Schlaganfall, Depressionen und Alzheimer sind altersbedingte Hirnerkrankungen, die oft miteinander in Verbindung stehen. Eine neue Übersichtsarbeit aus den USA bestätigt, dass ein gesunder Lebensstil einen positiven Einfluss auf das Gehirn hat und das Risiko für diese Erkrankungen senken kann. Die Studie identifiziert 17 modifizierbare Risikofaktoren, deren Veränderung das Risiko für Schlaganfall, Demenz und Depressionen im Alter verringern kann.
Einführung
Die alternden Bevölkerungen weltweit sehen sich mit einer wachsenden Zahl von Fällen von Schlaganfall, Demenz und Depressionen konfrontiert. Diese Erkrankungen beeinträchtigen nicht nur die Lebensqualität der Betroffenen, sondern stellen auch eine erhebliche Belastung für das Gesundheitssystem dar. Daher ist es von entscheidender Bedeutung, die Zusammenhänge zwischen diesen Erkrankungen zu verstehen und wirksame Präventions- und Nachsorgemaßnahmen zu entwickeln.
Die enge Verbindung zwischen Schlaganfall, Demenz und Depressionen
Demenz, Schlaganfall und Altersdepression hängen eng zusammen. Wer eine dieser Erkrankungen entwickelt, hat ein erhöhtes Risiko, in Zukunft eine weitere zu entwickeln. Dies liegt daran, dass es Überschneidungen bei den Risikofaktoren gibt und vorbeugende Maßnahmen die Wahrscheinlichkeit für mehr als nur eine dieser Erkrankungen reduzieren können.
17 modifizierbare Risikofaktoren
Die Studie identifizierte 17 modifizierbare Risikofaktoren für Schlaganfall, Demenz und/oder Depressionen im Alter:
- Bluthochdruck
- Hoher Body-Mass-Index (BMI)
- Nierenerkrankung
- Erhöhter Nüchternblutzucker
- Erhöhtes Gesamtcholesterin
- Übermäßiger Alkoholkonsum
- Ungesunde Ernährung
- Unbehandelter Hörverlust
- Chronische Schmerzen
- Bewegungsmangel
- Fehlender Lebenssinn
- Schlechter Schlaf
- Rauchen
- Depressive Symptome
- Mangelndes soziales Engagement
- Fehlende geistig fordernde Freizeitaktivitäten
- Stress
Es ist wichtig zu beachten, dass einige dieser Faktoren eher Symptome als Ursachen sein könnten. Menschen mit Hirnerkrankungen sind möglicherweise weniger in der Lage, körperliche und geistig fordernde Freizeitaktivitäten auszuüben.
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Prävention durch einen gesunden Lebensstil
Die gute Nachricht ist, dass viele dieser Risikofaktoren beeinflussbar sind und miteinander zusammenhängen. Wer sich mehr bewegt, schläft oft besser. Wer Stress abbaut, schützt sein Herz. Ein gesunder Lebensstil, der regelmäßige Bewegung, eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Schlaf und den Verzicht auf Rauchen und übermäßigen Alkoholkonsum umfasst, kann das Risiko für Schlaganfall, Demenz und Depressionen deutlich senken.
Eine Studie hat gezeigt, dass bereits 3000 Schritte am Tag dazu beitragen, dass sich im Gehirn weniger schnell schädigende Tau-Proteinklumpen ansammeln. Noch größere Effekte wurden bei 5000 bis 7500 Schritten beobachtet. Im Vergleich zu inaktiven Personen war der kognitive Abbau bei steigender körperlicher Aktivität bis zu 51 Prozent geringer.
Psychische Begleiterkrankungen nach Schlaganfall
Psychische Begleiterkrankungen sind häufige Folgen eines Schlaganfalls. Bis zu 20% der Patienten entwickeln nach einem Schlaganfall eine Depression (post-stroke depression, PSD) und Delir. Diese Begleiterkrankungen können den Therapieverlauf negativ beeinflussen und die Lebensqualität der Betroffenen stark beeinträchtigen.
Post-Stroke-Depression (PSD)
Die Post-Stroke-Depression (PSD) ist eine häufige und oft unterschätzte Folge eines Schlaganfalls. Studien zeigen, dass zwischen 30 und 40 % der Patienten nach einem Schlaganfall an einer Depression leiden. PSD ist mit schlechteren Rehabilitationsergebnissen, physischen und kognitiven Beeinträchtigungen, einem höheren Morbiditäts- und Mortalitätsrisiko und erhöhten Belastungen für die Pflegenden verbunden.
Post-Stroke Cognitive Impairment (PSCI)
Bei bis zu 60% der Patienten, die einen Schlaganfall erleiden, kommt es im ersten Jahr danach zu einer Demenz. Man spricht in diesem Zusammenhang von PSCI (post-stroke cognitive impairment). Am häufigsten tritt PSCI kurz nach dem Schlaganfall auf. Bis zu 20% der Patienten mit einem milden PSCI erholen sich wieder komplett, aber der Großteil der Patienten gelangt nicht mehr zum kognitiven Status vor dem Insult zurück. Patienten, die sich komplett von Schlaganfall und folgendem PSCI erholen, haben dennoch ein erhöhtes Demenzrisiko.
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Diagnose und Behandlung psychischer Begleiterkrankungen
Es ist wichtig, psychische Begleiterkrankungen nach einem Schlaganfall frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Zur Diagnose von Depressionen können Screening-Tests wie die Beck-Depressions-Inventar-Fast-Screen (BDI-FS) und die Geriatrische Depressionsskala (GDS) verwendet werden. Für die Diagnose von Delir steht der 4AT-Test zur Verfügung, der auch auf Deutsch und kostenfrei im Internet verfügbar ist.
Die Behandlung von PSD umfasst in der Regel Antidepressiva (selektive Serotoninwiederaufnahmehemmer, SSRI, und trizyklische Antidepressiva). Es gibt Hinweise darauf, dass die Kombination aus Psychotherapie und Antidepressivum effektiver ist als eine alleinige Pharmakotherapie.
Nachsorgekonzepte für Schlaganfallpatienten
Die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) fordert ein umfassenderes Nachsorgekonzept für Schlaganfallpatienten, um Folgeerkrankungen wie Depressionen, Angststörungen und Demenz rechtzeitig zu erkennen und ihnen kompetent zu begegnen. Die DSG plädiert für eine sektor- und berufsgruppenübergreifende Weiterversorgung mit einem regionalen Schlaganfallnetzwerk, einem Schlaganfallfallkoordinator und einer spezialisierten Pflegekraft (Stroke Nurse).
Wichtige Elemente eines solchen Netzwerks sind:
- Enge Kommunikation und Koordination zwischen allen Ärzten und Therapeuten
- Ausführliche Information und Aufklärung von Patienten und Angehörigen über das Krankheitsbild und präventive Maßnahmen
- Ein Gesunderhaltungspass zur Dokumentation der Behandlung
- Regelmäßige Untersuchungen in der Klinik sowie beim Haus- und Facharzt zur Überprüfung von Risikofaktoren und möglichen Folgeerkrankungen
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