Ein Schlaganfall ist ein einschneidendes Ereignis, das vielfältige körperliche Folgen haben kann. Eine häufige Folgeerscheinung ist die Fußheberschwäche, die das Gangbild beeinträchtigt und die Lebensqualität erheblich mindern kann. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen eines Schlaganfalls, insbesondere im Zusammenhang mit der Fußheberschwäche, und gibt einen Überblick über Behandlungsmöglichkeiten und Präventionsmaßnahmen.
Medizinischer Hintergrund des Schlaganfalls
Von einem Schlaganfall spricht man, wenn ein Gefäß im Gehirn verstopft oder platzt. Dies führt dazu, dass bestimmte Hirnareale nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt werden können und die betroffenen Bereiche absterben. Die Folge sind Funktionsausfälle, die die Lebensqualität der Betroffenen erheblich einschränken. Welche Funktionen ausfallen, hängt von dem betroffenen Areal ab.
Schlaganfälle und Herzinfarkte haben häufig die gleiche Ursache. Beide lebensbedrohlichen Erkrankungen werden in vielen Fällen durch ein Blutgerinnsel (Thrombus) verursacht, das ein Gefäß verstopft. Die von der Durchblutung abgeschnittenen Bereiche sind dann nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Gewebe stirbt ab, und es kommt zum Infarkt. Steckt das Gerinnsel im Herzen fest, ist ein Herzinfarkt die Folge. Wird das Blutgerinnsel mit dem Blutstrom ins Gehirn getragen, droht ein Schlaganfall. Hinzu kommt, dass ein krankes Herz das Schlaganfall-Risiko erhöht. Herzerkrankungen zählen zu den häufigsten Schlaganfall-Ursachen überhaupt. Dies gilt vor allem für Vorhofflimmern und bestimmte Herzklappenerkrankungen.
Die Fußheberschwäche als Folge eines Schlaganfalls
Die Fußheberschwäche ist eine der häufigsten Folgeerscheinungen nach einem Schlaganfall. Sie entsteht durch eine Störung der Signalweitergabe vom Gehirn zu den Bein- und Fußmuskeln. Bei gesunden Menschen gibt das zentrale Nervensystem die Absicht zu gehen unkompliziert an die Bein- und Fußmuskeln weiter. Bei Patienten mit Fußheberschwäche ist diese Signalweitergabe jedoch gestört, sodass sie den Fuß nicht mehr koordiniert steuern können.
Im Normalfall sind unsere Nervenbahnen dafür verantwortlich, Bewegungsimpulse an die Fußhebermuskulatur weiterzuleiten. Bei gesunden Menschen wird etwa der Peroneusnerv in der Kniekehle aktiviert, der dafür sorgt, dass sich beim Gehen die Fußspitze hebt. Wenn dieses Signal den Nerv nicht mehr erreicht, hängt die Fußspitze des betroffenen Beines nach unten - deshalb wird die Fußheberschwäche umgangssprachlich auch Fallfuß genannt. In der Folge verliert der Patient die Kontrolle über simple Bewegungen wie das Anheben, Aufsetzen oder Abrollen seines Fußes. Ein natürliches Gangbild ist somit nicht mehr möglich.
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Auswirkungen der Fußheberschwäche auf den Alltag
Patienten, die an einem Fallfuß oder einer Fußheberschwäche nach einem Schlaganfall leiden, sind in ihrem Alltag massiv eingeschränkt. Je unsicherer der Gang, desto mehr wird jeder Schritt zur Kraftprobe. Jede noch so kleine Bodenwelle kann gefährlich werden und Stürze sind in diesem Zusammenhang keine Seltenheit.
Eine weitere Einschränkung, die mit der Diagnose Fußheberschwäche nach Schlaganfall einhergeht, ist die soziale Isolation der Betroffenen. Sie sind sich ihrer Situation deutlich bewusst und leiden unter den neugierigen Blicken anderer Menschen. In der Folge reduzieren viele Patienten ihre sozialen Kontakte auf ein Minimum und verlieren die Freude an Treffen mit Freunden und Bekannten.
