Migräne mit Aura: Auswirkungen auf das Gehirn und neue Forschungserkenntnisse

Migräne ist eine weit verbreitete neurologische Erkrankung, die Millionen von Menschen weltweit betrifft. Obwohl die Forschung in den letzten Jahrzehnten erhebliche Fortschritte gemacht hat, sind die genauen Ursachen und Mechanismen der Migräne noch nicht vollständig geklärt. Besonders die Migräne mit Aura, bei der neurologische Symptome wie Sehstörungen dem Kopfschmerz vorausgehen, steht im Fokus aktueller Forschung.

Migräne mit Aura und das Gehirn: Eine Kohortenstudie aus Reykjavik

Eine bevölkerungsbasierte Kohortenstudie, die im Amerikanischen Ärzteblatt JAMA veröffentlicht wurde, hat interessante Ergebnisse im Zusammenhang mit Migräne mit Aura und möglichen Gehirnschäden im Alter geliefert. Die Studie, bekannt als Age Gene/Environment Susceptibility-Reykjavik Study (AGES-RS), untersuchte die Gehirne von 4.689 Teilnehmern mittels Kernspintomographie (MRT). Die Forscher setzten die MRT-Ergebnisse in Beziehung zu den Angaben der Teilnehmer zu Kopfschmerzen, die diese 25 Jahre zuvor gemacht hatten.

Es zeigte sich, dass Frauen, die regelmäßig unter Migräne mit Aura litten, häufiger kernspintomografische Läsionen im Gehirn aufwiesen, insbesondere im Kleinhirn. Genauer gesagt waren 23 Prozent der Frauen mit früherer Migräne mit Aura betroffen, verglichen mit nur 14,5 Prozent der Frauen ohne diese Vorgeschichte. Nach Berücksichtigung anderer Risikofaktoren ergab sich eine Odds Ratio von 1,9 (95-Prozent-Konfidenzintervall 1,4-2,6).

Als mögliche Erklärung bieten sich wiederholte Durchblutungsstörungen im Kleinhirn an, die während der Migräneattacken auftreten können. Die Studie wirft jedoch auch Fragen auf, warum diese Läsionen nur bei Migräne mit Aura auftreten und warum Männer nicht in gleichem Maße betroffen sind.

Die beobachteten MRT-Läsionen werden als Folge von Mikroinfarkten interpretiert, die im Alter häufig vorkommen. Bei den Studienteilnehmern, die im Durchschnitt fast 77 Jahre alt waren, wurden solche Läsionen bei 40 Prozent der Männer und 25 Prozent der Frauen gefunden. Obwohl die meisten einzelnen Läsionen wahrscheinlich keine Auswirkungen auf die Hirnleistung haben, unterstreicht die Studie die Notwendigkeit weiterer Forschung, um die langfristigen Auswirkungen von Migräne mit Aura auf das Gehirn besser zu verstehen.

Lesen Sie auch: Die Rolle von Cannabis im Gehirn

Was ist eine Aura? Vielfältige Sinneswahrnehmungen

Wer eine Migräne mit Aura erlebt, nimmt neurologische Störungen wahr, die vielfältig sein können. Mehr als 90 Prozent der berichteten Symptome betreffen das Sehvermögen, wie Zickzacklinien oder Blitze. Es können aber auch Kribbeln, Taubheit oder Geräusche auftreten, die nicht real sind. Die Symptome sind individuell verschieden und können jeden Sinn betreffen.

Migräneforscher Markus Dahlem erklärt, dass eine Aura Reiz- und Ausfallerscheinungen des Nervensystems sind. Betroffene können beispielsweise das Gefühl haben, dass Ameisen über den Arm laufen, gefolgt von Taubheit. Andere riechen möglicherweise Gerüche, die nicht vorhanden sind, oder sehen Muster wie Zickzacklinien. Visuelle Auren beginnen meist im Zentrum des Gesichtsfelds, breiten sich aus und wandern zur Peripherie.

