Schlaganfall durch Corona-Infektion: Ursachen, Risiken und Prävention

Die COVID-19-Pandemie hat nicht nur die Atemwege, sondern auch das Nervensystem in Mitleidenschaft gezogen. Studien deuten darauf hin, dass eine Infektion mit SARS-CoV-2 das Schlaganfallrisiko erhöhen kann, selbst bei jungen Menschen mit mildem Verlauf. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Risiken und Präventionsmaßnahmen im Zusammenhang mit Schlaganfällen nach einer Corona-Infektion.

Neurologische Auswirkungen von COVID-19

Die Symptome von Patienten mit COVID-19 deuten immer wieder darauf hin, dass die Erkrankung auch das Nervensystem angreifen kann. Neurologische Beschwerden treten bei etwa 80 % der Patient*innen auf, die mit einer Coronaviruserkrankung im Krankenhaus behandelt werden. Diese reichen von Riechstörungen und Kopfschmerzen bis hin zu schweren Muskelentzündungen, Bewusstseinsstörungen und Delir. In einigen Fällen kann es auch zu Entzündungen des Gehirns und des Rückenmarks kommen.

Häufige neurologische Symptome bei Corona-Patienten:

  • Riechstörungen (traten sogar bei weit über 70 Prozent der Betroffenen auf)
  • Kopfschmerzen
  • Muskelschmerzen (in schweren Fällen auch schwere Muskelentzündungen)
  • Bewusstseinsstörungen und Delir (treten gehäuft bei schweren Krankheitsverläufen auf und sind ein Indikator für eine schlechtere Prognose)

Erhöhtes Schlaganfallrisiko durch COVID-19

Mehrere Studien haben einen Zusammenhang zwischen COVID-19 und einem erhöhten Schlaganfallrisiko festgestellt. Eine Studie ergab, dass Schlaganfälle in jeder Phase der Erkrankung auftreten können und bei einigen Patienten sogar der Grund für die Krankenhausaufnahme waren. Das Virus kann mehrere Organe und vor allem das Nervensystem in Mitleidenschaft ziehen.

Altersgruppen und Risikofaktoren

Eine Analyse von Daten aus zehn Studien zur Schlaganfallhäufigkeit bei COVID-19-Patienten und 35 unveröffentlichten Fällen ergab, dass fast die Hälfte der Schlaganfallpatienten unter 50 Jahre alt war. Viele dieser jüngeren Patienten wiesen keine traditionellen Risikofaktoren oder Komorbiditäten auf. Der Anteil der COVID-19-Patienten, die einen Schlaganfall hatten (1,8 %) und im Krankenhaus daran verstarben (34 %), war außerordentlich hoch.

Mögliche Ursachen für Schlaganfälle bei COVID-19

  • Immunologisch bedingte Gerinnungsneigung: Eine mögliche Ursache für Schlaganfälle bei jüngeren Patienten mit COVID-19 könnte eine immunologisch bedingte, erhöhte Gerinnungsneigung sein, die zu Thrombosen führen kann. Störungen der Gerinnung sind bei Covid-19-Pneumonie eher die Regel als die Ausnahme und bilden eine eigene Entität der Covid-19-Erkrankung. Es bilden sich in der Folge Gerinnsel, die ischämische Schlaganfälle oder Embolien auslösen können. Die vorbeugende Behandlung der Gerinnungsstörung durch Medikamente ist deshalb eine wichtige Therapiesäule.
  • Direkte Gefäßwandschädigung durch das Virus: Auch eine direkte Gefäßwandschädigung durch das Virus ist nicht ausgeschlossen.
  • Entzündungen: Schwelen Entzündungen im Körper, ist das Risiko, einen Schlaganfall zu bekommen, dreimal so hoch. Das bedeutet, das Blut wird dicker und somit der Blutfluss langsamer. Es werden vermehrt Gerinnungsfaktoren produziert, das Blut gerinnt schneller. Die kleinen Blutklümpchen wandern mit dem Blutfluss - manchmal auch in den Kopf. So kann es zu Schlaganfällen kommen.
  • Virus gelangt ins Gehirn: „Wir vermuten, dass das Virus ausgehend von den Schleimhäuten der oberen Atemwege den Riechnerven befällt und von dort aus das Gehirn erreicht. Auch infizierte Blutzellen könnten das Virus, ähnlich wie ein trojanisches Pferd, ins Nervensystem tragen", sagt der Neurologe.

Auswirkungen auf das Gehirn

Eine neuere Studie aus Oxford gibt konkrete Hinweise auf Unregelmäßigkeiten im Gehirn durch eine Covid-19-Erkrankung. Die Forscher:innen konnten anhand von Hirnscans Veränderungen im Gehirn messen. Diese Veränderungen betreffen vor allem die sogenannten limbischen Hirnregionen, was mit den häufig bei COVID-19 beobachteten Riechstörungen zusammenhängen könnte.

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Schlaganfallrisiko im Vergleich zu anderen Infektionen

Grippeviren und Coronaviren erhöhen Forschern zufolge kurz nach der Infektion deutlich das Risiko für akute Herz-Kreislauf-Erkrankungen. So steigt das Risiko eines Herzinfarkts oder eines Schlaganfalls nach einer Infektion mit einem Grippevirus auf das Vier- bis Fünffache. Bei Sars-CoV-2 erhöht sich das Risiko eines Herzinfarkts oder eines Schlaganfalls jeweils auf etwa das Dreifache. Das erhöhte Risiko wird damit erklärt, dass bei der natürlichen Reaktion des Immunsystems auf Virusinfektionen Substanzen freigesetzt werden, die Entzündungen auslösen und die Blutgerinnung fördern, was das Herz-Kreislauf-System beeinträchtigt.

