Schlaganfallrisikofaktoren nach Carotis OP: Eine umfassende Betrachtung

Die Carotisstenose, eine Verengung der Halsschlagader, ist eine bedeutende Ursache für Schlaganfälle. Jährlich erleiden in Deutschland etwa 270.000 Menschen einen Schlaganfall, wobei ein erheblicher Teil auf Durchblutungsstörungen infolge einer Carotisstenose zurückzuführen ist. Die operative Behandlung, insbesondere die Carotisendarteriektomie (CEA), spielt eine zentrale Rolle bei der Prävention von Schlaganfällen bei Patienten mit Carotisstenosen.

Indikationen für operative Therapie

Die operative Therapie mittels Carotisendarteriektomie (CEA) ist indiziert bei:

  • Asymptomatischen Carotisstenosen > 60 % mit hohem Embolierisiko
  • Symptomatischen Stenosen der A. carotis
  • Patienten mit einer Lebenserwartung von mehr als 5 Jahren
  • Erhöhtem Operationsrisiko (z. B. kontralateraler Parese des N. laryngeus recurrens, schwierigen anatomischen Verhältnissen)

Dabei sollte die periprozedurale Schlaganfall- oder Todesrate weniger als 3 % betragen. Die aktuellen ESC-Leitlinien sind zurückhaltender geworden im Vergleich zu den vorangegangenen Empfehlungen von 2011 hinsichtlich der Revaskularisation bei Patienten mit asymptomatischen Carotisstenosen (60-99 % Stenose). Idealerweise sollte die Operation innerhalb von 14 Tagen nach dem letzten ischämischen Ereignis erfolgen.

Carotis-Stenting als Alternative

Eine Langzeitstudie (10 Jahre) hat gezeigt, dass das Carotis-Stenting (CAS), bei dem ein Stent in die Carotis implantiert wird, bei Patienten mit einer symptomatischen Carotisstenose diese ebenso gut vor einem späteren Schlaganfall schützen kann wie die klassische Carotis-Thrombendarteriektomie (CEA). Die 10-Jahres-Follow-up der CREST-Studie zeigte bei Patienten mit Carotisstenose keinen Unterschied zwischen Stent und Thrombendarteriektomie (TEA), wobei der primäre Endpunkt Apoplex (Schlaganfall), Myokardinfarkt (Herzinfarkt) und Tod jeglicher Ursache waren.

Risikofaktoren und Komplikationen nach Carotis OP

Trotz der Wirksamkeit der operativen Therapie und des Carotis-Stentings ist es wichtig, die potenziellen Risikofaktoren und Komplikationen nach einem solchen Eingriff zu berücksichtigen.

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Mortalität

Nach CEA oder CAS liegt die Mortalität (Sterberate) innerhalb des ersten Jahres zwischen 2-5 %. Möglicherweise erklärt ein hohes Durchschnittsalter und die damit verbundenen Begleiterkrankungen die schlechte Prognose.

Neurologische Komplikationen

Eine gefürchtete, wenn auch selten vorkommende, postoperative Komplikation ist die Schädigung des N. hypoglossus (Zungennerv) oder N. laryngeus recurrens.

Embolisation

Auch die Karotis-PTA ist nicht ohne Risiken; sie beziehen sich vor allem auf die Embolisation der Plaques, die bis zu 80 Prozent der Patienten betreffen kann - und dies sogar bei Verwendung von Protektionsfiltern.

Patientenfaktoren

Patienten mit insuffizientem Kollateralkreislauf haben ein erhöhtes operationsbedingtes Risiko.

Bedeutung der Zweitmeinung

GKV-Versicherte haben ab Herbst 2025 vor Carotisstenose-Eingriffen einen Anspruch auf eine ärztliche Zweitmeinung.

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Ursachen und Diagnose der Carotisstenose

Die häufigste Ursache einer Verengung der Halsschlagader (Carotisstenose) ist die Arteriosklerose. Risikofaktoren sind Bluthochdruck, Rauchen, höheres Lebensalter oder Erhöhungen der Blutfettwerte. Carotisstenosen verursachen in der Regel lange Zeit keine Symptome. Sie äußern sich häufig durch kurzzeitige Durchblutungsstörungen der Augen, Schwindel oder Gleichgewichtsstörung. Ebenso können kurzzeitige Bewegungs- und Gefühlsstörungen in Armen oder Beinen auftreten.