Das spezielle Gangbild, das ein Fallfuß mit sich bringt, äußert sich nicht nur in einer erhöhten Verletzungsgefahr und sozialer Isolation, sondern auch in handfesten körperlichen Beschwerden. Bleibt die Fußheberschwäche nach einem Schlaganfall unbehandelt, beginnen häufig Hüfte und Becken zu schmerzen. Der Grund: Der für die Diagnose typische Gang beruht darauf, dass die Patienten ihr Bein mithilfe einer kreisförmigen Hüftbewegung nach vorne schwingen. Auf Dauer führt dies zu einer Mehrbelastung der nicht betroffenen Seite, welche infolgedessen geschädigt wird.
Therapieansätze bei Fußheberschwäche
Üblicherweise ist es nicht möglich, einen Fallfuß komplett zu heilen. Dafür sind die Nervenschäden, die ein Schlaganfall mit sich bringt, zu schwerwiegend. Dennoch gibt es verschiedene Therapieansätze, die darauf abzielen, die Lebensqualität der Patienten deutlich zu verbessern und die Bewegungsfreiheit zu erhöhen.
Krankengymnastik
Krankengymnastik ist ein wichtiger Bestandteil der Therapie für Patienten mit einer Fußheberschwäche. Abgestimmt auf die individuellen Einschränkungen des Betroffenen erstellt der Therapeut einen Behandlungsplan. Mit gezielten Übungen stärkt er die Muskeln und stimuliert die Nervenbahnen.
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Orthesen
Sachkundig angefertigte Orthesen geben Halt und sind in einer Vielzahl von Ausführungen erhältlich. Je nach Bedarf sind sie mehr oder weniger dünn, leicht und alltagstauglich. Während textile Orthesen sich vor allem für leichte Fälle der Fußheberschwäche eignen, können dynamische Orthesen aus Carbon den Patienten bei einem mittelstarken Funktionsverlust unterstützen. Und Silikonorthesen bieten beispielsweise nicht nur auf Teerboden, sondern auch beim Training im Wasser guten Halt. Wichtig ist, dass sich Patienten mit einer Fußheberschwäche ausführlich von ihrem Therapeuten oder im Fachhandel beraten lassen.
Funktionelle Elektrostimulation (FES)
Im Gegensatz zu klassischen Orthesen, die sich darauf beschränken, passiv ein Fallen des Fußes zu verhindern, setzt die Funktionelle Elektrostimulation (FES) auf moderne Technik. Üblicherweise handelt es sich hierbei um eine Manschette, die am Unterschenkel befestigt wird und elektronische Impulse aussendet. Auf diese Weise werden die an der Fußhebung beteiligten Muskeln animiert, ihren Dienst zu erfüllen. Diese Technik gilt als äußerst effizient, da sie Gang, Gleichgewicht und Bewegungsausmaß deutlich verbessert.
Weitere Hilfsmittel und Übungen
Sei es der Gehstock, das Paar orthopädischer Schuhe oder die bequemen Einlagen: Was immer einem Patienten hilft, sein Gangbild zu verbessern, sollte genutzt werden. Neben den klassischen Therapieansätzen sollten Patienten mit einer Fußheberschwäche auch auf zusätzliche Übungen setzen, die sich leicht in den Alltag im heimischen Wohnzimmer integrieren lassen. Schuhe ausziehen, bequem hinsetzen, Kopfhörer auf die Ohren und los geht‘s: Im Takt zur Lieblingsmusik macht das Training besonders viel Spaß. Trommeln Sie mit den Füßen rhythmisch auf den Boden. Mal auf der einen Seite, dann auf der anderen, dann gleichzeitig. Verschärft geht das Ganze natürlich auch im Stehen. Was Finger können, können Zehen auch. Legen Sie sich einen Stift auf den Boden und versuchen Sie, ihn mit den Zehen hochzuheben. Lehnen Sie sich mit den Händen an die Wand und machen Sie einen Ausfallschritt. Wichtig ist, dass der bewegungseingeschränkte Fuß hinten steht und die Ferse so gut wie möglich am Boden bleibt.
Spastik nach Schlaganfall
Bewegungsstörungen nach einem Schlaganfall sind häufig und werden durch eine erhöhte Grundspannung in bestimmten Muskeln ausgelöst. Man nennt diese Bewegungsstörungen Spastik oder Spastizität. Eine Spastik ist ein Zustand, den Menschen nach verschiedenen Verletzungen oder bei verschiedenen Erkrankungen des zentralen Nervensystems, wie dem Gehirn oder dem Rückenmark, bekommen können. Dieser Zustand kommt bei gesunden Menschen nicht vor. Es ist ein Spannungszustand der Muskulatur, der nur bei bestimmten Erkrankungen auftreten kann.