Schlaganfallsterblichkeit während der Pandemie

Im Laufe der Pandemie kamen deutlich weniger Menschen vor allem mit leichteren Schlaganfallsymptomen in die Kliniken. „Aus Angst vor Ansteckung erreichten Betroffene zu spät oder gar nicht die Notaufnahmen. Deshalb nahm die Schlaganfallsterblichkeit zu.“

COVID-19-Impfung und Schlaganfallrisiko

Es gab Bedenken, dass COVID-19-Impfstoffe das Schlaganfallrisiko erhöhen könnten. Insbesondere wurde Ende März letzten Jahres eine schwere, wenn auch seltene Nebenwirkung nach COVID-19-Impfung mit Vektor-basierten Vakzinen beobachtet: Impfassoziiert traten vor allem bei jüngeren Frauen Sinus- und Hirnvenenthrombosen auf, es kam zu Todesfällen. Es wurde aber auch ein leicht erhöhtes Risiko für hämorrhagische Schlaganfälle (sogenannte Hirnblutungen) nach Impfung mit einem mRNA-Vakzin beschrieben.

Eine im Oktober 2021 publizierte Auswertung zeigte diesbezüglich ein erhöhtes Risiko an den Tagen 1-7 und den Tagen 15-21 nach Impfung mit BNT162b2 (IRR: 1,27 und 1.38).

Aktuelle Datenlage

Eine aktuelle Auswertung des „French National Health Data System“ (Système National des Données de Santé [SNDS]) untersuchte, wie häufig nach erster und zweiter Gabe von Vakzinen gegen SARS-CoV-2 bei Menschen im Alter von 18 bis 75 Jahren kardiovaskuläre Ereignisse (Myokardinfarkte, Lungenembolien oder Schlaganfälle) auftraten. Im Ergebnis zeigte die Studie, dass es keine Assoziation zwischen mRNA-Impfstoffen und dem Auftreten dieser schweren kardiovaskulären Komplikationen gab.

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Expertenmeinung

DGN-Generalsekretär Professor Dr. Peter Berlit schlussfolgert: „Die vorliegenden Daten zeigen zumindest für die mRNA-Impfstoffe keinerlei Sicherheitssignale in Bezug auf ein erhöhtes Schlaganfallrisiko. Ganz im Gegenteil: Der Experte betont, dass die SARS-CoV-2-Infektion mit einer höheren Schlaganfallrate einhergeht und die Impfung somit vor Schlaganfällen schütze.

Prävention und Schutzmaßnahmen

  • Impfung: Die Impfung gegen SARS-CoV-2 schützt nicht nur vor schweren COVID-19-Verläufen, sondern senkt auch das Risiko für Folgeerkrankungen wie Schlaganfälle.
  • Vermeidung von Infektionen: Um das Risiko einer Infektion zu minimieren, sollten die gängigen Hygienemaßnahmen eingehalten werden:
    • Vor dem Anziehen der Maske gründlich die Hände waschen.
    • Die Maske möglichst nicht an der Innenseite berühren.
    • Die Maske immer mit über die Nase ziehen, nicht nur über den Mund.
    • Die Maske sollte vor allem an der Nase, aber auch insgesamt eng anliegen.
    • Die Maske nach Durchfeuchtung bzw.
  • Gesunder Lebensstil: Ein gesunder Lebensstil mit ausgewogener Ernährung, regelmäßiger Bewegung und dem Verzicht auf Rauchen kann das Immunsystem stärken und das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken.
  • Früherkennung und Behandlung von Risikofaktoren: Regelmäßige Kontrolluntersuchungen beim Arzt helfen, Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes oder erhöhte Cholesterinwerte frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.
  • Infektionen nicht verschleppen: Infektionen sollten nicht verschleppt werden, um Entzündungen im Körper zu vermeiden.

Schlaganfall-Symptome erkennen und handeln

Es ist wichtig, die Symptome eines Schlaganfalls frühzeitig zu erkennen und sofort zu handeln. Typische Symptome sind:

  • Einseitige Lähmung im Gesicht (z.B. verzogener Mundwinkel beim Lächeln)
  • Schwäche oder Taubheit eines Arms oder Beins
  • Sprachstörungen (z.B. verwaschene Sprache oder Schwierigkeiten, Sätze nachzusprechen)
  • Sehstörungen
  • Verständnisprobleme

FAST-Test:

  • Face (Gesicht): Bitten Sie die Betroffene oder den Betroffenen zu lächeln. Ist das Gesicht dabei einseitig verzogen, deutet das auf eine Halbseitenlähmung hin.
  • Arms (Arme): Bitten Sie die Person, die Augen zu schließen, die Arme nach vorn zu strecken und die Handflächen nach oben zu drehen.
  • Speech (Sprache): Lassen Sie die Person einen einfachen Satz nachsprechen. Ist sie dazu nicht in der Lage oder klingt die Stimme verwaschen? Versteht die Person die Aufforderung nicht?
  • Time (Zeit): Wenn eines dieser Symptome auftritt, wählen Sie sofort den Notruf (112).

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