundliches Hobby. Eine gebundene Ausgabe eines Klassikers wie „Der Meister und Margarita“ gibt es (auf Russisch) schon um 2 Euro. Und die Klassiker werden auch geschätzt, nicht nur von Literaturstudenten! Während in Deutschland kaum jemand den Werther wirklich gelesen hat, kennen und lieben die Russen ihre Schriftsteller. Das hat auch mit dem Schulsystem zu tun, dass seine Schützlinge zur Lektüre verdonnert: Bis zu 15 Bücher müssen in den Sommerferien teilweise gelesen werden. „Wir haben in Russland eine Ehrfurcht vor dem gedruckten Wort“, sagt mein Kollege.
- Die Sowjetunion wird oft auf leere Regale und Schlangen vor den Geschäften reduziert. Die Kulturtechnik des Schlangestehens hat sich erhalten, wenn auch nicht im Ausmaß der Öffnung der ersten McDonalds-Filiale. Ob bei der Post, Behörden oder auch Bäckereiketten: Es gilt zunächst, eine Nummer zu ziehen und nur beim Vorzeigen dieser wird man auch bedient - dumm schaut der Fremde aus der Wäsche, der sich naiverweise einfach mal miteingereiht hat, ohne zuvor Zettelchen mit Nummer abgerissen zu haben. Und wo man überraschenderweise oft anstehen muss: Vor Museen! Eine halbe Stunde in der Kälte frieren für Bildende Kunst? Normal! Vor allem das letzte Wochenende einer Ausstellung ist berüchtigt. Aber auch sonst, wer nicht online reserviert, muss in der Regel warten. Wobei ich noch nicht dahintergekommen bin: sind die Russen so viel kunstbesessener oder einfach schlecht darin, Museen zu managen?
- In Russland bekommt man zwei Mal im Monat Gehalt - freilich kein doppeltes, sondern der Monatslohn kommt in der Regel in zwei Raten. Ein Erbe des paternalistischen Sowjetstaates, der verhindern wollte, das seine Mündel ihr Geld gleich am Monatsbeginn verschwenden?
- Das Erdgeschoss als gedankliches Konzept existiert nicht. Man fängt unten an zu zählen, das Erdgeschoss ist die „erste Etage“, der erste Stock die „zweite Etage“ usw. Zunächst verwirrend, aber man gewöhnt sich dran.
- Das Bild der Frau in Russland ist widersprüchlich. Einerseits waren im Sozialismus arbeitende Frauen die Norm, andererseits definiert sich die Frau vor allem als Mutter und Schönheit. Die Geschlechterrollen sind traditionell zementiert, mit dem Maßstab des europäischen Feminismus braucht man hier nicht messen. Nur den Männern wird zur Begrüßung die Hand gereicht, und wer als Mann mit einer russischen Frau ausgeht, bezahlt die Rechnung - immer, und ohne dass diese Geste einen Vorteil für ihn bedeuten würde. „Deutsche Frauen wollen wirklich selbst bezahlen?“, fragt mich unverständig eine Bekannte. Für Russinnen äußert sich Unabhängigkeit und Stärke gerade in dem Gewährenlassen von Gefälligkeiten. Warum solle man darauf freiwillig verzichten? Jedenfalls wird die Rechnung immer dem Mann am Tisch gebracht.
- Ob Shots in der Disco, das Eis am Straßenstand oder die Supermarktrechnung von 20 Cent: Alles, aber auch wirklich alles zahlen die Russländer mit Karte. Russland ist das Land, so las ich kürzlich, in dem man im klapprigsten und gerade noch fahrtauglichen Minibus sein Ticket per Smartphone bezahlen kann. Mit der Konsequenz, dass Bargeld immer weniger bereitgehalten wird. Schon mit einem 1000-Rubelschein (ca. 14 Euro) kann es Probleme geben, zu bezahlen. Einmal konnte mir mein Taxifahrer für eine 3-Euro-Fahrt meinen 500-Rubelschein nicht rausgeben.
- Die Gegensanktionen machen sich vor allem an einer Sache bemerkbar: Es gibt nirgends guten Käse. Zwar hat Russland seine Importabhängigkeit verringert und die heimische Lebensmittelproduktion kräftig angekurbelt - aber niemand hat gesagt, dass die russischen Produkte genauso gut würden.
- Deutschland ist Radfahrerland. In Bayern ist ein „Fahrradführerschein“ sogar Bestandteil der Grundschulausbildung. Jeder kann Fahrradfahren, insofern habe ich nie hinterfragt, ob das in allen Ländern der Fall ist. In Russland jedenfalls nicht, im Bekanntenkreis haben es mehrere RussInnen nie gelernt. Das hat kulturelle Gründe, und logistische: Die Entfernungen zwischen Städten sind oft viel zu groß, um sie mit dem Fahrrad zurückzulegen. Und auch sind wenig sichere Hauptstraßen meist der einzige Weg, um von einer großen Stadt in die nächste zu kommen. Das Bike-Sharing-Angebot in Moskau wird zwar eifrig genutzt, und die Stadt plant viele Radwege für die Zukunft.
- Die Russen lieben Internetshopping, entwickeln App-Innovationen und haben fast immer eine stabile Verbindung. Während man schon eine halbe Stunde außerhalb Münchens teilweise keinen internetfähigen Empfang mehr hat, reichte mir die Verbindung selbst in einem kaukasischen Bergdorf für einen flüssigen Internetanruf. Im Moskauer Zentrum ist Gratis-Wifi allgegenwärtig, selbst in der Metro und in Parks.