Wir gehen davon aus, dass eine Schädigung im Bereich des zentralen Nervensystems, im Gehirn oder im Rückenmark stattfindet. Bei einer Schädigung der peripheren Nerven, den Nerven in den Armen und Beinen, entsteht zwar eine schlaffe Lähmung, aber keine spastische Lähmung. Die häufigste Form der Spastik im Bein ist der sogenannte mobile Spitzfuß. Es kommt im Sprunggelenk zu einer Beugung Richtung Fußfläche und zugleich zu einer Inversion.
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Die Spastik kann sich zunächst dahingehend äußern, dass sie nur leicht vorhanden ist, später dann aber zunimmt. Die Formen der Spastik kann man auch darin unterscheiden, wo sie auftreten, beispielsweise dass sie nur an einem Ort vorhanden ist, wie im Arm, der Hand oder der Faust. Sie kann aber auch halbseitig auftreten, dann ist die halbe Seite des Körpers betroffen. Wenn wir von einer Paraspastik sprechen, sind zum Beispiel nur die Beine betroffen, die Arme jedoch nicht.
Typische Symptome der Spastik sind neben der Anspannung, die Sie selbst spüren, unter Umständen Schmerzen. Diese können relativ stark und störend sein und folglich die Lebensqualität einschränken. Es kann auch zu Fehlstellungen kommen und es kann sein, dass die sonst flüssigen Bewegungen nicht mehr so gut funktionieren. Wenn die Spastik stark ausgeprägt ist, dann kann es dazu kommen, dass die Arme oder Beine in den Gelenken kontrakt werden. Das bedeutet, dass eine bestimmte Fehlstellung durch das Bindegewebe so fixiert wird, dass man diese nicht mehr lösen kann, auch wenn man die Spastik zum Beispiel durch eine Botulinumtoxin-Spritze lösen würde. Damit einhergehend können auch Verletzungen der Haut stattfinden, beispielsweise wenn eine Fehlstellung darin besteht, dass die Haut die ganze Zeit aneinander liegt.
Von der Entstehung einer Spastik bei Schlaganfall sind grundsätzlich eher die oberen Extremitäten, die Arme betroffen, gefolgt von den Beinen. Bei der Multiplen Sklerose sind häufiger die Beine betroffen. Wo wir keine Spastik finden, ist die sogenannte glatte Muskulatur. Beispielsweise in der Darmmuskulatur werden wir keine Spastik finden, denn dort gibt es nur glatte Muskulatur. Die Spastik tritt im Wesentlichen in den Armen und Beinen auf. Sie kann auch am Rumpf auftreten, denn auch dort haben wir Willkürmuskulatur.
Nach einem Schlaganfall kann es häufig zu Schmerzen kommen. Die Ursache dieser Schmerzen ist allerdings nicht immer die Spastizität. Wenn der Schlaganfall beispielsweise im Thalamus stattfindet, treten die zentralen Schmerzen auf. Verschiedene Studien und Untersuchungen zeigen, dass die Spastik selbst etwa in 50% der Fälle einen Spastik assoziierten Schmerz auslöst.
Es ist ganz unterschiedlich, wodurch sich die Spastik verstärken kann. Manche PatientInnen reagieren zum Beispiel auf Temperatur. Es gibt weitere Faktoren, welche die Spastik verstärken können. Beispielsweise jede Art von Schmerz, Verletzungen, wie zum Beispiel Haut- oder Muskelverletzungen, Knochenbrüche oder Operationen. Wir operieren eigentlich ungern einen spastischen Arm oder ein spastisches Bein, wenn es nicht sein muss. Auch jede Art von Entzündung kann die Spastizität verstärken, ein Harnwegsinfekt, Fieber, ein genereller Infekt oder eine Grippe.