Manche Auren bleiben unbemerkt, etwa wenn Sprachstörungen auftreten, aber die betroffene Person nicht spricht. Es ist möglich, dass jede Migräneattacke von einer Aura begleitet wird, auch wenn diese klinisch still verläuft.

Unterscheidung zwischen Migräne-Aura und Schlaganfall

Es ist wichtig, eine Migräne-Aura von einem Schlaganfall zu unterscheiden, da letzterer lebensbedrohlich sein kann. Die Geschwindigkeit des Auftretens der Symptome ist ein entscheidender Faktor. Eine Aura verläuft graduell, während ein Schlaganfall plötzlich auftritt. Plötzliche Sprach- oder Sprachverständnisstörungen, Lähmungen, Taubheitsgefühle oder Schwindel mit Gangunsicherheit können auf einen Schlaganfall hindeuten und sollten sofort ärztlich abgeklärt werden. Auch wer erstmals eine Aura bemerkt oder Auren in kürzeren Abständen als gewohnt hat, sollte einen Arzt aufsuchen.

Was passiert im Gehirn während einer Aura?

Während einer Aura werden die Nervenzellen der Hirnrinde wellenartig vom Hinterkopf bis zur Stirn angeregt. Dies ähnelt einer La-Ola-Welle im Stadion. Die Welle der Erregung läuft langsam durch das Gehirn und erfasst meist zuerst den visuellen Bereich. Auf die Erregung folgt eine Hemmung für 10 bis 20 Minuten, was zum Verschwinden der visuellen Symptome oder zum Auftreten von Taubheitsgefühlen führt.

Lesen Sie auch: Schädliche Auswirkungen von Quecksilber in Impfstoffen?

Auren können bei Einzelpersonen variieren, aber es gibt auch wiederkehrende Muster. Migräneforscher gehen davon aus, dass Auren bestimmten Pfaden auf der Großhirnrinde folgen.

Ursachen und Auslöser von Migräne

Die genaue Ursache von Migräne ist noch unklar, aber es gibt bestimmte Auslöser, die Attacken provozieren können. Dazu gehören Flüssigkeitsmangel, Wetterumschwünge, spezielle Gerüche und Reizüberflutung. Die Auslöser sind jedoch individuell sehr verschieden. Ein Migränetagebuch kann helfen, das individuelle Migränemuster zu erkennen und das Verhalten entsprechend anzupassen.

Die Wahrscheinlichkeit, an Migräne zu erkranken, sinkt mit zunehmendem Alter. Wer bis zum 50. Lebensjahr keine Attacke hatte, wird wahrscheinlich keine mehr bekommen. Migräne gilt jedoch als unheilbar.

Behandlungsmöglichkeiten und neue Entwicklungen

Es gibt keine spezifischen Medikamente für Auren, aber Migräneattacken können allgemein behandelt werden. Es ist wichtig, sich mit einem Arzt abzustimmen und nicht selbst Medikamente einzunehmen. Akutschmerzmittel mit Ibuprofen oder Triptanen können Linderung verschaffen. Vorbeugend können Betablocker, Antidepressiva und Antiepileptika verschrieben werden.

Es gibt auch vielversprechende neue Entwicklungen in der Migränemedikation, darunter neun neue Medikamente und eine digitale Therapie.

Lesen Sie auch: Alkoholbedingte Nervenschäden verstehen

Was tun bei einer Migräneaura?

Wer eine Migräneaura erlebt, sollte keine Maschinen bedienen und nicht Fahrrad oder Auto fahren. Ruhe ist wichtig, und viele Betroffene ziehen sich in einen abgedunkelten Raum zurück. Auch wer nur eine Aura ohne Kopfschmerzen oder Übelkeit verspürt, sollte sich schonen.

Migräne: Eine häufige neurologische Erkrankung

Migräne ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen. In Deutschland sind laut Robert Koch Institut (RKI) rund 28 Prozent der Frauen und 18 Prozent der Männer betroffen.

