Die Diagnose eines Meningeoms, insbesondere wenn es zu Schielen oder anderen visuellen Beeinträchtigungen führt, kann für Betroffene und ihre Angehörigen sehr belastend sein. Dieser Artikel soll einen umfassenden Überblick über die Ursachen von Schielen im Zusammenhang mit Meningeomen geben, mögliche Behandlungen aufzeigen und Betroffenen Mut machen.
Einführung
Ein Meningeom ist ein meist gutartiger Tumor, der von den Hirnhäuten ausgeht, den Membranen, die Gehirn und Rückenmark umgeben. Obwohl die meisten Meningeome langsam wachsen und keine Symptome verursachen, können sie, je nach Lage und Größe, erhebliche gesundheitliche Probleme verursachen. Eines dieser Probleme ist das Schielen (Strabismus), eine Fehlstellung der Augen, die zu Doppelbildern und anderen Sehstörungen führen kann.
Ursachen von Schielen bei Meningeomen
Schielen im Zusammenhang mit Meningeomen kann verschiedene Ursachen haben, die oft miteinander zusammenhängen:
Direkter Druck auf die Augenmuskeln oder Hirnnerven
Meningeome, die in der Nähe der Augenhöhle oder der Hirnnerven, die die Augenmuskeln steuern (N. oculomotorius, N. trochlearis, N. abducens), wachsen, können direkten Druck auf diese Strukturen ausüben. Dieser Druck kann die Funktion der Augenmuskeln beeinträchtigen und zu einer Fehlstellung der Augen führen.
Erhöhter Hirndruck
Große Meningeome können den Hirndruck erhöhen, was wiederum die Funktion der Hirnnerven beeinträchtigen kann. Ein erhöhter Hirndruck kann auch zu einer Stauungspapille führen, einer Schwellung des Sehnervs, die das Sehen zusätzlich beeinträchtigen kann.
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Schädigung des Sehnervs
Meningeome, die in der Nähe des Sehnervs (N. opticus) wachsen, können diesen komprimieren oder schädigen. Eine Schädigung des Sehnervs kann nicht nur die Sehschärfe beeinträchtigen, sondern auch zu Schielen führen, da die Augen nicht mehr richtig aufeinander ausgerichtet sind.
Postoperative Komplikationen
Auch nach der operativen Entfernung eines Meningeoms können Sehstörungen wie Schielen auftreten. Dies kann verschiedene Gründe haben:
- Wundwasser: Nach der Operation kann sich Wundwasser bilden, das Druck auf die umliegenden Strukturen ausübt.
- Nervenirritation: Während der Operation können die Hirnnerven gereizt oder beschädigt werden.
- Veränderte Hirnstruktur: Die Entfernung des Tumors kann zu einer Veränderung der Hirnstruktur führen, die sich auf die Augenbewegungen auswirkt.
Diagnose von Schielen bei Meningeomen
Die Diagnose von Schielen im Zusammenhang mit Meningeomen umfasst in der Regel eine umfassende augenärztliche Untersuchung sowie bildgebende Verfahren des Gehirns.
Augenärztliche Untersuchung
Der Augenarzt wird verschiedene Tests durchführen, um die Art und den Grad des Schielens zu bestimmen. Dazu gehören:
- Visuelle Inspektion: Beurteilung der Augenstellung in Ruhe und bei Bewegung.
- Abdecktest: Feststellung, ob ein Auge abweicht, wenn das andere Auge abgedeckt wird.
- Messung des Schielwinkels: Quantifizierung des Ausmaßes der Augenfehlstellung.
- Prüfung der Augenbeweglichkeit: Beurteilung der Fähigkeit, die Augen in alle Richtungen zu bewegen.
- Untersuchung des Augenhintergrunds: Beurteilung des Sehnervs und der Netzhaut.
Bildgebende Verfahren
Bildgebende Verfahren wie Magnetresonanztomographie (MRT) oder Computertomographie (CT) sind unerlässlich, um die Lage und Größe des Meningeoms zu bestimmen und andere mögliche Ursachen für das Schielen auszuschließen.
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Behandlung von Schielen bei Meningeomen
Die Behandlung von Schielen im Zusammenhang mit Meningeomen zielt darauf ab, die Augenfehlstellung zu korrigieren, Doppelbilder zu beseitigen und die Sehschärfe zu verbessern. Die Behandlungsmöglichkeiten hängen von der Ursache und dem Schweregrad des Schielens ab.
Operative Entfernung des Meningeoms
Die operative Entfernung des Meningeoms ist oft der erste Schritt zur Behandlung des Schielens. Wenn der Tumor erfolgreich entfernt wird und kein direkter Druck mehr auf die Augenmuskeln oder Hirnnerven ausgeübt wird, kann sich das Schielen von selbst bessern.