Häufig führt eine stärker ausgeprägte Spastik zu Komplikationen, zu Folgeerscheinungen. Es kann auch zu bindegewebigen Verwachsungen kommen, das bedeutet, dass die Gelenke, Sehnen und Bänder miteinander verwachsen und die passive Bewegung verhindern. Weitere Komplikationen sind darüber hinaus auch Schmerzen. Der Teufelskreis beginnt mit Schmerz, der zu einer Erhöhung der Spastik führt.
Meist ist es so, dass eine Lähmung schlaff beginnt, was wir in der Medizin eine pseudoschlaffe Lähmung nennen. Diese schlaffe Lähmung wird jedoch im Laufe der Zeit, meist innerhalb des ersten halben Jahres, zu einer spastischen Lähmung. Das erste, was man vielleicht bemerkt, ist, dass die Muskulatur nicht ganz entspannt ist, sondern dass ein beginnender Tonus, eine beginnende Anspannung, vorhanden ist, die man selbst aber gar nicht produziert. Im Laufe der Spastik-Entwicklung bemerken Sie vielleicht, dass die Beine oder Arme sich in eine Stellung begeben, die Sie gar nicht einnehmen wollen. Im Arm ist dies häufig eine Beugespastik und im Ellbogen kommt es zu einer Beugung. In der Schulter kommt es oft zu einem Heranführen des Oberarms an den Rumpf. In der Hand entwickelt sich oft eine Beugespastik, eine sogenannten Faustung. Sie können die Hand dann unter Umständen nicht mehr gut öffnen. Im Handgelenk kann auch eine Beugespastik entstehen, sodass der Arm sich zum Rumpf bewegt. Wenn die Spastik beginnt, bemerkt man oft bei einer schnellen oder passiven Bewegung, dass ein Rucken einsetzt. Am Anfang ist die Spastik ganz schlaff, man kann beispielsweise den Ellbogen noch flüssig bewegen. Wenn man ihn jedoch schnell bewegt, kommt es zu einem ersten Rucken.
Meiner Meinung nach muss das Phänomen der Spastizität differenziert dahingehend betrachtet werden, dass wir sie nicht immer nur als Problem sehen sollten. Stellen Sie sich vor, Sie hätten eine komplette Lähmung des Beines und könnten aufgrund dieser nicht mehr aufstehen. In solchen Fällen freuen wir uns eigentlich sogar, wenn sich eine gewisse Streck-Spastizität entwickelt, weil die Menschen aufgrund dieser ihr Gewicht übernehmen können. Das Problem bei der Spastik ist jedoch meistens, dass sie über das Ziel hinausschießt.
Man kann sich nun fragen, was sich die Natur bei diesem Phänomen der Spastizität gedacht hat und warum es möglicherweise Sinn macht, diese beizubehalten. Dazu kann man sagen, dass die Spastik oft einen gewissen Zweck erfüllt. Im Arm führt sie beispielsweise dazu, dass dieser nicht schlaff herunterhängt, die Gelenke nicht ausgedehnt werden, keine Schmerzen entstehen und die Muskeln nicht dünn werden, wie es bei der peripheren Lähmung der Fall ist.
Wir empfehlen, dass Sie in dem Moment, in dem Sie eine beginnende Spastizität bemerken, mit Ihren Therapeutinnen und Therapeuten, aber auch mit Ihren Ärztinnen und Ärzten sprechen. Zunächst einmal muss man sagen, dass in über der Hälfte aller Schlaganfälle keine Spastik entwickelt wird. Nur selten sehen wir die Spastik bereits auf der akuten Schlaganfalleinheit, der Stroke Unit. Im ersten halben Jahr haben dann über zwei Drittel der PatientInnen eine Spastizität entwickelt.
Ganz wichtig ist, dass Sie in enger ärztliche Anbindung bleiben, wenn Sie die Akutklinik nach einem Schlaganfall verlassen. Zuerst sollte man sich einen Hausarzt oder eine Hausärztin suchen, der bzw. Wichtig für Ihre Begleitung ist auch der Facharzt oder die Fachärztin für Neurologie oder physikalische Medizin. Unter Umständen sind es auch die InternistInnen, welche die Risikofaktoren weiter begleiten und die Schlaganfall-Ambulanzen, die in der Regel ein Nachsorgeprogramm anbieten.