Symptome und Diagnose

Typische Symptome sind mittelschwere bis schwere, oft halbseitige Kopfschmerzen mit Übelkeit, Erbrechen, Lärm- und Lichtüberempfindlichkeit. Die Diagnose wird anhand der typischen Beschwerdeschilderung und eines normalen körperlichen Untersuchungsbefunds gestellt.

Ursachen und Risikofaktoren

Die Entwicklung der Symptome ist oft genetisch bedingt, aber auch endogene und exogene Faktoren wie Hormonschwankungen, Schlafstörungen, Stress, ausgelassene Mahlzeiten und unzureichende Flüssigkeitszufuhr spielen eine Rolle.

Therapie und Prävention

Die Therapie umfasst die Behandlung der einzelnen Kopfschmerzattacke mit Schmerzmitteln und Medikamenten gegen Übelkeit. Bei häufigen Attacken können vorbeugend wirksame Medikamente eingesetzt werden. Wichtig ist auch die Dokumentation von Kopfschmerzen und Medikation in einem Kopfschmerzkalender.

Jeder Betroffene muss lernen, mit der Erkrankung zu leben und modifizierbare Auslöser zu reduzieren.

Neue Erkenntnisse zu den Mechanismen der Migräne-Aura

Ein Forschungsteam aus Tübingen und München hat im Tiermodell einen der zugrundeliegenden Mechanismen der Migräne-Aura auf die Spur kommen. Bei sogenannten Migräne-Mäusen, die die Erkrankung beim Menschen nachbilden, ist eine bestimmte Art von Nervenzellen überaktiv. Die Studie zeigte, dass die krankhafte Hirnaktivität sich besserte, als die Wissenschaftler eine Substanz verabreichten, die die übermäßige Natriumkanalaktivität blockiert. Dies könnte einen Ansatzpunkt für die medikamentöse Behandlung von Migränepatienten darstellen.

Die Rolle der Nerveninnervation der Hirnhäute

Neuere Publikationen untersuchen die genauen Vorgänge, die an einer Migräneattacke mit Aura beteiligt sind. Es gilt als gesichert, dass für das Schmerzgeschehen bestimmte sensorische Innervierungen der Hirnhäute eine wichtige Rolle spielen.

Kortikale Streudepolarisierung und Migräne

Im Vorfeld einer Migräneattacke kommt es in der Großhirnrinde zu einer wellenartigen Nervenerregung, der sogenannten Kortikalen Streudepolarisierung. Dabei feuern große Mengen an Nervenzellen gleichzeitig, was viel Energie verbraucht. Dies führt zu einer vorübergehenden Verminderung der Aktivität der Synapsen und einer Minderversorgung des Gehirngewebes mit Sauerstoff.

Man nimmt heute an, dass es eine direkte Verbindung zwischen diesem Ereignis der sich ausbreitenden Erregungswellen und dem Migränegeschehen gibt.

Die Rolle von Botenstoffen und Entzündungen

Während der Erregungswelle in der Hirnrinde kommt es zur Freisetzung unzähliger Botenstoffe, die das Schmerzempfinden beeinflussen können. Diese Stoffe diffundieren in Richtung der Hirnhäute und lösen dort an Nervenendigungen eine Schmerzwahrnehmung aus. Die Nerven reagieren mit der Sezernierung von entzündungsfördernden Stoffen, wodurch neurogene Entzündungen verursacht werden.

Durchblutungsstörungen bei Migräne mit Aura

Speziell bei Migräne mit Aura kommt es während der Kortikalen Erregungswelle zur Beeinträchtigung der Durchblutung einzelner Hirnareale, was zu einer Minderversorgung mit Sauerstoff führt.

Genetische Faktoren und Lebensstil

Viele Migränepatienten haben eine genetische Veranlagung, die sie anfälliger macht. Die Nervenzellen verbrauchen in solchen Situationen mehr Energie als normal, was zu Heißhunger führen kann.

Durch Anpassung des Lebensstils können Betroffene ihre Erkrankung lindern. Dazu gehören eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung, Stressmanagement und gute Schlafqualität.

tags: #schadigt #migrane #mit #aura #das #gehirn