Prismenbrille
Eine Prismenbrille kann verwendet werden, um Doppelbilder zu korrigieren. Die Prismen lenken das Licht so um, dass die Bilder beider Augen auf der Netzhaut zusammengeführt werden.
Augenmuskeloperation
In einigen Fällen kann eine Augenmuskeloperation erforderlich sein, um die Augenfehlstellung zu korrigieren. Bei dieser Operation werden die Augenmuskeln versetzt oder gestärkt, um die Augen wieder richtig auszurichten. Eine Person berichtete von einer Schiel-OP nach 20 Monaten, die zu einer Normalisierung des Sehens führte, was einen unglaublichen Gewinn an Lebensqualität darstellte. Die OP selbst dauerte 20 Minuten, und am nächsten Morgen wurde der Verband entfernt, was zu einem Seh-Wunder führte.
Botulinumtoxin-Injektionen
Botulinumtoxin (Botox) kann in die Augenmuskeln injiziert werden, um diese zu schwächen und die Augenfehlstellung zu korrigieren. Diese Behandlung ist jedoch in der Regel nur vorübergehend und muss möglicherweise wiederholt werden.
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Okklusionstherapie
Bei Kindern kann eine Okklusionstherapie eingesetzt werden, bei der das bessere Auge abgedeckt wird, um das schwächere Auge zu trainieren und die Sehschärfe zu verbessern.
Sehschule und Augenübungen
Eine Sehschule, d.h. eine Ortoptistin, kann den Schielwinkel vermessen, und es können Prismenfolien verschrieben werden, die in eine Brille geklebt werden. Diese Folien haften dort und können mit der Besserung der Doppelbilder ausgetauscht werden. Augenübungen können ebenfalls helfen, die Augenmuskeln zu stärken und die Koordination der Augen zu verbessern.
Erfahrungen von Betroffenen
Viele Betroffene berichten von Doppelbildern nach der OP, die sich nach einiger Zeit wieder normalisierten. Eine Person trug auf Anraten des Augenarztes eine Augenklappe im Wechsel, während eine andere Prismenfolien in eine Brille klebte. Es ist wichtig, geduldig zu sein und alle Möglichkeiten in der Rehaklinik zu nutzen. Jeder Mensch ist anders und die Genesung kann unterschiedlich lange dauern. Es ist wichtig, sich nicht mit anderen zu vergleichen und positiv zu bleiben.
Einige Betroffene haben auch von der Verwendung von Prismenbrillen und Schieloperationen berichtet, um ihre Doppelbilder zu korrigieren. Es ist wichtig, sich von einem Augenarzt beraten zu lassen, der sich auf Schielen spezialisiert hat.
Weitere Ursachen für Glubschaugen (Exophthalmus)
Es ist wichtig zu erwähnen, dass "Glubschaugen" (Exophthalmus) auch andere Ursachen haben können, die nicht mit Meningeomen zusammenhängen. Eine häufige Ursache ist die endokrine Orbitopathie, eine Autoimmunerkrankung, die oft im Zusammenhang mit der Basedow-Krankheit auftritt. Weitere Ursachen können Entzündungen im Augenbereich, Tumore in der Augenhöhle oder Verletzungen sein.
Neuro-ophthalmologische Störungen
Neuro-ophthalmologische Störungen betreffen das Auge, die Pupille, den Sehnerv, die extraokulären Muskeln und ihre Nerven. Auch die zentralen Bahnen zur Kontrolle und Integration der Augenbewegungen und des Sehens können betroffen sein. Zu diesen Störungen gehören Anisokorie (ungleiche Pupillengröße), anteriore ischämische Optikusneuropathie (AION), Leber'sche hereditäre Optikusneuropathie, benigner essentieller Blepharospasmus (unkontrollierbares Blinzeln), durchblutungsbedingte Augenbewegungsstörungen, Optikusneuritis, Hypophysentumore, Meningeome, Raumforderungen im Gehirn, Schlaganfall und Pseudotumor cerebri.
Hydrozephalus (Wasserkopf)
Ein Hydrozephalus ist eine Erkrankung, bei der sich übermäßig viel Liquor (Gehirn- und Rückenmarksflüssigkeit) im Schädelinneren ansammelt. Dies kann durch Infektionen, Blutungen, Tumore, Kopfverletzungen oder angeborene Fehlbildungen verursacht werden. Die Symptome können Kopfschmerzen, Schwindel, Gedächtnisstörungen, Inkontinenz und unsicheres Gehen umfassen. Die Behandlung kann eine Lumbalpunktion, eine telemetrische Hirndruckmessung oder eine endoskopische Drittventrikulostomie (ETV) umfassen.