Über diese Frage wurde schon viel nachgedacht und geforscht. Es ist wichtig zu wissen, wann eine Spastik entsteht und wann nicht. Der wichtigste Faktor ist der Grad der Lähmung. Je höher der Grad der Lähmung bei einer zentralen Lähmung, der Schädigung des Nervensystems, Gehirns oder Rückenmarks ist, desto wahrscheinlicher entwickelt sich eine Spastik. Es ist auch davon abhängig, wo die Schädigung stattfindet. Ein weiterer wichtiger Faktor ist die gesamte Betroffenheit der PatientInnen. Wenn ein Mensch nach einem Schlaganfall in einem hohen Grad pflegebedürftig ist, entwickelt sich die Spastik wahrscheinlicher. Ein weiterer Faktor ist, ob die Sensibilität betroffen ist. Das wäre zum Beispiel ein gelähmter Arm, bei dem zusätzlich eine Sensibilitätsstörung vorliegt, sodass man diesen nicht mehr spürt.
Das Wichtigste nach einem Schlaganfall ist viel Bewegung. Es ist jedoch so, dass sich die Spastizität aufgrund der Größe der Schädigung entwickelt. Früher hat man bei höhergradigen Lähmungen besonders auf die Lagerung geachtet, das ist auch jetzt noch wichtig. Es ist aber nicht die alleinige Maßnahme, sondern nur ein Puzzlestein. In der Physiotherapie wird darauf geachtet, dass keine Spastik-Muster eingeübt werden.
Der typische Verlauf der Spastik beginnt meist mit einem leicht erhöhten Muskeltonus, einer leicht erhöhten Muskelspannung, die im Verlauf der Monate zunimmt. In diesem Moment erleiden die meisten PatientInnen eine deutliche Einschränkung ihrer Lebensqualität und Bewegungsfreiheit. Folgt dann keine Behandlung, kann es zu Verwachsungen, Hautschäden und Schmerzen kommen. Die PatientInnen befinden sich dann oft, auch wenn sie nicht behandelt werden, in einer Pflegesituation, in der sie viel liegen. Es ist daher wichtig, dass Sie die Spastizität von Anfang an ärztlich begleiten und behandeln lassen, damit Sie mit Ihrer Spastizität das Maximum an Bewegung und Funktion im Alltag herausholen können. Sie können so vermeiden, dass bestimmte Folgeerscheinungen und Schmerzen auftreten.
Eine Spastizität muss behandelt und begleitet werden. Sie bildet sich dann eventuell leicht zurück, in dem Maße, wie die Willkürmotorik wiederkommt. Es gibt chirurgische Eingriffe, die den Muskel denervieren, also den Nerv vom Muskel trennen oder unterbrechen. Grundsätzlich ist die Spastizität etwas Häufiges, sodass jeder Arzt und jede Ärztin diese erkennen sollte und die richtigen Schritte einleiten wird. Abhängig vom Behandlungsziel sind weitere PartnerInnen die Fachärztinnen und Fachärzte für physikalische Medizin, die OrthopädenInnen und plastischen ChirurgenInnen.
Beim ärztlichen Gespräch ist es wichtig zu erzählen, ob schon früher einmal ein Schlaganfall oder eine Spastizität stattgefunden hat. Die Fragen, die möglicherweise gestellt werden, sind: “Wie fühlt sich Ihr Arm an? Ist die Muskelspannung in Ihrer Bewegung etwas, was Sie behindert oder Schmerzen produziert? Das sind Dinge, die die Ärzte und Ärztinnen wissen wollen, um mit Ihnen gemeinsam das Ziel der Spastik Behandlung herauszufinden und zu verfolgen. Wichtig ist auch die Frage: „Wie kommen Sie mit den Hilfsmitteln zurecht? Kommen Sie trotz der Spastizität in den Rollstuhl? Können Sie einen Gehstock oder eine Krücke halten? Können Sie einen Arm, ein Bein oder eine Hand in eine Schiene hineinbringen? Könnte das mit eine Behandlung vielleicht leichter geschehen? Übt ein Hilfsmittel aufgrund der Spastizität einen Druck aus, sodass Sie Schmerzen haben?