Bei circa 1% der Gesamtbevölkerung besteht eine Verengung der Halsschlagader. Bei über 60 jährigen ist das Vorkommen deutlich häufiger. Es besteht ein jährliches Risiko von 1-2% für die Entwicklung eines Schalganfalls sollte eine asymptomatische Verengung bestehen. Bei symptomatischen Verengungen besteht ein Risiko einen Rezidivschlaganfall zu erleiden von ca. 15%. Das Risiko ist am höchsten in den ersten Tagen nach Erstereignis. Es wird geschätzt, dass mehr als 30000 Carotis-assozierte Schlaganfälle pro Jahr in Deutschland auftreten. Die Schlaganfälle führen häufig zu nicht reversiblen Behinderungen. Häufig werden Carotis-Stenosen im Rahmen einer Ultraschall-untersuchung (Duplexsonografie) der Halsgefäße festgestellt. In diesem Falle spricht man von asymptomatischen Carotisstenosen, da die Verengung noch zu keinen Symptomen geführt hat. Im Rahmen der Duplexsonografie kann das Ausmaß der Stenosierung genau ausgemessen und kontrolliert werden. Bestehen hochgradige Stenosen oder eine Zunahme der Stenosierung über die Zeit, kann nach ausführlicher Risikoabwägung eine präventive Stenosebeseitigung (OP oder Stent) sinnvoll sein, um einen Schlaganfall zu vermeiden.

Wenn Symptome auftreten, die durch eine Carotisstenose erklärt werden können, spricht man von einer symptomatischen Carotisstenose. Vorboten oder Warnsymptome sind zum Beispiel eine zeitweilige Schwäche oder Missempfindungen einer Körperseite (transiente ischämische Attacke) oder eine vorrübergehende Erblindung eines Auges (Amaurosis fugax). Dauerhafte neurologische Schädigungen entstehen durch einen Schlaganfall mit Absterben von Hirngewebe (z.B. Halbseitenlähmung). In aller Regel werden symptomatische Carotisstenosen im Akutstadium vom Neurologen diagnostiziert und führen zur Aufnahme und Therapie auf einer Schlaganfall-Station („stroke unit“) der Klinik für Neurologie. Symptomatische Carotisstenosen sollten fast immer durch einen Eingriff beseitigt werden. Zur genauen Risikoabwägung und besseren Planung des Eingriffs sowie zur Abschätzung des Gehirnschadens werden zusätzliche Bilder mit der Computertomografie und/oder der Magnetresonanztomografie angefertigt.

Verfahren zur Beseitigung einer Carotisstenose

Nachdem alle Befunde vorliegen, wird die Notwendigkeit und Art einer Intervention in einer Spezialkonferenz für Carotiserkrankungen („Carotis-Board“) im interdisziplinären Ansatz besprochen. An der Konferenz nehmen alle behandelnden Fachdisziplinen teil (Neurologie, Neuroradiologie, Angiologie, Gefäßchirurgie). Die Therapieempfehlung wird dann mit Ihnen und Ihren Angehörigen gemeinsam besprochen. Bei symptomatischen Carotisstenosen sollten nicht mehr als 14 Tage zwischen dem Symptom-Ereignis und der Therapie liegen, um optimale Ergebnisse zu erzielen. Bei sich verschlechternder neurologischer Symptomatik auf der Schlaganfallstation muss manchmal auch im Notfall operiert werden.

Prinzipiell stehen zwei Verfahren zur Sanierung einer Carotis-Stenose zur Verfügung:

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  1. Operativ durch Freilegung der Arterie und Ausräumung der Stenose
  2. Endovaskulär mit Katheter und Stentangioplastie

