Saphenusnerv-Schmerzen: Ursachen und Behandlungsansätze

Schmerzen im Bereich des Nervus saphenus können sich durch Kribbeln, Brennen oder Taubheitsgefühle an der Innenseite des Knies oder des Unterschenkels äußern. Eine mögliche Ursache hierfür ist die Saphenus-Neuropathie, eine Reizung oder Einengung des Nervus saphenus. Obwohl diese Nervenerkrankung eher selten auftritt, kann sie für die Betroffenen sehr unangenehm sein.

Was ist der Nervus saphenus?

Der Nervus saphenus ist ein rein sensibler Hautnerv. Er leitet ausschließlich Berührungs-, Schmerz- und Temperaturempfindungen weiter und steuert keine Muskeln. Er ist ein Ast des Oberschenkelnervs (Nervus femoralis) und tritt im mittleren Oberschenkel durch den Adduktorenkanal (auch Hunter-Kanal) an die Körperoberfläche. Von dort verläuft er entlang der Knieinnenseite bis zur Innenseite des Unterschenkels und weiter bis zum Innenknöchel. Ein wichtiger Abzweig ist der Ramus infrapatellaris (oder Nervus infrapatellaris), der den Bereich unterhalb der Kniescheibe versorgt.

Ursachen einer Saphenus-Neuropathie

Der Nervus saphenus kann an verschiedenen Stellen entlang seines Verlaufs gereizt oder geschädigt werden. Besonders anfällig ist der Bereich entlang der Vena saphena magna, mit der der Nerv oft eng verbunden verläuft, insbesondere im Bereich des Unterschenkels und des Knies. Auch Verletzungen des Ramus infrapatellaris, eines oberflächlichen Astes des Nervs unterhalb der Kniescheibe, können zu typischen Beschwerden führen.

Als mögliche Engstelle wird auch der Adduktorenkanal im mittleren Oberschenkel diskutiert, in dem der Nerv durch muskuläre und bindegewebige Strukturen zieht. In der klinischen Praxis sind jedoch Verletzungen im Bereich von Knie und Unterschenkel meist häufigere Auslöser.

Mögliche Ursachen sind zum Beispiel:

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  • Operationen am Knie oder Unterschenkel, z. B. Knieprothesen, Arthroskopien, Venenoperationen
  • Venenentnahmen im Rahmen von Bypass-Operationen (v. a. V. saphena magna)
  • Verletzungen durch Quetschung oder Hämatome im Weichteilbereich
  • Narbenbildung und Zug an Nervenästen, insbesondere nach Eingriffen im medialen Unterschenkel
  • Druckbelastung durch Bandagen, Kompressionsstrümpfe oder enge Kleidung
  • Sportliche Überlastung, etwa bei wiederholten Bewegungsabläufen

Symptome einer Saphenus-Neuropathie

Da der Nervus saphenus ein rein sensibler Hautnerv ist, äußert sich eine Schädigung ausschließlich durch Gefühlsstörungen, nicht durch Lähmungen. Die Beschwerden treten typischerweise auf der Innenseite des Knies, des Unterschenkels oder des Sprunggelenks auf, abhängig davon, welcher Abschnitt des Nervs betroffen ist.

Typische Symptome sind:

  • Brennende, stechende oder ziehende Schmerzen
  • Kribbeln oder "Ameisenlaufen" entlang der Innenseite des Beins
  • Taubheit oder ein pelziges Gefühl
  • Überempfindlichkeit bei Berührung (Allodynie)
  • Verstärkung der Beschwerden bei Bewegung, Druck oder längerem Stehen

In manchen Fällen sind die Symptome belastungsabhängig oder treten erst nach längerer Aktivität auf. Auch nächtliche Missempfindungen oder das Unbehagen beim Tragen enger Kleidung oder Bandagen werden häufiger beschrieben. Die Beschwerden sind in der Regel einseitig, können aber bei beidseitiger Belastung auch beidseitig auftreten.

Diagnose einer Saphenus-Neuropathie

Die Diagnose einer Saphenus-Neuropathie kann eine Herausforderung sein, da die Beschwerden leicht mit anderen Ursachen verwechselt werden können. Umso wichtiger ist eine strukturierte Abklärung mit gezielter klinischer Untersuchung und geeigneter Bildgebung.

Klinische Untersuchung

  • Abfrage von Art, Ort und Verlauf der Beschwerden
  • Prüfung der Berührungsempfindung an der Innenseite des Knies, Unterschenkels und Sprunggelenks
  • Suche nach Druckpunkten, z. B. am medialen Knie oder entlang der V. saphena magna
  • Tinel-Zeichen über dem Ramus infrapatellaris oder im Verlauf des Nervs kann auf eine Reizung hindeuten

Nervenultraschall (Neurosonographie)

Der hochfrequente Nervenultraschall eignet sich besonders gut zur Darstellung des Nervus saphenus, da dieser oberflächlich verläuft. Der Nerv kann über weite Strecken vom Adduktorenkanal bis zur Innenseite des Sprunggelenks sichtbar gemacht werden.