Um eine Spastik festzustellen, ist der neurologische Status, die neurologische Untersuchung am wichtigsten. Dabei werden Sie auf eine Arztliege gelegt und es wird der Spannungszustand der Muskulatur einzeln getestet. Die Spastik wird anhand des Widerstands, den die Ärzte bei dieser Testung spüren, graduiert. Anhand einer bestimmten Skala, beispielsweise der häufig verwendeten Ashworth-Skala, kann man sagen, dass es sich um eine zweitgradige oder drittgradige Spastizität handelt.
Als Patientin und Patient kann man vieles tun, um die Spastik positiv zu beeinflussen. Das Wichtigste ist die Bewegung, wenn möglich die aktive und die therapeutisch begleitete aktive Bewegung. Weitere Maßnahmen sind das konsequente Tragen von Schienen, beispielsweise in der Nacht, damit über längere Zeit keine Fehlstellungen eingenommen werden. Das Bewegen mit Hilfsmitteln spielt auch eine große Rolle und wenn notwendig und sinnvoll auch die medikamentöse Behandlung.
Beim Umgang mit den Einschränkungen ist es wichtig, dass Sie auf die vielen Menschen vertrauen, die sich mit dieser Erkrankung gut auskennen und deren Hilfe annehmen. Es können physikalische Behandlungen in physikalischen Instituten eine Rolle spielen. Die Angehörigen spielen nach einem Schlaganfall mit Spastizität eine wichtige Rolle für die Patientinnen und Patienten. Sie leisten im Alltag oft an vielen Stellen kleinere oder größere Hilfestellungen. Manchmal können SchlaganfallpatientInnen aufgrund einer Aphasie nicht mehr sprechen. Dann ist es wichtig, dass die Angehörigen zu Arztterminen mitgehen und berichten, wie der Alltag abläuft und ob die PatientInnen die Medikamente gut vertragen. Die ÄrztInnen wollen von den Angehörigen oft auch wissen, wie der Alltag funktioniert, gerade wenn Sprachschwierigkeiten bestehen und die PatientInnen sich nicht gut ausdrücken können. Es kann sein, dass die Angehörigen auch gebeten werden zu helfen, beispielsweise bei der körperlichen Untersuchung, einer Spastik Behandlung oder dem Transfer aus dem Rollstuhl zum Bett.
Wenn sich erkrankte Personen immer mehr zurückziehen, kann das daran liegen, dass sie eine reaktive Depression, eine Verstimmung entwickeln. In solchen Fällen ist es wichtig, dass Freunde und Angehörige auf die PatientInnen zugehen und an alte Interessen anknüpfen. Das können beispielsweise die Musik oder gemeinschaftliche Aktivitäten sein. Wichtig ist bei diesen PatientInnen auch die ärztliche Begleitung. Die Spastik entwickelt sich oft schleichend. Viele TherapeutInnen sagen auch von sich aus, dass ein Arzttermin notwendig ist, um die Spastik zu behandeln.
Risikofaktoren und Prävention eines Schlaganfalls
Um einem Schlaganfall vorzubeugen, ist es wichtig, die Risikofaktoren zu kennen und zu minimieren.
Bluthochdruck
Bluthochdruck gehört zu den größten Gefahren für die Entwicklung einer Arteriosklerose (Gefäßverkalkung). Die verengten und oft entzündeten Gefäße sind ein bedeutender Risikofaktor für die Entstehung von Blutgerinnseln. „Bei einem Bluthochdruck kann die Senkung des oberen Wertes um nur 10 mmHg das Schlaganfall-Risiko bereits um die enorme Zahl von fast 40 Prozent verringern“, erklärt Prof. Dr. med. Joachim Röther. Regelmäßige Blutdruckmessungen sind daher unerlässlich.
Herzerkrankungen
Ein krankes Herz erhöht das Schlaganfall-Risiko. Herzerkrankungen, insbesondere Vorhofflimmern und bestimmte Herzklappenerkrankungen, zählen zu den häufigsten Schlaganfall-Ursachen. Die Einnahme von Gerinnungshemmern (Blutverdünnern) gehört zu den wichtigsten Therapiemaßnahmen bei Vorhofflimmern und Herzklappenerkrankungen.
Weitere Risikofaktoren
Diabetes mellitus, Bewegungsmangel, Rauchen, starkes Übergewicht und ungünstige Cholesterinspiegel sind weitere Einflussgrößen, welche die Gefahr für Schlaganfälle und Herzinfarkte erhöhen. Ein gesunder Lebensstil mit ausgewogener Ernährung, ausreichend Bewegung und dem Verzicht auf Nikotin kann diese Risikofaktoren reduzieren.