Ob eher der Stent oder die Operation das sichere und auf lange Frist erfolgsversprechende Verfahren ist, muss individuell abgewogen und ausführlich besprochen werden. Vereinfachend kann man sagen, dass die aktuelle Datenlage der Operation (vor allem bezüglich der durch den Eingriff bedingten Schlaganfälle) den Vorzug vor dem Stent gibt, bei bestimmten Patienten kann jedoch auch die Stentangioplastie die Therapie der Wahl sein. Wann immer möglich führen wir die Operation an der Halsschlagader in regionaler Betäubung (Regionalanästhesie, am wachen Patienten) durch. Ohne dass der Patient Schmerzen verspürt bleibt es so möglich, die Funktion des Gehirns über die gesamte Operationsdauer und unmittelbar danach zu überprüfen. Sollte eine Vollnarkose notwendig sein, benutzen wir technische Geräte zur neurologischen Überwachung (z.B. somatisch evozierte Potenziale, SEPs). Die Qualität der Gefäßrekonstruktion wird auf dem Operationstisch mit einer Kontrastmitteldarstellung (Angiografie) des OP-Gebietes und der Hirngefäße gesichert. Das genaue Operationsausmaß muss anhand des individuellen Befundes angepasst werden.

Lokalanästhesie vs. Vollnarkose

Der Eingriff, für den nur ein kleiner Schnitt am Hals notwendig ist, sollte zudem bevorzugt in Lokalanästhesie vorgenommen werden. Unter Lokalanästhesie besteht ein deutlich geringeres Operationsrisiko als unter Vollnarkose. Kürzlich veröffentlichte Daten zeigen, dass sich durch den Verzicht auf die Vollnarkose das Behandlungsrisiko mehr als halbieren lässt; umgerechnet auf Deutschland ließen sich dadurch jährlich rund 100 schwere Operationszwischenfälle wie Schlaganfall oder Tod vermeiden. Während der Lokalanästhesie, einer Art Nervenblockade am Hals, bleibt der Patient wach und ansprechbar. So können wir einen drohenden Schlaganfall früher erkennen und behandeln, auch die Blutdrucküberwachung ist einfacher.

Prävention und Nachsorge

Eine sorgsame Prophylaxe ist entscheidend, insbesondere bei Vorliegen von Risikofaktoren. Verkalkte und verengte Gefäße bringen ein erhöhtes Schlaganfallrisiko mit sich. Meist ist die vordere Halsschlagader betroffen, was man Carotisstenose nennt. Doch diese lässt sich gut behandeln - und man kann vorsorgen.

Risikofaktoren minimieren

Dagegen senken eine ausgewogene Ernährung, ausreichende Bewegung, Nikotinverzicht und eine gute Kontrolle von Blutzucker, Blutfettwerten und Blutdruck das Stenoserisiko. Diese Empfehlungen gelten auch, wenn bereits eine Carotisstenose diagnostiziert wurde. Zusätzlich sollte jedoch niedrigdosiertes Aspirin zur Vermeidung von Blutgerinnseln eingenommen werden.

Regelmäßige Kontrolluntersuchungen

Nach einer Halsschlagaderoperation muss der Patient keine zusätzlichen Medikamente einnehmen, die er nicht ohnehin schon aufgrund bestehender Grunderkrankungen wie Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörung oder Herzrhythmusstörungen einnehmen muss. Regelmäßig sollte er sich in jedem Fall die Halsschlagadern kontrollieren lassen. Natürlich mit Ultraschall! Die Deutsche Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin empfiehlt ein jährliches Ultraschall-Screening der Halsschlagader ab dem 65. Lebensjahr, wenn Risikofaktoren vorliegen.

Aktuelle Leitlinien und Empfehlungen

Die neue Experten-Leitlinie zur Carotisstenose aus dem Februar dieses Jahres empfiehlt, dass bei einem Menschen mit Symptomen einer Durchblutungsstörung des Gehirns und gleichseitiger Halsschlagaderverengung von mehr als 50 Prozent, eine Operation der Halsschlagader durchgeführt werden sollte, um einem drohenden Schlaganfall vorzubeugen.

Bedeutung der Expertise des Gefäßchirurgen

Für die Operation an der Halsschlagader gilt: Sie gehört zu den wissenschaftlich bestuntersuchten Eingriffen und ist sicher, sofern der Gefäßchirurg über entsprechende Expertise verfügt. Die Komplikationsrate des Chirurgen darf bei Vorliegen einer symptomatischen Verengung maximal vier Prozent betragen. Es ist gesetzlich vorgeschrieben, die Ergebnisse der Carotisoperationen zu melden. Sie werden in jährlichen Qualitätsberichten angegeben. Patienten können sich bei ihrem Gefäßchirurgen danach erkundigen.

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