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Mit modernen Sonden lassen sich Schwellungen, Verklebungen oder Narbennanheftungen erkennen. Auch dynamische Untersuchungen sind möglich, bei denen die Beweglichkeit des Nervs unter Belastung beurteilt wird. Dies kann helfen, funktionelle Engstellen zu erkennen, die in statischen Verfahren wie MRT oder CT nicht auffallen. Schmerzhafte Stellen lassen sich spezifisch mit der Sonopalpation untersuchen.

Elektroneurographie (ENG)

Die Messung der Nervenleitgeschwindigkeit am Nervus saphenus ist technisch möglich, jedoch anspruchsvoll. Aufgrund der feinen Struktur und der rein sensiblen Nervenfunktion ist sie oft gerade bei unfallbedingten Hautveränderungen oder -schwellungen nur eingeschränkt aussagekräftig.

In ausgewählten Fällen kann die ENG eine ergänzende Information zur Bildgebung liefern, ersetzt jedoch nicht die strukturelle Beurteilung durch den hochauflösenden Nervenultraschall.

Behandlung einer Saphenus-Neuropathie

Die Behandlung einer Saphenus-Neuropathie richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache, dem Schweregrad der Beschwerden und dem individuellen Verlauf. Zuständig für die Therapie ist die behandelnde Fachärztin oder der behandelnde Facharzt, die nach entsprechender Diagnostik die geeigneten Maßnahmen festlegen.

Je nach Befund kommen unter anderem folgende Optionen infrage:

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  • Entlastung der betroffenen Region, z. B. durch Vermeidung von Druck oder Reibung
  • Physikalische oder physiotherapeutische Maßnahmen
  • Medikamentöse Behandlungsansätze zur Linderung von Beschwerden
  • Infiltrationen oder - in bestimmten Fällen - ein chirurgischer Eingriff, etwa bei nachgewiesener Einengung des Nervs

Jeder Behandlungsplan sollte individuell auf die Beschwerden und Bedürfnisse der betroffenen Person abgestimmt sein.

Voraussetzung für eine gezielte Behandlung ist in der Regel eine klare strukturelle Diagnose. Hier kann der hochauflösende Nervenultraschall wichtige Informationen liefern, etwa darüber, ob der Nerv frei beweglich ist oder an einer bestimmten Stelle verändert erscheint.

Kompressionssyndrome des Nervus saphenus und des Ramus infrapatellaris

Kompressionssyndrome des Nervus saphenus sind eher selten, häufiger ist der Ramus infrapatellaris betroffen. Knie- oder Varizenoperationen gehören zu den häufigen Auslösern. Auch Sprunggelenkfrakturen und selbst ein Bluterguss können die sensiblen Nerven in Mitleidenschaft ziehen.

Mit einigen Untersuchungen lässt sich die Kompression des Nervus saphenus bestätigen. So fällt das Hoffmann-Tinel-Zeichen positiv aus, das heißt, auf Höhe der Schädigung ist der Nerv druckdolent. Ergänzend bietet sich die sensible Neurografie an, bei welcher der Nerv am Unterschenkel stimuliert wird. Die Nervenaktionspotenziale leitet man dann mit Oberflächenelektroden am ventralen Innenknöchel ab. Endgültige Gewissheit bringt die diagnostische Nervenblockade. Mittels lokaler Betäubung werden Nervenäste gezielt - ggfs. unter Ultraschallkontrolle - auf Schmerzleitung überprüft. Lässt sich damit ein schmerzverursachender „Problemnerv“ identifizieren, kann man ihn therapeutisch mit Lokalanästhetika oder Kortikosteroiden infiltrieren oder mittels Radiofrequenztherapie punktgenau thermokoagulieren. Zudem können alle zur Behandlung neuropathischer Schmerzen geeigneten Medikamente wie Kalziumantagonisten, Antiepileptika, Antidepressiva, nicht-steroidale Antirheumatika, Opioide und Topika zum Einsatz kommen.

Nervus femoralis-Schmerzen

Der Nervus femoralis ist ein wichtiger Oberschenkelnerv, dessen Schädigung Schmerzen verursachen kann. Ursachen für Schmerzen am Nervus femoralis können sein:

  • Kompression des Nervs
  • Psoas-Syndrom
  • Infektionen oder Entzündungen
  • Operationen in der Leisten- oder Beckenregion
  • Anästhesiekomplikationen
  • Arterielle Durchblutungsstörungen
  • Verletzungen

Die Therapie konzentriert sich dann auf die Beseitigung der zugrunde liegenden Ursache. Die Dauer der Entzündung des Oberschenkelnervs kann je nach Ursache und Behandlung variieren. Wenn sich der Nervus femoralis entzündet, strahlen die Schmerzen typischerweise von der Vorderseite des Oberschenkels bis zum Knie hin aus. Dies kann sich auch auf die Innenseite des Beins ausdehnen.

Knieschmerzen vorn: Mögliche Ursachen

Knieschmerzen vorn können viele Ursachen haben, darunter:

  • Patellaspitzensyndrom
  • Hoffa-Kastert-Syndrom
  • Einklemmung des Saphenus-Nervs
  • Morbus Osgood Schlatter
  • Retropatellare Arthrose

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