Schlaganfall-Warnzeichen
Es ist wichtig, Schlaganfall-Warnzeichen richtig zu deuten. Einem Schlaganfall gehen oft Vorboten voraus, die Stunden, Tage oder Wochen vor dem Hirninfarkt auftreten können. Meist handelt es sich um fast die gleichen Symptome wie bei einem Schlaganfall. Anders als bei einem „echten“ Schlaganfall verschwinden die Beschwerden nach kurzer Zeit jedoch wieder. Mediziner nennen diese Schlaganfall-Vorboten „Transitorische Ischämische Attacke“, kurz TIA. Tritt auch nur eines der genannten Schlaganfall-Warnzeichen auf, sollte sofort der Notruf unter 112 gewählt und der Verdacht auf einen Schlaganfall geäußert werden.
Was tun im Notfall?
Bei einem akuten Schlaganfall zählt jede Minute. Es gilt: ‚Time is Brain‘, also ‚Zeit ist Gehirn‘. Viele Menschen begehen den Fehler, dass sie erst einmal abwarten, ob die Probleme von alleine wieder verschwinden. Bei einem Notfall in der Nacht warten sie bis zum nächsten Morgen oder am Wochenende bis zum Montag.
Die wichtigsten Maßnahmen bei Verdacht auf einen Schlaganfall sind:
- Sofort den Notruf 112 wählen.
- Den Betroffenen beruhigen und nicht alleine lassen.
- Darauf achten, dass der Betroffene nicht stürzt, falls er eine Gangstörung hat.
Die Rolle der Stroke Units
Die Erstversorgung in einer Stroke Unit ist essentiell. In Deutschland wird heutzutage auch der Großteil der Schlaganfall-Patienten auf solchen Stroke Units behandelt. Über die letzten Jahre hat sich auf diesem Gebiet eine Behandlungsexpertise entwickelt, so dass Schlaganfälle in solchen Einheiten besser behandelt werden als zum Beispiel in Krankenhäusern, die das nicht vorhalten oder in anderen Abteilungen oder internistischen Kliniken. In Stroke Units ist die diagnostische und therapeutische Expertise sehr hoch und daher können die Experten einschätzen, ob im individuellen Fall zum Beispiel eine Spezialtherapie möglich und nötig ist wie beispielweise eine Lyse-Therapie oder eine katheterbasierte sogenannte Thrombektomie. Auf diesen Stroke Units wird nicht nur die Akuttherapie gestartet, sondern es erfolgt in den folgenden Tagen auch ein Herz-Kreislauf-Monitoring. Nach der Akuttherapie wird der Fokus auf die Ursachenforschung des Schlaganfalls gelegt.
Therapiechancen und Rehabilitation
Im Bereich der Thrombektomie gibt es tatsächlich Heilungserfolge, die an Wunderheilung grenzen kann: Es gibt Fälle, in denen der Patient mit einer schwerstgradigen Lähmung in die Klinik kommt und bei Entlassung eine Woche später keinerlei Einschränkungen mehr hat - sofern er nach dem Schlaganfall schnell in die Klinik gebracht wurde. Das ist gar nicht mal so selten und natürlich ein riesiger Erfolg der medizinischen Therapie.
Die Folgen eines Schlaganfalls hängen immer von Art und Ausmaß des Schlaganfalls ab. Die stärksten Beeinträchtigungen nach einem Schlaganfall resultieren aus schwerwiegenden Lähmungen und Sprachstörungen. Und natürlich gibt es weitere Symptome, die nicht unbedingt etwas mit der initialen Schlaganfall-Symptomatik zu tun haben, die sich aber im Verlauf des Schlaganfalls entwickeln können und gar nicht mal selten sind.
Um Langzeitschäden so gering wie möglich zu halten, sollte möglichst schon in den ersten Tagen in der Klinik mit Reha-Maßnahmen begonnen werden. Häufig treten zum Beispiel gefährliche Schluckstörungen auf, die in der Frühphase erkannt und behandelt werden müssen. Nach der Akuttherapie in der Klinik haben Betroffene in der Regel Anspruch auf eine Anschlussbehandlung.
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